Aktueller Beitrag

Aktuelles – kurz berichtet

Pneumologie – Intensivmedizin

COPD: Kortikoid-Therapie verkürzt Beatmungsdauer

Akute Exazerbationen einer COPD erfordern den Einsatz systemischer Kortikoide. Aus Angst vor Nebenwirkungen wurde eine solche Behandlung bei beatmeten und/oder intensivmedizinisch betreuten Patienten bisher häufig nicht angewendet, weshalb sie auch nicht für entsprechende Studien zur Verfügung standen. J. Alía et al. haben nun die Effektivität und die Sicherheit einer Kortikoid-Behandlung in dieser Patientengruppe untersucht.
Arch Intern Med 2011; 171: 1939–1946

Für die Placebo-kontrollierte doppelblinde Multizenterstudie wurden zwischen Juli 2005 und Juli 2009 insgesamt 83 von 354 Intensivpatienten randomisiert, die wegen einer akuten COPD-Exazerbation auf der Intensivstation beatmet werden mussten. Alle Patienten, die unmittelbar vor der Aufnahme in die Klinik systemische Kortikoide erhalten hatten, nahmen nicht teil. Die Patienten erhielten entweder 0,5 mg/kg Methylprednisolon (zunächst 3 Tage lang alle 6 Stunden, dann 3 Tage lang alle 12 Stunden und danach 3 Tage lang alle 24 Stunden) oder Placebo.

Primäre Endpunkte waren die Dauer der Beatmung (ohne Intubation), die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation sowie die Notwendigkeit einer nachträglichen Intubation nach mechanischer (Masken-) Beatmung. Die Dauer des Klinikaufenthaltes und die Mortalität während der Zeit auf der Intensivstation galten als sekundäre Endpunkte.

Durch die Kortikoid-Behandlung verringerte sich nicht nur die Dauer der Beatmung signifikant von 4 auf 3 Tage (p = 0,04); auch die Zeit, welche die Patienten auf der Intensivstation verbringen
mussten, reduzierte sich von 7 auf 6 Tage (p = 0,09). Außerdem mussten die beatmeten Patienten signifikant seltener zur Beatmung nachträglich intubiert werden. Ein Nachteil der Kortikoid-Behandlung
war das im Vergleich zur Placebo-Gruppe doppelt so hohe Risiko einer behandlungsbedürftigen Hyperglykämie.

Fazit

Werden COPD-Patienten, die aufgrund einer Exazerbation ihrer Erkrankung beatmet werden müssen, mit systemischen Kortikoiden behandelt, verkürzt sich nicht nur die Dauer der erforderlichen
Beatmung, so die Autoren. Bei diesen Patienten sei auch eine nachträgliche Intubation signifikant seltener erforderlich.

Kommentar zur Studie

Am Beispiel der Untersuchung von Alía et al. wird an Patienten mit einer schweren Erkrankung ein Problem klinischer Untersuchungen ersichtlich: Es wird bei Medikamenten, die sich im klinischen Alltag an „normalen“ Patienten bewährt haben, automatisch unterstellt, dass diese Präparate in ähnlicher Weise auch bei intensivmedizinisch betreuten Patienten wirken. Viele Intensivpatienten mit COPD-Exazerbationen erhalten deshalb – trotz (noch) ausstehender Studiendaten zur Wirksamkeit dieser Therapie – systemische Kortikoide. Alía et al. konnten weitaus weniger Patienten für ihre Studie rekrutieren als ursprünglich geplant, da eine solche Vorbehandlung Ausschluss-Kriterium für die Studienteilnahme war.
Arch Intern Med 2011; 171: 1946–1947

Dr. med. Barbara Weitz, München

Aktuelle Ausgabe
5 | 2012

Klinischer Fortschritt 1/2012

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