Aktuelle Urologie - Referiert und kommentiert

Erhöhtes Risiko für Männer

Dr. Hildegard Kienzle-Pfeilsticker, Stuttgart

Alkohol in größeren Mengen ist Gift. Aber ist er auch für Blasenkrebs verantwortlich? Und gibt es Unterschiede in der Schädlichkeit der verschiedenen alkoholischen Getränke wie Bier, Wein, Likör und Schnaps? Studien hatten bereits ein etwas höheres Risiko für Männer, die Alkohol trinken, ermittelt. Keine Antworten aber gab es bisher auf die Frage nach der Sorte des alkoholischen Getränks.

Eine Auswertung von Daten der Niederländischen Kohorten-Studie ist aufschlussreich (Am J Epidemiol 2001; 153: 38–41). Insgesamt lagen 1986 etwa 120 000 beantwortete Fragebogen niederländischer Einwohner im Alter von 55–69 Jahren vor. Von den Befragten erkrankten im Laufe der nächsten 6 Jahre 594 an Blasenkrebs. Ihre Lebensgewohnheiten wurden verglichen mit einer Sub-Kohorte von 3170 Holländern, die nicht erkrankten. Einbezogen in die Auswertung der Daten wurde die Menge an konsumiertem Bier, Schnaps und Wein, worunter roter und weißer Wein, Sherry, andere aus Wein hergestellte Getränke und Liköre zusammengefasst wurden. Weitere mögliche Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Kaffeekonsum, Flüssigkeitsaufnahme, Obst- und Gemüseverzehr, Gefahrstoffe aus der Umwelt und familiäre Häufung wurden ebenfalls berücksichtigt. In multivariablen Analysen korrigierten die Epidemiologen Einflüsse durch Alter und Rauchen.

Männer und Frauen reagieren unterschiedlich

Verglichen mit Abstinenzlern lag das relative Risiko für Männer, die weniger als 5, zwischen 5 und 15, 15 und 30 und mehr als 30 Gramm Alkohol am Tag tranken, durchweg höher und zwar bei 1,49, 1,52, 1,16 und 1,63. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Menge und Risiko war nicht zu erkennen. Dasselbe gilt, wenn man nach Art des Getränks aufschlüsselt. Das höchste Risiko scheinen Schnäpse zu bergen, die in Mengen von mehr als 30 Gramm am Tag zu einem um den Faktor 2,48 (alterskorrigiert) bzw. 1,94 (korrigiert nach Alter und Rauchen) höheren Risiko führen. Frauen dürfen aufatmen: Kein erhöhtes Risiko durch Alkoholgenuss war zu erkennen, eher nahm es etwas ab. Betont werden muss aber, dass fast alle Daten nicht signifikant waren. Sie fügten sich aber nahtlos in eine Meta-Analyse neueren Datums ein.

Die statistische Auswertung von Daten aus der niederländischen Kohorten-Studie bestätigt frühere Beobachtungen, dass wahrscheinlich ein generell leicht erhöhtes Risiko für Blasenkrebs bei Männern besteht, unabhängig vom konsumierten Getränk. Obwohl Zusammenhänge mit der Menge nicht sicher zu erkennen sind, scheint Schnaps in größeren Mengen am meisten zu schaden. Frauen bleiben, zumindest beim Blasenkrebs, außen vor.