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Ärzte sind wie andere Menschen
fzm -
Das Problem des Sponsoring im Gesundheitsbereich wird treffend charakterisiert durch einen Satz von Asmus Finzen (Basel): "Wir sind nicht bestechlich, natürlich nicht – dazu braucht es mehr als einen Kugelschreiber." Die Pharmaindustrie, die jährlich weltweit über 500 Milliarden Dollar umsetzt, sieht die Ärzte als Gate Keeper der Arzneiverordnung. Sie sponsert beispielsweise auch Fortbildungsveranstaltungen der ärztlichen Fachgesellschaften. Es wäre naiv zu glauben, dass das allgegenwärtige Sponsoring zu einer unabhängigen Meinungsbildung der Ärzte beiträgt. An anderer Stelle dieser Pro- und Kontra-Darstellung in der Zeitschrift "Psychiatrische Praxis" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007) wird konstatiert: "Jede Beeinträchtigung dieser Unabhängigkeit behindert zwangsläufig den medizinischen Fortschritt".Bei der klinischen Prüfung von Medikamenten liegen die Dinge etwas anders, da es sich dabei um Auftragsforschung handelt, die natürlich vom Auftraggeber (sprich Pharmaindustrie) bezahlt werden muss. Es steht außer Frage, dass die Arzneimittelforschung – wenn sie denn innovativ ist – den medizinischen Fortschritt fördert. Weil es um so viel Geld geht, dient solche Forschung aber allzu häufig vorrangig dem Ziel, den Patentschutz zu verlängern, ohne dass die Kranken davon profitieren. Zugleich stellen die Arzneimittelhersteller fast immer jede Forschung und Förderung bewährter Medikamente ein, sobald die ersten Generika auf den Markt kommen. Der Pro-Kommentar schließt mit der Feststellung, dass in diesem sensiblen Bereich das Ziel der Gewinnmaximierung zwangsläufig mit dem Ziel des medizinischen Fortschritts konkurriert.Sofern es sich um eine angemessene Vergütung der durch die klinische Prüfung erbrachten Leistungen handelt, kann von einem Sponsoring nicht die Rede sein. Um die Aufmerksamkeit für potenziell verzerrte Informationen zu schärfen, sind bei jedem Prüfungsbericht und bei jeder Veröffentlichung mögliche Interessenkonflikte darzulegen. Um zumindest einer "publication bias" vorzubeugen, ist die verpflichtende Registrierung in öffentlich zugänglichen Studienregistern vorgesehen, in Europa aber noch nicht umgesetzt. Den Zulassungsbehörden sind alle Studien anzuzeigen. Die formale und inhaltliche Qualität der den Zulassungsbehörden zugänglichen Information übersteigt die Qualität von Publikationen, so dass beispielsweise methodische Schwächen von Studien zugunsten eines Produktes, etwa Bias im Design, offenkundig werden. Wirksamster Schutz gegen verfälschte Erkenntnis und Betrug bleibt am Ende die mit den Richtlinien der Zulassungsbehörden konforme und überwachte Durchführung und Auswertung der Studien – und die Kritikfähigkeit der Leser (oder Zuhörer). Insofern gilt, wie der Titel formuliert "Ärzte sind wie andere Menschen", was Bernhard Shaw schon vor 100 Jahren festgestellt hat.A. Finzen, J. Fritze: Behindert Sponsoring den Erkenntnisprozess in der Medizin? Pro und Kontra.Psychiatrische Praxis 2007; 34 (4): S. 162-164.
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