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Die zehn Künstler und "ihr" Netter-Atlas

Art Director Reinhard Hauff



Peter Halley

Marc Francis

Rosemarie Trockel
 

Matt Mullican

Stephen Willats

Lawrence Weiner
 

Thomas Locher

Thomas Grünfeld

Mark Dion

Andres Serrano

Buchillustrationen und Einbandentwürfe von Künstlerhand sind keine Seltenheit. Die Gestaltung einer streng wissenschaftlichen Reihe, bei der jedes Cover von einem anderen Künstler entworfen wird, ist jedoch weltweit einmalig, sollte doch das Oeuvre aller eingeladenen Künstler in einem Zusammenhang mit dem von ihnen zu bearbeiteten Atlanten stehen.

Diese anspruchsvolle Ausgangssituation führte zunächst zu grundsätzlichen Überlegungen, inwiefern Sprache und Naturwissenschaft in der Kunst bearbeitet werden. Nicht minder interessant waren aber auch sehr viel abstraktere Gemeinsamkeiten, die in einem metaphorischen Bezug zwischen Kunst und Wissenschaft vermitteln würden, um sinnfällig die Themen der Bände künstlerisch zu interpretieren. So ergab sich die Auswahl der Künstler für "ihren" Band der Farbatlanten zum einen direkt aus ihrem künstlerischen Werk, zum anderen wies das Oevre einiger Künstler eher im übertragenen Sinne Gemeinsamkeiten mit den medizinischen Inhalten der Atlanten auf, mit denen sie sich auseinandersetzen sollten.

Kreislaufsysteme in der Gesellschaft sind beispielsweise ein grundlegendes Thema in Peter Halleys Malerei, so dass es rasch eine klare Entscheidung war, ihn für die Gestaltung des Band 1 "Herz" anzufragen.

Mark Francis Faszination für Wissenschaft und Naturgeschichte führte zu einer umfangreichen privaten Sammlung anatomischer Modelle und medizinischer Illustrationen. In seiner Malerei interessiert ihn der Mikrokosmos des Körperinneren, so war es nur konsequent ihn zu bitten, sich künstlerisch, anhand des Band 2 "Nieren und Harnwege" mit dem Kosmos der Mikrobiologie zu beschäftigen und "andere" Einblicke zu eröffnen.

Rosemarie Trockel setzte sich schon sehr früh mit der Rolle der Frau in Kunst und Gesellschaft auseinander. Sie war bereit, den einzigen Band, in dem das Geschlecht einen signifikanten Unterschied im Krankheitsbild macht, die "Genitalorgane", die in Band 3 ausführlich behandelt werden, zu gestalten.

Austausch von Energie als Symbol für Sprache, und Austausch von Energie als Symbol für Information und Kommunikation thematisierte Matt Mullican 1984 anhand einer Serie von Frottagen, die Orte menschlicher, technischer und intellektueller Energieübertragung repräsentierten. Für Technik stand beispielsweise das Bild eines Flughafens, für menschlichen Energieaustausch das Bild der Lunge. Da das Bild der Lunge auch in seinem gesamten Werk eine zentrale Stellung einimmmt, war seine Auswahl für Band 4 "Atmungssystem" offensichtlich.

Stephen Willats und Lawrence Wiener sind die Pioniere der Concept beziehungsweise Public Art. Die Untersuchung komplizierter gesellschaftlicher Beziehungs- und Vernetzungssysteme mit sozialpolitischem Hintergrund waren auch grundlegend für Ihre Entwürfe zu den beiden Bänden über das "Nervensystem".

Der intensive und gleichzeitig kritische Umgang mit Sprache, die Untersuchung ihrer Struktur und ihren Potenzialen, gaben den Anstoß, Thomas Locher für die Gestaltung eines Buches einzuladen. Ihn für Band 7 "Bewegungsapparat I; Anatomie" auszuwählen, hatte den Grund, ihn mit einem - ähnlich wie es die Buchstaben für die Sprache darstellen - begrenzten System zu konfrontieren - dem Skelett und seinen Knochen.

Ein viel diskutiertes Thema ist derzeit die Gentechnologie, so auch in der Arbeit von Thomas Grünfeld, der für die Gestaltung von Band 8 "Bewegungsapparat II" ausgewählt wurde, der angeborene, beziehungsweise vererbte Missbildungen thematisiert. So stehen Grünfelds "Misfits" sinnbildlich für vielleicht kommende Abgründe gentechnischen Fortschritts.

Der Ansatz in Mark Dions Arbeitsweise ist, sowohl was seine Vorgehensweise als auch die Thematik betrifft, mit der eines Naturwissenschaftlers vergleichbar. Im Ergebnis ist sie jedoch eine ironische wie kritische Betrachtung der Rolle des Menschen in Umwelt und Wissenschaft.

Andres Serranos Beitrag setzt den Schlusspunkt in zweierlei Hinsicht. Seine Fotografie für das Cover des Band 10 aus seiner Serie "The Morgue", zeigt ein durch Missbrauch getötetes Kind, das wir als Hinweis auf die oft gewalttätige Endlichkeit allen Seins, als auch auf die begrenzten Möglichkeiten der modernen Medizin verstehen können.

  Weitere Informationen erhalten Sie unter Interesse.


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