Mehr Praxis à la francais?
Miniumfrage 5/11
Via medici Redaktion
Der Berufsstart für Mediziner ist nicht einfach: plötzlich ist Arzt/Ärztin für bis zu 20 Patienten verantwortlich. Die Patienten müssen korrekt untersucht, betreut und Medikamente richtig verordnet werden. Viele junge Ärzte fühlen sich durch ihr Studium aber nicht ausreichend dafür vorbereitet. In Deutschland wird seit Jahren daran laboriert, die praktische Ausbildung der deutschen Medizinstudenten zu verbessern.
Übersicht
Doch welche Alternativen gibt es? Wer im Aachener Modellstudiengang studiert, hat z. B. schon ab dem dritten Semester Untersuchungskurse. Ab dem 8. Semester kommen dann die Blockpraktika, in denen die Studenten vier Tage in der Woche ein Semester lang eine Station besuchen. Doch ist das der Weisheit letzter Schluss? In Frankreich sind die Studenten deutlich enger in den Arbeitsalltag involviert. Ab dem 3. Jahr arbeiten sie halbtags als Externes auf einer Station mit, wo sie fixe Verantwortlichkeiten haben und dafür auch ein geringes Entgelt (ca. 200 /Monat) kassieren. Welches Modell finden Sie besser?

Viele junge Mediziner wünschen sich durch das Studium besser auf Ihren zukünftigen Job vorbereitet zu werden. Cartoon: Dr. D. Schmid
Wir fragten Sie:
| Würden Sie es begrüßen, wenn Sie im Interesse einer besseren praktischen Ausbildung wie in Frankreich regelmäßig und verpflichtend halbtags auf Station mitarbeiten müssten? |
| Ergebnisse der Miniumfrage 5/11 | hoch |
Würden Sie es begrüßen, wenn Sie im Interesse einer besseren praktischen Ausbildung wie in Frankreich regelmäßig und verpflichtend halbtags auf Station mitarbeiten müssten?
Eine überwältigende Mehrheit von 88% ist für mehr Praxis à la francais. Schließlich gelte für das Medizinstudium: Je praxisorientierter desto besser. Nur 11% finden den Praxisanteil so wie er jetzt ist ausreichend. Ihr Tenor: Man lernt auf Station sowieso nichts, da die Ärzte keine Zeit für die Lehre haben.
| Leserkommentare | hoch |
Ja, ich würde eine bessere praktische Ausbildung begrüßen:
Ich war selbst ein Jahr in Frankreich und kann das dortige System größtenteils gutheißen.
Für das Medizinstudium gilt generell: Je praxisorientierter, desto besser die Ausbildung. Deshalb ganz klar: Ja. Wobei eine Einbringung der persönlichen Interessen, sprich Auswahl der Fachklinik...etc. gegeben sein sollte.
Ich bin Krankenschwester und Medizinstudentin und habe zuviele junge Ärzte erlebt, die unvorbereitet und schlecht eingearbeitet waren. Das ist für unsere zukünftige Arbeit schlecht und unter Umständen für Patienten lebensgefährlich.
Ich würrde dieses Modell sehr begrüßen, da wir Studenten so den Klinikaltag besser und früher kennenlernen können.
Das wäre ganz, ganz wichtig...! Schließlich vermittelt die Uni nur fachliche Qualifikation. Persönlich/Soziale- wie auch praktische Qualifikation lernt man nur im Stationsalltag!
Ich mag auch das englische System. Anstatt alle Praxis ins PJ zu packen, gibt es dort in der Klinik erst Blockweise zu einem Thema eine Woche lang alle Vorlesungen und Seminare und dann drei bis vier Wochen Ganztagspraktikum (wie eine Famulatur) auf der entsprechenden Station.
Letztendlich lernt man durch praktische Tätigkeiten immer mehr, kann Zusammenhänge besser erkennen, Sachverhalte besser kombinieren und lernt so insgesamt viel zufriedenstellender als immer diese einzelnen theoretischen Fächer.
Es gibt wohl kaum Länder in denen die medizinische Ausbildung weniger Praxis umfasst, als in Deutschland. Dabei ist es doch ein praktischer Beruf.
Nein, das Studium beinhaltet genügend Praxis:
Man lernt auf station nicht wirklich was. Wenn mal ein paar Ärzte mehr Zeit für Lehre hätten und man die Patienten selbständig betreuen dürfte (unter Aufsicht natürlich), dann würde es etwas bringen. Famulaturen in Unikliniken lohnen sich nur in der Ambulanz oder der Chirurgie.
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