Medizinstudium
Bücher/Medien
Arzt im Beruf
![]() ![]() |
|
Infos | Länder | Infopakete | Weblogs | Reisemedizin | Entwicklungshilfe | Literatur | Bericht schreiben
| Auslandsforum
|
|
| Auf der Suche nach einem Famulaturplatz |
Meine Suche begann ich etwa vier Monate vor Famulaturbeginn. E-Mail-Adressen fand ich nach kurzer Internetrecherche schnell. Ich schrieb zunächst sowohl in Wien und Salzburg an die dortigen Universitätskliniken und erhielt von beiden Kliniken rasch Zusagen, im April jeweils für 15 Tage famulieren zu können. Leider gestaltete sich die vollständige Bewerbung in Wien relativ kompliziert, da es Probleme mit dem Dekanat meiner Universität gab.
Glücklicherweise hatte ich ja noch meine zweite Option in Salzburg. Hier lief alles deutlich einfacher. Ich musste lediglich meine Immatrikulationsbescheinigung einreichen, sowie meine Adresse und Geburtsdatum nennen.
| Auf nach Salzburg |
Nun ging es an die Suche einer geeigneten Unterkunft für etwa einen Monat. Leider gestaltete sich diese Suche deutlich schwieriger, da es keine Möglichkeit gab, als Studentin im Schwesternwohnheim unterzukommen. Fündig wurde ich dann im Internet auf einer Seite ähnlich der deutschen Wohnungsvermittlungsseite "WG-gesucht".
Eine nette Studentin vermietete mir für einen Monat (300€) ihr Zimmer im Studentenwohnheim. Dieses lag etwas außerhalb an der Salzburger Fachhochschule. Die S-Bahn-Anbindung war jedoch sehr gut (Preis für ein Wochenticket ca. 19€). Die Fahrt vom Wohnheim zum Klinikum dauerte etwa 20min. Und ich hatte einen unverstellten Blick von meinem Zimmer auf die Berge! Da zum Zeitpunkt meiner Famulatur noch Semesterferien in Österreich waren, hatte ich leider wenig Kontakt zu anderen Studenten, die auch im Wohnheim lebten.
Angereist bin ich sehr kostengünstig mit dem Bayern-Ticket der deutschen Bahn. In etwa zwei Stunden ist man vom Münchener Hauptbahnhof mit der Regionalbahn in Salzburg (das Ticket gilt bis Salzburg Hauptbahnhof). Am ersten Tag in der Klinik wurden ich und eine weitere Famulantin aus Österreich in der Morgenbesprechung freundlich von allen begrüßt und erhielten Arbeitskleidung, sowie eine Bescheinigung für ein tägliches kostenloses Mittagsmenü: Salat, Suppe, Hauptgericht und Nachtisch sowie stilles Mineralwasser.
| Arbeitsalltag |
Zu meinen Aufgaben gehörte es, morgens um halb acht mit den dortigen Turnusärzten (sie entsprechen in etwa unseren Assistenzärzten) auf den Stationen Blut abzunehmen und Infusionen anzuhängen. Irritierend war für mich zunächst, dass es noch komplett getrennte Frauen- und Männerstationen mit riesigen Sechsbettzimmern gab. Anschließend ging's zu Frühbesprechung.
Danach wahlweise in die Ambulanz, den OP oder auf Station. Ich verbrachte die meiste Zeit in der Ambulanz, da es für mich dort die meisten Dinge zu sehen gab. Dort stieß ich dann hin und wieder auch auf kleinere Spracheigenheiten der Salzburger: Man antwortet auf 90% der Sätze mit einem deutlichen "bassd". Auch Sprachschätze wie etwa 'Zivildiener' und 'Stiegenhaus' sind mir in bleibender Erinnerung geblieben.
In der Ambulanz gab es für mich vor allem viel zu Fragen und zu Sehen. Hin und wieder habe ich Patienten Blut abgenommen, Wunden gereinigt oder Verbände angelegt. Manchmal habe ich auch die erste Patientenanamnese gemacht und den Patienten dann dem behandelnden Arzt vorgestellt.
Mir wurde immer viel erklärt und ich musste keine Scheu davor haben, zu fragen. Hin und wieder wurde ich auch bezüglich primärer Hauteffloreszenzen abgefragt oder ich musste mein gesamtes Wissen zur Psoriasis-Therapie zusammenkratzen. Dabei hatte ich jedoch nie das Gefühl, systematisch geprüft zu werden.
Drei Vormittage verbrachte ich im OP. Dort habe ich vor allem der Entnahme von Hautstanzen, sowie der Entfernung von Melanomen und Basaliomen beigewohnt. Auch postoperative Patienten nach Verbrennungen, Tumorentfernungen und mit erblichen Hauterkrankungen bekam ich dort vor allem zu Gesicht. Besonders beeindruckt hat mich ein Patient mit einer sehr schweren Form der Ichthyose. Dieses Bild der völlig verhornten Haut werde ich wohl nie vergessen. Im OP durfte ich praktisch wenig machen. Allerdings wurde ich rasch noch einmal angeleitet, die Hautnaht an Attrappen (in diesem Fall: OP-Handschuhen) zu üben.
Ein bis zwei Mal pro Woche fand eine vom Chefarzt persönlich organisierte Weiterbildung in Form von Referaten statt. Jeder neue Famulant und alle Turnusärzte müssen einen Vortrag anhand eines Patientenbeispiels halten. Man muss eine Patientenanamnese erheben, alle diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen vorstellen, sowie einen theoretischen Überblick über das Krankheitsbild geben. Im Anschluss wurde über den Vortrag diskutiert und gegebenenfalls wichtige Ergänzungen durch den Chefarzt gemacht.
Mir wurde das Thema: "Hyposensibilisierung bei Insektenstichen" zugeteilt. Informationen für mein Referat fand ich in vorhandenen Lehrbüchern, Internet und alle bis dahin noch offenen Fragen wurden mir in einem Gespräch in der Allergieambulanz beantwortet. Glücklicherweise gestaltete sich der Vortrag selbst deutlich angenehmer als von mir befürchtet.
| Von Mozart bis Haydn |
An meinen freien Wochenenden und an dem ein oder anderen Nachmittag, an dem ich früher gehen durfte, erkundete ich die sehenswerte Altstadt. Besonders interessant war für mich der Besuch in Mozarts Geburtshaus. Dieses wurde mir von allen Salzburgern als das spannendere Objekt verglichen mit dem Wohnhaus der Familie Mozart empfohlen.
Besonders sehenswert ist auch der Park des Schloss Mirabell mit seinem bekannten Zwergerlgarten. Von dort aus gelangt man mittels einer Fußgängerbrücke, die über die Salzach führt, in die eigentliche Altstadt. Hier lässt es sich wunderbar durch die bekannte Einkaufsmeile Getreidegasse schlendern, wo man die berühmten schmiedeeisernen Hausschilder bewundern kann. Wirklich empfehlenswert ist es, ab und an seitlich in die alten Innenhöfe und Seitengassen abzubiegen. Dort gibt es viele kleine Lokale und Kaffees zu entdecken, in welchen man die unbeschreiblich leckeren Strudel, Salzburger Nockerln und Mozartkugeln genießen kann. In unmittelbarer Nähe liegt auch der Residenzplatz. Es lohnt sich, einen Blick in den danebenliegenden barocken Dom zu werfen, der als einer der monumentalsten überhaupt gilt.
Ansonsten stieg ich einmal den Berg hinauf zur Festung Hohensalzburg. Alternativ ist es möglich, auch bequem mit der Festungsbahn hinaufzufahren. Sie war jedoch zum Zeitpunkt meines Aufenthaltes nicht in Betrieb. Von dort oben hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt selbst und das gesamte Salzburger Umland. Besucher können dort auch mit der Eintrittskarte für die Besichtigung der Festung die Fürstenzimmer, den berühmten Salzburger Stier (eine Freiorgel), das Festungsmuseum (hier werden verschiedene Waffen, Folterinstrumente und mittelalterliche Kunst gezeigt), sowie ein Marionettenmuseum anschauen. Einen Besuch am wunderschönen Petersfriedhof kann ich jedem Tourist in Salzburg besonders ans Herz legen: Er liegt romantisch im Schatten unterhalb des Mönchsbergs und hat als Besonderheit in den Fels geschlagene Katakomben aus dem 3. bis 4. Jahrhundert zu bieten. Hier lohnt es sich wirklich, eine Führung zu machen. Begraben liegt hier neben Mozarts Schwester Nannerl, auch Michael Haydn.
Es lohnt sich auch, einmal am Ort der berühmten Salzburger Festspiele vorbei zu schlendern. Gleich in der Nähe liegt der Universitätsplatz, wo vor der Altstadtkulisse täglich von Montag bis Samstag der Grünmarkt stattfindet. Hier bieten Bauern und Händler aus der Region ihre vielfältigen Waren feil und es lässt sich lecker schlemmen.
Mein persönlicher Geheimtipp ist ein Besuch im Haus der Natur. Dort kann man neben Dinosauriernachbildungen lebende Reptilien, seltene Insekten und zahlreiche Fische in Aquarien bestaunen. Mir hat es großen Spaß gemacht, verschiedene physikalischen Besonderheiten anhand von Modellen selbst auszuprobieren (Skisimulator, heißer Draht,…).
| Anschrift und Internetadressen |
Universitätsklinikum für Dermatologie
Landeskrankenhaus Salzburg
Müllner Hauptstraße 48
A - 5020 Salzburg
Tel.: +43 (0) 662 4482 - 3001
Fax : +43 (0) 662 4482 - 300
Vorstand: Prof. Dr. Helmut Hintner , an ihn habe ich auch meine Bewerbung geschickt:
| Fazit |
Insgesamt kann ich nur sagen, dass ich bisher keine Famulatur hatte, in der es sich in so entspannter Atmosphäre hat lernen lassen. Die Österreicher sind in vielerlei Hinsicht gelassener und auch die wenig hierarchische Struktur innerhalb der Klinik empfand ich als sehr angenehm. Trotz des sehr kollegialen Verhältnisses habe ich in der Dermatologie noch einiges lernen können. Manchmal hätte ich mir jedoch gewünscht, doch noch das ein oder andere Praktische selbst machen zu dürfen.
Auch die Stadt Salzburg ist immer einen Besuch wert. Es gibt viel zu besichtigen und zu unternehmen. Bei einer längeren Famulatur lohnt es sich mit Sicherheit, auch in die umliegenden Wintersportgebiete zu fahren. Die sind besonders einfach mit der Bahn zu erreichen.
| Land auswählen | |
|
|
| Neue Auslandsberichte | |
|
| Via Newsletter | |
|