Anästhesie-Tertial in der Schweiz, Wil Sommer 2011
Kleines Haus mit guter Lehre
Saskia Seidel
Die Schweiz bietet nicht nur eine wunderschöne Landschaft, sondern auch eine gute Lehre in der Klinik. Wie Saskia Seidel ihr PJ-Tertial in dem ländlichen Örtchen Wil erlebte, und welche Vorteile die kleine Klinik bietet, schildert Sie in ihrem Erfahrungsbericht.
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Es ist kein Geheimnis mehr, dass man in der Schweiz sein PJ als Unterassistent mit einer bezahlten Stelle absolvieren kann. Auch werden fast alle Spitäler in der Schweiz von den Landesprüfungsämtern anerkannt. Die einzige Hürde ist, dass die Schweizer ihre Unterassistenten am liebsten zu Beginn eines Monats einstellen. Das kann mit dem strikt vorgegebenen Zeitrahmen der Landesprüfungsämter für jedes PJ Tertial kollidieren.
Wil ist eine kleine Stadt in der Ostschweiz. Sie liegt zwischen Zürich und St. Gallen. Die Stadt selbst ist sehr übersichtlich und bietet mit nur einem Club, einem Kino und ein paar wenigen Restaurants ein spärliches Freizeitprogramm. Es gibt jedoch auch zahlreiche Vorteile. Wil befindet sich in einem sehr schönen Landstrich. Vom Krankenhaus kann man direkt losjoggen und befindet sich nur 5 Minuten später in einem sehr schönen Wald. In einem Touristenbüro nahe dem Bahnhof gibt es außerdem kostenlose Wanderbroschüren mit zahlreichen Wanderrouten die direkt in Wil beginnen.
Auch das Spital in Wil bietet einige Vorteile gegenüber anderen Krankenhäusern in der Schweiz. Es handelt sich um ein kleines Krankenhaus mit etwa 80 Betten. Es gibt eine internistische, eine chirurgische und eine gynäkologische Abteilung mit mehreren Stationen. Mit einer kurzfristigen Bewerbung hat man noch gute Aussichten auf eine Zusage. Der Lohn ist im Vergleich zu den günstigen Preisen des Personalwohnheims doch sehr gut. Im Krankenhaus sind sehr viele junge, oft deutsche Ärzte beschäftigt, die den Studenten gern etwas beibringen. Besonders auf der Inneren Station sind die Ärzte sehr bemüht und viele Unterassistenten unterschreiben dort Arbeitsverträge nach Beendigung des PJs.
In der Anästhesie ist man als Unterassistent allein. Die Ärzte sind jedoch sehr offen und erklären einem viel. An praktischen Fähigkeiten erlernt man eine eigenständige Einleitung der Narkose, Intubation, Narkoseführung, Narkosevorgespräche und das Durchführen von Teilnarkosen wie zum Beispiel Spinalanästhesien und Plexusanästhesien. Der einzige Nachteil der Anästhesie dort ist, dass es keine Intensivstation gibt. Ein großer Vorteil ist dafür, dass man auch an Rotationsdiensten auf der Rettungsstelle oder in der OP-Assistenz teilnimmt. Bei vielen Operationen, teilweise auch gynäkologischen Operationen kann man als erste Assistenz des Operateurs tätig werden.
Als Ausgleich für diese sogenannten Pikettdienste kann man sich freie Tage zwischendurch oder am Ende gesammelt nehmen. Zusätzlich erhält man für vier Monate PJ Zeit acht Urlaubstage. In der Rettungsstelle kann man ebenfalls unglaublich viel lernen. Von jeder Fachdisziplin können die Unterassistenten für ein oder zwei Wochen ganztägig auf die Rettungsstelle wechseln. Dadurch wird viel Abwechslung in den Stationsalltag gebracht. Denn schon nach einem Monat Famulatur hat man ja manchmal das Gefühl, bereits das gesamte Behandlungsspektrum gesehen zu haben. Die Arbeit auf der Rettungsstelle bietet hingegen immer eine große Vielfalt und ist in anderen Krankenhäusern oft nicht so zugänglich für PJler.
In Wil sind immer viele PJ Studenten zur gleichen Zeit, dadurch lebt man im Personalwohnheim wie in einer großen WG mit traumhaftem Blick auf die Alpen. Auf dem großen Gemeinschaftsbalkon haben wir regelmäßig schöne Grillabende verbracht.
Auch kurzfristige Bewerbungen sind erfolgreich, da viele Studenten, die zwei Jahre vor PJ Beginn eine Bewerbung absenden, doch noch absagen. Interessenten können sich unter folgendem Link über das Spital und die Online-Bewerbung informieren:
Online-Bewerbung
Auf der folgender Internetseite gibt es noch mehr Infos zum Krankenhaus in Will:
Spitalregion Fürstenland Toggenburg
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