Kölner Untersuchungskurs in der Vorklinik
Einmal ausziehen bitte!
Vanessa Bücker
Das vierte Semester in Köln neigt sich dem Ende. Doch statt wie alle anderen fürs Physikum zu Lernen muss Vanessa Bücker noch den Untersuchungskurs absolvieren. Dabei lernt sie auch, was das IPPAF-Schema zu bedeuten hat.
Übersicht
| Trubel im Untersuchungsraum | hoch |
Wer während dem Untersuchungskurs in der nephrologischen Praxis am Uniklinikum Köln in einen der Untersuchungsräume gegangen wäre, hätte sich wohl etwas gewundert: Vier Studenten - davon die Hälfte natürlich halbnackt - waren sich dort am Abtasten, Abhorchen und Abfragen. Da wurde nach Herzenslust auf den Köpfen geklopft, auf den Augen gedrückt oder mit Reflexhämmern der Patellarsehnenreflex heraufbeschworen.
| Untersuchungskurs ist nicht gleich Untersuchungskurs | hoch |
Im Untersuchungskurs sollen die Kölner Medizinstudenten des 4. Semesters die körperliche Untersuchung erlernen. Untersucht wird in der Regel in Gruppen von sechs bis acht Studenten. Ort und Anzahl der Stunden der Untersuchungskurse kann genauso unterschiedlich sein wie der Kurs selbst, denn die Kurse werden durch verschiedene Dozenten geleitet. So kann es sein, dass man auch mal einen Professor in Rente als Dozent hat.
Wer zu spät von der Anmeldung zum Untersuchungskurs erfahren hat, muss mitunter in eine der "unbeliebteren" Gruppen. Dann heißt es vielleicht auf nach Eckenhagen, Marl oder Vechta. Auch bis in die Richtung von Cloppenburg kann es für die Untersuchungs-Kursler gehen. Je nachdem, in welcher Klinik der Kurs dann eben stattfindet. Natürlich ist die Unterkunft in den weiter entfernten Orten inklusive.
| IPPAF, was sonst?! | hoch |
Ich hatte Glück und erwischte einen Blockkurs in einer nephrologischen Praxis am Uniklinikum in der letzten Semesterwoche. Zwei der sechs Teilnehmer kamen nicht, daher waren wir am Ende nur noch zu viert - mit mir als einzigem Mädchen.
Der Dozent erklärte uns zunächst den Ablauf des Kurses. Eine Woche lang werden wir jeden Nachmittag für zwei Stunden die körperliche Untersuchung üben. Jeden Tag wird ein neues Untersuchungsfeld hinzukommen: Zunächst Kopf/Hals, dann Thorax/Lunge, Herz und schließlich Abdomen. Am letzten Tag waren Reflexe, tastbare Pulse und pathologische Geräusche auf dem Kassettenrekorder Thema.
Die Untersuchung lief immer gleich nach dem IPPAF-Schema ab, was mir zunächst nichts sagte. Doch der Dozent erklärte gleich die Abkürzung: I- Inspektion, P- Palpation, P- Perkussion, A-Auskultation, F- Funktion.
So gingen wir alles Schritt für Schritt durch: Vom Abtasten der Calotte über das Abklopfen der Nasennebenhöhlen zum Abhorchen der Carotis und Überprüfen der Hirnnerven. Und wer hätte das gedacht, von Neuroanatomie war sogar einiges hängen geblieben. Geübt wurde danach rauf und runter an den Kommilitonen. Für Scheu vor dem Ausziehen blieb dabei nicht viel Zeit, das T-Shirt musste weg.
| Die Praxis im Modellstudiengang | hoch |
Organisiert wird der Untersuchungskurs vom KISS - dem "Kölner interprofessionellen Skillslab und Simulationszentrum", das mit der Einführung des Modellstudiengangs im WS 2003/2004 ins Leben gerufen wurde. Seit Juni 2010 ist das KISS im neuen Studierendenhaus an der Joseph-Stelzmann-Straße zu finden.
Ziel der Einrichtung ist das Lehren und Trainieren praktischer ärztlicher Fähig- und Fertigkeiten, im Besonderen klinisch-technische Fertigkeiten wie zum Beispiel Blutentnahme oder Herz-auskultation, sowie Gesprächstraining und Notfallkompetenz. Der Untersuchungskurs soll im Rahmen der Lehranforderungen die ärztlichen Basics vermitteln.
| Mein persönliches Fazit | hoch |
Der Untersuchungskurs ist eine gute Idee, wenn auch die Umsetzung und Organisation des Untersuchungskurses an der einen oder anderen Stelle hapert. Nach der anfänglichen Scheu vor dem Ausziehen und gegenseitigem Untersuchen gewinnt man sogar Spaß daran, endlich mal praktisch klinische Fähigkeiten zu trainieren, statt die Glukoneogenese rauf und runter zu beten.
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