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Miniumfrage 5/08: Gut auf Notfälle vorbereitet?
Ihre Meinung als Medizinstudent ist gefragt
In dem Artikel "Das erste Mal: Erstversorgung eines Unfallopfers" (Via medici 5/08) berichtet PJlerin Anika Winkel von einer Situation, in der sie plötzlich aus heiterem Himmel einen Menschen vor dem Verbluten retten musste.
Für viele Medizinstudenten ist dies das Angstszenario schlechthin: Was tun, wenn die Frau, die in der U-Bahn neben einem sitzt, plötzlich ohnmächtig wird oder im Restaurant der ältere Herr am Nachbartisch plötzlich keine Luft mehr bekommt? Fühlen Sie sich bestens für solche Situationen gewappnet? Oder haben Sie jetzt schon die leise Vorahnung, dass Ihnen im Ernstfall die wichtigsten Handgriffe nicht mehr einfallen werden, weil in Ihrem Kopf zu viel Detailwissen herumspukt?

Stellen Sie sich vor, Sie sind als Erster an der Unfallstelle!
Foto: ccvision
Die Frage unserer aktuellen Umfrage lautete:
| Fühlen Sie sich durch Ihr Medizinstudium gut auf Notfälle vorbereitet? |
Das Ergebnis der Umfrage:
Von 302 Teilnehmern sagten 79 ja, sie seien durch das Medizinstudium gut auf Notfälle vorbereitet. 206 Teilnehmer sehen die Veranstaltungen im Medizinstudium als unzureichend für den Einsatz am Notfallpatienten an. 17 Teilnehmer enthielten sich der Stimme.

Einige Teilnehmer verknüpften ihre Meinung mit einem Kommentar, von denen Sie hier eine Auswahl sehen:
Ja, ich fühle mich durch das Medizinstudium ausreichend auf Notfälle vorbereitet:
| | • | ...nicht allein durch den Unterricht an der Uni, aber durch einige sehr gute Famulaturen. |
| | • | Ich fühle mich gut vorbereitet, aber nicht durch das Studium, sondern durch Erfahrungen in Hilfsorganisationen. |
| | • | Ich habe gerade den NVI (Notfall-Versorgung-Intensivmedizin) hinter mir und da fühlt man sich natürlich sicherer. Natürlich bekommt man auch da fast nur Grundlagen vermittelt, aber darauf kommt es ja an: Ich muss nicht unbedingt eine Fraktur richten können oder wissen, welche Medikamente man als fünftes in einem Notfall gibt. Es geht darum, die Situation einschätzen zu können und auch einfach loszulegen z.B. mit einer Basisreanimation - und eben nicht wie die anderen Passanten hilflos dazustehen. Schade ist nur, dass der Kurs so spät im Studium kommt... |
| | • | Man wird so sehr zur Unselbstständigkeit erzogen. Das Studium sollte niemals den Anspruch erheben, jedem Einzelnen umfassende Kenntnisse zu vermitteln, sondern die Möglichkeit geben, sich in interessanten Bereichen unter Anleitung weiterzubilden. Wenn man als Mediziner nämlich mal den Mut aufbringt und bei den Profs nachfragt und engagiert ist, dann bekommt man in den allerseltensten Fällen ein negatives Feedback. Stattdessen setzen sich aber nur alle faul auf ihren Hintern und sagen: "Das wurde mir gar nicht gezeigt"... |
Nein, das Medizinstudium ist nicht ausreichend, um auf Notfälle vorbereitet zu sein:
| | • | Ich würde mir ein regelmäßiges praktisches Training für Notfälle wünschen. Letztendlich absolvieren wir nämlich unser Studium mit der gleichen Anzahl Stunden in Erste-Hilfe wie ein LKW-Fahrer! |
| | • | Zu viel Theorie und zu wenig Praxis im Studium, zu viele überflüssige oder weniger wichtige Informationen, da gehen die eigentlich wichtigen Sachen oft unter. |
| | • | Wenn das Studium einem mehr Zeit ließe, hätte ich nicht übel Lust, mich zum Rettungssanitäter ausbilden zu lassen, um mal ein bisschen mehr Praxisbezug zu bekommen und tatsächlich die wichtigen Handgriffe für eine Notfallsituation zu lernen und zu üben und hoffentlich nicht so schnell wieder vergessen, wie das nach einer Vorlesung zum Thema "Basic & Advanced Life Support" der Fall ist. |
| | • | Es wird zwar versucht, mehr praktische Inhalte einzuschließen. Diese sollten sich aber nicht nur auf Labor-Praktika beschränken. Ich finde der Vorklinikbereich sollte mit einer Ausbildung gekoppelt werden. |
| | • | Ich studiere zurzeit im 9. Semester Medizin und bisher hatten wir noch kein einziges Seminar, das sich mit den Basics der Erstversorgung im Alltag beschäftigt |
| | • | Ich denke, dass die medizinische Ausbildung im Hinblick auf Notfälle viel zu kurz kommt (...) Und dann steht man plötzlich als Ersthelfer zitternd an einer Unfallstelle und hat keine Ahnung was man tun kann. Eigentlich beschämend... |
| | • | Ein Kurs in dem man mal Intubieren darf bringt nicht wirklich viel. Es fehlt an den Basics (...). Im Studium wird einem so unendlich viel unnützes Wissen beigebracht was "unterprivilegiert" Disziplinen auch unbedingt noch mit einbringen müssen, aber das was wirklich wichtig ist, bleibt auf der Strecke. |
| | • | Hauptsache man kann Signaltransduktionskaskaden bis zum Erbrechen runterbeten - einfache Handgriffe lernt man viel zu spät. |
| | • | Ich habe damals neben der Schule schon meinen Rettungssanitäter gemacht und bin ehrenamtlich aktiv - und deswegen fühle ich mich sehr sicher bei Notfällen in Alltagssituationen. Wenn natürlich der schwere Verkehrsunfall mit Polytrauma vor mir passiert, dann bin ich auch hilflos - genauso wie es jeder Arzt wäre ohne seinen Koffer. Denn ohne sein Equipment ist doch jeder Arzt auch nur ein Ersthelfer und kann nicht mehr tun als richtig lagern, ein paar Verbände aus dem KFZ-Verbandkasten anlegen und Händchen halten. |
| | • | Ich glaube, dass das Studium nur zum Teil was dafür kann. Es fehlt einfach an der Erfahrung mit solchen Situationen umzugehen. |
Ich weiß nicht:
| | • | Diese Frage ist zu undifferenziert! Notfälle sind so vielgestaltig, dass eine Antwort darauf nur lauten kann: "Kommt darauf an." |
| | • | In der Theorie haben wir durchaus Leitschienen zu verschidenen Notfallsituationen gelernt, teilweise auch simuliert, aber das wurde innerhalb von drei Tagen abgehandelt, was angesichts sech Jahren Studium nicht gerade viel ist. Es müsste in regelmäßigen Abständen immer wieder an der Puppe als Pflichtpraktikum angeboten werden, dann wird es irgendwann Routine. |
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