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Artikel vom 19. 11. 2007

Keine staatliche Prüfung vor dem Praktischen Jahr

Bundesgesundheitsministerium: Hochschulen wollten die Prüfungen vor dem Praktischen Jahr selbst durchführen

Redaktion Via medici online (roul)

Seit es kein 2. Staatsexamen mehr gibt, absolvieren die Medizinstudenten mit deutlich schlechteren theoretischen Kenntnissen das Praktische Jahr als ihre Vorgänger. Das sagen die Teilnehmer der Via medici-PJ-Umfrage 2007 und das sagen Ärzte auf den Stationen, die in die PJ-Ausbildung involviert sind. Das Bundesministerium für Gesundheit teilte heute auf Nachfrage mit, dass dennoch nicht geplant sei, die Approbationsordnung zu ändern. Es sei ausdrücklicher Wunsch der Hochschulen gewesen, das Prüfungsgeschehen vor dem PJ selbst zu bestimmen.

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Foto: Lars Clarfeld

Übersicht

Medizinstudenten sind heute nicht mehr gezwungen, das gesamte klinische Wissen schon vor dem Eintritt ins PJ zu wiederholen, wie das früher der Fall war. Mit der neuen Approbationsordnung 2002 ist das 2. und 3. Staatsexamen für Mediziner abgeschafft und durch die 2. Ärztliche Prüfung nach dem Praktischen Jahr ersetzt worden. Die Prüfungen davor werden in Eigenregie der Universitäten durchgeführt. In aller Regel handelt es sich dabei um benotete Scheine, das heißt, jeder Kurs wird mit einer Prüfung oder mit Testaten abgeschlossen.


Studenten favorisieren zweistufiges PrüfungsverfahrenNach oben hoch

Via medici hat 595 PJ-Studenten und gerade approbierte Ärzte befragt: Demnach sind 93,6 Prozent der Meinung, dass der theoretische Teil der 2. Ärztlichen Prüfung VOR dem PJ stattfinden sollte, der praktische Teil danach.

Mit einer Online-Petition hatten die Medizinstudenten im Hartmannbund im Dezember 2006 auch ein zweistufiges Prüfungsverfahren für künftige Ärzte gefordert. In der Petition, die von 12.329 Mitzeichnern unterstützt worden ist, führten die Medizinstudenten im Hartmannbund aus, dass das zusammengefasste Examen nicht mehr die Qualifikation der Studenten vor dem praktischen Studienabschnitt prüft. Ein bundesweites theoretisches Examen vor dem PJ würde zudem den Wechsel von einer Uni zur anderen erleichtern und die umständliche und oft nicht mögliche Anerkennung von Leistungsnachweisen anderer Unis hinfällig werden lassen. Vor allem hätten die Studenten im 4. klinischen Semester mehr Zeit, sich für das Examen vorzubereiten als während des PJs. In der augenblicklichen Situation müsse in Kauf genommen werden, dass sich das Medizinstudium nach hinten verlängere.

Abends nach dem Krankenhaustag müssen die PJler noch auf die 2. Ärztliche Prüfung lernenFoto: Lars Clarfeld
Abends nach dem Krankenhaustag müssen
die PJler noch auf die 2. Ärztliche Prüfung lernen
Foto: Lars Clarfeld


Petitionsausschuss und BMG lehnen Änderung abNach oben hoch

Nach der parlamentarischen Prüfung wurde die Petition abgelehnt. Der Petitionsausschuss konnte nicht in Aussicht stellen, dass die ärztliche Approbationsordnung (ÄApprO) geändert wird. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass die Länder bereit seien, diesen Teil der Reform [gemeint ist die Aufteilung der 2. ärztlichen Prüfung in einen theoretischen und einen praktischen Teil, ähnlich wie früher das 2. und 3. Staatsexamen (Anm. d. Red.)] wieder zurückzunehmen. Die Länder müssen einer Änderung der ÄApprO zustimmen.


Noch einmal beim Bundesgesundheitministerium nachgefragt, erhielten wir heute folgende Antwort:

"Die Prüfung vor dem Praktischen Jahr ist auf Wunsch der Hochschulen in deren Verantwortung gegeben worden. Hintergrund war die Forderung, Lehre und Prüfung wieder aneinander zu binden, geprüft soll werden, was gelehrt wurde. Deshalb wurde der § 27 Approbationsordnung für Ärzte eingeführt, der die Hochschulprüfungen vorsieht. Hier werden für die Fächer und Querschnittsbereiche benotete Nachweise vergeben. Damit tragen auch die Hochschulen die Verantwortung über die Qualität von Lehre und Prüfung. Eine Rückkehr zum alten Prüfungsrecht würde dem Ziel entgegenstehen, dass die Abschlussprüfung auch im schriftlichen Teil die praktische Ausbildung im PJ mit umfassen soll - Stichwort: fallbezogene Prüfung. Derzeit ist eine Änderung der ÄAppO nicht geplant. Zunächst sind die Evaluationsergebnisse abzuwarten."


Prüfungsverfahren in Eigenregie der HochschulenNach oben hoch

Die Medizinstudenten selbst wollten schon immer den theoretischen Teil des Staatsexamens vor dem PJ ablegen - das machten sie damals während der Diskussionen um die neue Approbationsordnung sehr deutlich. Das war dem Bundesgesundheitsministerium auch bekannt und darauf weist der Petitionsausschuss in seinem Ablehnungsbescheid an den Hartmannbund entsprechend hin. Doch die Hochschulen selbst hätten massiv darauf gedrungen, das Prüfungsgeschehen vor dem PJ in eigener Regie durchzuführen, um Lehre und Prüfung in eine Hand zu legen. Das wird vom Bundesgesundheitsministerium in seiner heutigen Stellungnahme noch einmal bestätigt. Das heißt also, die Unis selbst sind am Zug und in der Verantwortung.


Lösungsstrategien entwickelnNach oben hoch

Wenn die PJler heute mit zu wenigen theoretischen Kenntnissen in Innere Medizin und in Chirurgie ihr Praktisches Jahr beginnen, muss die Fakultät überlegen, wie sie das verschüttete Wissen der Studenten am Ende ihres Hochschulstudiums wieder auffrischt. Denn wer zuletzt im siebten Semester Innere Medizin gelernt hat und kurz vor dem PJ noch eine Umweltmedizinprüfung ablegen muss, kann zum Beispiel die Frage nach den unterschiedlichen Hepatitisformen und den dazugehörigen Antikörper-Titerverläufen nicht wie aus der Pistole geschossen beantworten. Die Ärzte auf den Stationen waren dies aber bisher gewohnt. "Sie müssten das doch wissen, Sie haben doch eben Examen gehabt!", hieß es da nicht selten.

Student: "Man kommt total unvorbereitet ins PJ, wird mit Lernstoff konfrontiert, der mitunter zwei bis drei Jahre zurückliegt und soll diesen plötzlich praktisch anwenden können." Foto: Lars Clarfeld
Student: "Man kommt total unvorbereitet ins PJ, wird mit Lernstoff
konfrontiert, der mitunter zwei bis drei Jahre zurückliegt
und soll diesen plötzlich praktisch anwenden können."
Foto: Lars Clarfeld

Es ist noch nicht bei allen Ärzten angekommen, dass sich das Prüfungsverfahren im Medizinstudium geändert hat - doch das ist eine Frage der Zeit. Keine Frage der Zeit ist, dass sich die Approbationsordnung wieder ändert. In den nächsten Jahren ist damit nicht zu rechnen. Mit der neuen Approbationsordnung sollte klinisches Wissen in die Vorklinik integriert und der vorklinische Studienabschnitt mit dem klinischen enger verzahnt werden. Es sollten Blockpraktika etabliert und Kleingruppenunterricht eingeführt werden. Neue Querschnittsfächer sollten garantieren, dass fachübergreifend gelehrt wird. Jetzt ist es womöglich an der Zeit zu prüfen, ob die Gewichtung der einzelnen Fächer im Studium noch stimmt und ob die Studenten über das nötige Grundlagenwissen verfügen, wenn sie ihr PJ beginnen. Denn wie sagte ein Student in der PJ-Umfrage: "Wenn man schon beginnt an einer Schraube eines Systems zu drehen, um es zu verändern, dann muss man auch an allen vorhandenen Schrauben drehen, um es eben neu aufeinander abzustimmen!"

   Externer Link PJ-Umfrage 2007 (Via medici)

   Externer Link Medizinstudenten im Hartmannbund

 
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