Die App des Monats - für Mediziner
Kleine Helfer, starke Hilfe
Claus-Henning Bley
In dieser neuen Artikel-Reihe stellt euch Claus-Henning Bley regelmäßig aktuelle Apps vor. Er sucht sich die besten, witzigsten und hilfreichsten Programme aus, die euch zu Hause oder in der Klinik unterstützen sollen. Natürlich können Apps das Denken (noch) nicht ersetzen, aber die Rückendeckung aus Kittel- oder Hosentasche ist einfach praktisch!
Übersicht
| 1.) Medikamente | hoch |
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Diese App von Dr. Benjamin Sattler und Dominik Pich (Medicus 42 GmbH) entspricht im Wesentlichen der altbekannten Roten Liste. Hier jedoch in kompakter und elektronischer Form. Erdenklich einfach ist die Suche nach Präparaten sowohl über den Wirkstoff, als auch über den Handelsnamen. Man erhält sämtliche Informationen zum gewählten Medikament, ähnlich einem Beipackzettel bis hin zum Hersteller samt Preis.
Praktisch: Man kann sich eine Favoriten-Liste erstellen für besonders schnellen Zugriff. Etwas kritisch betrachtet werden muss die Aktualisierungsmanier. Seit über einem Jahr ist leider kein aktuelles Update verfügbar. Bei der Fülle an neu zugelassenen Medikamenten eigentlich nicht tragbar.
Wer es aktueller möchte/braucht, greift zu "Arzneimittel aktuell" des Institutes für Ärzte und Apotheker. Das Programm ist zudem kostenlos - lediglich für den Luxus, Medikamente durch Einscannen des PZN-Strichcodes (Pharmazentralnummer) zu erkennen, werden 1,59€ fällig.
Auch für Android gibt es von denselben Herstellern eine Medikamente-Version, der Datenbestand ist vom April 2011. Kosten der Android-App: 4,99€.
Eine Art medizinischer Rechner - ebenfalls von zwei Ärzten programmiert - gibt Auskunft über Parameter, die man im klinischen Alltag oft benötigt, ohne dass man selbst lästige Rechenarbeit dafür erledigen muss.
Das Repertoire reicht von Body-Mass-Index über anästhesiologische ASA-Klassifikationen und glomeruläre Filtrationsraten bis zur Errechnung des Geburtstermines. Quasi jede medizinische Fachrichtung - sogar die Pflege - hat mit spezifischen Formeln Einzug in diese App erhalten.
Absolut praxistaugliche App, aber Achtung: die App gibt es in einer günstigen Variante und als Pro-Fassung für 3,99€. Letztere lohnt sich meines Erachtens nicht! Einzige Unterschiede: in der Pro-Fassung kann man real gemessene Blutwerte manuell eingeben, bestimmten Patienten zuweisen und immer wieder abrufen (Patientenmanagement), errechnete Werte per Mail oder Airprint versenden oder zwischenspeichern sowie eigene Notizen anlegen. Wer braucht das? Gerade in Beziehung auf Datenschutz sicherlich zumindest in Deutschland mehr als fraglich.
Medcalc gibt es auch im Android-Store, nennt sich medcalc 3000 complete und kostet 7,99€.
| 3.) Radiology 2.0 | hoch |
Eine sehr interessante und ganz und gar nicht kurzweilige App haben die beiden amerikanischen Ärzte Dan Cornfeld und Mohammed Kaleel in den App-Store gebracht. Unter dem Titel One Night in the ED (Emergency Department) stellen die beiden Mediziner insgesamt 65 reale Fälle (in englischer Sprache) vor. Präsentiert wird immer ein Thorax- bzw. Abdomen-CT, das am iPhone Schicht für Schicht mittels der von Apple gut bekannten Fingergesten fließend angeschaut werden kann. Von dieser Bilderflut rührt auch der Download-Umfang von über 200 MB.
Nachdem man für sich selbst eine Verdachtsdiagnose festgelegt hat, kann man sich den Fall mittels ausführlicher Diskussion noch einmal fachlich vorstellen lassen und überprüfen, ob die anfängliche Diagnose richtig oder falsch war. Hier fühlt man sich schon wie DER Arzt, der für den vorgestellten Patienten verantwortlich ist
Einzelne Passagen in den gut geschriebenen Diskussion sind zur besseren Erläuterung dann auch noch einmal direkt mit dem korrespondieren CT-Schnitt verlinkt, sodass alle Befunde auch direkt ansehbar sind. Wem das Display seines iPhones für solche Bilderflut zu klein ist: Das Programm ist kompatibel mit dem iPad, das entsprechende Web-Pendant - soll es doch der heimische PC zum Betrachten und Lösen der zahlreichen Fälle sein - findet sich unter dieser Adresse
Ihr habt auch einen guten App-Tipp? Dann schickt uns jetzt euren Hinweis!
via.online@thieme.de
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