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Arzt im Beruf
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| Der Berufsalltag zermürbt Ärzte immer stärker |
Zeitungen verkünden täglich, dass Ärzte im Krankenhaus unter der Überlastung und dem immensen Kostendruck im Gesundheitsbereich stöhnen. "Die Arbeitsbelastung und intensive Ausnutzung der Ärzte sind in den letzten Jahren gewachsen. Bei gestiegenen Patientenzahlen, kürzeren Verweildauern im Krankenhaus und Sparmaßnahmen hat sich der Arbeitsumsatz erhöht, es wird immer nur oben drauf gepackt", kann der Jurist Resemann vom Marburger Bund nur bestätigen. Bedeutet der Berufsalltag gar das "Ende des Traumberufs", so der Titel eines Buches von Kaus Stern, das zu einer 1995 von der Landesärztekammer Berlin durchgeführten Studie bei Ärzten im Praktikum entstanden ist? "Daher wollen wir von der Ärztekammer an den politischen Wurzeln rütteln und den Finger in die Wunden legen. Leider können wir keinen Druck ausüben, da wir keine Ressourcen, also finanzielle Mittel, entziehen können.", so die Pressereferentin von der Landesärztekammer Berlin. Auch dem Marburger Bund gehe es "um die politische Sache", so Resemann, und der Bund mache die Arbeitssituation der Ärzte jetzt zum Hauptthema. Beide berichten, dass die Ärzte am Ende ihrer Kräfte angelangt seien und manche mit dem sogenannten Burnout-Syndrom zu ihnen kämen. Doch Statistiken über die Prävalenz des Burnout-Syndroms bei Ärzten liegen unseren Informationen nach weder beim Marburger Bund noch bei den Landesärztekammern vor und es gibt keine spezielle Beratungsstellen. Bemerkenswert ist deshalb eine von Ärzten der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich in diesem Jahr publizierte Studie zur Häufigkeit des Burnout-Syndroms bei Psychiatern, die einer anderen Veröffentlichung zufolge am stärksten von Ärzten der verschiedenen Fachrichtungen betroffen sind.
| Daten zur Prävalenz des Burnout-Syndroms bei Ärzten |
Ausgeführt wurde die Untersuchung als freiwillige und anonyme Umfrage unter drei Subgruppen von Psychiatern in der Schweiz, den Freipraktizierenden, institutionellen Führungskräften und Assistenzärzten. Interessantes Ergebnis der persönlichen Selbsteinschätzung der Testpersonen ist, dass Assistenzärzte hochsignifikant häufiger an Burnoutsymptomen litten als die übrigen Probanden und Psychiater in Führungspositionen die niedrigsten Burnoutwerte aufwiesen. Bei der Auswertung eines Persönlichkeitstests, der verschiedene persönliche Eigenschaften abfragte, fiel auf, dass die Assistenzärzte in der Persönlichkeit neurotischer und weniger frustrationstolerant waren. Dabei korrelierten die gefundenen Burnoutwerte positiv mit der Persönlichkeitskeitsmerkmal Neurotizismus und der Anzahl der Nachtdienste.
Das bedeutet lediglich, dass ein Zusammenhang existiert zwischen der Burnout-Betroffenheit und neurotischem Verhalten bzw. Ableisten von Nachtdiensten, aber nicht, dass die beiden Faktoren kausal mit dem Burnout-Syndrom verbunden sind. Die Assistenzärzte mussten auch die meisten Nachtdienste bewältigen und hatten die kürzesten Ferien, während die leitenden Psychiater pro Woche am längsten arbeiteten und die Freipraktizierenden die kürzeste Wochenarbeitszeit und die längsten Ferien angaben. Daher überrascht die Wechselbeziehung zwischen dem Burnout-Syndrom und der Anzahl der Nachtdienste nicht. Diese Aussagen beziehen sich nur auf die untersuchte Kohorte und können nicht verallgemeinert werden, zumal eine der Schwächen der Analyse ist, dass sie auf der Selbsteinschätzung der Probanden beruht und dass ein Bias (*) der Stichprobe insofern nicht auszuschließen ist, als die Rücklaufquote der Fragebögen bei knapp 60 Prozent lag. Auch lässt sich nicht unterscheiden, ob die im Fragebogen erfassten Persönlichkeitsmerkmale tatsächlich zeitlich stabile Charakterzüge reflektieren oder eher die momentanen Befindlichkeiten erfassen.
Doch lässt sich für die untersuchte Gruppe schlussfolgern, dass Persönlichkeitsvariablen beim Burnout-Syndrom eine wichtige Rolle spielen und beruflichen Faktoren, wie der Wochenarbeitszeit, eine marginale Bedeutung zukommt. Angesichts der Relevanz der Persönlichkeitsfaktoren für das Burnout-Syndrom plädieren die Autoren dafür, bei der therapeutischen Intervention auf persönliche Ressourcen der Betroffen zurückzugreifen und in dieser Hinsicht an die inneren Grundüberzeugungen der Betroffenen anzuknüpfen.
| Ursprung und Symptome des Burnout |
Heute in den Alltagswortschatz integriert, geht die Bezeichnung Burnout auf den New Yorker Psychoanalytiker H.J. Freudenberger zurück, der das innere "Ausbrennnen" an Ärzten festgestellt und 1974 veröffentlicht hatte. Dabei handelt es sich um einen Zustand körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung durch andauernde und wiederholte Belastungen. Dieser äußert sich häufig bei Angehörigen helfender Berufe, inzwischen außerdem bei sehr kreativen und in der Informationstechnologie beschäftigten Menschen, die sich durch die immer kürzeren Entwicklungszyklen in der High-Tech-Informationsgesellschaft kennzeichnet. Letztlich ist das Burnout-Syndrom als ein Entwicklungsprozess zu sehen, der aus einem Teufelskreis von Überarbeitung und innerer und äußerer Überforderung besteht.
Die Symptome sind vielfältig und somatisch, vegetativ und psychisch ausgeprägt: Die körperlichen Beschwerden sind unspezifisch und diffus. Betroffene klagen beispielsweise über Müdigkeit und Schlaflosigkeit und sind anfälliger für Krankheiten. Gefühlsmäßig neigen sie zu einer negativen Einstellung, empfinden eine innere Leere, Lustlosigkeit und ziehen sich zunehmend sozial zurück. Wird dieser Zustand zur Gewohnheit, beginnen die Betroffenen, bestimmte Tätigkeiten aufzugeben, gar zu vermeiden, reduzieren ihre Arbeit und sind nicht mehr so leistungsfähig wie zuvor. Gehemmt, rast- und ruhelos und tendieren sie zu größerer Ängstlichkeit, sind aber mehr und mehr mit ihrer Verfassung und Bewährung im Berufs- und Privatleben unzufrieden. Sie trauen sich nichts mehr zu und hecheln einer Überforderung nach der anderen hinterher. Ihr Verhalten und ihre Stimmung ändern sich unmerklich, zunehmend reagieren sie gereizt und mit Verzweiflung. Es fällt ihnen dann schwer, nach der Arbeit abzuschalten und sich auf das Privatleben zu konzentrieren. In der Folge sind die ganze Kraft und Kreativität geschwunden. Einen anderen Ausweg als den gesteigerten Verzehr von Genussmitteln sehen sie nicht mehr und versuchen, sich über ihre Lage hinwegzutäuschen.
| Die Entstehungswurzeln des Burnout-Syndroms |
Für diesen fatalen Kreislauf liegen die Ursachen im Individuum selbst und der Arbeit. Dazu gesellen sich Vorgaben der Organisationsbürokratie und der Gesellschaft. Betroffene stellen häufig einen hohen Anspruch an sich selbst und andere, sie legen ein Über-Engagement an den Tag und wollen alles perfekt erledigen – und das beruflich und privat. Daneben gönnen sie sich kaum Pausen und geben ständig mehr als sie bekommen. Oft ist ihr Privatleben unterentwickelt und kann deshalb kaum die Arbeitsbelastungen abpuffern. Quasi schutzlos, sind sie dem wachsenden Leistungsdruck und der Steigerung der Anforderungsvielfalt seitens der Arbeitgeber und durch den Kostendrucks ausgesetzt. Ihr erbrachter Einsatz wird selten anerkannt und gelobt, vielfach erfahren sie keine Unterstützung. Zusätzlich erschweren häufig Rollenkonflikte und der permanenter Entscheidungsdruck die tägliche Arbeit. Die Rollenkonflikte gehen auf unterschiedliche und widersprüchliche Erwartungen der beteiligten Personen zurück. Die Betroffenen bringen mehrfach eine biografisch beobachtbare Vormorbidität mit im Sinne einer frühen existenzprägenden Erfahrung von Hilflosigkeit und Unzulänglichkeit, die die Person empfindlicher für weitere Störungen werden lässt. Auffällig ist, dass sich das Burnout-Syndrom besonders häufig bei Angehörigen helfender Berufe wie Arzt oder Krankenschwester äußert. Erklärend könnte sein, dass auch nur bestimmte Persönlichkeitstypen einen Beruf im Gesundheitssektor wählen und als "Helfertyp" an sich schon eine Prädisposition in sich tragen. Zudem ist in diesem Bereich die Verantwortung, die auf den Beschäfitgten lastet, sehr hoch, da es nicht nur um Zahlen sondern um Menschenleben geht.
| Mögliche Auswege aus dem Teufelskreis |
Bisher liegen noch zu wenig Studien und Therapieansätze vor, die eine Aussage über das optimale Verfahren beim Burnout-Syndrom erlauben. Doch Lösungsmöglichkeiten gibt es durchaus für Betroffene: So sollten diese wieder bewusst auf sich, ihre Ernährung und körperliche Beweglichkeit achten und für sich sorgen. Eine gesunde Ernährung und sportliche Betätigungen stärken den Körper und Geist und machen belastbarer für das Leben. Dazu ist es wichtig, Grenzen zu erkennen, zu ziehen und vor allem zu halten. Betroffene müssen wieder lernen, vom Berufsalltag und den Sorgen Abstand zu gewinnen und sich Zeiten der Erholung und Mußestunden zu gönnen. Auch die Pflege von Freundschaften und sozialer Kontakte sowie die Wiederaufnahme eines Hobbies oder Interesses tragen zum innereren Gleichgewicht und Stimmungsbarometer bei. Wenn jemand Suizid gefährdet ist, empfiehlt sich eine Therapie, in der persönliche Schwierigkeiten mit einem Therapeuten besprochen werden können. Dieser wird versuchen, konsequent an die gefühlsmäßig verankerten Grundüberzeugungen anzuknüpfen, deren Bedeutung auch die eingangs zitierten Wissenschaftler herausgestellt haben.
| Erläuterungen |
Prävalenz bezeichnet die Häufigkeitsrate einer Krankheit zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einem definierten Zeitraum.
Bias steht für eine Verzerrung der Ergebnisse durch die Untersuchungsmethoden.
| Quellen |
Amstutz, M.; Neuenschwander, M.; Modestin, J.: Burnout bei psychiatrisch tätigen Ärztinnen und Ärzten; Psychiat Prax 2001; 28: 163 – 167
Eggler, A.: Mach mal Pause; Werben und Verkaufen 24/2001
Ärztegesundheit
Internetportal des Instituts für Ärztegesundheitheit, das von Bernhard Mäulen gegründet wurde.
Ärzte Woche
Internet-Zeitung
Homepage von Prof. Dr. J. Bauer, Psychiater an der Universität Freiburg, http://home.t-online.de/home/jobauerfreiburg/burnout.htm
Campus für Alten- und Krankenpflege
Texas Medical Association
Ärztekammer im Bundesstaat Texas in den USA
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