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Hilfsprojekte in Sri Lanka
Interview mit dem Kölner Arzt Andreas Kouklinos (Skri Lanka)
Hanne Vogt
Gerade ist Andreas Kouklinos wieder aus Sri Lanka zurückgekehrt und hat Kinderkleidung und andere Hilfsgüter nach Galle, im Süden der Insel gebracht. Da arbeitet er schon wieder an neuen Plänen, wie er das Hilfs-Projekt "equipmaid" noch erweitern kann. Im Telefoninterview erzählt er, wie die Hilfsprojekte in Sri Lanka entstanden sind und was er sich für die Zukunft wünscht.
Via medici: Herr Kouklinos, Sie opfern einen großen Teil Ihrer Zeit und Energie um anderen zu helfen. Waren Sie schon immer so engagiert?
A. Kouklinos (lacht fröhlich): Nein, ich glaube ich war ganz normal. Ich wollte zwar schon immer gerne mit einer Hilfsorganisation Entwicklungshilfe machen, aber ansonsten war ich noch nicht einmal in der Fachschaft. Ich hab mir zwar mal überlegt da mitzumachen, aber als ich gesehen hab, wie kompliziert dort Projekte laufen, weil alles tausendmal besprochen werden muss, wusste ich dass das nichts für mich ist.
Via medici: Und deshalb haben Sie gleich ein eigenes Projekt gegründet, "equipmaid", ist das nicht ganz schön viel Verantwortung auf einmal? Haben Sie keine Angst etwas falsch zu machen?
A. Kouklinos: Ja, es scheint so, als sei das Projekt schon riesengroß. Aber wenn man die Menschen kennt, für die man das organisiert, dann weiß man, dass das was man tut, genau das Richtige ist. Man bringt ein Gerät, was vorher einfach gefehlt hat und sieht, dass es danach besser geht. Manchmal hatte ich Zweifel, wenn ich zwischendrin in Deutschland war, da dachte ich mir, wollen die überhaupt diese Hilfe? Aber vor Ort, auf Sri Lanka, da ist es einfach sonnenklar, dass es genau das Richtige ist.
Via medici: Das klingt alles so einfach. Haben Sie nie gedacht, Mensch das schaffe ich vielleicht gar nicht?
A. Kouklinos: Ja, solche Situationen gab es schon. Aber man bekommt so viel Unterstützung von Freunden und Bekannten, die alle sagen, Mensch, ist das klasse, was du da machst... Das gibt unheimlich viel Kraft! Das Krankenhaus hier in Deutschland, in dem ich als Assistenzarzt in der Chirurgie gearbeitet habe als die Tsunamiwelle kam, hat mir spontan 2 Monate bezahlten Urlaub gegeben. Die Leute haben Geld gespendet und Spendenaktionen auf die Beine gestellt, das war toll. Und dann gewinnt man natürlich eine unglaubliche Kraft, wenn man sieht, was die Hilfe vor Ort alles bewirkt. Außerdem ist so vieles in Sri Lanka ganz einfach zu regeln, von den Kollegen in Deutschland habe ich mich oft belächelt gefühlt, weil die sich einfach nicht vorstellen können, was man als Einzelner mit relativ geringen Mitteln in einem Entwicklungsland tun kann. Schwieriger ist die Situation in Deutschland, da kommen ungeahnte Probleme auf einen zu: Wie das mit den Steuern für eine solche Organisation läuft zum Beispiel...
Via medici: Arbeiten Sie eigentlich immer noch nur zu zweit bei equipmaid, Sie und Ihr Freund vor Ort?
A. Kouklinos: Das ist vom Projekt abhängig. Das große Projekt, bei dem es um den Aufbau des Waisenhauses geht, wird in Zusammenarbeit mit der Caritas betreut. Da bin ich sehr froh drum, weil es ein finanziell aufwendiges Projekt ist, bei dem es wesentlich einfacher ist, wenn eine erfahrene Organisation dahintersteht. Außerdem haben die natürlich auch langfristig sichere Mittel dafür. Während der Tsunami-Hilfe haben wir auch viel mit anderen Hilfsorganisationen vor Ort gearbeitet, zum Beispiel impaktaid, die die Hilfe vor Ort gebündelt haben, einer sehr guten Organisation wie ich finde.
Via medici: Wie soll es bei Ihnen denn beruflich weitergehen? Im Moment kümmern Sie sich ja ganz um equipmaid!
A. Kouklinos: Ja, ich bin nach meiner Rückkehr von der Tsunami-Hilfe überraschend noch während meiner Probezeit gekündigt worden, angeblich weil ein neuer Chefarzt mit seinen eigenen Leuten angefangen hatte, während ich weg war! Da war ich schon sehr enttäuscht, weil das Krankenhaus mit seiner Katastrophenhilfe viel Werbung gemacht hat. Aber das Gute ist, dass ich somit genug Zeit hatte, mich um equipmaid zu kümmern.
Via medici: Wie geht es denn dann weiter?
A. Kouklinos: Ich habe eine Assistenzarztstelle in der Pädiatrie in Aussicht. Bis dahin bleibt für equipmaid noch viel zu tun! Ich werde das Projekt aber weiterhin betreuen, das wird auf jeden Fall gehen! Und eines Tages kann ich vielleicht einen Teil des Jahres dort arbeiten, als Kinderarzt. Zum Beispiel in dem Waisenhaus. Ich habe eine Ärztin in Sri Lanka getroffen, die als Augenärztin einige Monate im Jahr dort arbeitet, das hat mir gut gefallen. Ich bin mir ganz sicher, dass ich immer Kontakt zu den Leuten in Galle haben werde, das sind so wichtige Menschen für mich geworden!
Via medici: Was erhoffen Sie sich denn von den Lesern, können die helfen?
A. Kouklinos: Ja klar, und zwar nicht nur mit einer Spende. Von Medizinstudenten aus Köln wünsche ich mir, dass sie aus der neuen Unipartnerschaft etwas Schönes aufbauen. Das Gerüst ist da, jetzt liegt es an den Studenten wie der Austausch mit Dynamik und Leben gefüllt wird. Wenn sich ein regelmäßiger Austausch ergeben würde, die Studenten also als eine Art Botschafter zwischen den Ländern hin- und herreisen würden und damit eine starke Beziehung zustande käme, würde mich das sehr glücklich machen. Damit würde das Interesse am Helfen nie nachlassen, den Studenten aus Sri Lanka wäre eine einmalige Chance gegeben, sich fortzubilden und eine Idee zu bekommen, wie das Gesundheitssystem bei uns funktioniert. Und letztlich wäre ein Stück weit die Kontrolle gesichert, dass das Krankenhaus die Hilfsgüter auch für den richtigen Zweck verwendet. Es ist auch denkbar, dass die Studenten zum Beispiel vor der Mensa eine Spendenaktion organisieren oder im Winter Glühwein zum Wohle der Projekte verkaufen oder so... Alles nur Möglichkeiten die jeder hat, aber manche Leute verwirklichen sie tatsächlich!
Via medici: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für Ihre weiteren Pläne!
Infos über equipmaid
www.equipmaid.org
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