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Artikel vom 09. 11. 2007

500-600 Medizinstudenten und Assistenzärzte informierten sich

Kongress Perspektiven und Karriere in Berlin

Redaktion Via medici online (roul)

500 bis 600 Medizinstudenten und Assistenzärzte besuchten am vergangenen Wochenende den Kongress Perspektiven und Karriere in Berlin, der vom Deutschen Ärzteverlag veranstaltet wurde. Der Kongress soll der Auftakt sein für eine regelmäßige jährliche Veranstaltung, die Medizinstudenten etwas für den Berufseinstieg mitgeben und jungen Ärzten bei der Berufsplanung helfen will.

Übersicht


Junge Ärzte für kurative Medizin in Deutschland begeisternNach oben hoch

Eine glänzende Zukunft sagten die Referenten der Auftaktveranstaltung der jungen Ärztegeneration voraus. Rund 160 Zuhörer hatten bis 10:30 Uhr den Weg ins Langenbeck-Virchowhaus in Berlin Mitte direkt neben der Charité gefunden. Sie konnten sich beruhigt in ihre gepolsterten historischen Hörsaalsitze zurücksinken lassen - gehören sie doch einer begehrten Klientel an - gleichermaßen umworben von Arbeitgebern, Ärzteverbänden und Politikern.

"Noch nie war es so leicht, eine Facharztausbildung zu bekommen.", begrüßte Rüdiger Sprunkel, Leiter des Deutschen Ärzteverlags, die Besucher. Doch mit einem Wermutstropfen trübte Sprunkel gleich die rosigen Aussichten, denn wenn Kliniken Weiterbildung als Luxus bezeichnen, dann haben Weiterbildungsassistenten das Nachsehen. "Unser Anliegen ist: Wie können wir Sie für die Kliniken begeistern? Und wie können wir die Kliniken für Sie begeistern?"

Die jungen Ärzte für eine Tätigkeit in der kurativen Medizin in Deutschland zu motivieren - das hat sich derzeit nicht nur der Ärzteverlag auf die Fahne geschrieben. Auch der Marburger Bund veranstaltet in diesen Tagen zum ersten Mal den Career Day Medizin in Köln, allerdings in deutlich kleinerem Rahmen als der Kongress in Berlin. In anderen Branchen fänden solche Veranstaltungen für Studenten regelmäßig statt, sagte Rolf Schwanitz, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, und dankte dem Ärzteverlag für sein Engagement in dieser Richtung. Er hofft, dass künftig Veranstaltungen dieser Art auch für Medizinstudenten üblich werden.


Rosige Aussichten?Nach oben hoch

30 Referentinnen und Referenten hielten in diesen zwei Tagen ein Impulsreferat zu einem Thema. Jeweils der Vor- und der Nachmittag bildete einen thematischen Block und endete mit einer Podiumsdiskussion zwischen Vortragenden und Zuhörern. Dabei ging es um die Facharztweiterbildung, um Schlüsselqualifikationen und wichtige Kompetenzen für Ärzte, um die Karriereplanung sowie Berufs- und Lebensplanung. Auf der begleitenden Ausstellung, auf der sich verschiedene Kliniken, die Bundeswehr und Industriebetriebe präsentierten, konnten die jungen Mediziner erste Kontakte mit potentiellen Arbeitgebern knüpfen.

"Der Arbeitsmarkt für Ärzte ist nach wie vor von Wachstum geprägt.", verkündete Schwanitz. "Wir haben faktisch Vollbeschäftigung für Mediziner angesichts einer ärztlichen Arbeitslosenquote von 1,6%." So dürfte eigentlich die Sorge um einen Arbeitsplatz für Medizinstudenten nicht vorrangig sein. Ist es auch nicht - die Teilnehmer befürchten nicht, arbeitslos zu werden. Die Sorge um die richtige Stelle treibt sie eher um. Eine Stelle im Lieblingsfach, eine Stelle in einer Klinik, in der Weiterbildung den Namen auch verdient. Eine Stelle, die sich mit der Familienplanung vereinbaren lässt. Eine Stelle am derzeitigen Wohnort oder in der Stadt, in der auch der Partner arbeitet. Es zeigt sich, dass angesichts der Vollbeschäftigung für Ärzte auch die Ansprüche der neuen Ärztegeneration wieder wachsen können. Die Bereitschaft, Stadt und Krankenhaus mehrmals um der Karriereplanung willen zu wechseln, sinkt. 3-Monatsverträge, die es vor einigen Jahren tatsächlich gab, würde keiner mehr annehmen. Und das ist gut so.

In den Podiumsdiskussionen am ersten Tag wurde deutlich, dass die Kliniken noch viel mehr für Weiterbildungsassistenten und fachärztliche Assistenzärzte tun müssen. Die Weiterbildung ist zwar nach Aussage des Bundesärztekammerpräsidenten Prof. Jörg-Dietrich Hoppe traditionell in Deutschland eine Holschuld der Assistenten, keine Bringschuld der Krankenhäuser - gewissermaßen ein Nebenprodukt der ärztlichen Arbeit und darum auch nicht nur wie eine Ausbildung bezahlt. Doch eine schlechte Weiterbildung und mangelhafte Abeitsbedingungen schaffen unzufriedene Ärzte, die sich dann zum Teil noch vor ihrer Facharztprüfung aus dem kurativen ärztlichen Beruf verabschieden und in andere Branchen überwechseln. Wie viele das sind, weiß keiner so genau. Pro Jahr beenden 9.000 Medizinstudenten ihr Studium, ein Großteil von ihnen beginnt auch mit der ärztlichen Arbeit. Etwa 30.000 deutsche Ärzte arbeiten im Ausland, wobei hier noch diejenigen hinzukommen, die nie in Deutschland als Ärzte erfasst wurden, sondern direkt nach dem Studium ins Ausland gegangen sind. Vor einigen Jahren haben nur 60% der Medizin-Absolventen eine Stelle in der Krankenversorgung aufgenommen. Das sind heute wieder deutlich mehr, doch scheiden sie zum Teil noch vor der Facharztprüfung wieder aus.


Chirurg: "Wir vermitteln die Freude oder den Frust mit dem Job"Nach oben hoch

"Man muss sich um die jetzt tätigen Ärzte kümmern," plädierte Dr. Olaf Guckelberger, Oberarzt und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Klinik für Allgemein-, Visceral- und Transplantationschirurgie an der Charité für bessere Rahmenbedingungen. "Wir vermitteln die Freude oder den Frust mit dem Job. Wir beeinflussen die Karriereplanung der Studenten durch unser Vorbild!", ist sich der Sprecher der Ärzteinitiative der Charité sicher.

Einige Kliniken und Klinikkonzerne haben mittlerweile reagiert und setzen gezielt auf den Nachwuchs. Helios hat eine Assistentenbefragung in 20-30 der 58 Kliniken des Konzerns durchgeführt und möchte damit Problemstellen erkennen und Lösungsstrategien entwickeln. Francesco De Meo, Jurist und Geschäftsführer der Helios Kliniken GmbH und Parwis Fotuhi, Internist und Leiter der Helios-Akademie präsentierten auf dem Kongress Ergebnisse der Umfrage. Im nächsten Schritt sollen die Ergebnisse mit den Chefärzten durchgesprochen werden. Auch die Rhön-Klinikum-AG setzt Zukunftsvisionen um. Wolfgang Pföhler, Vorstandsvorsitzender der Aktiengesellschaft, stellte vor allem betriebswirtschaftlich geprägte Prinzipien vor: Kernprozesse müssten optimiert und standardisiert werden (Klinik der kurzen Wege), die Arbeit zwischen Ärzten und Pflegepersonal sachgerecht aufgeteilt und die ärztliche Arbeit komplett von Bürokratie befreit werden. Ärzte und Krankenhausbetreiber müssten gemeinsam die Zukunft gestalten.

Unumstritten sind die ökonomisch dominierten Pläne nicht. Während Pföhler von vertiefter Wertschöpfung und sinnvoller Arbeitsteilung sprach, befürchtete der Chirurg Guckelberger den austauschbaren Arzt als kleines Rädchen im streng reglementierten und standardisierten Ablauf der Patientenversorgung. Hoppe wiederum sieht in Pföhlers Plänen einen weiteren Schritt hin zur Fremdbestimmung der Ärzte.

Die Zuhörer beteiligen sich zurückhaltend an der schleppend verlaufenden Diskussion, die Heinz Stüwe, Chefredakteur des deutschen Ärzteblattes etwas langatmig moderierte. Sie signalisieren jedoch deutlich durch ihren Beifall, wenn ein Redebeitrag in der Podiumsdiskussion ihre Ansichten wiederspiegelte. Zu Wort meldeten sich eher Assistenzärzte als Studenten. Ihr Tenor: Sie wünschen sich Curricula für die Weiterbildung, an die sich Kliniken halten müssen. Denn wer Ärzte ausbildet, muss ihnen auch etwas beibringen. "Learning by doing ist schon recht.", sagte eine Assistenzärztin aus dem Publikum. "Aber die Realität sieht anders aus: Erst darf ich vieles nicht tun und dann soll ich es plötzlich können."


Wichtige Schritte auf dem Weg zum FacharztNach oben hoch

Insgesamt nahmen die Kongressbesucher sicher viele Anregungen und neue Erkenntnisse mit. Sie haben gehört, dass sie sich auf ihr Bewerbungsgespräch sehr gut vorbereiten sollen und zuvor wissen müssen, wie sie ihren Berufs- und Lebensweg planen möchten. "Bleiben Sie nicht am ersten netten Oberarzt hängen, der Sie eingermaßen normal behandelt.", empfahl Fotuhi. "Fragen Sie nach, ob es einen Rotations- und einen Fortbildungsplan gibt. Hospitieren Sie und befragen Sie die Assistenzärzte auf der Station, bevor Sie sich entscheiden." Von Dr. Wyrwich, MBA und stellvertretender Vorsitzender des gemeinsamen Weiterbildungsausschusses der Ärztekammer Berlin erfuhren die Studenten und Ärzte, dass manche Kliniken Weiterbildungsverträge abschließen, die die Rechte und Pflichten beider Seiten schriftlich festhalten. Und dass es kleine unbekanntere Kliniken gibt, die viel für eine freundlliche Arbeitsatmosphäre und guten Teamgeist tun und sich für familienfreundliche Arbeitszeiten einsetzen. Das heißt, die Suche nach der richtigen Klinik ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum Facharzt. Kongresse wie dieser können dabei helfen.


Weitere Themen des KongressesNach oben hoch
 Studienfinanzierung
 Managementwissen für Ärzte
 Kommunikationskompetenz im Arztberuf
 Berufschancen in verschiedenen medizinischen Berufszweigen
 Die Niederlassung
 Familienfreundliches Krankenhaus
 Wiedereinstiegsmöglichkeiten und neue Arbeitszeitmodelle in der Klinik

Weiterführende LinksNach oben hoch
   Externer Link www.perspektiven-und-karriere.de

   Externer Link www.helios-kliniken.de

   Externer Link Rhön-Klinikum-AG

   Externer Link Westküstenkliniken Heide und Brunsbüttel

   Externer Link Operation Nachwuchs der Westküstenkliniken

 
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