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Artikel vom 07. 05. 2010

Ärztemangel in Deutschland: Blick in die Zukunft

Neue Berechnungen prognostizieren Bedarf an Ärzten in Thüringen und Westfalen-Lippe

Pressemitteilung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (05.05.10)

„Die neuesten Zahlen belegen einmal mehr, dass die Diskussion über einen drohenden Ärztemangel und die künftige Bedarfsplanung keine hypothetische ist. Wir stehen vor der Herausforderung, die wohnortnahe, flächendeckende Versorgung für die Zukunft zu erhalten. Dazu bedarf es gemeinsamer Anstrengungen der Politik, der Städte und Gemeinden, der Krankenkassen und der Ärzteschaft. Eine detaillierte vorausschauende Planung ist unabdingbar.“

Übersicht


Alte und neue Bundesländer betroffenNach oben hoch

So hat der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Köhler, die heute vorgestellte Prognose des ärztlichen Bedarfs in Westfalen-Lippe und Thüringen kommentiert. Erstellt hat diese das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) im Auftrag der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Das ZI ist von allen 17 KVen beauftragt worden, entsprechende Analysen zu erstellen.

Der Blick in die Zukunft zeigt, dass Alterung und Bevölkerungsrückgang sowohl die neuen als auch die alten Bundesländer betreffen. Diese Entwicklung wird in Thüringen ausgeprägter sein als in Westfalen-Lippe. Es gibt jedoch starke kleinräumige Unterschiede in der Bevölkerungsentwicklung. Die Analyse des ZI zeigt, dass trotz eines Bevölkerungsrückgangs insbesondere in der hausärztlichen Versorgung aber auch in Teilen der fachärztlichen Versorgung mit einem steigenden Versorgungsbedarf zu rechnen ist. Deshalb werden in den nächsten 15 Jahren vor allem zusätzliche Hausärzte, Augenärzte, Urologen und fachärztliche Internisten benötigt. Allerdings werden gerade in diesen Arztgruppen altersbedingt viele Ärzte ausscheiden. Hiervon sind ländliche Regionen besonders stark betroffen. Unterschiede in der Entwicklung der benötigten Arztzahlen fallen daher zwischen den Kreisen innerhalb der Bundesländer größer aus als zwischen den beiden Bundesländern.


Starke Erhöhung der jährlichen Neuzulassungen notwendigNach oben hoch

Unter Berücksichtigung der Entwicklung des Versorgungsbedarfs müssen in der hausärztlichen Versorgung bis zum Jahr 2025 in Thüringen 75 Prozent, in Westfalen-Lippe 80 Prozent des heutigen Arztbestandes ersetzt werden. Dieser Ersatzbedarf erfordert für Thüringen eine Erhöhung der jährlichen Neuzulassungen um mindestens 50 Prozent, in Westfalen-Lippe um 22 Prozent. Betrachtet man alle Arztgruppen insgesamt, so liegt der Ersatzbedarf in Thüringen bei 65 Prozent, in Westfalen-Lippe bei 73 Prozent. Darin ist auch berücksichtigt, dass der Bedarf etwa an Frauen- und Kinderärzten zurückgeht.

Dipl.-Med. Regina Feldmann, erste Vorsitzende des Vorstands der KV Thüringen, stellte fest: „Insgesamt benötigen wir in Thüringen bis zum Jahr 2020 rechnerisch 1.588 Hausärzte und 1.645 Fachärzte. Die KV setzt sich, gemeinsam mit ihren Partnern, für eine zukunftssichere ärztliche Versorgung im Freistaat ein. So haben wir kürzlich gemeinsam mit dem Landesministerium für Soziales, Familie und Gesundheit eine Stiftung zur Förderung ambulanter ärztlicher Versorgung in Thüringen gegründet. Diese vergibt Stipendien an junge Ärzte, damit diese sich in der Allgemeinmedizin weiterbilden können.“


Residenzpflicht schreckt junge Ärzte abNach oben hoch

Dr. Ulrich Thamer, Vorstandsvorsitzender der KV Westfalen-Lippe, betonte: „Die Residenzpflicht zwingt heute noch die Ärzte, nicht nur in einer ländlichen Region zu arbeiten, sondern dort auch zu leben – obwohl viele lieber in einer Region leben würden, die eine attraktivere Infrastruktur für die Familie vorhält. Die Patienten könnten in den sprechstundenfreien Zeiten jedoch auch anders versorgt werden. Unsere Reform des Notfalldienstes in Westfalen-Lippe zielt genau dorthin: Wir schaffen flächendeckend ein einheitliches Versorgungsangebot zu sprechstundenfreien Zeiten und können damit die Residenzpflicht lockern. Arbeiten und Leben ließen sich besser vereinen, den Vorstellungen junger Ärzte vom Leben jenseits der Praxis besser gerecht werden. Damit könnte ein großer Schritt getan werden, den Praxissitz auch in kleinen Gemeinden wieder attraktiv zu machen.“

Das Gutachten für Thüringen ist auf der Website des ZI unter folgendem Link abrufbar:

   Externer Link www.zi-berlin.de/news/downloads/KVThüringen_Gutachten_240820

 
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