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Artikel vom 11. 12. 2008

Förderprogramm für junge Allgemeinmediziner im Schwarzwald

Werben um die Nachfolger auf dem Land

Johanna Reiser

"Praxis zu verschenken!" "Bevölkerung ohne ausreichende ärztliche Versorgung!" Zu solchen Meldungen will es die Gesellschaft "Gesundes Kinzigtal" in ihrer Region gar nicht erst kommen lassen: Jungen Ärzten, die sich zum Allgemeinmediziner ausbilden lassen möchten, soll der südbadische Schwarzwald schmackhaft gemacht werden.

Bild
Allgemeinmediziner werden in
ländlichen Regionen gebraucht
(Foto: Stockinger)

Übersicht


Durchgehende Vergütung auf KlinikniveauNach oben hoch

Indem die Rotation der zukünftigen Fachärzte für Innere Medizin und Allgemeinmedizin zwischen ambulanten und stationären Phasen optimal organisiert wird, soll zukünftigen Hausärzten und -ärztinnen die Region um Haslach schmackhaft gemacht werden. Dabei versprechen die Verantwortlichen, dass die Arbeit der Ärzte durchgehend auf Klinikniveau vergütet wird.

Das Projekt zur integrierten Vollversorgung von rund 32.000 bei der AOK und LKK krankenversicherten Kinzigtalbewohnern ist eine Gemeinschaftsgründung aus dem Medizinischen Qualitätsnetz Ärzteinitiative Kinzigtal e.V. und der in Hamburg ansässigen OptiMedis AG. Ziel des Verbunds, dem alle örtlichen Akut-Kliniken, mehrere Fachkliniken und etwas mehr als die Hälfte aller niedergelassenen Praxen der Region angehören, ist es, vor allem die Gesundheit und Lebensqualität der Patienten zu verbessern und gleichzeitig unnötige Kosten zu vermeiden.


Auf dem Land fehlen NachfolgerNach oben hoch

"Allein in den nächsten drei Jahren werden fünf Praxen zur Übernahme durch junge Kollegen frei", bestätigt der Apotheker und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens "Hildebrandt GesunheitsConsult" und der "Gesundes Kinzigtal GmbH" Helmut Hildebrandt. Vor allem Hausärzte auf dem Land, die in den Ruhestand gehen, finden oft keine jungen Nachfolger.

Dem steuert "Gesundes Kinzigtal" gegen: "Wir bieten interessierten Jung-Medizinern eine ganze Reihe von Vorteilen: Die Ärzte in der Weiterbildung werden solidarisch unterstützt. Ihnen steht das gesamte Wissen der Ärzteinitiative zur Verfügung. Darüber hinaus organisieren wir den fünfjährigen Rotationsplan bis der Facharzttitel erreicht ist, der für eine Niederlassung nötig ist. Ein besonderer Vorteil bei unserer Initiative ist auch, dass durchgehend Kliniklohn gezahlt wird."

Regelmäßige medizinische und wirtschaftliche Fortbildungen vor Ort, in Heidelberg und Lahr sowie Studienreisen in die Schweiz, Unterstützung bei der Doktorarbeit und enge Kooperationen mit den Gemeinden bei Wohn- und Kinderbetreuungsfragen sollen überzeugen. Vor allem aber die Aussicht, nach der Weiterbildung eine Praxis übernehmen zu können.


"Wir suchen nicht händeringend irgenjemanden!"Nach oben hoch

Hildebrandt betont jedoch: "Wir suchen nicht händeringend irgendjemanden, sondern legen Wert auf frische Ideen und Engagement seitens der jungen Ärzte." Deshalb müssen sich Interessenten auch mit konkreten Vorschlägen für die Verbesserung der medizinischen Versorgung im Kinzigtal bewerben. Zusätzlich wird der direkte Kontakt zu den ausbildenden Praxisärzten Teil des Auswahlverfahrens sein: "Die Chemie soll stimmen" so der Geschäftsführer.

Obwohl er mit zweistelligen Bewerberzahlen rechnet, hat Hildebrandt keine Sorge bezüglich zu vieler Interessenten: "Nicht zuletzt die geplante Ausdehnung des Projekts bis in die Ortenau wird dafür sorgen, dass es genug frei werdende Praxen gibt. Außerdem ist ja auch möglich, eine Stelle zu teilen. Diese Option ist sicherlich besonders für junge Eltern interessant. Das jetzt anlaufende Förderprogramm soll mindestens fünf Jahre laufen - und das mit vier bis fünf Assistentenstellen jährlich."

Hildebrandt betont darüber hinaus, dass der Geförderte keine Verpflichtungen eingeht. Im Anschluss an seine Ausbildung wird dem jungen Facharzt zwar die Möglichkeit geboten, sich im Kinzigtal niederzulassen. Es werde jedoch - so der aktuelle Stand der Vertragsformulierungen - niemand dazu verpflichtet, in der Region zu bleiben.

Das Förderprogramm im Schwarzwald ist nicht die erste Initiative, die den anstehenden oder schon akuten Ärztemangel in ländlichen Bezirken bekämpft. Ähnlich wie bei der Kooperation zwischen der Uniklinik Rostock und der kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommerns werden im Kinzigtal vorrangig zukünftige Allgemeinmediziner als Schlüsselstelle der medizinischen Versorgung angesprochen.


Flaute im Run auf den Beruf des Allgemeinmediziners verständlichNach oben hoch

Die Flaute im Run auf den Beruf des Allgemeinmediziners ist nicht unverständlich: So wird dieser Facharzt im Studium meist wenig beworben. Des Weiteren ist es für die Mediziner normalerweise außerordentlich mühselig, die vorgeschriebenen Rotationen selbst zu organisieren.

Da fallen die von einer lokalen Ärzteschaft mitinitiierte Aktionen im Werben um junge Nachfolger natürlich positiv auf. Die Assistenten können damit rechnen, sehr freundlich in den zukünftigen Kollegenkreis aufgenommen zu werden. Wo in Ballungsgebieten Wettbewerb um die wenigen Patienten vorherrscht, findet sich auf dem Land oft Solidarität und Unterstützung.

Die Aussicht, an einem modellhaften Projekt wie dem im Kinzigtal teilzunehmen, dürfte auch jene ansprechen, die sich eher an den universitären bzw. großstädtischen Orbit gebunden fühlen. So werden Allgemeinmedizin, Innovation und soziologische Forschung miteinander verbunden.

Selbstverständlich spielen auch 20 bis 30 % mehr Gehalt als üblich während der ambulanten Phasen eine große Rolle. Es ist allerdings fraglich, ob ein junger Mensch, der zuvor von der Allgemeinmedizin in ländlichen Regionen Abstand genommen hat, nun den entscheidenden Impuls zur Karriere als Landarzt erhält. Denn der verbesserten finanziellen Situation während der Ausbildung stehen die pekuniär selten wirklich attraktiven Bedingungen im weiteren Berufsleben gegenüber. Jedoch seien, so Hildebrandt, die Bedingungen im Kinzigtal durch das Integrierte Versorgungsmodell durchaus attraktiver als in anderen ländlichen Gegenden Deutschlands.

Das Förderprogramm "Praktische Zukunft - junge Ärzte im Kinzigtal" dürfte vor allem solche Jungmediziner ansprechen, die sich ohnehin in die allgemeinmedizinische Richtung bewegen wollten. Für sie ist das Angebot unter mehreren Gesichtspunkten reizvoll.


Eher Verteilungsproblem als RessourcenmangelNach oben hoch

Da der Schwund vor den Stadttoren mehr ein Problem der Verteilung von Ärzten denn ein Ressourcenmangel ist, bleibt es letztendlich eine gesundheitspolitische Misslage, die regionale Ärzteverbände allein nicht lösen können.

Bleibt zu wünschen, dass sowohl Anzeigen wie "Praxis zu verschenken" als auch konstruktive Hilferufe wie im Südschwarzwald, nicht nur bei jungen Medizinern, sondern mittelfristig auch auf politischen Ebenen die erhoffte Resonanz zeigen.


Information für weitergehend InteressierteNach oben hoch

Die Bewerbung für die Teilnahme am Förderprogramm ist ab sofort möglich. Sowohl Assistenzärzte vor Ausbildungsbeginn als auch Ärzte in oder am Ende der Weiterbildungsphase sind angesprochen. Für Studenten werden übrigens Famulaturplätze angeboten.

Übersicht zu dem Förderprogramm

   Externer Link www.gesundes-kinzigtal.de/arzt-in-weiterbildung/

ab Mitte Dezember: Detailinformation und Bewerbung

   Externer Link www.foerderprogramm-allgemeinmedizin.de

für nähere Informationen, Kontakt

   E-Mail foerderung@gesundes-kinzigtal.de

   E-Mail info@foerderprogramm-allgemeinmedizin.de

 
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