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Zuletzt geändert am 22. 04. 2008

PJ und Hammerexamen: Experten ziehen erste Bilanz

Unis stellen in Symposium Konsequenzen für die klinische Ausbildung vor

Redaktion Via medici online (MH)

Sechs Jahre neue Approbationsordnung, zwei Jahre Hammerexamen: Auf dem PJ-Symposium in Mannheim wurde Bilanz gezogen, wie sich die Vorgaben der neuen Approbationsordnung auf die klinischen Semester und das Praktische Jahr im Medizinstudium ausgewirkt haben. Mehrere Unis stellten in der Alten Brauerei neue Konzepte vor.

Übersicht

Das Kompetenzzentrum Praktisches Jahr der Medizinischen Fakultät Mannheim lud am Mittwoch, den 27. Februar 2008, Dekanatsmitarbeiter und Lehr- und Prüfungsbeauftragte unterschiedlicher Universitäten, sowie andere Interessierte zum dritten Mal zu einem Symposium in der "Alten Brauerei" ein, um über die Veränderungen im klinischen Studienabschnitt zu diskutieren.

Das Symposium war gut besucht.Foto: M. Hüttemann
Das Symposium war gut besucht.
Foto: M. Hüttemann


Ergebnisanalysen zum schriftlichen Teil der 2. ÄPNach oben hoch

Prof. Jürgen Neuser, der Direktor des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) in Mainz, stellte zu Beginn die statistischen Erkenntnisse aus den bisherigen sogenannten M2-Prüfungen, also den 2. Ärztlichen Prüfungen, dar.

Prof. J. Neuser Foto: M. Hüttemann
Prof. J. Neuser
Foto: M. Hüttemann

Während beim ersten Hammerexamen die Misserfolgsrate noch außergewöhnlich hoch war, pendelt sie sich nun bei 10-15% ein, für die Referenzgruppe liegen die Zahlen deutlich darunter.

Die Referenzgruppe besteht aus Studierenden mit Mindeststudienzeit und stellt eine "starke Gruppe" dar. Die statistische Auswertung hat laut Neusse ergeben, dass mit der Studiendauer die Misserfolgsquote steigt: Je länger jemand studiert, umso schlechter schneidet er im Examen ab. Die Chance eines Misserfolgs in der 2. ÄP steige mit jedem Semester um den Faktor 1,2. Allerdings sind die Gründe für die längere Dauer des Studiums - zum Beispiel ein Nebenjob, Schwangerschaft oder Auslandsaufenthalte - bisher nicht hinterfragt worden.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass ein Lernsemester scheinbar keinen Vorsprung bewirkt. Während des Freisemesters geht wohl sehr viel Wissen verloren, sodass insgesamt keine besseren Leistungen im Examen erzielt werden. Darüber hinaus ist kein systematischer Effekt auf das Ergebnis durch den Zeitpunkt des PJ-Endes feststellbar. Je nach Uni beenden die Studenten unterschiedlich lang vor der Prüfung ihr PJ. Wer mehr Zeit für die Vorbereitung habe, schneide aber nicht automatisch besser ab, so Neuser.

Neben der Länge des Studiums existieren noch weitere Determinanten der Prüfungsleistung. So sind die Ergebnisse von Wiederholern schlechter als die der Erstteilnehmer. Die Abiturnote korreliert mit dem Prüfungsergebnis im Examen und Männer erreichen im Durchschnitt schlechtere Ergebnisse als Frauen. Schlechter im Examen sind auch solche Studenten, die ihre Hochschulberechtigung im Ausland erworben haben.

Bei welchen Fragen schneiden die Studenten besser ab: Bei den Einzelfragen oder bei den Fallstudien? Die Examenskandidaten seien bei den Einzelfragen etwas besser als bei den Fallfragen, erklärt Neuser. Das könne darauf zurückzuführen sein, dass bislang keine Altfragen für die Fallfragen existierten. Literatur musste neu entwickelt werden und auch die Lehre an den Universitäten stelle sich erst langsam auf die neue Frageform ein.

Für die Prüfung der Zukunft hat Neuser die Vorstellung, dass die Ärztliche Prüfung irgendwann computerbasiert stattfinden werde, wobei auch klinisches Arbeiten simuliert werden könnte. Hierfür müsse jedoch der politische Wille vorhanden sein - die Landesprüfungsämter hätten bei einer solchen Veränderung mitzubestimmen. Logistisch sei eine computerbasierte Prüfung jedoch möglich.

Kritik an den Fragen und an den im Examen vorgestellten Krankheitsbildern wies Neuser zurück. 150 Sachverständige säßen in zwei Sitzungen wöchentlich zusammen und diskutierten, Remissionsgruppen würden einstimmig die Fragen entwerfen, die dann noch von einer Kontrollkommission geprüft würden.

Dass die Fallvorstellungen teilweise sehr lang gerieten und dann zum Beispiel über ein bis zwei Seiten reichten, habe seinen Grund in der Vorgabe, dass das Examen eine bestimmte Zeit zu dauern habe, aber nur eine vorgegebene Zahl von Fragen beinhalten dürfe. An diesen Vorgaben könne das IMPP als rein ausführende Behörde nichts ändern.

Auch der Kritik an der Wahl exotischer Krankheitsbilder widersprach Neuser. So sei bei dem viel kritisierte Fall eines Morbus Wegener im Examen nicht diese seltene Krankheit geprüft worden, sondern Themen, die mit der Krankheit im Zusammenhang stehen, so zum Beispiel die Immunsuppression.


Das Berliner Modell der M-2-Prüfung mündlich-praktischNach oben hoch

Waltraud Georg, Ärztin an der Charité in Berlin und Mitglied der Arbeitsgruppe Reformstudiengang Medizin, stellte das Berliner Modell der mündlich-praktischen Prüfung vor. Bei dieser Prüfung fokussiere sich die Uni auf das PJ; es handle sich ausdrücklich nicht um eine Prüfung des gesamten klinischen Studienabschnitts.

Waltraud GeorgFoto: M. Hüttemann
Waltraud Georg
Foto: M. Hüttemann

Geprüft werden Chirurgie, Innere Medizin und das Wahlfach. Fächer die nicht Wahlfächer sind, werden nicht geprüft. An zwei Tagen findet die Prüfung statt und dauert jeweils drei bis vier Stunden. In diesen zwei Tagen findet eine praktische Prüfung am Patienten statt, eine Gruppenprüfung ohne Patienten und eine Prüfung, bei der fallbezogen Wissen abgefragt wird.

Hinzu kommen in Berlin die PJ-Berichte. Ein bis drei solcher Berichte muss jeder Student während der klinischen Semester verfassen. Der Student darf bei dem Patienten eine Anamnese erheben und ihn untersuchen und hat Einsicht in die Krankenakte. Es ist vorgesehen, dass der Bericht oder die Berichte in der mündlich-praktischen Prüfung diskutiert werden.

Die Gewichtung der einzelnen Prüfungskomponenten sieht folgendermaßen aus:

 20% Patientenbericht
 30% klinisch-praktische Prüfung
 50% mündlich-klinische Prüfung

Probleme sieht Georg darin, dass der zeitliche Aufwand zur Vorbereitung der Prüfung für die Uni erheblich sei. So träten etwa einhundert Gruppen pro Semester zur Prüfung an.

Eine offene Frage sei bislang außerdem: Wo lernen die Prüfer zu prüfen? Es sei unbedingt notwendig, dass unerfahrene Prüfer geschult werden.


Qualitätssicherung im PJ in MünchenNach oben hoch

Professor Robert Brauer, Oberarzt der chirurgischen Uniklinik der TU München, äußerte sich dazu, wie die Qualität im PJ an der TU München gesichert wird.

Prof. Robert BrauerFoto: M. Hüttemann
Prof. Robert Brauer
Foto: M. Hüttemann

Ein großer Schritt sei in der Chirurgie gewesen, dass ein "PJ-Logbuch" in Kitteltaschenformat eingeführt worden sei. In dem PJ-Tagebuch ist aufgeführt, welche Tätigkeiten ein Student in seinem Praktischen Jahr sehen und selbstständig durchführen muss. 70% der geforderten Leistungen müssen dokumentiert und vom Arzt abgezeichnet sein, damit ein Student die PJ-Bestätigung erhält. Für weitere Fächer sind Logbücher in Planung, voraussichtlich würden diese noch im Frühjahr 2008 eingeführt.

In München hat außerdem jeder PJler einen Mentor, meist den zuständigen Oberarzt, der sich regelmäßig mit dem Studenten trifft, um Fortschritte und Defizite zu besprechen.

Die Eigenverantwortlichkeit der PJ-Studenten im Fach Chirurgie wird dadurch gefördert, dass sie für eigene Patienten zuständig sind. Sie betreuen die eigenen Patienten von der Aufnahme über die OP bis zur Entlassung.

Auch bezüglich der Arbeitszeit der PJler hat die TU eine Besonderheit zu bieten. So gibt es in der Chirurgie kein "lernfrei", dafür werde jede Stunde, die über die Regelarbeitszeit hinaus gearbeitet werde, dokumentiert und könne "abgefeiert" werden, wann der PJler möchte. Auch ein Halbtags-PJ für Mütter und Väter ist in München möglich, allerdings verlängere sich das Praktische Jahr dann entsprechend.

LinkInterview mit Prof. Robert Brauer zur PJ-Reform in München

Belohnungssystem für Ausbilder im PJ in MünsterNach oben hoch

Nicht immer sind die ausbildenden Ärzte tatsächlich motiviert, den Studenten etwas beizubringen. Wie können unwillige Ärzte für die Lehre motiviert werden? Studiendekan Dr. Bernhard Marshall von der Uni Münster hat sich dafür etwas einfallen lassen: In Münster können PJler ihre Ausbilder bewerten und damit Einfluss auf ein Zusatzhonorar für die ausbildenden Ärzte nehmen.

Dr. Bernhard MarschallFoto: M. Hüttemann
Dr. Bernhard Marschall
Foto: M. Hüttemann

Das sieht folgendermaßen aus:
Eigentlich bekommen die Träger der Lehrkrankenhäuser Geld für jeden Studenten. Davon haben die Ausbilder jedoch persönlich nichts. In Münster jedoch erhalten nicht die Träger das Geld - abgesehen von einer Verwaltungspauschale, sondern die Lehrer werden honoriert. Auf einer Online-Plattform "verteilen" die Studenten per Klick das Honorar an die Ausbilder, die es ihrer Meinung nach verdienen. Da dieses Geld steuerfrei den Ärzten zugute kommt, entstehen ein großer Motivationsschub. Marschall spricht auch von "Leistungsorientierter Mittelvergabe".

Doch auch die Studenten werden in Münster motiviert: Es wurde ein spezielles Online-Tool programmiert, in dem die Studenten ihre individuellen Persönlichkeitsdiagramme erstellen können. Sie schätzen ihren Leistungsstand, Fertigkeiten und Kenntnisse selbst ein, und zwar zu Beginn, in der Mitte und am Ende des PJs. Der Erfolg des Praktischen Jahres jedes einzelnen Studenten lässt sich an solchen Diagrammen ablesen. Die bisherigen Auswertungen zeigen, dass das PJ zu einer Weiterentwicklung der medizinischen Kenntnisse und Fertigkeiten führt.

LinkInterview mit Dr. Bernhard Marschall zum neuen Curriculum

PJ-Eingangsprüfung in RegensburgNach oben hoch

"Die Studenten haben im PJ durch den Wegfall des 2. Staatsexamens weniger theoretisches Wissen als früher.", wird häufig kritisiert; selbst die Studenten sehen das so. Die Uni Regensburg hat aus diesem Grund eine PJ-Eingangsprüfung eingeführt, in der medizinisches Wissen abgefragt wird. Dr. Falitsa Mandraka, Internistin und Lehrbeauftragte der Uni Regensburg, berichtete über dieses Projekt.

Dr. Falitsa MandrakaFoto: M. Hüttemann
Dr. Falitsa Mandraka
Foto: M. Hüttemann

Seit zweieinhalb Jahren wird die Prüfung vor dem Praktischen Jahr nun durchgeführt und die Akzeptanz seitens der Studierenden wächst. Die Fächer Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesie werden im sechsten Semester, und zwar ausschließlich im sechsten klinischen Semester, theoretisch abgefragt.

Die Prüfung besteht aus insgesamt neunzig Fragen, davon siebzig in Form von Multiple-Choice. Zwanzig Fragen hingegen sind offen gestellt, hier kann man auch Teilpunkte erzielen. Die Bestehensgrenze der PJ-Eingangsprüfung liegt bei 70%, also höher als in der 2. ÄP - hier liegt die Bestehensgrenze bei 60%.

Nachdem im Wintersemester 2005/2006 noch 17 von 46 Studenten durchgefallen waren, gab es heftige Proteste gegen die Prüfung. Doch sowohl die Prüfer als auch die Studenten haben hinzugelernt. Die Misserfolgsquote ist gesunken und 75% der Studenten möchten die Prüfung nicht mehr missen.

Ein großes Problem sei der große Aufwand für die Uni durch die zusätzliche Prüfung. So sei es kompliziert, die zahlreichen MC-Fragen zu konzipieren, auch die Auswertung per Hand sowie die Nachbesprechungen mit den Studenten seien sehr zeitaufwändig. An diesen Problemen werde jedoch gearbeitet.

Mandraka verbucht die guten Ergebnisse im Hammerexamen, die die Regensburger Studenten erreicht haben, unter anderem als Erfolg der PJ-Eingangsprüfung, die quasi ein Probedurchlauf für das Hammerexamen sei.


PJ-Eingangsprüfung in MannheimNach oben hoch

Einen anderen Weg beschreitet die Medizinische Fakultät Mannheim der Uni Heidelberg: Hier findet keine MC- sondern eine mündlich-praktische Prüfung vor dem PJ statt. Dr. Harald Fritz, Mitarbeiter des Studiendekanats in Mannheim, berichtete über dieses Vorgehen.

Dr. Harald FritzFoto: M. Hüttemann
Dr. Harald Fritz
Foto: M. Hüttemann

Es gehe bei der Prüfung in Mannheim darum, praktische Fertigkeiten für das PJ zu trainieren und im Studium länger zurückliegende Inhalte zu reflektieren. Nach und nach müsse es das Ziel sein, die praktischen Fertigkeiten bereits in den klinischen Semestern zu vermitteln.

Bei der sogenannten OSCE-Prüfung (objective structured clinical examination) müssen die Studenten 12 Stationen aus Chirurgie, Orthopädie, Urologie und Anästhesie absolvieren. Sie können dabei maximal 20 Punkte erzielen. Ist ein Student nicht erfolgreich, kann er die Prüfung wiederholen.

Anfangs, so Fritz, sei OSCE eher unbeliebt gewesen, nun sei die Prüfung jedoch allgemein akzeptiert und werde sicherlich in Zukunft beibehalten.


Testate, Blockpraktika Innere Medizin und Repetitorium in LübeckNach oben hoch

Dr. Susann Fuhrmann von der Uni Lübeck berichtete über das Vorgehen der Medizinischen Fakultät im Fach Innere Medizin. Auch hier existiert eine Art Logbuch, der sogenannten PJ-Pass, in dem Leistungen jedoch nicht abgezeichnet werden, sondern der als Orientierungshilfe für die Studenten dient.

Dr. Susann FuhrmannFoto: M. Hüttemann
Dr. Susann Fuhrmann
Foto: M. Hüttemann

Am 1. September 2006 wurde in der Inneren Medizin der Uni Lübeck ein achttägiges Repetitorium eingeführt, an dem insgesamt 75 Studenten teilnehmen können. Es findet zwischen dem Praktischen Jahr und der 2. Ärztlichen Prüfung statt. Jeden Vormittag werden Vorlesungen zu unterschiedlichen Symptomen gehalten, Nachmittags gibt es zu den entsprechenden Themen Seminare und Fallbesprechungen. Alle teilnehmenden Studenten hielten die Veranstaltung für hilfreich.

Mittlerweile wurde das Repetitorium um einen Tag verlängert. Es ist geplant, das Repetitorium in Zukunft zweimal jährlich und für sämtliche Medizinstudenten durchzuführen.

Außerdem will man in Zukunft das Blockpraktikum von zwei auf drei Wochen verlängern und die erste Woche als Einführungswoche gestalten, in der die Praktikanten alle Funktionsbereiche der Inneren Medizin kennenlernen.


Praxisnaher klinischer Unterricht in MünchenNach oben hoch

Prof. Robert Brauer beschrieb in seinem zweiten Vortrag, wie die Uni in München bereits frühzeitig die Studenten praxisnah unterrichtet. So werden die Studenten während des zweiwöchigen Blockpraktikums Chirurgie in die klinischen Abläufe integriert und rotierten über die Stationen, OPs und Ambulanzen. Zusätzlich werden den Studenten Vorlesungen und Seminare geboten, in denen sie zum Beispiel Nähen, Knoten, Gipsen und Osteosynthesen lernen. Leider würden die praktischen Fähigkeiten nach Angaben von Brauer bis zum PJ häufig wieder verlernt.

Ein Problem des Chirurgie-Blockpraktikum am Klinikum Rechts der Isar sei auch, dass die Ärzte teilweise derart unmotiviert seien, dass sie von den Studenten mit der Schulnote 4,4 bewertet würden. Die Lehre müsse im Verhältnis zu Krankenversorgung und Forschung dringend aufgewertet werden. Hierfür müsse ein Belohnungskonzept geschaffen werden - doch nicht nur das: Unwillige Lehrende müssten "bestraft" werden, beispielsweise dadurch, dass sie auf Pflichtfortbildungen geschickt würden.


Semesterabschlussklausuren in MünsterNach oben hoch

Bernhard Marschall stellte am Nachmittag eine weitere Entwicklung an der WWU Münster vor. Während 2003 noch eine Hauptvorlesung neben der anderen stand, unvernetzt, von Studenten kaum besucht, ist das Curriculum mit der neuen AO modularisiert worden, das heißt, es wird nicht mehr fach-, sondern interdisziplinär themenspezifisch unterrichtet. Diese Vernetzung kommt an: Bis zu 70% der Studenten besuchen die Vorlesungen nun.

In der zwölften Woche der klinischen Semester werden Semesterabschlussklausuren im MC-Verfahren durchgeführt, wobei sich die Inhalte der Vorlesungen eins zu eins in den Klausuren widerspiegeln sollen. Auf die Kritik, die Studenten seien aufgrund des fehlenden 2. Staatsexamens schlechter auf das PJ vorbereitet, entgegnet Marschall:


"Wenn Sie Prüfungen vor dem PJ haben wollen, dann machen Sie sie doch uniintern. Das ohnehin ungeliebte IMPP ist dafür unnötig."


FazitNach oben hoch

Wie schon in den vergangenen Jahren war das PJ-Symposium 2008 eine gelungene, straff durchorganisierte Veranstaltung, mit Referenten, die wirklich etwas zu sagen hatten.

Die neue AO und insbesondere das fehlende zweite Staatsexamen vor dem PJ hat bereits Wirkung gezeigt: Zahlreiche Universitäten bemühen sich, das klinische Studium so umzugestalten, dass die Studenten dennoch mit ausreichend Wissen und praktischen Fähigkeiten ins PJ und ins Hammerexamen gehen.

Ob nun PJ-Eingangs- und Semesterabschlussprüfung, PJ-Logbuch, Blockpraktikums-Verlängerung oder mehr Praxis im klinischen Studium das Richtige ist, wird sich erst noch zeigen. Vermutlich würde eine Kombination aus all diesen Maßnahmen den neuen Anforderungen gerecht.


Bis in einem Jahr in der Alten Brauerei in Mannheim!

Die Alte BrauereiFoto: M. Hüttemann
Die Alte Brauerei
Foto: M. Hüttemann


Korrektur und KommentarNach oben hoch

Korrektur

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels wurde an einer Stelle im Zusammenhang mit der Medizinischen Fakultät die Universität Mannheim erwähnt. Tatsache ist, dass die Medizinische Fakultät Mannheim seit ihrer Gründung in den 60er-Jahren zur Universität Heidelberg gehört. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Kommentar von Yvonne L., Medizinstudentin an der Uni Greifswald

Erhöhen Prüfungen die Leistung?

Der Bericht über das PJ-Symposium in Mannheim ist sehr interessant, allerdings erstaunt mich die geringe immanente Reflexion.

Nach dem Lesen des Artikels muss man sich doch stark fragen, ob überhaupt eine Uni, mit Ausnahme der Uni Lübeck, Interesse daran hat, dass die Studenten vom PJ mehr profitieren und das Examen besser bestehen können.

Prüfungen erhöhen bekanntlich den Druck, was man in der gesellschaftlichen Diskussion über die Belastung der BA-Studiengänge sieht; die Leistungen der Studenten werden meiner Meinung nach durch Prüfungen nicht verbessert. Jeder Mediziner sollte spätestens nach der Physiologie-Hauptvorlesung wissen, dass Stress auf mnestische Funktionen eher negative Auswirkungen hat.

So wundert es mich, dass in diesem Artikel die Reformen der Unis begrüßt werden, denn diese laufen leider meistens darauf hinaus, dass weitere Prüfungen eingeführt werden.

Wäre es nicht wünschenswert, dass sinnloses Blutabnehmen im PJ und unzählige Appendektomien ohne Erläuterungen ein Ende nähmen und es zu einem tatsächlichen Lerngewinn des PJlers käme.

Darüber hinaus kann ich die Begrüßung der Abschaffung von Studientagen nicht nachvollziehen. Die Studientage benötigt der Student meines Erachtens dringend, und zwar für die Doktorarbeit, zum Nacharbeiten, aber auch, um sich von den sinnlosen und damit frustrierenden Tätigkeiten im PJ ein wenig abzulenken.

Dass es immer noch keine festgelegten gesamtdeutschen Arbeitszeiten für PJler gibt ist ebenfalls ein Kritikpunkt, den der Artikel geflissentlich übersieht.

Abschließend lässt sich jedoch als Fazit ziehen, dass der Artikel eine gute Diskussionsgrundlage bildet.

 
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