Medizinstudium
Bücher/Medien
![]() ![]() |
|
|
|
| Allgemeiner Überblick über das Modellstudium |
Das Grundkonzept aller Modellstudiengänge ist die Einheit von Vorklinik und Klinik. Ziel ist dabei, dass der Student eine verantwortungsvolle ärztliche Einstellung erlernt, die seinem künftigen Handeln stets das psychisch-seelische Befinden der Patienten sowie die soziale Lage zugrunde legt.
Die Universitäten bilden ihre zukünftigen Ärzte nach einem umstrukturierten Lehr-, Lern- und Prüfungssystem aus. Dabei ermöglicht das didaktische Prinzip der Lernspirale durch wiederholtes Lernen verschiedener Sachverhalte unter unterschiedlichen Gesichtspunkten eine effektivere Festigung des Wissens. Wesentlich sind dabei das problemorientierte, fallbezogene Lernen (POL) in Kleingruppen, sowie neue Prüfungsformen. Diese hochschulinternen Prüfungsformen, wie OSCE (objective structured clinical examination) verbinden kognitives Wissen mit praktischen Fertigkeiten sowie diagnostischem Denken und ersetzen die übliche Multiple Choice-Form der Ersten Ärztlichen Prüfung ( früheres Physikum). Nach dem 10. Semester wird das Studium wie im Regelstudiengang mit dem Praktischen Jahr (PJ) sowie der Zweiten Ärztlichen Prüfung (Hammerexamen) fortgeführt.
Während im Regelstudium nach und nach die Ziele und neuen Lehrformen ins bestehende Curriculum übernommen werden, konnten die Modellstudiengänge die reformierten Curricula en bloc einführen.
| Reformstudiengang Medizin Berlin (RSM) |
Den Anstoß für den Reformstudiengang Medizin in Berlin gaben 1989 die Studenten im UNiMUT-Streik, der aus Unzufriedenheit mit der medizinischen Ausbildung heraus entstand. Berlin war die erste Uni, die mit einem Modellstudium starten dürfte. Seit 1999 beginnen nun jeweils zum Wintersemester 63 Studierende diesen neuen Medizinstudiengang. Alle zugelassenen Studenten der Medizin an der Charité Universitätsmedizin Berlin (CUB) können sich bei der Einschreibung zwischen dem Regelstudiengang und dem Reformstudiengang entscheiden. Unter allen Interessenten am RSM werden per Losverfahren 63 Studierende ermittelt.
Die Lehr- und Lerninhalte sind in den ersten Semestern nach Organsystemen geordnet. Dabei lernen die Studenten organbezogene Untersuchungstechniken, spezifische Diagnostik sowie die gezielte Anamnese. In inhaltlich aufeinander abgestimmten Seminaren und Praktika lernen die Studenten im Komplex Niere somit die Pathologie, als auch die Physiologie, Anatomie und Klinik des Organs fächerübergreifend kennen.
Besonders hervorzuheben sind die wöchentlich stattfindenden Interaktionsgruppen. Dabei lernen die Studenten unter Supervision, wie Arzt und Patient miteinander kommunizieren, wie Interaktion wahrgenommen und beeinflusst werden kann.
Die folgenden Semester befassen sich mit einzelnen Lebensabschnitten - vom Junior bis zum Senior- wobei der Patientenkontakt vom ersten Semester an fester Bestandteil des Studiums ist. Beispielsweise findet im ersten Studienabschnitt wöchentlich ein Praxisvormittag für jeden Studenten in einer festen Lehrpraxis statt.
Im Trainingszentrum für Ärztliche Fertigkeiten (TÄF) können die Studierenden unter Anleitung an "Simulationspatienten" ihre Kommunikationsfähigkeiten üben. Außerdem stehen Übungspuppen zur Verfügung, an denen die Studenten praktische Tätigkeiten wie das Legen einer Venenverweilkanüle oder die Liquorpunktion trainieren können.
Im Sinne einer umfassenden Ausbildung stehen "Grundlagen ärztlichen Handelns" genauso auf dem Stundenplan wie ein Studium generale, bei dem nur nicht-medizinische Fächer belegt werden dürfen. Die Studenten können dabei unter einem breiten Angebot wählen, das von Sprachkursen bis zu Vorlesungen der Gender Studies reicht. Alle 3 Monate findet ein Progressionstest in Form von MC-Fragen statt, der den Studenten eine Rückmeldung über ihren Wissenszuwachs gibt. Dieser Test wird nicht benotet, ist aber obligatorisch.
Im Berlin ist es jederzeit möglich, aus dem Reformstudium in den regulären Studiengang zu wechseln. Allerdings besteht nicht die Möglichkeit ohne Studienzeitverlust an einen anderen Studienort zu wechseln, da wegen des unterschiedlichen Curriculums Probleme mit der Anerkennung der Scheine vorprogrammiert sind.
Von den 63 "Studenten der ersten Stunde" absolvierte ein Teil 2004 das 2. Staatsexamen erfolgreich, wobei die Ergebnisse laut Professor Dieter Scheffner, Beauftragter der Charité für den Reformstudiengang Medizin, denen im Regelstudiengang entsprechen.
| "Ich kann den Reformstudiengang nur empfehlen. Und das, obwohl wir Ersten einige Schwierigkeiten mit unwilligen Profs und Dozenten hatten, die uns als 'Schmalspurmediziner' angesehen haben oder nicht wussten, was sie mit uns anfangen sollten. Aber diese Probleme dürften jetzt nach 5 Jahrgängen beseitigt sein." Student der ersten Stunde des RSM im Medi-Learn-Forum |
| Modellstudiengang an der Uni Witten/Herdecke |
Die Privatuniversität Witten /Herdecke bietet seit dem Sommersemester 2000 den Modellstudiengang Medizin an. Jährlich werden 42 Studenten für den Modellstudiengang zugelassen. Das Auswahlverfahren ist vielschichtig und orientiert sich an der Perönlichkeit, dem Fachinteresse und der Motivation des Bewerbers. Ein Quereinstieg ins 5. Semester ist ebenso möglich.
Zum Leitbild der Privatuni zählen Freiheit, Wahrheit und soziale Verantwortung. Entsprechend diesem Geiste sind die meisten Veranstaltungen fakultativ. Die Studenten werden ermutigt, ihr Studium individuell zu gestalten.
Zu den Leitgedanken des Witten/Herdecker Studiums gehören die ständige Vernetzung von Theorie und Praxis, fächerübergreifend wissenschaftlich fundierte Fachkenntnisse sowie die Integration ethischer, erkenntnistheoretischer und persönlichkeitsbildender Inhalte.
Vom ersten Semester an haben die Studierenden Kontakt zu Patienten. Im Allgemeinarzt-"Adoptions"-Programm lernen die künftigen Mediziner frühzeitig, die Theorie in "ihrer" Praxis anzuwenden. Darauf vorbereitend finden ein Wahrnehmungspraktikum im Krankenhaus sowie Rollenspiel-Seminare zum Arzt-Patienten-Kontakt statt. Hierbei lernen die Studenten die vielfältigen Aspekte von Interaktion zwischen Arzt und Patient mit Hilfe von Simulationspatienten kennen.
Um die unterschiedlichen Fächer in einen integrativen Zusammenhang zu setzen, werden 2 klinische Kernblöcke gebildet: "Operative Fächer" sowie "Konservative Fächer". Ein multimediales Lehr-und Lernstudio sowie die Möglichkeit Naht- und Verbandstechniken oder das Befunden von Röntgenbildern zu üben runden das Angebot ab.
Besonders hervorzuheben ist das studienbegleitende Wahlpflichtprogramm. Dieses beinhaltet 4 Curricula als festen Bestandteil des Studiums:
| • | Einen Strang bilden Veranstaltungen zu Anamnese, Selbsterfahrung und Reflexion der ärztlichen Rolle. |
| • | Ein weiterer befasst sich sowohl mit medizinischer Anthropologie, Medizingeschichte, als auch mit den rechtlichen Rahmenbedingungen ärztlichen Handelns. |
| • | Der dritte Strang umfasst Wissenschaftlichkeit, Methodologie und Forschung. Veranstaltungen zu Wissenschaftstheorie, Literaturrecherche, medizinischer Statistik und Evidence Based Medicine sollen die Studierenden zu wissenschaftlichem Denken und Arbeiten befähigen. |
| • | Der vierte und letzte Strang beinhaltet Grundlagen des Gesundheitssystems, Qualitätsmanagement sowie Organisationsentwicklung. |
Um den Studenten eine Rückmeldung über ihren Wissenszuwachs zu geben, findet 4 mal im Jahr ein Progresstest in Kooperation mit der Charité Universitätsmedizin Berlin statt.
Als einzigartige Zusatzausbildung existiert das Studium fundamentale. Über die Grenzen der eigenen Fachdisziplin hinaus tragen unter anderem Veranstaltungen der Philosophie, Kunst und Kulturgeschichte zur Persönlichkeitsbildung bei. Die Studenten sollten dabei lernen, mit ihrem Wissen und Tun in kritischer Distanz umzugehen, schreibt das Dekanat in seiner Studienbewerberbroschüre.
Zusätzlich fördert die Uni internationale Erfahrung im Rahmen von Praktika, PJ, Famulaturen oder Semestern im Ausland.
Als Privatuniversität erhebt Witten/Herdecke Studiengebühren von circa 15.000 € für 10 Semester Studium. Die Studiengebühren in Witten seien laut Ulrich Bork, Medizinstudent in Witten, kein Hinderniss dort zu studieren. " [...] die erhobenen Mittel kommen unmittelbar Lehre und Forschung zugute und sie werden nicht von der Universität erhoben und verwaltet, sondern von der Studierendengesellschaft, ein Verein, der von Studierenden betrieben wird. Der "Umgekehrte Generationenvertrag" ermöglicht Studierenden aus weniger betuchten Elternhäusern die Zahlung der Finanzierungsbeiträge nach Ihrem Studium. Acht Jahre acht Prozent vom verfügbaren Einkommen, so lautet die Rückzahlungsregel.", erläutert er.
| "Jeder kommt mit seinen ganz eigenen Zielen und Vorstellungen nach Witten/Herdecke. Diese vielen Pläne mit dem Vorgefundenen zu verbinden und mit dem Start in Witten die bisherigen Lebensabschnitte nicht ganz zu beenden, ist für mich eine wirkliche Herausforderung. Auch deshalb ist es schön, das Studium mit einer Wanderung zu beginnen und dabei die anderen 41 Leute kennenzulernen, die sich mit mir gemeinsam auf den Weg machen." Katia El-Hussein, Studentin im 2. Jahrgang in der Bewerberbroschüre des Modellstudiengangs Medizin an der Universität Witten/Herdecke 2004 |
| Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) |
Beginnend mit allen Kursen des ersten klinischen Studienabschnitts studieren alle Studenten, die seit dem Oktober 2001 an der Medizinischen Fakultät Heidelberg eingeschrieben sind, nach dem reformierten Curriculum. Da der Modellstudiengang erst mit dem klinischen Abschnitt beginnt, ist es möglich, von anderen Universitäten nach Heidelberg zu wechseln oder zu tauschen, falls die Kapazität von 260 Studienanfängern in der Klinik nicht erreicht wird. Währen des klinischen Studienabschnitts sind hier, anders als bei anderen Modellstudiengängen, alle Veranstaltungen Pflicht.
Unterrichtet wird in Modulen von 26 Studierenden. Anhand von Leitsymptomen wie beispielsweise Kopfschmerz, lernen die Studenten Krankheitsbilder aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen wie Chirurgie, Innere Medizin und Radiologie innerhalb einer Veranstaltung kennen.
Hervorzuheben ist der Stationsunterricht in kleinsten Gruppen. Auf der Station, die halbjährlich wechselt, sind Creditpoints für Blutabnahme, intramuskuläre Injektion, das Legen einer Magensonde etc. zu sammeln.
Im Kommunikations-und Interaktionstraining haben die Studenten die Möglichkeit, an standardisierten Simulationspatienten ihre Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.
Verschiedene online-Lernangebote, wie die Lernplattform ATHENA runden das Konzept ab. Selbst der letzte Studienabschnitt, das Praktische Jahr (PJ), ist mittels Stationsmanagement-Crashkurs sowie einführender Überprüfung der Untersuchungs- und Anamnesetechniken effizienter gestaltet.
Da Semester zugunsten eines ganzjährigen Studiums abgeschafft wurden und das Curriculum sehr straff organisiert ist, kostet es den Studierenden laut Andreas Ziegler, Student im HeiCuMed, sehr viel Zeit und Aufwand, alles unter einen Hut zu bringen, falls sie sich nebenbei den Lebensunterhalt finanzieren oder aufbessern müssen.
| "Als 'Betroffener' des neuen Heidelberger Curriculums fällt meine durchaus subjektive Konklusion gänzlich positiv aus, es lohnt sich wieder, in Deutschland Medizin zu studieren." Andreas Ziegler, Student des HeiCuMed |
| Modellstudiengang an der Uni Köln |
Seit dem Wintersemester 03/04 findet das Studium der Humanmedizin an der Universität Köln ausschließlich im Modellstudiengang statt. Wer hier über die ZVS einen von 170 Studienplätzen erhalten hat, lernt ein Studium orientiert an Praxisbezug, Interdisziplinarität und wissenschaftlichem Arbeiten kennen.
Im Rahmen von Kompetenzfeldern (KF) werden die Inhalte verschiedener Fächer vernetzt, was das Studium besonders in den ersten Semestern plastischer gestaltet. Anhand von wöchentlich wechselnden Themen, wie Anämie, Diabetes oder Tod & Trauer lernen die Studenten die unterschiedlichen Sichtweisen der verschiedenen Disziplinen wie Physiologie und Pathologie kennen. Ergänzend findet wöchentlich ein KF-Tutorium statt, in dem ein Tutor einer Kleingruppe die Grundlagen des jeweiligen KF erläutert.
Speziell die praktischen Fertigkeiten werden im Kölner Interprofessionelles Kompetenzzentrum für Patientennahe Fertigkeiten (KIK) vermittelt. Hier lernen die Studierenden von Tutoren begleitet Blasenkatheter zu legen, Spiegelungen durchzuführen oder üben ihre Gesprächskompetenz an Simulationspatienten.
Besonders hervorzuheben ist die studienbegleitende Patientenbetreuung. Jeder Student nimmt dabei selbständig Kontakt zu einer Lehrpraxis auf. Dort weist der Arzt dem Studenten einen chronisch kranken Patienten zu, den der Student die kommenden 4 1/2 Jahre begleiten und ein Dossier über dessen Krankheitsverlauf verfassen wird.
Einige Veranstaltungen sind in die Semesterferien gelegt. Innerhalb der ersten 4 Semester sind z.B. zwei 8-wöchige Praktika zu bearbeiten, die helfen sollen, wissenschaftliche Kompetenz zu erwerben. Für Studenten, die für ihren Lebensunterhalt teilweise selbst verantwortlich sind, sei der Zeitrahmen für die Veranstaltungen eine ungeheure Belastung, so Susanne Brandner, ehemalige Kölner Lokalredakteurin bei Via medici-online. Verlängerte Studienzeiten seien da bereits vorprogrammiert, so ihre Vermutung.
| "Man muss [...] bedenken, dass es auch für die Uni das erste mal ist, dass dieser Modellstudiengang läuft. Aber sie haben, bisher jedenfalls, immer schnell auf Kritik reagiert. Es gab mittlerweile auch ein Semestergespräch, bei dem wir noch mal unsere Eindrücke zu den einzelnen Kursen loswerden konnten. Also, sie bemühen sich wirklich!" Sarah Weigel, Studentin der ersten Stunde in ihrem Erfahrungsbericht auf ihrer Internetseite |
| Modellstudiengang Medizin (MSM) an der Ruhr-Universität Bochum |
Seit dem Wintersemester 03/04 werden von der ZVS 42 Studierende für den Modellstudiengang Medizin an der Ruhr-Uni Bochum zugelassen. Ziel ist es laut Dekanat, den Studenten neben dem medizinischen Fachwissen auch psychologische und soziale Aspekte als Grundlage ihrer Entscheidungen zu vermitteln. Die Studierenden sollen Verantwortungsbewusstsein, Selbständigkeit und kritisches Denken erlernen.
Thematische Module vermitteln das Wissen multidisziplinär, also aus dem Blickwinkel verschiedener Fachrichtungen. Dabei stehen zu Beginn des Studiums mehr die Organe und Organsysteme im Vordergrund. Im anschließenden Studienabschnitt wird der Schwerpunkt auf die Phasen der Entwicklung von der Schwangerschaft bis hin zum Altern gelegt. Der letzte Abschnitt befasst sich intensiv mit den häufigsten Erkrankungen.
Bereits vom ersten Semester an haben die künftigen Mediziner die Möglichkeit, theoretisches mit praktischem Wissen zu verknüpfen. Regelmäßige Hospitationen in allgemeinärztlichen Praxen sowie bedside-teachings ermöglichen den Studierenden, das Erlernte in der Praxis zu erleben und im klinischen Alltag umzusetzen.
Klinisch-praktische Fertigkeiten wie venöse Blutentnahme oder Befundung von Röntgenbildern können die Studenten im skills-lab üben.
Besonders hervorzuheben sind verschiedene integrale Bereiche des Curriculums. Das Üben der ärztlichen Interaktion in Rollenspielen steht genauso auf dem Programm wie Gesundheitsökonomie, Wissenschaft und Forschung. Innerhalb der Veranstaltung "Grundlagen ärztlichen Denkens und Handelns" werden sowohl Themen wie Patientenverfügung im Rahmen der Ethik als auch Medizin im Nationalsozialismus und humanitäre Hilfe beleuchtet.
| "Der Modellstudiengang Medizin ist eine super Sache, selbst wenn es auch im 2. Jahrgang immer noch an der ein oder anderen Stelle noch ein wenig hapern wird." Student im 3. Semester im MSM-Ersti-Infoheft 2004 |
| Modellstudium an der RTWH Aachen |
Seit dem Wintersemester 2003/2004 studieren alle Erstsemester der Medizinischen Fakultät Aachen im Modellstudiengang. Durch die ZVS werden circa 250 Studenten zum Studium zugelassen. Auch Medizinstudenten anderer Fakultäten können sich für die Teilnahme an ausgewählten Kursen, wie den Qualifikationsprofilen, bewerben.
Im Aachener Modellstudiengang sollten die Studierenden laut Dekanat vorrangig mit gesicherten Fakten, mit den logischen Strukturen, Konzepten und Methoden, die zu medizinisch wissenschaftlichen Erkenntnissen führen, sowie den Problemen vertraut gemacht werden. Vordergründig sei dabei die Vermittlung von Verständnis für biologische, medizinisch relevante Prinzipien mittels der gleichberechtigten Elemente Theorie und Praxis.
Der erste Studienabschnitt soll ein naturwissenschaftliches Grundverständnis vermitteln. Hier erhalten die Studenten erste Einblicke in Bau und Funktion einzelner Organsysteme.
Ab dem 3. Semester haben die Studierenden direkten Patientenkontakt.
Intensive Übungsmöglichkeiten bieten Skillskurse, innerhalb derer die erlernten Untersuchungs- und Arbeitstechniken praktisch angewandt und vertieft werden. Verschiedene Sonderblöcke wie "Psyche", "Wachstum" und "Alter" sollen die Studierenden für diese Themen sensibilisieren.
Der dritte Studienabschnitt behandelt die Krankheitsbilder anhand von Symptomen, wie Fieber. Hier können die künftigen Mediziner detaillierte Diagnose- und Therapieoptionen an Patienten kennenlernen. Die erworbenen Kenntnisse vertiefen die Studenten patientenorientiert innerhalb von Blockpraktika auf Station sowie bei Hospitationen in Arztpraxen. Am Ende jeder Blockveranstaltung finden hochschulinterne Prüfungen in schriftlicher, mündlicher oder praktischer Form statt.
Im Gegensatz zu anderen Modellstudiengängen ist hier das Praktishe Jahr (PJ) - der vierte Studienabschnitt in Aachen - in Quartale gegliedert. Die Studenten erhalten ihre praktische Ausbildung in einem Krankenhaus oder einer Praxis. Ein Abschnitt des PJ ist in einem konservativen Fach wie Innere Medizin, ein weiterer in einem klinisch-praktischen Fach wie Chirurgie zu absolvieren. In den beiden letzten Quartalen können 2 Wahlfächer belegt werden.
Nach dem 6. Semester findet die "Ärztliche Basisprüfung", nach dem 10. Semester die "klinische Kompetenzprüfung" statt. Beides sind Universitätsprüfungen, die praktische Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Sicherheit von ärztlichen Handlungen sowie das dazugehörige theoretische Hintergrundwissen abfragen. Geprüft wird in einer Kombination aus mündlichen, praktischen und schriftlichen Aufgaben.
Eine Besonderheit in Aachen sind die Wahlpflichtveranstaltungen, welche den Studenten ermöglichen, bereits während des Studiums Zusatzqualifikationen zu erwerben. Die Studenten können unter einer breiten Palette interdisziplinärer Veranstaltungen wie Biomedical Engineering oder Gesundheitsmanagement wählen.
Das Qualifikationprofil Biomedical Engineering befasst sich in Seminaren, Vorlesungen und Praktika unter anderem mit Biomaterialforschung und künstlichen Organen. Studenten, die das Qualifikationsprofil Gesundheitsmanagement wählen, befassen sich mit Wirtschaftswissenschaft, Krankenhausorganisation oder Personalmanagement.
Zwei mal jährlich erhalten die Studierenden Rückmeldung über ihr bisheriges Studienverhalten durch einen Progressionstest.
| "Es gibt zwar die ein oder andere Unstimmigkeit, bezüglich der Planung. Manchmal hat man das Gefühl dass der eine Prof nicht weiß, was der andere schon gemacht hat. Damit die theoretische Verzahnung so funktioniert wie sie sollte, müssten sich die Profs untereinander noch mehr absprechen. Desweiteren gibt es Profs, die meiner Meinung nach, nicht viel vom Modellstudiengang halten und ihre Vorlesungen nicht dem neuen Curriculum anpassen. Aber das sind Dinge, die in einem Regelstudiengang bestimmt ähnlich sind. Also würde ich mich wieder für den Modellstudiengang entscheiden." Verena Kuck, Aachener Modellstudentin im 3. Semester in einem Interview bei Via medici-online |
| Kommentar |
Teamwork statt sturem Büffeln, Praxis statt Theorie - das sind lang gehegte Wünsche von Medizinstudenten an ihre Ausbildung. Sicherlich werden diese Träume in den Modellstudiengängen umgesetzt. Doch lohnt sich in Zeiten der neuen Approbationsordnung noch ein Modellstudium? Einige Modellprojekte wie in Hamburg oder an der TU München sind bereits aufgegeben worden.
Doch selbst im Jahre 2003/2004, als die neue AO schon in aller Munde war, starteten noch Modellstudiengänge in Aachen und Bochum.
| "Das Inkrafttreten der neuen AO im Oktober 2003 war für die Medizinische Fakultät kein Grund, auf den Modellstudiengang Medizin zu verzichten, im Gegenteil: Die Modellklausel (§41) eröffnet ja gerade Möglichkeiten moderner, praxis-, patienten- und problemorientierter Lehre bereits zu Beginn des Studiums, die in einem Regelstudiengang nicht realisierbar wären.", so Dr. Thorsten Schäfer, Büro für Studienreform Medizin, Ruhr-Universität Bochum. |
Die Hauptneuerungen wie POL (Problemorientiertes Lernen) in Kleingruppen, praxisnäheres bedside-teaching und organbezogene Lerneinheiten sind nun auch Elemente des Regelstudiums. Der Forderung nach fächerübergreifendem Unterricht wird ebenfalls Rechnung getragen, indem enger verzahnte Lerninhalte im Regelstudium umgesetzt werden müssen. Auch die ethischen Bereiche der Humanmedizin haben mittels der Querschnittsbereiche Eingang in das reformierte Regelstudium gefunden. Doch leider ist unklar, wie die Universitäten diese Neuerungen ad hoc konkret umsetzen sollen, denn die personellen Ressourcen werden eher knapper als ausgeweitet.
Auch in den Modellstudiengängen jüngeren Datums läuft nicht alles rosig. Einiges ist noch unkoordiniert und so manch ein Professor scheint nicht überzeugt von den innovativen Ideen.
| "Ich für meinen Teil würde mich nicht noch einmal für den Modellstudiengang entscheiden. Bei und läuft alles sehr unorganisiert, man kann sein Studium kaum planen, da niemand so recht weiß, wie das alles mal werden soll. [...]Manche Profs halten den Modellstudiengang für Mist und halten sich einfach nicht an unseren Lehrplan, sodass diese tollen angepriesenen Wege, alles schön im Zusammenhang zu lernen nicht funktionieren. Es ist eher so, dass man manche Sachen immer und immer und immer wieder hört, andere Sachen immer total an der Oberfläche bleiben, weil alle denken, das kommt ja nochmal dann und dann. Es fehlt einfach oft der Zusammenhang. [...] Allerdings besteht ja durchaus die Hoffnung, dass dies die Fehler der ersten Runde waren und die nächsten Jahre aufgrund der Erfahrungen mit uns immer besser werden." Marie, Studentin im 3. Semester im Modellstudiengang Aachen im Via medici-Forum |
Wer in einem Modellstudium studiert, wird kaum die Möglichkeit haben, im Laufe des Studiums die Universität zu wechseln, obwohl dies so oft empfohlen wird. Auch die fehlende Übung im Beantworten der IMPP-Fragen sollte sich jeder angesichts des Hammerexamens durch den Kopf gehen lassen.
Letztenendes werden die Studenten im Modellstudiengang mittels eines großen Pensums Selbststudium zu selbstgesteuertem, lebenslangem Lernen erzogen. Allerdings gibt es zu bedenken, dass solche und solche Lerntypen existieren- nicht alle sind gleich. Da sollte man sich schon gut selbst einschätzen können, um hinterher nicht überfordert zu sein.
Schließlich trennt den Regelstudiengang nicht mehr viel vom Modellstudiengang- außer der Erfahrung. Die neue Approbationsordnung, sowie manch ein Modellstudiengang stecken noch in den Kinderschuhen- daher sei jedem anzuraten, der die Option Modellstudium wählt, sich für ein Projekt zu entscheiden, das den Kinderschuhen entwachsen ist.
Kommentar von Cordula Dahlmann
| "Erfahrungen sind Maßarbeit. Sie passen nur dem, der sie macht." Carlo Levi (1902-75), ital. Arzt u. Schriftsteller |
| Mein Studienort | |
|
|
| Neues bei Via medici | |
|
| Via Newsletter | |
|