Aktuelles

Medizinstudium

Prüfung

Lernen

Bücher/Medien

Schüler

Arzt im Beruf

Bewerbung

Hippocampus

Mitmachen

Linkliste

Foren

Weblogs

Audio/Video

Newsletter

Kontakt

Shop: Prometheus Welt

Kooperationen



  Home
   
Artikel vom 26. 07. 2007

Streikende Ärzte mit Schuldgefühlen

Psychologische Auswirkungen des Ärztestreiks auf die Streikenden untersucht

FZ Med News

Der dreimonatige Ärztestreik hat im letzten Jahr nicht nur die Krankenversorgung an vielen Universitäten erschwert. Auch für die streikenden Ärzte war der Ausstand eine psychische und körperliche Belastung. Viele durchlebten einen Konflikt zwischen dem Wunsch nach besseren Arbeitsbedingungen und der moralisch-ethischen Verpflichtung, den Patienten zu helfen, schreibt ein Experte für Psychosomatik in der DMW "Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007).

Für Dr. Martin Teufel von der Universität Tübingen war der Ärztestreik von März bis Juni 2006 ein Glücksfall. Nicht nur, weil damit bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne auch für ihn durchgesetzt wurden. Dem Mitarbeiter der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie bot sich die Gelegenheit, erstmals in der Forschung, die psychologischen Auswirkungen eines Ärztestreiks auf die Streikenden zu untersuchen. Ärzte treten nämlich selten in den Ausstand, berichtet Dr. Teufel. Was an den moralischen Bedenken und ethischen Konflikte liegen könnte, denen sie durch ihr Verhalten ausgesetzt sind. Immerhin werden Operationen verschoben und Patienten müssen leiden, weil der Doktor sich um bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn bemüht.

Dieser Konflikt wird von den Ärzten als Schuldgefühl erlebt, dessen Folgen Dr. Teufel wissenschaftlich nachging. Statt Flugblättern verteilte er also Fragebögen, in denen er sich nach dem Befinden seiner Kollegen erkundigte. Bei vielen war es um das seelische Gleichgewicht tatsächlich nicht zum besten bestellt. Grund waren nicht nur die ethisch-moralischen Bedenken. Auch der Umgang mit den Vorgesetzten gestaltete sich schwieriger. Besonders viel "Stress" gab es bei den Chirurgen, die im Streik nur noch Notfälle operierten. Dies benachteiligte nicht nur den Patienten, sondern traf auf die Kliniken an einer empfindlichen Stelle. Denn ohne Operationen gab es kein Geld von den Kassen. Entsprechend viel Druck wurde bei den Chirurgen aufgebaut. Diese waren deutlich stärker psychisch und körperlich belastet als andere Fachärzte. Auch depressive Verstimmungen und aggressive Symptome nahmen immer mehr zu, je länger der Streik dauerte. Obwohl Dr. Teufel dies in seiner Studie nicht untersuchte, hält er es nicht für ausgeschlossen, dass die Belastungen bei dem einen oder anderen Arzt den Streik überdauert haben könnten. Es gab aber auch positive nachhaltige Folgen: Die Kollegialität habe sich während des Streiks deutlich verbessert.

M. Teufel et al.:Ärztestreik 2006: Psychische und körperliche Belastungen streikender Ärztinnen und Ärzte.DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (27): S. 1453-1458


- Anzeige -
Literaturtipp aus dem Georg Thieme Verlag
Deutsche Medizinische Wochenschrift
 
Mein Studienort

Neues bei Via medici
 
Via Newsletter