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Artikel vom 16. 01. 2007

Jenaer Studierende: Umfrage zu Studiengebühren

Mehrheit der Befragten spricht sich gegen Gebühren aus

Redaktion Via medici online

Der Arbeitskreis "Loser Zusammenschluss aktiver Studierender" (LZaS) der Friedrich-Schiller-Universität Jena ermittelte in einer Umfrage, dass die Mehrheit der Studierenden der FSU sich explizit gegen Studiengebühren ausspricht. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu einer 2003 durchgeführten forsa-Umfrage, bei der eine Mehrheit der befragten Studierenden Studiengebühren befürwortete.

Übersicht


Intention und Durchführung der UmfrageNach oben hoch

Der LZaS ist ein loser Zusammenschluss aktiver Studierender der FH und der Uni Jena. Der Arbeitskreis vertritt die Ansicht, dass es keine sozial gerechten Studiengebühren gibt und setzt sich von daher aktiv gegen Studiengebühren ein.

Intention der LZaS war es Anfang des Wintersemesters 2005/2006, das seit der forsa-Umfrage weit verbreitete Argument kritisch zu hinterfragen, dass Studierende allgemeine Studiengebühren befürworten. Damals fand das Argument durch eine Pressemitteilung des "Centrums für Hochschulentwicklung (CHE)" Eingang in die öffentliche Diskussion.

Der LZaS verwendete einen Fragebogen einer ähnliche Untersuchung der Universität München Anfang des Jahres 2004. Der Fragebogen wurde zum Teil eins zu eins übernommen, einige Fragen wurden gestrichen, modifiziert oder hinzugefügt. Alle Studenten der Universität Jena hatten die Gelegenheit an der Umfrage online teilzunehmen - 3.582 Studierende der Friedrich-Schilller-Universität Jena nutzten die Chance, was einer Rücklaufquote von 18 Prozent entspricht. Der LZaS betont, dass die Zusammensetzung dieser Stichprobe in etwa der Verteilung der Studentenstatistik der FSU entspreche, weswegen eine hohe Repräsentativität der Umfrageergebnisse gewährleistet sei.

Wie schon bei der Umfrage in München wurden sozial- und bildungspolitische Aspekte und soziodemographische Daten bei der Jenaer Umfrage besonders berücksichtigt.


Einige interessante Ergebnisse im EinzelnenNach oben hoch

51,7 Prozent der Befragten sprachen sich explizit gegen eine Einführung von Studiengebühren für das Erststudium aus, weniger als 3% der Studierenden ist explizit für Studiengebühren. Sogar mehr als 80% sind "eher gegen" bzw. "gegen" Studiengebühren eingestellt. Dieser Zahl stehen 15% gegenüber, die "eher für" oder "für" Studiengebühren sind.

Die Arbeitsgruppe fand jedoch heraus, dass die Studierenden zwischen allgemeinen und Langzeitstudiengebühren unterscheiden. So beantworteten 29,8% der Studierenden die Frage nach Langzeit-Studiengebühren mit "ich bin dafür" und 41,3% waren "eher dafür". Nur 5,4% sind gegen Gebühren für Langzeitstudenten.

In einem weiteren Schritt ermittelten die Untersucher, wovon Zustimmung und Ablehnung allgemeiner Studiengebühren im Wesentlichen abhängen. So fanden sie unter Anderem heraus, dass die Wahrscheinlichkeit, Studiengebühren zuzustimmen, bei Studierenden Wirtschaftswissenschaftlicher, Rechtswissenschaftlicher, Biologisch-Pharmazeutischer oder Medizinischer Fakultäten höher ist als bei Studenten anderer Fakultäten - mit anderen Worten, Mediziner gehören zu den Studierenden, die allgemeinen Studiengebühren eher nicht negativ gegenüberstehen.

Darüber hinaus kam der LZaS zu dem Ergebnis, dass Studentinnen allgemeine Studiengebühren eher ablehnen als ihre männlichen Kommilitonen. Ein Ehrenamt macht die Studierenden noch kritischer, während Stipendien die Zustimmung wachsen lassen.

Ein weiterer Zusammenhang besteht darin, dass Kinder mit abnehmendem Bildungsstand der Eltern Studiengebühren eher ablehnen als Studierende aus Akademiker-Familien.


Mögliche Konsequenzen der StudiengebührenNach oben hoch

Die Studierenden sehen laut Umfrage im Durchschnitt starke soziale Auswirkungen auf sich zukommen. Die Aussagen "Studienberechtigte aus bildungsfernen Schichten werden durch Gebühren noch mehr abgeschreckt" und "Finanziell schwächer gestellte Studienberechtigte werden durch Gebühren vom Studium abgehalten" fanden bei den Teilnehmern große Zustimmung. Auch den Aussagen "Studiengebühren verschaffen Studierenden kein größeres Mitbestimmungsrecht" und "Studiengebühren werden die Lehre nicht verbessern" wurde häufig zugestimmt. Deutlich abgelehnt wurde hingegen die These, dass Studiengebühren international üblich seien und deshalb auch in Deutschland angebracht.

Dementsprechende Ergebnisse fand der LZaS bei der Frage nach einem Studienabbruch im Falle von Studiengebühren: 16,2% der Jenaer Studierenden würden Ihr Studium abbrechen oder die Uni wechseln, wenn Jena pro Semester 500 Euro Studiengebühren erheben würden, bei 1000 Euro wären es schon 53,5 und bei 4500 Euro gar 91,3%. Bei einer Darlehensfinanzierung sind die Quoten geringer, die Tendenz ist jedoch die gleiche. Besonders bei Studenten, deren Eltern einen niedrigen oder gar keinen Bildungsabschluss vorweisen können, wäre die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie ihr Studium abbrechen.

Ob das Studium abgebrochen oder an einer anderen Uni fortgesetzt würde ist abhängig vom Alter, vom familiären Bildungshintergrund und davon, ob der Studierende in einer festen Partnerschaft lebt. "Je jünger ein Studierender ist, der sein Studium an der FSU aufgeben würde, und je höher der Bildungsstand seiner Eltern, umso eher ist er bereit, die Hochschule zu wechseln", so die LZaS in ihrer Auswertung. "Singles würden diesen Schritt ebenfalls eher gehen, als Studierende in fester Partnerschaft.

Angesichts dessen, dass Akademiker immer weniger Kinder bekommen, wären nach den Ergebnissen der Umfrage Studiengebühren ebenfalls kontraproduktiv. So planen (eigentlich) 12% der Studierenden, während ihres Studiums Mutter oder Vater zu werden. Bei 67,9% würden Studiengebühren in Höhe von 500 Euro diesen Plan beeinflussen. Nach der Beendigung des Studiums möchten 86,3% der Studierenden Eltern werden, bei Studiengebühren in Hohe von 500 Euro würden 29,7% sich in dieser Frage beeinflussen lassen.


LinksNach oben hoch
   Externer Link Homepage der LZaS

   Externer Link Umfrage-Ergebnisse als pdf-Download

   Externer Link Artikel bei Via online: Ulmer Studenten-Demo gegen Missbrauch von Studiengebühren

   Externer Link Artikel bei Via online: Die ersten Bundesländer führen Studienbeiträge ein

   Externer Link Artikel bei Via online: Die Studienbeiträge in den einzelnen Ländern

   Externer Link Artikel bei Via online: Der KfW-Studienkredit

 
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