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Artikel vom 01. 02. 2012

Neue Gefahren durch Viren

Wenn Bandscheiben reißen und Fettzellen wachsen

Antonia Töpfer

Es gibt Viren, die Erkältungen verursachen und solche, die für lästige Fieberbläschen auf der Lippe verantwortlich sind. Seit einiger Zeit ist klar, dass nicht "Stress", sondern Herpes-simplex-Viren häufig am Auftreten von Magengeschwüren Schuld sind. Vielerorts ist der Einfluss von Viren also schon bekannt. Dass sie jedoch bei der Entstehung von Bandscheibenvorfällen und Fettleibigkeit eine Rolle spielen, ist neu.

Ein Forscherteam der Orthopädischen Universitätsklinik in Heraklion hat Bandscheiben von 16 Patienten untersucht, die aufgrund eines Bandscheibenvorfalls operiert werden mussten. Im Vergleich dazu beurteilten sie die Bandscheiben von Patienten, die wegen eines Wirbelbruchs aufgenommen worden waren. Bei 13 der 16 Patienten mit Bandscheibenvorfall fanden sich Viren der Herpes Gruppe. Bei der Vergleichsgruppe mit Wirbelbruch konnten keine Viren am Bandscheibenmaterial nachgewiesen werden. Lösen die Herpesviren demnach den Bandscheibenvorfall aus?

Die griechische Forschungsgruppe geht davon aus, dass die Herpesviren bereits im Kindesalter zum Ort des Geschehens gelangen. Zum einen sind bei Kindern Infektionen mit Herpesviren sehr häufig. Zum andern werden kindliche Bandscheiben noch während einiger Jahre durchblutet. Die Viren können das Gewebe also über den Blutweg infizieren. Bei Erwachsenen sind die Bandscheiben nicht mehr durch Blutgefässe versorgt und somit besteht keine Eintrittspforte für das Virus mehr.

Herpesviren ruhen oft über Jahre, so kennt man es vom Herpes simplex Virus, welcher die "Fieberbläschen" auslöst. Erst bei einer Beeinträchtigung der Abwehr, werden die Viren wieder aktiv. So stellen sich die Forscher das auch in diesem Fall vor. Das Virus "schlummert" in den Bandscheiben. Werden diese durch kleine Entzündungen oder Risse verletzt, erwacht das Pathogen wieder zum Leben und wirkt bei der Zerstörung der Bandscheiben mit.
Somit ist der Herpesvirus zwar nicht alleine für die Zerstörung verantwortlich, stellt aber eine weitere, bisher unbekannte Ursachen dar.

Auch bei Adipösen konnte eine Kausalität zwischen dem Auftreten eines bestimmten Adeno-Viruses und dem Übergewicht nachgewiesen werden. Amerikanische Forscher untersuchten das Fettgewebe von 500 Übergewichtigen. Auffallend war, dass sich in 30% der Gewebeproben das Adeno-Virus 36 fand. Dagegen waren die Fettzellen von schlanken Personen nur in 5% der Fälle mit dem Virus infiziert. Forscher gehen davon aus, dass das Virus die Zelle dazu bringt, sich zu einer ausgewachsenen Fettzelle zu entwickeln. Die daraus resultierende Zunahme an Fettgewebe hätte somit den Charakter eines infektiösen Übergewichts.

In Zukunft werden wohl immer mehr Erkrankungen in Zusammenhang mit neuartigen viralen Infektionen stehen. Durch Reisen verteilen sich die Viren global. Der Klimawandel führt dann dazu, dass sie auch in weiter nördlichen Gefilden überleben können.
Die Viren sind sehr flexibel und mutieren im Schnelltempo. Das macht es ihnen möglich auf Impfungen oder Virustatika schnell zu reagieren.

 
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