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Artikel vom 25. 11. 2010

Beruhigende Schönheit

Die Passionsblume kann mehr als nur gut aussehen

Pressemitteilung der Universität Würzburg

Würden Pflanzen ein DSDS organisieren, wäre sonnenklar, wer ganz vorne landen würde: die Passionsblume! An dieser Pflanze ist alles besonders: Sie ist nicht nur eine bezaubernde Schönheit, hinter ihrem grandiosen Aussehen stecken Wirkstoffe, die sich hervorragend für Heilzwecke nutzen lassen. Nun wurde sie zur "Arzneimittelpflanze des Jahres 2011" gekürt.

Wer die prächtige Blüte einer Passionsblume einmal gesehen hat, wird ihren Anblick nie wieder vergessen - und ist zudem ein Glückspilz. Denn sie blüht nur einen Tag und verströmt dabei ihren angenehmen Geruch. Eine besonders hübsche Variante dieser Gattung ist "Passiflora incarnata" (die "fleischgewordene"). Die Blüte kann einen Durchmesser von bis zu 18 Zentimeter haben und kommt oft in leuchtenden Farben vor. Ihre Schönheit ist aber noch nicht alles, was sie zu bieten hat. In ihr stecken nämlich heilkräftige Substanzen, deren medizinische Wirksamkeit durch wissenschaftliche Studien bewiesen ist.

Ihre Extrakte haben beruhigende Wirkung und helfen bei nervöser Unruhe, leichten Einschlafstörungen und nervös bedingten Magen-Darm-Beschwerden. Zudem lösen sie Ängste, haben dabei jedoch keine muskelentspannenden Effekte, so dass sie als Beruhigungsmittel auch im Alltag angewendet werden können. Welche Inhaltsstoffe genau die genannten Effekte auslösen ist noch nicht bekannt, vermutlich sind es aber sekundäre Pflanzenstoffe, sogenannte Flavonoide. Im Nervensystem modulieren sie die Bindung des Botenstoffs 3H-GABA am GABAa-Rezeptor und wirken so beruhigend. Das ist ein ähnlicher Wirkmechanismus, über den auch Benzodiazepine wie Diazepam ihre Wirkung entfalten. Nebenwirkungen sind übrigens keine bekannt.

Wegen all dieser Eigenschaften wurde sie nun vom "Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzen" an der Universität Würzburg zur "Arzneipflanze des Jahres 2011" gewählt. Dieser Kreis wählt jedes Jahr eine Pflanze, deren Wirkung wissenschaftlich bewiesen ist und die eine interessante Kultur- und Medizingeschichte aufweist.

Weltweit wachsen etwa 400 Passionsblumen-Arten. Am bekanntesten ist hierzulande die berühmte Frucht der "Passiflora edulis", besser bekannt auch als Maracuja. Die Heimat der Blumen sind die Regenwälder Mittel- und Südamerikas. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Ureinwohner dieser Gebiete die Extrakte der Pflanze als Erste gegen verschiedene Alltagsbeschwerden einsetzten. Ihr Wissen gaben sie im 15. Jahrhundert an mit den spanischen Eroberern eingereiste Ärzte und Mönche weiter. Danach dauerte es noch weitere 500 Jahre, bis Wissenschaftler hier in Europa den wissenschaftlichen Nutzen der Pflanze bestätigten.

Einwanderer waren es übrigens auch, die der Pflanze ihren berühmten Namen verliehen. Missionare erkannten in den Blüten Symbole der Passion Christi. Die zehn Blütenblätter stehen dabei für die Apostel ohne Judas und Petrus, die Nebenkrone für die Dornenkrone, die fünf Staubblätter für die Wunden und die drei Griffel für die Kreuznägel.

Aus dieser Symbolik ergibt sich ein interessanter Widerspruch, der die Blume aber noch faszinierender, mysteriöser, jenseitiger macht: "Passion" heißt übersetzt "Leiden". Wie sich jetzt herausgestellt, steht die Passionsblume aber eher für das Gegenteil - sie lindert Leiden!

 
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