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Artikel vom 26. 08. 2009

Fachtagung in Barcelona zum Thema Stammzellen

Ethisches Problemkind oder Hoffnung für unheilbar Kranke?

Pascal Johann

Für Medizinstudenten sind die Gelegenheiten tiefere Einblicke in aktuelle Forschungsthemen zu bekommen dünn gesät. Umso erfreulicher, wenn man vom wissenschaftlichen Fortschritt aus erster Hand erfährt: Lokalredakteur Pascal Johann berichtet von neuen und bewährten Konzepten aus der Stammzellforschung, die auf der Fachtagung der Internationalen Gesellschaft für Stammzellforschung (ISSCR) in Barcelona diskutiert wurden.

Übersicht

Die Altstadt von BarcelonaFoto: Thieme Verlagsgruppe
Die Altstadt von Barcelona
Foto: Thieme Verlagsgruppe


Ethische ProblematikNach oben hoch

Die Zunft der Stammzellwissenschaftler ist in den letzten Jahren oft unter Generalverdacht geraten: Der Skandal um den koreanischen Wissenschaftler Hwang hat die Kritik am Machbarkeitswahn der Wissenschaftler auf die Spitze getrieben.
Damals hatte die Gruppe behauptet, erstmals aus embryonalen Stammzellen einen Menschen geklont zu haben.
Der geöffnete Deckel von Pandorras Büchse war jedoch ebenso schnell wieder verschlossen, als sich die Behauptung als Fälschung erwies.

In den Vorträgen der ISSCR spielten diese Vorgänge keine Rolle mehr: Das Programm war dominiert von der Suche nach zellulären Faktoren, die eine Reprogrammierung von ausdifferenzierten Zellen in Stammzellen ermöglichen.
So konnten die ethischen Klippen der embryonalen Stammzellforschung ohne wissenschaftliche Abstriche umschifft werden.


Adulte StammzellenNach oben hoch

Vieles deutet darauf hin, dass auch sogenannte adulte Stammzellen Aufgaben in der Rekonstruktion verschiedener Gewebe haben können.

Es handelt sich hierbei um Zellpopulationen wie beispielsweise hämatopoetische Stammzellen (HSC), die nur bestimmte Zelltypen des Körpers hervorbringen können. Für hämatopoetische Stammzellen sind dies beispielsweise Erythrozyten, Thrombozyten und Leukozyten.

Aufgrund der gesetzlichen Einschränkungen für die Forschung an embryonalen Stammzellen haben deutsche Forscher ihren Fokus auf die adulten Stammzellen gelegt.

Diese sind nicht nur im Knochenmark auffindbar, sondern können auch aus Organen wie der Leber isoliert werden.
Im alten Griechenland scheint diese Erkenntnis schon länger Fuss gefasst zu haben - wie hätte der Adler sonst Tag für Tag an Prometheus Leber zehren können, ohne dass ein Teil von ihr ständig nachgewachsen wäre? Außerhalb des altgriechischen Sagenkreises gestaltet sich die klinische Anwendung adulter Stammzellen jedoch als schwierig.


Mesenchymale StammzellenNach oben hoch

Eine Zellpopulation, deren Wirkung bereits heute genutzt wird, sind mesenchymale Stammzellen (MSC). Diese Zellen kommen physiologisch im Knochenmark vor und fungieren hier als eine Art "Ammenzellen" für hämatopoetische Stammzellen.

Mesenchymale Stammzellen in vitro. Foto: P. Johann
Mesenchymale Stammzellen in vitro.
Foto: P. Johann

Seit ihrer Entdeckung sind viele Anstrengungen zur Charakterisierung ihrer Funktionen unternommen worden:
Ihre Fähigkeit zur Immunmodulation fast aller Effektorzellen macht sie zu einer Art "zellulärem Immunsuppressivum".

Als Stammzellen können sie zur Ausreifung in Osteoblasten, Adipozyten und Chondroblasten gebracht werden - damit legt sich ein großes Potential bei der Reparatur von Wunden oder Nekrosen dar.


Klinische Studien mit mesenchymalen StammzellenNach oben hoch

Klinische Studien konnten positive Effekte bei der Behandlung der Graft versus Host Disease (GvHD) nachweisen. Diese gefürchtete Komplikation kann nach Stammzelltransplantationen im onkologischen Bereich auftreten, wenn sich transplantierte Leukozyten des Spenders gegen Empfängerorgane richten.


Hauptthemen der TagungNach oben hoch

Nicht verwunderlich war es daher, dass ein Löwenanteil der Poster des diesjährigen Treffens der ISSCR den mesenchymalen Stammzellen gewidmet war.
In den Plenumsvorträgen dagegen spielten klinische Perspektiven nur eine untergeordnete Rolle: Auf der Jagd nach Faktoren, die Pluripotenz induzieren, sind eine ganze Reihe neuer Kandidatenmoleküle identifiziert worden.


FazitNach oben hoch

Diese neuen Erkenntnisse versprechen eine gefüllten Werkzeugkasten für die Stammzellforschung der nächsten Jahre. Man darf also gespannt sein, ob das weite Feld der Stammzellforschung seine Versprechungen in den nächsten Jahren halten wird.

 
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