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Artikel vom 04. 12. 2008

Therapie bei Beckenvenenthrombosen

Operation oder Medikamente?

FZMedNews

Wenn ein Bein angeschwollen ist, spannt oder schmerzt, wenn die Haut sich bläulich oder rot verfärbt, wenn die Venen hervortreten, sollte sofort ein Arzt alarmiert werden. Es besteht der Verdacht auf Verengung oder Verschluss der Beckenvenen durch ein Blutgerinnsel, eine Thrombose. Sie kann jederzeit eine lebensgefährliche Lungenembolie auslösen. Neben der Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten kann heute auch eine Operation die Durchblutungsblockade beheben. Wann welche Therapie sinnvoll ist, erläutern zwei Experten in der der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift".

Übersicht


Offenheitsraten von bis zu 89% nach ThrombektomieNach oben hoch

Bei der Operation, Thrombektomie genannt, legen Chirurgen in der Leistenbeuge die Vene frei. Von dort aus wird das Blutgerinnsel mit einem Ballonkatheter oder einem Ringdraht aus der Beckenvene herausgezogen. Danach legen die Ärzte vorübergehend eine künstliche Verbindung mit einer Arterie an. Dies erhöht die Strömungsgeschwindigkeit des Blutes in der wieder eröffneten Vene und verhindert in den meisten Fällen, dass sich erneut eine Thrombose ausbildet, berichtet die Gefäßchirurgin Dr. Dorit Kreissler-Haag vom Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar.

Mit optimierter Technik würden heute Offenheitsraten von bis zu 89 Prozent erzielt, versichert die Expertin. Die schnelle Beseitigung des Gerinnsels könne auch eine ansonsten häufige Komplikation der Thrombose verhindern, welche Ärzte als postthrombotisches Syndrom bezeichnen. Zu ihr kommt es, weil der Blutstau die Venen weitet und langfristig die Venenklappen schädigt, die normalerweise einen Rückfluss des Blutes in die Beine verhindern. Einige Jahre nach der Thrombose erkrankt jeder zweite Patient an Ödemen und Krampfadern und leidet nicht selten unter "offenen" Beinen. Die rasche Entfernung des Thrombus kann Patienten dieses Schicksal ersparen. Die Operation gelinge jedoch nur, wenn die Thrombose nicht länger als sieben bis zehn Tage besteht, schreibt Dr. Kreissler-Haag. Danach verwächst das Gerinnsel fest mit der Gefäßwand und lässt sich nicht mehr lösen.


Operation nur in AusnahmesituationenNach oben hoch

Trotz dieser Ergebnisse raten die ärztlichen Fachgesellschaften derzeit nur in Ausnahmesituationen zur Operation. Gefordert wird ein junges Alter des Patienten, ausgedehnte Thrombosen oder ein drohender Beinverlust, schreibt Professor Stavros Konstantinides von der Universität Göttingen. Der Kardiologe begründet die derzeit noch zurückhaltende Einstellung zur Operation mit dem Fehlen von langfristigen Vergleichsstudien zur heutigen Standardbehandlung. Diese besteht in der Gabe von Medikamenten, welche die Gerinnung des Blutes herabsetzen. Sie beugen der am meisten gefürchteten Frühkomplikation der Beckenvenenthrombose vor, der Lungenembolie. Zu ihr kommt es, wenn sich Teile des Gerinnsels lösen und über das Herz in die Lunge geschwemmt werden. Dort verstopfen sie Blutgefäße. Teile der Lunge können dann keinen Sauerstoff aufnehmen. Es kommt zur Luftnot und häufig zum Tod.

Die medikamentöse Therapie kann die Lungenembolie in den meisten Fällen verhindern, auch die Häufigkeit des postthrombotischen Syndroms geht zurück. Während die Wirkung der Medikamente durch Studien gut belegt ist, fehlen laut Professor Konstantinides bislang überzeugende Langzeitergebnisse zur Operation. Dieser Ansicht ist auch Dr. Kreissler-Haag. Bei der derzeit noch unbefriedigenden Datenlage mit kontroversen Studienergebnissen sei ein direkter Vergleich beider Therapien sinnvoll, findet die Gefäßchirurgin.


Weiterlesen: Argumente pro und contra OPNach oben hoch

D. Kreissler-Haag:
Operative Therapie der Beckenvenenthrombose – pro.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (48): S. 2510

C. Dellas, S. Konstantinides:
Operative Therapie der Beckenvenenthrombose – contra.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (48): S. 2511


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