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Das Zusammenspiel von Händehygiene und Handekzemen
Warum es sauberen Händen oft dreckig geht
H. Löffler (Aktuelle Dermatologie 2008; 34 (10): S. 371-375)
Hände waschen und desinfizieren, oft über 20-mal pro Schicht – für Ärzte und Pflegende gehört das zum Berufsalltag. Dass die extreme Handhygiene auf Dauer die Haut belastet und zu Trockenheit, Juckreiz und Ausschlägen führt, nehmen viele dabei als unvermeidbar hin. Es geht aber auch anders, wie der Hautarzt Professor Harald Löffler in der Fachzeitschrift "Aktuelle Dermatologie" darlegt (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008). "Trotz guter Hygiene lassen sich Irritationen und Handekzeme weitgehend vermeiden", ist der an der SLK-Hautklinik in Heilbronn tätige Mediziner überzeugt.
Übersicht
| Ein fataler Trugschluss | hoch |
Viele Ärzte und Pfleger machen die alkoholhaltigen Desinfektionsmittel für den schlechten Zustand ihrer Haut verantwortlich. Ursache hierfür ist das brennende Gefühl, das der Alkohol auf empfindlicher Haut verursacht, während die in der Klinik üblichen Handwaschmittel scheinbar schonend sind. Ein fataler Trugschluss, wie Löffler erläutert: In eigenen Untersuchungen konnte er nachweisen, dass die alkoholhaltigen Mittel die Haut wesentlich weniger belasten als die detergenzienhaltigen Waschsubstanzen. "Nach dem Händewaschen verliert die Haut deutlich mehr Wasser als nach der Desinfektion", sagt Löffler. Die Barrierefunktion werde durch die Detergenzien wesentlich stärker beeinträchtigt als durch den Alkohol. Das Brennen sei demnach nicht Zeichen einer akuten Schädigung, sondern müsse als Warnsignal für eine bereits bestehende Vorschädigung der Haut verstanden werden. Auch eine "Alkoholallergie", an der manche Pflegekräfte zu leiden meinen, gebe es nicht.
| Waschen nur bei sichtbaren Verschmutzungen | hoch |
Was manche Betroffenen besonders erstaunen wird: Eine Handwaschung ist für die Haut weniger strapaziös, wenn die Hände anschließend auch noch desinfiziert werden. Auch das zeigen Löfflers Untersuchungen. Offenbar befreit der Alkohol die Haut von überschüssigem Detergens und begrenzt so die Belastung. Daher spricht der Experte sich deutlich für die Desinfektion der Hände aus. Waschen sei hingegen nur dann notwendig, wenn die Hände sichtbare Verschmutzungen aufwiesen.
| Schulungen effektiv | hoch |
Weil sich einmal eingeschliffene Routinen nur schwer durchbrechen lassen, rät Löffler dazu, bereits in der Pflegeausbildung auf die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Hygienemaßnahmen hinzuweisen. Damit lasse sich die Häufigkeit von Handekzemen deutlich senken, sagt der Heilbronner Mediziner und verweist auf eine seiner eigenen Studien zum Thema. Darin bekamen rund 260 Pflegeschüler während der Ausbildung eine regelmäßige Schulung, in der sie über Aufbau und Funktion der Haut, die Ursache von Irritationen und die Möglichkeiten einer schonenden Handhygiene aufgeklärt wurden. Eine ebenso große Vergleichsgruppe bekam diese Schulung nicht. Bis zum Ende der dreijährigen Ausbildung hatten sich in dieser Gruppe 4,7-mal mehr Teilnehmer irritative Hautveränderungen zugezogen als in der gesondert geschulten Gruppe.
| Hautverträgliche Handhygiene für Personal und Patienten | hoch |
Löfflers Ratschläge sind einfach: Eine regelmäßige Handdesinfektion bei möglichst weitgehendem Verzicht auf Detergenzien, das Tragen von Handschuhen bei der Flächendesinfektion und die Behandlung der gestressten Haut mit Hautschutz- und Hautpflegemitteln. Ein solches Maßnahmenpaket käme letztlich auch den Patienten zugute. Denn zum einen werden Ekzeme deutlich stärker von Mikroorganismen besiedelt als gesunde Haut und erhöhen daher das Risiko für Infektionen mit Krankenhauskeimen. Zum anderen wird eine hautverträgliche Handhygiene von den Pflegekräften letztlich bereitwilliger und konsequenter vorgenommen als eine strapaziöse.
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