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Artikel vom 26. 06. 2008

Unvermeidbare Verletzungen nach notärztlicher Wiederbelebung

FZMedNews

Durch Herzdruckmassage, Elektroschock oder Beatmung retten Ärzte jedes Jahr vielen Menschen das Leben. Die häufig beherzten Maßnahmen der Mediziner können jedoch auch zu Verletzungen führen. Dies ist nach Auskunft von Rechtsmedizinern in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008) keinesfalls selten.

Übersicht


Knochenbrüche inkauf nehmenNach oben hoch

Bei der Herzdruckmassage muss der Brustkorb 100 Mal pro Minute vier bis fünf Zentimeter komprimiert werden. Vor allem bei älteren Menschen kommt es dabei regelmäßig zu Verletzungen von Rippen oder Brustbein, berichten Professor Michael Tsokos und Dr. Claas Buschmann vom Institut für Rechtsmedizin an der Berliner Charité: Überspitzt könne man sagen, dass eine ausreichende Wiederbelebung erst möglich sei, wenn Knochenbrüche in Rippen und Brustbein inkauf genommen würden.


Komplikationen minimierenNach oben hoch

Den Erfolg der Wiederbelebung gefährden diese Verletzungen nach Einschätzung der Rechtsmediziner jedoch in aller Regel nicht. Dennoch sollte der Arzt Maßnahmen ergreifen, um Komplikationen zu minimieren. Dazu gehört das Legen einer Magensonde. Durch sie kann Luft aus dem Magen entweichen und die Gefahr, dass Mageninhalt in die Luftröhre gelangt, wird verringert, empfehlen die beiden Rechtsmediziner.

Auch bei der Beatmung sind Verletzungen möglich. Fehler werden nach Erfahrung von Professor Tsokos und Dr. Buschmann vor allem bei der Intubation gemacht. Sie ist notwendig, wenn ein Patient mechanisch beatmet werden soll. Viel Zeit bleibt dem Arzt nicht, um den Tubus durch Mund oder Nase über den Rachen und zwischen den Stimmlippen des Kehlkopfes hindurch in die Luftröhre zu befördern. Gelingt dies nicht auf Anhieb, können Blutergüsse oder auch Zahnschäden die Folge sein. Wenn der Tubus fälschlicherweise in die Speiseröhre geschoben wird, gelangt die Luft in den Magen statt in die Lunge.


Seltene ReanimationsverletzungenNach oben hoch

Selten geworden seien dagegen Verletzungen nach Luftröhrenschnitt, da diese bekannte Methode kaum noch zur Erstrettung außerhalb der Klinik angewendet werde. Ungewöhnlich sind auch Schäden nach einer Defibrillation. Dabei versucht der Arzt mittels Stromstößen tödliche Herzrhythmusstörungen zu beenden. Gelegentlich komme es zu Hautrötungen, weil die Mediziner in der Eile das schützende Gel nicht aufgetragen haben. Tsokos und Buschmann: Diese Läsionen heilen jedoch in der Regel wieder ab.

Schwere Verletzungen sehen die Rechtsmediziner meistens nur, wenn die Reanimation nicht gelingt. Dann zeugen häufig auch Leberverletzungen, Magen- oder Milzrisse von den vergeblichen Bemühungen der Ärzte. Wenn der Patient aber dank der Reanimation überlebt, verheilen die Wunden mit der Zeit.


QuelleNach oben hoch

C. Buschmann, M. Tsokos:
Iatrogene Traumata nach frustraner Reanimation.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (23): S. 1244-1248

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