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Ein Viertel aller Krebserkrankungen bleibt unerkannt
Lückenhafte Krebsregister
FZ Med News
Krebserkrankungen sind möglicherweise wesentlich häufiger als bisher angenommen. Nach einer Untersuchung von Rechtsmedizinern in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007) bleibt ein Viertel aller bösartigen Tumore unerkannt, weil die Menschen an anderen Erkrankungen sterben. Gar nicht so selten würden aber auch Krebserkrankungen als Todesursache übersehen.
Übersicht
| Falsch, unvollständig oder nicht diagnostiziert | hoch |
Die wenigsten Menschen werden heute nach ihrem Tod obduziert und sehr selten ist ein Krebsleiden Anlass für die Leichenschau. In Hamburg beträgt der Anteil nur etwa 0,6 Prozent aller Krebstoten, berichtet Dr. Dr. med. Samir Said vom Carl-von-Basedow-Klinikum Merseburg. Dabei liefern Obduktionen bei Krebsleiden häufig wichtige Erkenntnisse: Bei 20 bis 35 Prozent aller Tumorsektionen finden wir falsche, unvollständige oder gar nicht diagnostizierte Tumoren, sagt der Mediziner. Auch von den 519 Krebserkrankungen, welche im Verlauf von acht Jahren am Institut für Rechtmedizin in Hamburg entdeckt wurden, waren 141, also mehr als ein Viertel vorher unbekannt. Von den 519 Menschen mit Krebs waren 271, also etwa die Hälfte an ihrem Tumor verstorben. Jeder sechste wusste vor dem Tod nicht von seinem Krebs, obwohl einige, da ist sich Said sicher, Beschwerden gehabt haben mussten. Die Weigerung zum Arzt zu gehen oder die soziale Not waren nach Recherchen von Said die Ursache.
| Potenzial geht verloren | hoch |
Wenn alle Menschen nach dem Tod obduziert würden, so eine Schätzung von Dr. Said, dann läge die Krebshäufigkeit um 6,5 Prozent und die Krebssterberate um circa 2,2 Prozent jährlich höher als in den offiziellen Statistiken. Dr. Said hat Zweifel an der Zuverlässigkeit der Meldungen an die Krebsregister, die es in mehreren Bundesländern, darunter Hamburg gibt. Die Hamburger Rechtsmediziner haben beim dortigen Krebsregister nachgehakt. Von den 519 entdeckten bösartigen Tumoren, waren dort nur 58 bekannt. Die anderen 451 Fälle wurden durch die Rechtsmediziner nachgemeldet. Durch die offenkundigen Lücken bei der Krebsregistrierung gehen Daten mit bedeutendem Potenzial für Lehre und Forschung verloren, bedauert der Mediziner.
S. M. Said et al: Wie zuverlässig sind unsere Krebsstatistiken? DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (40): S. 2067-2070
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