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Muslime beim Arzt
Wertvorstellungen als Konfliktpotenzial
FZ Med News
Verständigungsprobleme und die mangelnde Kenntnisse islamischer Glaubensinhalte können schnell zu Konflikten führen, wenn muslimische Menschen in Deutschland zum Arzt gehen. In der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007) gibt ein in der Türkei geborener Medizinethiker seinen deutschen Kollegen Ratschläge.
Viele Muslime haben ein stark ausgeprägtes Schamgefühl, das der deutschen Kultur fremd geworden ist. Dazu gehört beispielsweise, dass körperliche Kontakte außerhalb der Familie abgelehnt werden. "Der islamische Glaube erkennt den Krankheitsfall zwar als Ausnahmezustand an", erläutert Dr. med. Dr. phil. Ilhan Ilkilic vom Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Universität Mainz. Viele Muslime würden jedoch großen Wert darauf legen, von gleichgeschlechtlichem medizinischen Personal untersucht und behandelt zu werden. Dabei spiele auch die Intensität und Qualität des medizinisch erforderlichen Körperkontakts eine Rolle. Ilkilic: "Sicherlich hat eine gynäkologische Untersuchung durch einen männlichen Arzt für eine muslimische Patientin nicht denselben Stellenwert wie eine Blutdruckmessung durch denselben Mann."
Zu den allgemein bekannten religiösen Pflichten von Muslimen gehört es, im Fastenmonat Ramadan zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang keine flüssige oder feste Nahrung aufzunehmen. Kranke wie aber auch Schwangere, Stillende und Frauen während der Menstruation seien davon ausgenommen, betont Ilkilic. Dennoch verzichten Muslime ungern auf die Pflicht und verschieben häufig auch die Einnahme von Medikamenten. Die Ärzte sollten ihnen deshalb deutlich sagen, wenn sich daraus Risiken für die Gesundheit ergeben. Eine andere religiöse Pflicht ist das Verbot von Alkohol und Schweinefleisch. Darauf müssen laut Ilkilic nicht nur die Klinikköche achten, sondern auch die Ärzte. Manche Muslime lehnen nämlich auch Medikamente ab, wenn diese Alkohol enthalten. Probleme könne es auch bei Bio-Herzklappen (vom Schwein) geben oder bei Medikamentenkapseln, die häufig Gelatine enthalten, das aus Schweinen gewonnen wird.
Auch in der islamischen Welt wird die Frage des Hirntodes kontrovers diskutiert, was bei der Einwilligung zur Entnahme von Organen zur Organtransplantation von Bedeutung ist. Einige Muslime würden den Hirntod als Ende des Lebens akzeptieren, andere würden dies jedoch vehement ablehnen, was nach Einschätzung von Dr. Ilkilic nicht nur religiöse Gründe habe. In einigen islamischen Ländern hätten die Menschen Angst vor einem Missbrauch des Hirntodkriteriums.
Die aktive Sterbehilfe wird von den meisten Muslimen als Suizid angesehen, was laut Dr. Ilkilic im Islam streng verboten ist. Bei der passiven Sterbehilfe scheiden sich die Geister. Zu Konflikten könne es hier kommen, wenn eine Patientenverfügung vorliegt, die von den Familienangehörigen oft nicht akzeptiert werde. Die Familie übe auch in anderen Bereichen einen sehr starken Einfluss aus. Deshalb rät Dr. Ilkilic davon ab, Familienangehörige als Dolmetscher einzusetzen. Es sei nicht auszuschließen, dass bestimmte Informationen nicht weitergegeben würden. Zum Schutz der Patienten sollte lieber auf professionelle Dolmetscher zurückgegriffen werden, rät Dr. Ilkilic.
I. Ilkilic: Medizinethische Aspekte im Umgang mit muslimischen Patienten. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (30): S. 1587-1590
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Das Wissensportal www.kultur-gesundheit.de bietet Medizinern, Pflegepersonal und Multiplikatoren Informationen über Wertvorstellungen und Glaubenspraxis der muslimischen Patienten. Diese Internetseite wurde im Rahmen des Forschungsprojekts „Informations- und Beratungsangebote zur verbesserten Versorgung von muslimischen Patienten im deutschen Gesundheitswesen“ vorbereitet und durch die Robert Bosch Stiftung gefördert.
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