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Scheu der Ärzte vor Morphin lässt Tumorpatienten leiden
Schmerztherapie bei Tumorpatienten verbesserbar
FZ Med News
Viele Krebspatienten in Deutschland müssen unnötig Schmerzen erdulden, weil Ärzte sich scheuen, sie mit Morphin, dem am stärksten wirksamen Schmerzmittel, zu behandeln. Diesen Vorwurfe erhebt ein Schmerztherapeut in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2007). Anlass ist eine europaweite Umfrage. Sie ergab, dass auch in anderen Ländern Krebspatienten nicht genügend Schmerzmittel erhalten.
Im European Pain in Cancer (EPIC)-Survey, der kürzlich auf einem Kongress von Palliativmedizinern in Budapest vorgestellt wurde, war herausgekommen, dass zwei Drittel aller Krebspatienten trotz ärztlicher Behandlung unter andauernden Schmerzen leiden. Bei jedem dritten Patienten waren die Schmerzen sogar so intensiv, dass sie deswegen einen möglichst schnellen Tod herbeiwünschten. Deutsche Patienten wurden in der EPIC-Umfrage zwar nicht befragt, doch nach Ansicht von Dr. Stefan Wirz, dem Sprecher des Arbeitskreises Tumorschmerz der Deutschen Gesellschaft zur Studium des Schmerzes (DGSS), ist die Situation hierzulande eher noch schlechter als in den an EPIC beteiligten Ländern. Denn im Morphinverbrauch sei Deutschland mit 20 kg Morphin pro eine Million Einwohner eines der Schlusslichter. In Dänemark, laut Dr. Wirz eines der wenigen Länder mit vorbildlicher schmerzmedizinischer Versorgung, würden Ärzte viermal mehr Morphin einsetzen (80 Kilogramm pro eine Million Einwohner).
Die Ursachen sieht Dr. Wirz einmal in "zu vielen bürokratischen Hürden" bei der Ausstellung von Betäubungsmittelrezepten. Deren Gültigkeit sei zu kurz und die erlaubten Dosierungen zu niedrig. Zum anderen hätten viele Ärzte eine Scheu vor dem Einsatz von Morphin. Manche würden es – wegen der Gefahr lebensgefährlicher Atemstörungen bei hohen Dosierungen – fälschlicherweise als ein Mittel zur passiven Sterbehilfe betrachten.
Auch gibt es nach Ansicht von Dr. Wirz in Deutschland zu wenige Ärzte, die sich auf die Schmerzbehandlung spezialisiert hätten. Eine entsprechende Zusatzqualifizierung sei für Hausärzte nur sehr schwierig zu erwerben, da sie dazu für ein Jahr an eine Klinik zurückkehren müssten. Schließlich fehle es am Nachwuchs, da das Thema Schmerztherapie im Medizinstudium nur am Rande gelehrt würde.
Wie unterentwickelt die Tumorschmerztherapie in Deutschland sei, zeigt sich für Dr. Wirz auch darin, dass es keine genauen Daten über die Schmerzbelastung von Tumorpatienten gebe. Dr. Wirz fordert deshalb, dass die Krebsregister nicht nur die Diagnosen der Patienten sondern auch die damit verbundenen Schmerzen erfassen sollten.
H. Gross: Schmerztherapie bei Tumorpatienten verbesserbar. DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2007; 132 (28/29): S. 1503-1504
Weitere Infos
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