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Artikel vom 04. 07. 2007

Die Multiple Sklerose als therapeutische Herausforderung

2. Heidenheimer Intensivseminar – 23. und 24. Juni 2007

Dr. med. Philipp Kapp, Stuttgart

Unter der Leitung von Klas Diederich und Andreas Laubersheimer wurden am vorletzten Juni-Wochenende die Konzepte und therapeutischen Erfolge bei Multipler Sklerose präsentiert. Die beeindruckenden Kasuistiken aus der Belegklinik für Homöotherapie am Klinikum Heidenheim sind es wert, darüber regelmäßig zu berichten. Im persönlichen Austausch davon zu hören, war jedoch von ganz besonderer Intensität und setzte begeisternde Kräfte und neue Ideen unter den Teilnehmern frei.

Übersicht


Die Belegklinik für HomöotherapieNach oben hoch

Das Klinikum Heidenheim ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Ulm. Die Belegklinik für Homöotherapie - unter der Leitung von Dr. med. Andreas Laubersheimer - ist unter den 14 Abteilungen ein traditioneller Teil des Klinikums Heidenheim. Sie besteht seit 1946, arbeitete zunächst homöopathisch und ist nun seit vielen Jahrzehnten auf die anthroposophische Medizin ausgerichtet. Durch eine wechselvolle Geschichte wurde die Abteilung seit den 70er Jahren von einer Bürgerinitiative getragen und der Fortbestand durch den Förderverein Krankenhaus für Naturheilweisen e.V. und andere Vereine für Homöopathie aus dem Landkreis Heidenheim gesichert. Sie zieht heute Patienten aus ganz Deutschland an und bildet kontinuierlich Ärzte und Medizinstudenten aus, die auch in andere Abteilungen des Hauses rotieren können. Auf konsiliarischem Wege stehen zudem alle diagnostischen Mittel der Klinik zur Verfügung.

Die Abteilung steht in lebhaftem kollegialen Austausch mit dem ganzen Klinikum. Dadurch hat sich in gegenseitiger Anerkennung eine fruchtbare Offenheit in alle Richtungen ergeben, durch die die anthroposophisch-homöotherapeutische Medizin in Heidenheim für alle zu einem selbstverständlichen Teil des Dienstes am Patienten geworden ist. Primär internistisch ausgerichtet, haben nun durch die Erfolge bei Multipler Sklerose auch vermehrt Patienten mit neurologischen Erkrankungen dorthin gefunden. Über die letzten zwei Jahre wurden 18 Patienten mit MS in meist schwerer Krankheitsaktivität aufgenommen.


Aufbau und Inhalt des SeminarsNach oben hoch

Neben den Übersichtsvorträgen über Multiple Sklerose, die naturwissenschaftliche Erkenntnisse von Ätiologie und Pathogenese sowie aktuelle studienbasierte Therapiemöglichkeiten erläuterten, nahmen die Ausführungen von Herrn Professor Diederich, der als wissenschaftlicher Berater für die Abteilung Impulse gibt, einen besonderen Raum ein. Er sprach zunächst über mechanistische Modelle für das Nervensystem und führte die Teilnehmer dann nach und nach hinein in lebendige geisteswissenschaftliche Bilder, die deutlich machten, wie nötig die funktionelle Gliederung in vitale Prozesse auf der einen Seite (Gliazelle) und die sich im gleichen Maß zurücknehmende Geste der Nervenzelle ist.

Es entstand ein Bild von der Gefahr, dass die Bildekräfte bei der Multiplen Sklerose in ihrem Leibeswirken im Menschen nur ungenügend Ordnung finden können. Die richtige Funktion könne nur durch eine Reifung im Nervensystem erreicht werden, die nie ohne "das Ohr des Hörenden, Wahrnehmenden" geschehe. Eine Regeneration dieser gesunden Tätigkeit komme nur zustande, wenn die aktive Tätigkeit im nervlichen Wahrnehmungsprozess wieder erfolge. Die spezifische Fähigkeit des Nerven sei, Raum zu geben. Dieses Bild zog sich durch die beiden Tage wie ein roter Faden und fand sich in der Therapie und den weiterführenden Vorträgen Diederichs.


Apis und Aconitum genau betrachtetNach oben hoch

Sehr lebendig schilderte Prof. Diederich den Teilnehmern die Lebensweise der Biene und die Erscheinung des Eisenhutes. Apis und Aconitum sind die zentralen Medikamente, die bei der MS auf der Belegstation zum Einsatz kommen. Ergänzt selbstverständlich durch eine Reihe von weiteren Medikamenten und Anwendungen (vor allem Einreibungen und Wickel), die auf die Situation des Patienten abgestimmt sind. Die Vorstellung und Besprechung der Kasuistiken nahm einen Großteil des Seminars ein und war sehr lehrreich, da die Therapien ausführlich erläutert wurden. Wiederholte Aussprachen und Fragerunden stellten sicher, dass die Teilnehmer ausreichend Möglichkeit hatten, Konzepte zu hinterfragen oder Unverstandenes zu klären.


Neue Empfindung für die Krankheit entwickelnNach oben hoch

Eine Besonderheit der Heidenheimer Seminare ist sicherlich, dass ein neues, freieres Verständnis von Krankheitsprozessen gesucht wird. Die traditionelle Sicht auf die elementare Wesensgliederung oder die funktionelle Dreigliederung spielte kaum eine Rolle, vielmehr wird ein fast greifbarer Eindruck vom Dialog mit der Krankheit vermittelt: "Krankheiten sind Biographien, zusammen mit Therapien werden es Gespräche!", dies blieb im Ohr und regte zum Nachempfinden an.

Dass gerade durch den Verzicht auf Cortison auch die schwer erkrankten Patienten einen günstigen Verlauf erfahren können, entspringe keinem Bekenntnisproblem gegenüber der Naturwissenschaft, sondern sei letztlich nur eine Erkenntnisfrage auf Seiten der Geisteswissenschaft, so die grundsätzliche Haltung der Heidenheimer Ärzte. Wer die Vorgänge verstehen lerne und gleichzeitig die richtigen neuen anthroposophischen Medikamente finde, sei sehr viel eher in der Lage, den Verzicht zu tun, der den Patienten auf einer erweiterten Ebene letztlich viel weiter bringe. Für diese Tatsache hat das Seminar ein umfassendes Verständnis anlegen können. Insbesondere wurde bei jeder der besprochenen Kasuistiken eine deutliche objektive Besserung der klinischen Symptomatik erreicht. Akute Schübe konnten unter Verzicht auf allopathische Medikation begrenzt werden. Selbst bei Patienten mit chronisch progredienter Verlaufsform konnten ausgefallene Funktionen wieder hergestellt werden.


NotizNach oben hoch

Es kamen 30 Teilnehmer unterschiedlicher Therapierichtungen und Fachgebiete zusammen. Die Veranstaltung wurde von der Landesärztekammer Baden-Württemberg mit 9 Punkten zertifiziert.

   Externer Link Kliniken Heidenheim


Weitere InformationenNach oben hoch

Zweck der Heidenheimer Intensivseminare ist es, Erkenntnisse und Erfahrungen der anthropsophischen Medizin weiterzugeben. Sie dienen zugleich der medizinischen Ausbildung und Fortbildung für Ärzte aller Richtungen, Jungmediziner und Studierende der Medizin und finden in lockerer Folge statt:

   Externer Link Mehr dazu unter Aktuelles/News

Nina - ein Leben mit MS ist eine DVD, die Emotionen und Wissenschaft kombiniert. Der Spielfilm handelt von einer jungen Frau, die an MS erkrankt ist. Von einzelnen Spielfilmsequenzen ist es möglich, direkt zu erläuternden, wissenschaftlichen 3-D-Animationen zu wechseln und so ein Grundverständnis der Erkrankung zu bekommen. Die DVD ist kostenlos erhältlich, es fallen lediglich Versandkosten an. Mehr Infos zu diesem Gemeinschaftsprojekt des Bundesverbandes der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, der AMSEL und des Landesverbandes der DMSG in Baden-Württemberg:

   Externer Link http://www.emotional-science.de

 
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