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Artikel vom 28. 11. 2005

Erste Hilfe durch Laien und professionelle Helfer

Wichtige Änderungen: Herzdruckmassage hat Priorität. Kein Atropin mehr.

Universität Heidelberg, aktualisiert am 07.07.2011

Mehr Menschenleben durch effektive Erste Hilfe zu retten: Das ist das Ziel der überarbeiteten Richtlinien zur Notfallversorgung und Wiederbelebung, die im November 2010 von einer internationalen Expertenkommission in den Fachzeitschriften "Resuscitation" und "Circulation" veröffentlicht wurden. Die Richtlinien beinhalten wichtige Änderungsvorschläge für die Wiederbelebung durch medizinische Laien und professionelle Helfer.

Übersicht


Hauptsache HerzdruckmassageNach oben hoch

Das Verhältnis von Herzdruckmassage zu Beatmung bei Atem- und Kreislaufstillstand bleibt bei 30:2, 30 Kompressionen des Brustkorbs pro 2 Atemstöße durch Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung. Einzige Ausnahme ist die Wiederbelebung von Kindern, ausgenommen Neugeborene, durch zwei professionelle Helfer. Hier gilt weiterhin ein Verhältnis von 15:2.

Laien-Ersthelfer sollen nicht nach komplizierten Zeichen für einen Herz-Kreislauf-Stillstand suchen, bevor sie eine Herzmassage beginnen, da diese für Ungeübte nur schwer mit Sicherheit zu bestimmen sind. Wenn ein Mensch nicht reagiert und nicht normal atmet, sollte mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden. Der Herzmassage sollte gegenüber der Beatmung der Vorzug gegeben werden. Compression-only sei besser als nichts, bevor durch insuffiziente Beatmungsversuche Zeit verloren wird. Für professionelle Helfer gilt: Nur derjenige soll intubieren, der dies auch sicher kann. Ansonsten gilt: Mit jedem Hilfsmittel, das da ist und funktioniert, darf beatmet werden. Solange kein Spontankreislauf besteht, kann die maximal mögliche Sauerstoffzufuhr gegeben werden. Bei vorhandenen Spontankreislauf soll die Sauerstoffsättigung nicht höher als 98% liegen, da zu hohe Sättigungen mit einem schlechteren Outcome verbunden sein können.


Defibrillatoren an öffentlichen Orten mit hohem PublikumsverkehrNach oben hoch

Der Einsatz von AEDs soll weiter vorangetrieben werden, da der Einsatz und die Verbreitung der Geräte die Prognose verbessern. An Orten mit hohem Publikumsverkehr wie Flughäfen, Sportstätten und Einkaufszentren sollen Defibrillatoren installiert werden, die im Notfall von Laien bedient werden können, bevor das Rettungsteam eintrifft. Im Gegensatz zu den USA ist dies in Deutschland noch selten üblich. Studien hatten eindrucksvoll nachgewiesen, dass durch einen rechtzeitigen Elektroschock des Herzens die Überlebensrate um 25 Prozent und mehr erhöht werden kann.

Den besonderen Stellenwert einer effektiven Herzdruckmassage spiegeln auch die Änderungen der Richtlinien beim Einsatz von Defibrillatoren wieder. Bis Elektroden angebracht sind und der Herzryhthmus abgeleitet werden kann, soll die Herzdruckmassage erfolgen. Bei Herzflimmern soll sofort defibrilliert werden, unmittelbar gefolgt von einer zweiminütigen Herzdruckmassage.


Medikamente nur noch ivNach oben hoch

Außer der Gabe von Suprarenin konnte für kein Medikament oder eine Atemwegssicherung ein Vorteil nachgewiesen werden. Auf die endotracheale Applikation von Medikamenten soll generell verzichtet werden. Nach dem dritten erfolglosen Schock erfolgt die erste Gabe von 1 mg Spurarenin und 300 mg Amiodaron. Bei nicht defribrillierbaren Rhythmen, soll Suprarenin so schnell wie möglich gegeben werden. Atropin, ein "Oldtimer" der Notfallmedikamente, ist aus dem Rennen geflogen und wird nicht mehr empfohlen.


Therapie danach: Runter mit Glukose und TemperaturNach oben hoch

Eine erhöhte Sterblichkeit bei intensiven Glukosemanagement konnte eine Studie bei Intensivpatienten feststellen. Deshalb sollten Blutzuckerwerte nicht über 180 mg/dl liegen, um starke Blutzuckerschwankungen zu verhindern. Eine Hypothermiebehandlung wird weiterhin nach Kammerflimmern für 12-24 Stunden mit einer Körpertemperatur von 32 - 34 Grad empfohlen. Die Kältebehandlung erhöht die Überlebenschancen und schützt das Gehirn.

 
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