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Artikel vom 29. 09. 2010

Die Bewerbung um eine Assistenzarztstelle

Tipps vom Kleinen Assistenzarzt

Der Kleine Assistenzarzt

Der kleine Assistenzarzt schreibt regelmäßig in seinem Weblog über seine Arbeit und alles was dazu gehört. Kürzlich hat er sich entschieden, von der Neurologie in die Innere Medizin zu gehen und bewarb sich an mehreren Kliniken - sehr erfolgreich. Die besten Tipps für die Bewerbung hat er in seinem Blog zusammengefasst.

Übersicht


Gute Chancen für junge MedizinerNach oben hoch

Während meiner Lernzeit zum Hammerexamen - die ganz und gar nicht schön war und während derer ich immerzu versuchte mich abzulenken - schrieb ich mal einen Beitrag zu Bewerbungen:

   Externer Link Die erste Bewerbung um eine Arztstelle

Lange ist es her und geändert hat sich nicht wirklich viel: Eine Bewerbungsmappe, ein Foto, zwei Seiten - ein Anschreiben, ein Lebenslauf - und Kopien von Zeugnissen.

Da man heutzutage als Assistenzarzt viele freie Stellen vorfindet, muss Du nicht mit hunderten Konkurrenten in den Wettbewerb treten. Deine Bewerbung muss nicht aus der großen Masse herausragen. Sofern du nicht gerade die beliebteste Großstadt, das beliebteste Krankenhaus und das beliebteste Fach suchst, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie dich zu einem Bewerbungsgespräch einladen, bevor sie überhaupt die Bewerbungsmappe aufgeklappt haben.

Die folgenden Tipps sind sehr pragmatisch und sicherlich sehen es viele vollkommen anders - und der Weisheit letzter Schluss soll hier alles nicht sein.


Die BewerbungsmappeNach oben hoch

Ja, gar nicht so einfach, eine gute Mappe zu finden. Spart euch aber bitte das Geld, indem ihr nicht das teuerste Stück kauft, sondern eine, die die Dokumentensammlung sinnvoll zusammenhält. Ich hatte mir beim ersten Mal voller Unwissen ein "ganz dolles Ding" gekauft, mit mehreren Seiten und clever gefaltet; so dass ich letzten Endes nicht wusste, wo hinten und vorne ist und die Anleitung mehrmals studierte, um zu wissen, wohin Anschreiben oder Lebenslauf kamen. Zudem hatte die Mappe sehr schmale Metallschienen zum abheften, sodass ich die Dokumente nur mit Mühe dort hineinbekam.

Bei meinen folgenden Bewerbungen fand ich dann wirklich die ideale Mappe:
Eine Vorderseite, eine Rückseite und außen ein ausklappbarer Verschluss, der die Blätter zusammenhält - wäre ich Chefarzt, ich würde es geradezu genießen, diese Bewerbung zu lesen.

Aber das ist es ja gerade: Chefärzte haben keine Zeit, sie genießen das Lesen nicht - alles sollte übersichtlich sein und lieber knapp und gut, als zu sehr ausgeschmückt. So klärt sich auch die wichtigste Frage: was soll ich alles in die Bewerbung schreiben? Vielmehr sollte man sich fragen, was schreibe ich dort nicht hinein…


Das Bewerbungsanschreiben und der LebenslaufNach oben hoch

Zwei Seiten sind wahnsinnig kurz, es hatte mich schon enorm Mühe gekostet, meinen Lebenslauf auf eine Seite zu quetschen, bis ich erkannte, dass ich einfach eine Menge davon weglassen konnte. Der Lebenslauf lässt sich eigentlich recht einfach gestalten: chronologisch. Auch wenn es ganz schön Arbeit macht, erstmal nachzuschauen, wann man zur Grundschule gegangen ist.

(Anmerkung der Redaktion: Die Grundschulzeit ist für die Bewerbung als Arzt/Ärztin eigentlich nicht relevant)

Ich richtete mich nach einem Muster, das ich mal bei Via medici online gesehen hatte.

   Externer Link Ein Vergleich von drei Bewerbungen

Curriculum Vitae
Vorname Nachname
geboren am … in …
ledig

Und dann folgte immer eine Großüberschrift (Schule, Zivildienst, Hochschulzeit, Famulaturen usw. und darunter die Jahreszahlen, teilweise mit Monatsangabe und daneben das Detail (den richtigen Abstand bekommt man dabei immer gut mit der Tab-Taste hin).

So fasste ich mich sehr kurz, mit der Schulzeit und dem Zivildienst hielt ich mich nicht lange auf, darauf folgte die Hochschulzeit mit wissenschaftlicher Arbeit. Einzeln listete ich die Famulaturen auf und meine PJ-Tertiale, weil diese eben eine Art Zusatzqualifikation bedeuten. Besonders den wissenschaftlichen Anteil - dank meiner Doktorarbeit konnte ich ihn füllen - lesen Chefs besonders gerne.

Ganz unten folgte dann noch eine Überschrift mit Zusatzqualifikationen: Englisch und EDV - was heutzutage eigentlich fast jeder kann, was aber noch immer erwähnt werden sollte. Leider war am Ende der Seite dann kein Platz mehr, doch das Stichwort Hobbys kann man gerne noch hinzufügen, wenn es passt. Zudem rutscht so noch ein wenig Menschlichkeit ins Bewerberprofil hinein - daran kann ein Chef im Bewerbungsgespräch immer gut anknüpfen.

Schließlich folgt noch ein Datum und die Unterschrift, und fertig ist der Lebenslauf - handschriftlich muss der nicht sein - kann ja niemand lesen, so eine Arztschrift…


Das AnschreibenNach oben hoch

Kommen wir nun zu dem schwierigen Part: das Anschreiben. Wie ich schon mal erwähnt hatte: Jahre nach dem Physikum bin ich sehr froh, nicht den Chemie-, sondern den Deutschleistungskurs gewählt zu haben, so dass es mir nicht so schwer fällt, Texte zu schreiben.

Wenn man gar nicht weiß, wie man anfangen oder was man schreiben soll - dann eben erstmal die Formsache: Ganz oben den eigenen Namen, die Anschrift, Telefon und Emailadresse, darunter dann die Klinik, die Abteilung, den Chefarzt (mitsamt Titeln). Die Post-Anschrift findest du stets auf der Abteilungsseite im Internet. Zuerst kommt die Abteilung und dann der Chef, damit das Sekretariat weiß, dass die Post von jedem und nicht nur dem Chef persönlich geöffnet und gelesen werden darf - also beispielsweise seinem Vertreter, wenn der Chef im Urlaub ist. Das passiert nämlich wirklich immer dann, wenn du Bewerbungen abschickst.

Dann schreibst Du wie bei jedem Brief noch das Datum und darunter die Betreffzeile "Bewerbung um eine Stelle als Assistenzarzt" - dann weiß auch jeder gleich worum es geht.

Darauf folgte die erste Zeile: "Sehr geehrter Herr Professor/Privatdozent/Dr. … Die immer wieder auftauchende Frage, wen nenne ich im Anschreiben, möchte ich ganz einfach beantworten: den Chef der Abteilung, denn am Ende entscheidet er, ob er dich einstellt oder nicht - Personalmanagement und Betriebsrat usw. sind nur für die formelle Seite der Einstellung nötig. Zudem schmeichelt es jeden Chef, wenn er der einzige Adressat ist.

Die Frage nach dem Adressat wird auch häufig gestellt, weil oftmals in Stellenanzeigen steht, dass man die Bewerbung ans Personalbüro schicken soll. Nun ja, es könnte schon sein, dass man in einer riesigen Klinikkette, die sehr moderne Wege geht, so verfahren kann. Doch glaube ich, dass die Bewerbungen dann eh gleich weiter an den Chefarzt geleitet werden und die Gefahr, dass sie dabei verloren geht, ist viel zu groß. Nein, besser man schickt alles gleich ans Chefsekretariat. Oder: Wenn es möglich ist, die Unterlagen persönlich abgeben. Einerseits weißt Du dann, es ist angekommen, andererseits kannst Du mit Deinem Charme einen guten Eindruck im Sekretariat hinterlassen.

Nun aber zu dem schwierigen Part: das Anschreiben selbst. Wie oben schon erwähnt, fasse dich lieber kurz, statt schöne Romansätze bis ins letzt Detail geschliffen zu schreiben. Denke lieber daran, Informationen klar und einfach rüber zu bringen, die der Chef behalten kann.

Zuerst habe ich mir Stichworte aufgeschrieben, die mir wichtig waren: Bin ich schon fertig, oder mache ich noch Examen? Wenn ja, wann bin ich fertig, bzw. wann möchte ich die Stelle antreten? Bin ich schon fertig und habe schon als Arzt gearbeitet, dann sollte ich darauf besonders eingehen: Was habe ich gemacht - Bettenstation, Notaufnahme, Intensivstation, Qualifikationen? Gut ist auch zu erwähnen, ob die Doktorarbeit schon fertig ist oder soweit vorangeschritten, dass man die nicht noch neben der Arbeit schreiben muss. Mancher Chef, der Privatdozent oder Professor ist, hört vielleicht auch gerne, dass man Interesse hat, seine Doktorarbeit bei ihm zu machen.

Jedenfalls hast Du Dich damit selbst erstmal vorgestellt.

Dann folgt Dein Wunsch: anfangen in seiner Abteilung. Dabei ist sinnvoll zu schreiben, warum Du Dich für dieses Fach entschieden hast bzw. dass du den Facharzt dafür auch machen möchtest und nicht nur mal ein Jahr und dann mal weiter sehen willst. Immer wieder fällt es schwer, zu begründen, warum man nun dieses Fach machen will.

Tja, irgendeinen Grund muss es ja geben… Fällt dir wirklich keiner ein, weil du eben das Fach einfach nur toll findest und es dir Spaß macht, dann würde ich eben eine Famulatur oder das PJ erwähnen, währenddessen du den Alltag in diesem Fach kennen- und liebengelernt hast. Wenn der dortige Abteilungschef zudem etwas berühmt ist, kann man dessen Name noch gerne erwähnen. Jedenfalls lohnt es sich, von dem Fach zu schwärmen, schließlich liebt es der zukünftige Chef ebenso.

Zudem macht es Sinn zu schreiben, warum du dich für dieses Haus und/oder diese Abteilung entschieden hast - denn das schmeichelt noch mehr. Gute Gründe sind ein guter Ruf, oder die Größe, die Spezialitäten, die gute Ausbildung - ach ein wenig schleimen darf man ja wohl noch. Meist steht auf der Abteilungsseite, worauf die Abteilung oder der Chef spezialisiert sind. Oder bei einem Professor bzw. Privatdozenten lohnt es sich, den Namen bei Pubmed einzugeben und nach Publikationen zu forschen.

Fällt es einem schwer, besonders viel Gutes über das Haus, die Abteilung zu schreiben, ohne dass es lächerlich klingt, Du eben einfach nur möglichst viele Bewerbungen in deiner Region verschickst, dann kannst Du immer noch den einen guten Grund nennen, den Chefs auch gerne hören: dass Du Dich in der Region niederlassen möchtest, beispielsweise aus familiären Gründen - heißt, Du machst nicht nur ein Jahr oder schnell deinen Facharzt und verschwindest dann, sondern bleibst der Klinik auch länger erhalten. So lohnt es sich, in Deine Ausbildung zu investieren.

Jedenfalls wurde ich bei jedem Bewerbungsgespräch gefragt, ob ich eine Verbindung zur Region hätte. Gefragt wurde ich einmal auch, womit ich gar nicht gerechnet hätte, warum ich Medizin studiert hättee, warum ich Arzt werden möchte. Diesen Satz kann man natürlich auch in die Bewerbung schreiben, doch glaube ich, man kann ihn lieber weglassen und besser schreiben, warum man nun dieses eine Fach erlernen möchte.

Letztlich geht es bei diesem Thema aber auch etwas wieder um einen selbst, besonders die Charaktereigenschaften: Soll ich nun schreiben, dass ich besonders gerne anderen Menschen helfen mag? Ich glaube die Gefahr in Phrasen hineinzufallen ist ziemlich groß. Etwas zurückhaltender ist es, zu schreiben, dass man am Arztsein den Kontakt mit Menschen schätzt, während des Praktischen Jahres gelernt hat, rasch Probleme zu lösen und Aufgaben zu übernehmen und dabei Spaß hatte, und dass man sehr gerne im Team arbeitet (bitte immer erwähnen). Ein für Chefärzte insgeheim wichtiges, wenn auch sehr altmodisches Wort, ist zudem Loyalität. Ich habe es nie in meinen Bewerbungen untergebracht, glaube aber, es könnte eine große Wirkung haben.

Unabhängig davon, würde ich mich hüten, Standardsätze zu den eigenen Charaktereigenschaften aus Bewerbungen abzuschreiben - dies hatte ich teilweise bei meiner ersten noch getan. Sie sind einfach nur überflüssig, lenken von den wichtigen Informationen ab - ein richtiges Kennenlernen findet ohnehin beim Bewerbungsgespräch und noch vielmehr bei der Hospitation statt. Dass man diese machen möchte, kann man natürlich auch gerne in der Bewerbung schreiben - macht sich immer gut, zeigt Interesse und ist heutzutage Goldstandard bei jedem Bewerbungsverfahren im Krankenhaus.


Der AbschlusssatzNach oben hoch

Womit ich beim letzten Tipp wäre: den Abschlusssatz, ein wenig abgekupfert von Standardbewerbungen, aber trotzdem gut:


Zum … endet mein derzeitiger Vertrag/erhalte ich meine Approbation. Ich würde mich freuen, im Anschluss in Ihrer Klinik anfangen zu können.

   Externer Link Dieser Beitrag im Assistenzarztblog

 
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