Wer eignet sich für ein Medizinstudium?
Die Frage, ob Einserkandidaten gute Ärzte werden, hat man sich schon vor 20 Jahren gestellt und missgünstig die Kommilitonen beäugt, die in der Vorlesung immer schon 10 Minuten vor Beginn um acht Uhr morgens in der ersten Reihe saßen. Mit Blickkontakt zum Herrn Professor.

Frisch frisiert, bestens ausgeschlafen und gespannt auf das ganze Wissen, das an diesem Tag auf sie einprasseln würde. Karrieregeil und mit spitzen Ellbogen versehen - so vermutete man. Davon gab es aber nur drei und einer von ihnen ist ein sehr guter, menschlich angenehmer chirurgischer Chefarzt geworden! Ich dagegen - keine Einserkandidatin - sitze nun im Verlag, der kurativen Medizin entwichen. Was man daraus wieder ablesen könnte…
An der Frage, welche Auswahlkriterien für Medizinstudienplätze gelten sollen, haben sich schon viele Experten und Nicht-Experten versucht
und es gibt sehr unterschiedliche Meinungen dazu. Jetzt sagte Sachsens Wissenschaftesministerin Dr. Eva-Maria Stange gegenüber Medi-Learn, dass ihr Ministerium Sachsens Hochschulen eine Vielzahl von Kriterien vorgeschlagen habe, die diese bei Eignungs- oder Vorstellungsgesprächen heranziehen könnten, um spezielle persönliche Eignungen für einen bestimmten Studiengang besser zu berücksichtigen. Zum Beispiel
- Einzelnoten der Hochschulzugangsberechtigung, die über die Eignung für den gewählten Studiengang besonderen Aufschluss geben
- die Art einer Berufsausbildung oder Berufstätigkeit
- besondere Vorbildungen
- praktische Tätigkeiten und außerschulischen Leistungen und Qualifikationen, die über die Eignung für den gewählten Studiengang besonderen Aufschluss geben
Es sei ein Irrglaube, dass nur ein Einser-Abiturient auch ein guter Arzt werde, sagt die Wissenschaftsministerin weiter. “Wenn lediglich 50 Prozent unserer Medizinstudium-Absolventen heute auch tatsächlich als Arzt arbeiten wollen, muss die Frage erlaubt sein, ob es wirklich noch zeitgemäß ist, allein den Notendurchschnitt entscheiden zu lassen. Wäre es nicht viel richtiger zu fragen, ob ein Abiturient zum Beispiel Talent, ausreichend Idealismus oder gegebenenfalls eine einschlägige Vorbildung für einen solchen schwierigen Beruf mitbringt?”, so die Ministerin.
Dazu möchte ich folgendes anmerken: In vielen Untersuchungen hat sich herausgestellt, dass die Abiturnote tatsächlich mit dem Studienerfolg korreliert. Also dass Kandidaten mit einem guten bis sehr guten Abitur das Medizinstudium häufiger erfolgreich beenden als Bewerber mit einem schlechteren Abitur. Die Abiturnote bietet tatsächlich den besten Vorhersagewert.
Doch bevor jetzt alle über mich herfallen (ich bin tatsächlich selbst kein Einserkandidat gewesen): Ich bin entschieden dafür, das Medizinstudium für Bewerber ohne Abitur und mit einer einschlägigen beruflichen Vorbildung aus der Gesundheits- und Krankenpflege oder aus dem Rettungswesen zu öffnen. Wer kein Abitur hat, könnte einen standardisierten Test ablegen, der Abiturwissen aus der Biologie, Chemie und anderen Naturwissenschaften abfragt. Nicht für sinnvoll halte ich den Test für medizinische Studiengänge (TMS) in dieser Situation. Der Test, auf den sich die Bewerber dann durchaus über mehrere Wochen vorbereiten müssten, sollte letztendlich die Bedingungen des Medizinstudium wiederspiegeln, die da heißen: auswendig lernen, auswendig lernen auswendig lernen und Zusammenhänge kapieren.
Und den Test sollten die Bewerber ruhig mehrmals ablegen können.
Ein Wort noch zu den Einzelnoten im Abitur: Ich hatte Chemie in der 11. Klasse abgewählt, Physik ebenfalls nur das Nötigste belegt und im Leistungskurs Englisch und Erkunde gewählt. Bis zur 13. Klasse war ich also begeistert und intensiv mit Plattentektonik und dem Zonenrandgebiet Lüchow-Dannenberg beschäftigt. Im Auswahlgespräch, das es damals noch nicht gab, hätte man mich also fragen müssen, ob ich nicht das falsche Studienfach gewählt hätte. Mitnichten - ich hatte mir nur kühl ausgerechnet, mit welchen Fächern ich das beste Abi machen würde, wie das alle vernünftigen Schüler tun, die auf ein gutes Abitur spekulieren.
Warum ich jetzt nicht als Ärztin arbeite? Das liegt nicht am Erdkunde Leistungskurs, sondern an der Ärzteschwemme zwischen 1995 und 2003, in der auf eine freie Stelle 10 Bewerbungen und mehr kamen. Eine Mutter von zwei kleinen Kindern nach einer zweijährigen Erziehungspause wurde als erstes aussortiert.
Trotzdem, ich bereue es nicht und will damit nur sagen: Viele der Auswahlkriterien ähneln Kaffeesatzleserei. Wie will man Idealismus abprüfen? Alle Medizinstudenten starten ihr Medizinstudium mit großem Idealismus (siehe auch die Ergebnisse unserer Miniumfrage). Das ist ja eines der Probleme. Denn der Idealismus stößt im PJ böse auf die Realität, das haben Ärzte der Uni Heidelberg und Tübingen in Befragungen herausgefunden. Also auch der Idealismus ist kein Garant dafür, dass Absolventen hinterher tatsächlich als Ärzte arbeiten.
Daher sind meine Vorschläge:
- Berufsgruppen aus dem Gesundheitsbereich für das Medizinstudium zulassen - sie wissen, wie es im Alltag läuft, haben keine romantischen Vorstellungen sondern ganz klare Karriereziele vor Augen und oft auch schon Kinder, die aus dem Gröbsten raus sind. Wenn sie Medizin studieren, dann ganz bestimmt deshalb, um später auch als Ärzte zu arbeiten
- Ins Medizinstudium so viel Praxistätigkeit wie möglich zu integrieren und die Studenten auf den BERUF Arzt vorzubereiten. An vielen Stellen geschieht dies auch schon - es muss allerdings noch flächendeckend umgesetzt werden
- Stations- und Oberärzte, die PJler ausbilden, auch in ihrer Lehrtätigkeit zu unterstützen und auszubilden! Auch hier ist selten ein Meister vom Himmel gefallen.
- Und last but not least die ärztliche Weiterbildung zur Bringschuld umzufunktionieren, nicht als Holschuld des Assistenten für alle Zeit bestehen zu lassen. Es sollte uns Ärzten und den Politikern ein Anliegen sein, gute Ärzte auszubilden.
Auch die Rahmenbedingungen für die ärztliche Arbeit müssen natürlich stimmen - doch muss in den Krankenhäusern auch beachtet werden, dass ein gutes und funktionierendes Team, das Wert auf die Zusammenarbeit legt und diese pflegt und Vorgesetzte, die ihre Mitarbeiter fördern und wertschätzen, auf Nachwuchskräfte mehr Anziehungskraft ausstrahlen als mancher mehr bezahlte Euro.
Noch eine Story zum Schluss: Vor ein paar Jahren rief mich hier in der Redaktion eine Medizinstudentin an, die kurz vor ihrem (damals) dritten Staatsexamen stand und eben ihre Doktorarbeit beendet hatte. Sie wollte wissen, woher sie einen Doktorhut bekommen könne. Im Lauf des Gesprächs erzählte sie ihre Geschichte. Sie hatte die Sonderschule (heute Förderschule) besucht und abgeschlossen, dann den Hauptschulabschluss, den Realschulabschluss und das Abitur gemacht. Sie sagte: “Die Fähigkeiten, ein Medizinstudium erfolgreich zu absolvieren, wurden mir in der Sonderschule beigebracht: Man braucht Disziplin und muss bereit sein, Unmengen auswenig zu lernen, ohne das Ganze ständig zu hinterfragen. Für mich war das kein wirkliches Problem.” Jetzt arbeitet sie schon lange als Ärztin.
Dem muss nichts hinzugefügt werden.
(Uli)







Am 18. Februar 2009 um 11:43 Uhr
“Wäre es nicht viel richtiger zu fragen, ob ein Abiturient zum Beispiel Talent [...] für einen solchen schwierigen Beruf mitbringt?”, so die Ministerin.
Wie soll man das denn abprüfen? Vielleicht eine Test-OP am offenen Herzen eines Patientensimulators? Oder ein Fragebogen findiger Psychologen?
Am 20. Februar 2009 um 20:05 Uhr
Hab in meinem Blog mal über das Thema nachgedacht:
http://assistenzarzt.wordpress.com/2009/02/20/assistenzarzt-fragt-teil-15/
Assistenzarzt
Am 26. Februar 2009 um 19:35 Uhr
Um die Quote der Abbrecher des Medizinstudiums zu verringern, wären meines Erachtens als wichtigstes Auswahlkriterium die finanziellen Verhältnisse der Familie zu nennen. Dies wäre einerseits leicht zu prüfen und Studenten, die neben des Studiums auf den Erwerb ihres Lebensunterhalts angewiesen sind, dies aber in nicht wenigen Semestern so gut wie unmöglich ist, brechen meiner Erfahrung nach ihr Medizinstudium wesentlich häufiger ab, als diejenigen, die diese Schwierigkeit nicht noch zusätzlich bewältigen müssen.
Natürlich wäre es auch möglich, die soziale Situation, beispielsweise bei der Erhebung der Studiengebühren stärker zu berücksichtigen, doch deucht mir, dass es doch stark an politischem Willen mangelt. In so fern ist das Problem der steigenden Zahl von Studienabbrechern für unsere Regierung wohl doch eher ein Problem untergeordneter Priorität.
Am 26. Februar 2009 um 20:57 Uhr
Ich bin dagegen, auch Berufstätige im medizinischen Bereich zuzulassen, die kein Abitur haben. Ich finde dass man zum Studium doch einige theoretische Grundlagen braucht, die Realschüler oft einfach nicht mitbringen. Mit Abitur sollten solche Menschen jedoch bevorzugt genommen werden.
Ich finde es würde dem Ansehen des Studiengangs nicht guttuen wenn anders als in anderen Universitätsstudiengängen Leute ohne allgemeine Hochschulreife zugelassen werden. Man wird als Mediziner oft genug als “Auswendiglerner” abgewertet. Wenn die Vorraussetzung nicht einmal das Abitur ist, kann dies nur noch schlimmer werden.
Ich finde auch dass trotz des vielen Stoffes der Stoff eigentlich schon verstanden werden muss, und auch von meinen Komilitonen verstanden wird.
Ich finde einfach dass entgegen der gängigen Vorurteile nicht jeder ein Medizinstudium schaffen kann, auch bei ansonsten guter Begabung zu medizinischen Berufen.
Am 26. Februar 2009 um 22:35 Uhr
Es macht mich oft ungläubig, dass immernoch die Abinote für diesen Studiengang in vielen Fällen reicht um einen Platz zu beginnen. Viele derjenigen die dann das Studium beginnen, treten dann auf als seien sie schon die Götter in weiss, und die Elite dieses Landes….geleistet aber haben sie bis dato noch nichts…..(ein sehr gutes Abi ausgenommen). Auf die Frage warum sie Medizin studieren, habe ich mir des öfteren angehört..: “Weil ichs kann!”, “Mir fiel nichts besseres ein…” usw.
Dabei klappt mir das Messer in der Tasche auf… Denn die Abinote sagt m.E.nichts über die menschliche Eignung und Reife des Studentens aus, und grade da hakt das System in meine Augen.
Zuviel Theoretiker und Studenten ohne gesunden Menschenverstand werden herangezüchtet…
Keine Angst dies ist kein schmutziges Wäschewasche, denn ich gehre auch zu denen die ein Top-Abi haben, in meinen Fall, habe ich jedoch zuvor 1 jahr in einem internationalen Konzern ein duales Studium bestritten (dort wird vor allem nach soft skills sortiert und nicht rein nach Note), und dann mein Interesse zur Medizin entdeckt…. Jedoch vor Studienbeginn noch meine Ausbildung zum Rettungsassistenten abgeschlossen, und in dem Job arbeite ich weiterhin und es macht einen riesen Spass.
Natürlich habe ich so 2 Jahre “verloren” aber die Erfahrung und das was ich dort lerne, kann mir kein Medizinstudium geben. Es gibt dutzende die lange auf ihren Studienplatz warten müssen (klar ham sie ihr Abi vielleicht verzockt…), die Zeit in einem medizinischen Beruf überbrücken, aber sie sind meist bis in die Zehenspitzen motiviert, und eignen sich in meinen Augen eher für den Arztberuf, als das kleine Püppchen aus der Arztfamilie das in Bio gut aufgepasst hat…..
Am 3. März 2009 um 09:02 Uhr
Vielleicht liegt es auch daran, dass die Kandidaten, die Medizin studieren wollen, in Ihrem bisherigen Leben wenig mit Chronisch kranken und Behinderten zu tun hatten? Keine Möglichkeit gehabt haben, mit diesen zusammen die Schulbank zu drücken, oder gar befreundet zu sein. Denn diese werden aus dem normalen Alltag in Deutschland meistens außen vorgehalten. Ist doch klar, dass dann ein PJler die Masse der kranken und behinderten, auf die er trifft, völlig überwältigend findet und er denkt, er ist im falschen Film. Praktika vor dem Studium in Einrichtungen, wo chronisch kranke Menschen sind oder Behinderte, genügt einfach nicht. Es ist ein Ausflug in eine besondere, spezielle Welt, und uns wird zusätzlich suggeriert, dass es besonders viel Empathie abverlangt und ein hohes gestiges Niveau, um damit zurechtzukommen. Daher sollte nachgewiesen werden, ob der Arzt in spe zeit seines Lebens schon Kontakt mit Menschen hatte, denen er dann von Berufs wegen Tag und Nacht die Hand geben wird. Als weitere Voraussetzung zum Medizinstudium also: ein glaubwürdiger Nachweis, dass man lange Zeit befreundet war mit chronisch kranken oder Behinderten, oder ein Angehöriger ist oder gar selbst betroffen. Ansonsten schhlage ich vor, die Naturwissenschaft Medizin in zwei studiengänge aufzuteilen. In einen, der sich nur mit Patientenfernen Inhalten beschäftigt (Labormedizinische Methoden) und einen, der sich als soziales Fach versteht, dass mit Menschen zu tun hat, und zwar nicht nur während der sprechzeiten und so lange, wie die Kasse die Leistungen bezahlt.
Am 3. März 2009 um 14:25 Uhr
[...] Wer eignet sich für ein Medizinstudium? [...]
Am 5. März 2009 um 14:12 Uhr
@ Esther
Du hast recht, ich glaube auch, dass man vor dem Studium eher eine realitätsferne Vorstellung von der ärztlichen Arbeit hat und am Ende doch ein bisschen entsetzt ist, natürlich nur mit kranken Menschen und zunehmend alten Menschen zu tun zu haben.
Das Studium ist spannend - anstrengend aber spannend und abwechslungsreich - der ärztliche Alltag oft nur noch super anstengend, in den ersten Jahren auch wenig kreativ, weil die Erfahrung fehlt. Manchem kommt dann auch: das soll’s jetzt gewesen sein? Das soll ich jetzt bis zu meiner Rente machen?
In Herdecke ist ein halbjähriges Pflegepraktikum Voraussetzung für das Medizinstudium. Ob das die bessere Antwort ist?
Am 9. März 2009 um 17:31 Uhr
@DonGeilo:
“Es gibt dutzende die lange auf ihren Studienplatz warten müssen (klar ham sie ihr Abi vielleicht verzockt…), die Zeit in einem medizinischen Beruf überbrücken, aber sie sind meist bis in die Zehenspitzen motiviert, und eignen sich in meinen Augen eher für den Arztberuf, als das kleine Püppchen aus der Arztfamilie das in Bio gut aufgepasst hat…..”
Vielleicht haben diese Püppchen aus der Arztfamilie auch nur solch ein gutes Abi und so gut in Bio aufgepasst, weil sie mindestens genauso motiviert waren?!
Ich zumindest komme aus einer ziemlich einfachen Familie und streng mich in der Schule eben besonders arg an, damit ich Medizin studieren kann. Ich denke schon, dass ein gutes Abi auch zeigt, ob jemand wirklich Medizin studieren möchte oder nicht. Wenn man sich während der Oberstufenzeit jedes Wochenende betrinkt, nur ans weggehen und Party machen denkt (glaubt mir, dass tun die meisten), dann hat man meiner Meinung nach auch keine Medizinstudium verdient. Für das was ich leiste will ich doch auch belohnt werden und nicht mit Menschen, die es sich bisher sehr einfach gemacht haben, in einer Vorlesung sitzen, oder?!
Ich denke man ist häufig, nicht immer, aber sehr häufig selbst schuld, wenn das Abi-Zeugnis schlecht ist…, denn:
schon Albert Einstein sagte: 10% sind Genie, aber 90% ist Disziplin.
Und wer keine Disziplin hat, der gehört nicht in die Medizin-Uni!
Selber schuld wenn man sein Abitur “verzockt”….
Am 10. März 2009 um 14:19 Uhr
@Medizinstudent:
Du hast geschrieben: “als wichtigstes Auswahlkriterium die finanziellen Verhältnisse der Familie zu nennen” - für mich unvorstellbar! Dann hätte ich nicht studieren dürfen. Als geborenes DDR-Kind schätze ich die Freiheit, die jetzt besteht, dass jeder unabhängig von seinem familiären oder finanziellen Hintergrund entsprechend seiner Leistungen (Abi, Medizinertest, what ever…) studieren darf. Und ich nehme an, das geht nicht nur mir so.
Ich habe bis zu 3 Nebenjobs neben dem Studium gehabt und einen der besten Studienabschlüsse meines Jahrgangs hinbekommen. Inzwischen habe ich mehr als die Hälfte meiner Facharztausbildung rum. Die meisten meiner Kommilitonen haben nebenbei gejobbt und sie wussten, wofür sie es taten: Sie wollten Arzt werden. Gerade aus den strukturschwachen Regionen kommen häufig die hochmotivierten, die bereit sind zu kämpfen, aber die nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurden. Ich finde es auch legitim, ein Urlaubssemester zu machen, um Geld zu verdienen, damit man das PJ finanziell durchhalten kann. Diejenigen, die nebenbei arbeiten müssen, investieren mehr Arbeit und Mühen in den Weg des Arztwerdens als die anderen. Von denen geben die wenigsten auf, eben weil sie schon so viel investiert haben und weil sie überhaupt auch die Bereitschaft haben, mehr Mühe und Kampf zu investieren. Die kippen nicht gleich, wenn der Weg mal holpriger wird.
Naja, es gibt zum Glück auch noch Bafög, auch wenn ich dazu kritisch eingestellt bin und Studienkredite.
Diejenigen, die es nicht nötig hatten nebenbei zu arbeiten, weil Papi alles finanzierte, waren häufig diejenigen, die der Medizin überdrüssig wurden und abbrachen oder das Studium nur beendet haben, um einen Abschluss zu haben, weil die Eltern es so wollten, auch wenn sie irgendwann keinen Spaß mehr dran hatten. Es waren auch häufig die Partygänger, die vor 11.00 nicht in den Hörsaal fanden und sich das Studium gerne verlängerten, weil sie es konnten und wollten und mal Urlaub machten oder nicht so viele Kurse auf einmal haben wollten im Semester.
Wenn es rein nach dem finanziellen Hintergrund geht, dann haben wir bald nur noch den Standesdünkel in den Hörsaalreihen sitzen und von denen brechen viele ab, weil sie irgendwann rausfinden, dass es gar nicht das ist, was sie eigentlich wollen / können. Dann heißt es bald auch, dass die untere Mittelklasse und die Unterklasse überhaupt keine Chance mehr hat, über Bildung den Aufstieg zu schaffen. Und talentierte Kinder von Geringverdienern sind dann auch außen vor. Widerspricht etwas unseren freiheitlich demokratischen Grundsätzen, oder?
Am 12. März 2009 um 19:01 Uhr
Zunächst erstmal muss ich mich zu der Aussage von “Medizinstudent” äußern: Wie kann man nur so ein arroganter Schnösel sein?
Um aber auch einen konstruktiven Vorschlag zu machen: Meiner Meinung nach ist das Auswahlverfahren in Großbritannien beispielhaft.
Von den Bewerbern werden sogenannte “non-academic qualities” gefordert. Während des “interviews” - also einem Vorstellungsgespräch- wird verlangt folgende Eigenschaften nachweisen zu können. Hier ein Auszug der University of Edinburgh:
The non-academic criteria score (makes up 50% of total score) will take the following into account:
the applicant’s personal qualities and skills
- empathy
- interpersonal relationships
- ability to communicate
evidence of career exploration prior to application
- understanding of medicine
- work experience and shadowing (diseased, disadvantaged and
disabled)
the breadth and level of non-academic achievements and interests
- social involvement
- school responsibilities
- leadership
- organisational abilities
- cultural, sporting, vocational and voluntary achievements
- interests and hobbies
Sowohl bei meiner Famulatur als auch im PJ ist mir aufgefallen, dass es bei den Medizinstudenten und bei den “first-year doctors” auffällig viele gibt, von denen ich sagen würde, dass sie soziale Kompetenzen haben.
Ein gutes Abitur ist jedefalls keine Garantie für einen guten Arzt!
Am 22. März 2009 um 11:25 Uhr
@Uli und andere
halbjährliches Pflegepraktikum in Wittenherdecke als Vorraussetzung klingt nicht schlecht. Ein gutes abi finde ich auch wichtig und einen guten Medizinertest, denn das sind Kriterien, die den arbeitseinsatz beim lernen zeigen. Noten spiegeln sicherlich am ehesten die Disziplin wieder. Und die ist generell eine gute Eigenschaft, in allen Berufen.
auswahlgespräche sind ebenfalls interessant, denn da bekommen Uni und potentieller Kandidat schon mal direkten Kontakt.
Vermutlich wäre am besten ein Zulassungsverfahren, das nicht absolut rigide ist. auswahlgespräche sind beispielsweise so eine sache: manche haben einfach ein Talent sich zu präsentieren und zwar von anfang an. und dann gibts die schüchternen, die erst anlaufzeit brauchen, um aufzublühen, aber da ist das gespräch vielleicht schon um. Viele, die Medizin studieren wollen, bereiten sich speziell auf die Anforderung vor, die die Zulassungsbehörde fordert. Also der NC bedeutet eine sehr gute Leistung in der Schule.
Und nun denk ich mir, ich steh jetzt vor einem Patienten mit schwerer Krankheit, will ne Prognose abgeben. Nehmen wir mal an einen Süchtigen (Sucht ist ja auch unter Ärzten verbreitet…) und dann seh ich seinen Werdegang, seine Biografie, aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, Schule kurz vorm Abi abgebrochen, disziplin- und distanzloses Verhalten, reden will er auch nicht mit mir….was wird nur aus dem? Ginge es nach einem rigiden Auswahlverfahren, wird er sicher nicht irgendwann mein Kollege. aber wenn ich mir nicht mal eine solche gemeinsame ebene vorstellen kann, dass ich in gleicher Augenhöhe wie mein Patient bin, wie will ich ihn dann errreichen? Soll ich ihm sagen, einmal krank (ärmlich, “unterbelichtet”, disziplin-und distanzlos) immer krank? Oder glab ich an Besserung oder an eine Überraschung oder eine Wendung?
Lange Rede, kurzer Sinn: mit super abi, erfolgreichem Auswahlgespräh, gewisser sozialer Erfahrung und sicheren Finanzen hat man ein gutes Polster und das ist hoch einzuschätzen, denn es mildert die strapazen des Medizinstudiums. Ich denke, man darf sich auch darauf etwas einbilden. aber deswegen andere, die das Polster nicht so mitbringen, von vornherein ausschließen oder mit irgendwelchen Attitüden verfolgen, finde ich merkwürdig und auch nicht richtig.
Was störts einen denn, wenn du neben einem Kollegen läufst, der gerade eben sein Medizinexamen bestanden hat, aber nicht 26 Jahre alt ist wie Du, sondern 40 Jahre und eigentlich nach der schule erst mal Handwerker gelernt hat? Was ist da so schlimm dran? Wenn er sich im Job engagiert wie Du und keine Fehler macht, ist doch prima.
Am 22. März 2009 um 11:52 Uhr
hallo,ich habe mir hier alles ausfúhrlich durchgelesen und trotzdem bin ich nicht sehr viel schlauer geworden.ich besuche zurzeit noch die 10.klasse des gymnasiums(G8 ,diese neue Schulform sollte mittlerweile auch bekannt sein).Bei der Auswahl meiner Abi-Fächer hatte ich zunächst ehrlich große Schwierigkeiten:soll ich das nehmen was mir Spaß macht,um ein gutes Abi-Ergebnis zu erzielen, oder doch lieber das wählen,was ich evtl. brauchen sollte,d.h. Biologie,Latein und Chemie.
Wie gesagt,leider weiss ich nicht ob ich die zwei letzteren Fächer benötigen würde.Nach langem Nachdenken habe ich mich doch für eine sprache entschieden und Biologie.Habe ich denn richtig gewählt?
Noch eine kleine Anmerkung:wie schon oben beschriben,ist der Umgang mit chronisch kranken und behinderten Menshcen wichtig für den Beruf eines Arztes.Allerdings fällt mir beim besten Willen nicht ein,wie ich mich neben meiner anstrengenden Schule sonst noch engagieren soll.Denn Krankenhaus hier werden eher ältere und schon Beruftstätige bevorzugt,und nicht Interessenten, die dannach streben,einige Berufserfahrungen mitzunehmen..
Ich bitte um eine Rückmeldung
Am 26. März 2009 um 21:27 Uhr
Wer wird ein guter Arzt? Letztlich jemand der fleißig und intelligent genug ist um das Studium durchzustehen und der danach noch soviel Idealismus besitzt dass er den manchmal sehr belastenden Job aushält.
Aber: ich glaube dass es vor allem überaus wichtig ist wie gut man unterstützt wird und in wiefern man gelernt hat, die passenden Entscheidungen für sich selber zu treffen. Wie viele Leute wählen doch die ein oder andere “Königsdisziplin” in einem renommierten Krankenhaus wobei sie doch schon selber erahnen dass sie davon nicht glücklich werden? Wie viele Anfänger dürfen sich im Krankenhaus erstmal durchbeißen, anstatt gut eingearbeitet zu werden? Dass man dann total frustriert und entmutigt eine andere Berufsrichtung einschlägt ist kein Wunder. Ich finde dass man die Mediziner gut begleiten und beraten muss und sie weniger zum dummen Mitläufertum erziehen sollte. Dann kann man sich frühzeitig “seine” Nische im Krankenhaus suchen.
Zu Esther: ich finde es gibt auch viele klinische Berufe für die man keine Erfahrung mit behinderten und chronisch Kranken braucht - ein normales Maß an Empathie reicht vollkommen. Und in meinen zwei Monaten Pflegepraktikum hab ich viel dazugelernt. Letztlich braucht man als Arzt neben Mitgefühl vor allem das Vermögen, sich von seinem Patienten distanzieren zu können - ansonsten kann man meiner Meinung nach nicht wirklich gut therapieren und unterstützen - und hält man es nicht lange im Beruf aus.
Ich arbeite auf einer Kinderintensivstation. Wenn ich mir bei den drei verstorbenen Kindern aus meinem letzten Dienst immer wieder die Frage stelle “wie überstehen die Eltern das nur?” - “und wenns meine Kinder wären”? würde ich glaube bald nicht mehr arbeiten können. Statt dessen bin ich froh über jeden Patienten dem wir doch noch helfen können - und noch immer glücklich und motiviert, trotz all dem Elend.
Am 27. März 2009 um 11:30 Uhr
also ich mache gerade Abitur, bin aber nur eine gute Schülerin (durchschnitt 2) und mein “Traum” ist es schon immer Arzt zu werden! weiß nicht wie hoch die chance ist dass ich im herbst dieses jahres gleich angenommen werde. Plan B hab ich leider auch noch nicht falls ich nicht gleich medizin studieren kann. aber sowie ich oft höre hat ein NC von 2 keine große chance…??
“Zuviel Theoretiker und Studenten ohne gesunden Menschenverstand werden herangezüchtet…”
!!!! DAS ist DIE Aussage!!! ich kann nur voll zustimmen, denn zum Arztberuf gehört durchaus viel mehr als nur stures Wissen!!! meiner Meinung nach..
so viel ich weiß ist das Medizinstudium sehr “trocken” ist und Topabiturnote als Voraussetzung finde ich sowieso nicht richtig!
es ist absolut richtig dass man für solch eine Berufung natürlich auch Wissen haben muss und alles.. das ist klar! nur ich möchte nicht Arzt werden um schließlich meinen Patienten stur irgendwelche chemische Vorgänge erklären zu können.. wenn ihr versteht was ich meine..
sondern um Menschen zu helfen, zu heilen…
ich finde zum Arztsein gehört sooo viel mehr dazu… vlt. spricht da noch eine Abiturientin von ihrer “naiven Idealen” hinsichtlich der Arztberufung… aber ich bin so davon überzeugt und möchte auch diese Ideale nicht durch den trockenen und mit “sturem Auswendiglernen” geprägten Medizinstudium verlieren… denn ohne diese Idealen würde ich auch nicht Medizin studieren wollen
Am 28. März 2009 um 13:18 Uhr
Liebe Esther,
ich bin inzwischen Fachärztin für Chirurgie nach einer langen WB- zeit von 6,5 Jahren und ich glaube, du hast noch eine sehr verklärte Version des Arztberufes. Also, vorab: Chirurgin ist mein Traumberuf und möchte nie etwas anderes machen und mein Job macht mir Spass. Aber mit chronisch Kranken und Behinderten haben wir wenig zu tun und mein Pflegepraktikum und mein langjähriger Nebenjob im Pflegeheim haben mich keineswegs für den Alltag vorbereitet. Erst im PJ an der Seite einer sehr gefuchsten Altassistentin habe ich gelernt, was Arzt sein heißt und wie viel Liebe und Arbeit und Selbstkasteiung man investieren muss.
Um zu verstehen, was ich meine, vielleicht eine kurze Übersicht über meinen “normalen” Tag:
7.15 Uhr Ankunft KH: In der Tür steht Ingrid, unsere Stationsschwester, schon mit mehreren Aufträgen: Blut abnehmen, Viggos, ich zieh mich um, vor meinem Arztzimmer steht schon ein Angehöriger, der sich nach einem Patienten, der heute nacht aufgenommen wurde, erkundigen will. Und ist erbost, dass ich noch nichts sagen kann, weil gerade eben gekommen.
7.30 Uhr schnell zur Intensivvisite, ein Anästhesist ist krank, wir haben nur einen Saal, da noch ein Belegarzt operiert und das bei dem geplanten Programm.
7.40 Uhr Röntgenbesprechung und Übergabe, nörgelnder OA, warum hast du den Patienten denn aufgenommen??? Der Diensthabende guckt ungläubig.
8.00 Uhr Chefvisite, entspannt, ich habe da Routine und kann mit den Launen meines Chefs schon ganz gut, meine Kollegin hat da noch zu kämpfen, tritt prompt in die Falle. warum ist der denn noch da? weil er allein zu Hause ist. Den Brief ans MdK schrieben Sie!!!
8.45 Uhr endlich OP, noch ca. 15 Minuten auf den Anästhesisten gewartet, währenddessen Kurzbriefe schreiben, Telefonate. Eine KK, die die Onko- Therapie in einem Zentrum nicht zahlen will, eine Pflegekasse, die das Pflegegeld ablehnt. Aufgebrachte Angehörige, weil der Patient nach “schon” 14 Tagen nach Hemikolektomie rechts entlassen wird. Ein genervter Chef, weil ich in irgendeinem D- Bericht mal wieder das AU- datum vergessen habe.
9.30 Uhr mitten in der OP Hilfeschrei aus der Ambulanz. Die Flut von 20 vorstationären Patienten und mehreren Notfällen schafft mein Kollege nicht allein. Ich eile raus.
11.30 Uhr kurz auf Toilette, ein VU wird angekündigt, noch schnell dem jüngeren, unerfahrenen Kollegen über die Schulter gucken, nichts schlimmes, wieder in den OP
zwischendrin Anrufe von Station zu Anordnungen, eine Ehefrau will zurückgerufen werden, der DRG- Beauftragte drängelt wegen fehlender ICD und OPS zahlen.
14.45 Uhr zurück auf Station, schnell einen Kaffee, eine Menge Aufträge von Ingrid. Anordnungen, Aufklärungen, Anfragen von Kassen, QS-Bögen, eine Histo ist gekommen, hier muss ich ´mit dem Patienten über die recht schlechte Prognose reden, aber nicht zwischen Tür und Angel. Ein aufgebrachter Ehemann in der Tür, weil wir keine elektronisch verstellbaren Betten und kostenlosen Kaffee für die ganze Familie hätten. Nicht mein Problem, Ingrid klärt das souverän.
15.30 Uhr Endlich alle kleineren Tätigkeiten erledigt. Jetzt zu dem Patienten, dessen Ehefrau ist gekommen. Ruhe und vor allem Zeit zum Sitzen. In Ruhe erläutere ich Prognose und Therapiemöglichkeiten. Die Ehefrau ist den Tränen nah, der Mann eher gefasst, meistens ist es im Verlauf umgekehrt.
15.40 Uhr Nachmittagsbesprechung und Übergabe an den Diensthabenden. Unser Chef hat wieder irgendwelche Berichte, wo sich kleine Fehlerteufel eingeschlichen haben. Er macht immer ziemlich viel Wind von, ich bin in Gedanken schon weiter. Unser Radiologe demonstriert zwei CT Befunde, ein Patient hat einen Abszess, wahrscheinlich nach perforierter APP, der muss noch aufgeklärt werden und kommt dran.
16.05. Uhr Dienstplanbesprechung: warum muss ich Pfingsten arbeiten, wenn ich Ostern Urlaub hatte? Naja, weil die anderen für dich gearbeitet haben. Aber dann hab ich ja zwei WE hintereinander. Na, passiert, ich habe drei WE hintereinander. Jetzt werde auch ich laut und ungehalten. Schließlich ist alles geklärt. Ich renn auf Station, mein OA hat schon zweimal gefragt, wann die OP losgeht und ich hab den Patienten noch nicht mal aufgeklärt.
16.20 Uhr Patient aufklären, Ehefrau beruhigen, noch Blut abnehmen. Wer hilft unserem OA, die Ambulanz ist voll, der Diensthabende kann nicht in den OP. Ich geh ja schon.
16.35 Uhr OP geht los
17.15 Uhr OP Ende, ich gehe noch auf Station. Vor meinem Zimmer steht eine aufgelöste Mutter, was ihre Tochter hätte!? Tochter!? Flitz ins Dienstzimmer: Achso, Ausschluss Appendizitis von heute morgen. Zurück, Mutter beruhigen. Umziehen.
17.30 Uhr Im Schwesternzimmer abmelden. Ach, da ist noch… Gut Tasche weg, Telefonat HA, Blut abnehmen, zwei drei Anordnungen. jetzt aber endlich fertig.
17.55 Uhr endlich nach Hause.
Ich denke, wie Anja und andere Vorredner feststellten, es gehört viel Idealismus zu unserem Beruf und den kann man nicht messen, erfragen o.ä. Den entwickelt man während des Studiums oder eben nicht.
Dass uns unser Studium nur ungenügend auf den Beruf vorbereitet wie auch eine gute Abi- Note, wissen wir alle, aber irgendwie muss ja Studienplätze vergeben und auch in anderen Fächern gibt einen NC.
Nur noch einmal kurz: Ich hatte ein Einser- Abi, war eine eher mittelmäßige Studentin und wurde in der Facharztprüfung nach der Hälfte der Zeit mit den Worten hinausgeschickt: “Ich seh´schon, Sie wissen eindeutig zu viel! Herzlichen Glückwunsch!” Und das Feedback meiner Schwestern und Oberärzte und vor allem meiner Patienten ist fast durchweg positiv. Ich mache nebenbei noch KV- Dienst und seh´ja selbst, wie die Leute sich positiv freuen, wenn sie mich mal auf einem Hausbesuch treffen.
Ich denke immer noch, ich hab mich richtig entschieden und Arzt ist halt auch ein sozialer Beruf, in den man auch viel Freizeit investiert, was den meisten nicht klar ist und ich denke, hier sollten die Studenten besser vorbereitet sein. Ein Einser- Abi ist kein Garant für einen Studienabschluss. Man muss sich im klaren sein, dass man sich durch ein Studium, oft auch unsinnig beissen muss, dass einen nicht wirklich auf die Praxis vorbereitet. Aber hier lernt man schon das Durchkämpfen auch durch ungeliebte Fächer. Ganz ehrlich, wessen Hobby ist es im späteren Berufsleben schon, Briefe zu schreiben oder zu verschlüsseln?!
Ich hoffe, ihr fühlt euch nicht zu sehr abgeschreckt. Wirklich, müsst ihr nicht. Im PJ fängt das richtige Leben an.
Am 30. März 2009 um 15:59 Uhr
Hallo Perid,
vielen Dank für deine Ausführungen. Was du schreibst, ist sicherlich eine realistische Darstellung dessen, was Ärzte in chirurgischen Abteilungen täglich erleben. Bei vielen Chrirurgen dauert ein Arbeitstag auch oft noch deutlich länger und 60 Stunden in der Woche werden an der Uniklinik von den Ärzten als “wenig” bezeichnet.
Trotzdem stelle ich mir einige Fragen. Sind wirklich die jungen Ärzte und Studenten ungeeignet für diese Arbeit, oder sind die Arbeitsbedingungen in erster Linie ungeeignet für die meisten normalen Menschen? Ist es zwingend notwendig, dass ein Arzt 60 oder mehr Stunden in der Woche arbeitet und sich keine Mittagspause erlauben kann?
Wieso musst du denn nach deinem langen Studium noch so viel Zeit mit Tätigkeiten verbringen, für die niemand studieren muss. Blut abnehmen, Zugänge legen, viel Papierkram. Wieso werden diese Tätigkeiten nicht von anderen übernommen. Kaum ein Betrieb der freien Wirtschaft würde es sich erlauben, die teure Arbeitszeit seiner akademischen Mitarbeiter, für solche Aufgaben zu nutzen. Nur die Ärzte machen es und arbeiten dann dafür eben nach Feierabend noch “freiwillig” die paar Stunden nach, die sie vorher für solche Aufgaben benötigt haben.
Vielleicht hätten wir automatisch normalere, menschlichere Ärzte, wenn auch die Arbeitbedingungen menschlicher wären. Zumindest so menschlich, wie in den meisten anderen Berufen auch.
Es ist mir durchaus klar, dass man als Arzt nicht einfach den Stift um 16 Uhr aus der Hand fallen lassen kann und dann heimgeht, wie im Finanzamt. Aber muss diese Überarbeitung denn der tägliche Regelfall sein?
Vielleicht sollte man einmal daran etwas ändern, um wieder mehr intelligente, motivierte und erfolgreiche junge Leute für den Arztberuf zu gewinnen.
Sebastian
Am 12. Oktober 2009 um 12:48 Uhr
@Anne
“Selber schuld wenn man sein Abitur “verzockt”….”
Das sind harte Worte…Was heißt schon verzocken? Wenn ich mich jetzt bewerben würde, würde ich keinen Studienplatz bekommen, denn der NC ist mittlerweile strenger. Damit hätte ich mein Abi wohl auch “verzockt”. Lächerlich und naiv…Es hat nicht jeder das Glück während seiner Schulzeit eine harmonisches Elternhaus zu haben, dort Rückhalt zu finden und gesund zu sein. Solche Aussagen machen mich nur wütend.
“10% sind Genie, aber 90% ist Disziplin.
Und wer keine Disziplin hat, der gehört nicht in die Medizin-Uni!”
sehr theoretisch und auf Dauer wahrscheinlich unbefriedigend…ohne gute Freunde, Familie, Idealismus und Freude an der Sache hilft dir Deine ganze Disziplin nicht. Damit gibts nur einen burn-out…
Auswahlgespräche finde ich nicht schlecht, so haben auch Leute, die eine klare Motivation für Ihr Studium haben, die Möglichkeit einen Studienplatz zu bekommen. Die haben vielleicht kein 1er Abi, vielleicht bestehen sie die Biochemieklausur auch nicht beim ersten Mal, aber dafür sind sie menschlich und können vielleicht besser mit Patienten umgehen? Was nützt ein Student, wenn er zwar alles toll besteht, aber dann in Gegenwart des Patienten fragt, wie lange der noch zu leben hat?
Am 7. Januar 2010 um 17:54 Uhr
also ich schließe mich der Meinung der Ministerin an. Man wird schon im frühen Alter unter Druck gesetzt, einen sehr guten Nummerusklausus zu erzielen. Das ist nicht gerade sehr einfach. Und mit dieser Idee bleibt immer noch die Hoffnung vielleicht doch für ein Medizinstudium angenommen zu werden.
Am 19. Januar 2010 um 11:35 Uhr
“Der andere hausarzt hat auch zu diesem Thema geschrieben:
http://www.der-andere-hausarzt.de/2009/12/aktuelles-57/
Am 31. Januar 2010 um 00:04 Uhr
Ich habe mir die Beitraege hier mal so durchgelesen, und ich muss dazu sagen, dass ich allem ein bisschen zustimme, aber nicht allem alles.
1. Soziale, Finanzielle Lage
Klingt doof, aber irgendwie stimmt das schon. Meistens schaffen die Leute aus sozial “schlechteren” Verhaeltnissen es nicht mal auf ein Gymnasium. Daran sind sicherlich nicht die Faehigkeiten des Kindes schuld, sondern die Moeglichkeiten, die dem Kind als Foerderung geboten sind. Beim Studium geht das weiter. Wenn man es nun geschafft hat, ein gutes Abitur abzulegen, auch wenn man nicht in die Oberste soziale Schicht gehoert, stellt sich die Frage…3 Jahre AUsbildung mit Bezahlung, danach ins Berufsleben oder danach Studieren. Wenn Studium, 3, 5 oder 7 Jahre? Bei Medizin laeuft es zwangslaufigauf bis zu 7 Jahren hinaus, was heisst, sich bis dato mit nebenjobs durchzuschlagen, was noch schwieriger ist, wenn man keine Unterstuetzung von den Eltern erwarten kann, weder Finanziell noch Moralisch.
Finanzielle und soziale Lage aber als Bedingung fuer das Studium zu waehlen halte ich fuer aeusserst menschenunwuerdig und wird unserer Demokratie, die gleiche Bildungsmoeglichkeiten fuer alle moeglich machen sollte,nicht gerecht.
Der Studiengang selber, filtert schon ganz automatisch eine gewisse Elite der Sozialen und Finanziellen gehoberenen Schicht heraus. Alle die das Medizin Studium bestreiten und schaffen, die nicht dieser Schicht angehoeren, haben meiner Meinung sich das Studium hart erarbeitet und gehoeren so fuer mich genauso zur oberen Elite, die alle Mal und vielleicht sogar das groessere Recht auf diesen Studiengang haben!
Numerus Clausus:
Heikles Thema, aber meiner Meinung nach ist der NC schon ein guter Richtwert, allerdings auch NUR ein RICHTwert und sollte nicht ueberbewertete werden. Ich stimme zu, dass die Leute, die sich den guten NC hart erarbeiten, weil die Medizin studieren wollen, auch ein gutes anrecht auf dieses Studium haben und sicherlich auch dafuer geeignet sind. Allerdings stimmer ich auch zu, dass auch andere Werte mit einfliessen sollten.
In meinem Fall zum Beispiel wusste ich bis vor kurzem nicht, was ich studieren wollte. Ich habe mein Abi mit einem Schnitt von 1,7 gemacht und stand da…wusste, wo ich hin wollte, aber nicht, was ich dafuer studieren will/muss. Dazu muss ich sagen, dass ich nie beahandelne Aerztin werden will, sondern schon immer in die Forschung will. Aus diesem Grund habe ich Medizin fuer mich immer schon ausgeschlossen. Ich habe mich ueber Chemie, Biochemie, Pharmazie, Medizintechnik umgeschaut. Es war immer ein grosser Teil dessen Thema im Studiengang, was ich lernen wollte, aber nie alles.
Ich wollte raus aus diesem “Gedanken an die Zukunft’ Chaos und bin nun im Ausland (weshalb ich auch mit ae, ue und oe schrieben muss) hier arbeite ich seit 2 Monaten in einer Pizzeria und habe per zufall zwei Deutsche beim arbeiten kennen gelernt, mit den ich mich gut unterhalten habe, woallem halt thema, was kommt nach Neuseeland? Ich habe ihnen erzahlt, was ich machen wollte, und beide meinten zu mir, probier Medizin! Es stellte sich heruasm, dass die beiden Aerzte sind.
Erst mal auf diesen Gedanken gekommen, komme ich nicht mehr von los…ich traume schon nachts davon und beschaeftige mich i9n meiner Freizeit mit nichts anderem mehr, als mich ueber das Studium zu informieren.
Da ich nun aber genau weiss, was ich will, habe ich eine riesen Angst davor, kein Studienplatz zu bekommen. Mein NC ist zu schlecht und ich habe in der 12. Physik abgewaehlt (da ich Psychologie waehlen wollte und sonst zu viele Faecher gehabt haette), was mich zusatz Punkte kostet. Noch dazu kommt, dass ich die Bewerbungszeiten fuer den TMS verpasst habe, da ich bis vor kurzem noch nicht wusste, das ich mich auf Medizin bewerben will. Also hoffe ich wirklich auf ein Gespraech, in dem ich meine Motivation und meine Begeisterung fuer Medizin beweisen kann.
Ich habe hart fuer meinen NC gearbeitet, wenn auch anscheinend nicht hart genug fuer Medizin. Aber die Leidenschaft und Motivation in mir, die aufgekocht sind, als ich mich immer wieter in das Thema vertieft habe, lassen mich hoffen, trotzdem einen Studienplatz zu bekommen, und zwar nur weil es die Moeglichkeit gibt auch anders, als ueber den NC reinzukommen. Ich hoffe, dass diese Art des AUswahlverfahrens an mehr Unis angeboten wird, so dass auch Spaetzuender wie ich, einfach eine Chance haben, dass zu studieren, was sie wirklich wollen.
Berufserfahrungen und anschliessendes Studium:
Meiner Meinung ist das genau dieselbe Thematik, wie zuvor beschrieben. Man hat erst spaeter seine Leidenschaft dafuer entdeckt, wirklich Medizin studieren zu wollen. Ich kenne einen ehemaligen KLassenkamerad, der vom Gymnasium, bis runter auf die Hauptschule gestuft wurde. Er war einfach zu unreif und extrem…”aktiv” was es anging unsinn zu machen. In der 9 Klasse hatte er uns verlassen. Dieser Junge war nicht dumm, er hatte ein unheimlich gutes Allgemeinwissen und hat sich in der Schule einfach nur gelangweilt. Nun habe ich ihn vor kurzem wieder getroffen. Er hat eine AUsbildung zum Rettungssanitaeter gemacht und tut jetzt alles dafuer, sein ABi nachzuholen, um Medizin studieren zu koennen.
Den Vorschlag einen allgemeinen Test in den fuer Medizin benoetigten Faechern durchzufuehren, fuer Leute, die schon Berufserfahrungen in diesem Berreich haben, finde ich eine gute Loesung. Meiner Meinung nach MUSS kein Abitur vorhanden sein, solange man den WILLEN dazu hat etwas wirklich zu Studieren. Besonders, wenn man seine Leidenschaft erst in alltaeglichen Berufsleben entdeckt hat. Ich kann mir auch durchaus gut vorstellen, dass diese Menschen bessere und Leidenschaftlichere Aerzte wuerden, als die, die es Studieren, weil sie es “koennen” Es ist schwierig, da den exaktenm Grad zwischen Leistung und Motivation zu finden. Und meiner Meinung auch nicht wirklich Moeglich.
Fazit:
Ein System, was Menschen auswahlt, die spaeter super Aerzte werden, gibt es nicht und wird es niemals geben. Es gibt mehrer VErfahren ind Deutschland, die ich durchaus fuer gut empfinde. ALlerdings haette ich am liebsten eine Mischung aus allen.
Die Charite Variante, mit NC und gewichtigen Faecherschwerpunkten + moeglichen Gespraech, finde ich schon eine gute Variante. Wenn jetzt der Anteil der durch den NC angenommenen, und dem der durch das Gesprach ausgewaehlen ungefaehr 50/50 waeren, waere es noch besser. Und wenn dann noch Beruferfahrungen, freiwilligen Arbeit etc. eine Chance bekommen koennten , kaeme es schon nahe an perfekt ran. Es ist nur eine unglaubliche Problematik alles durchzufuehren, kostet viel Geld (was sicherlich auch ein Thema, bei den Auswahlverfahren ist) und ist einen heiden Aufwand macht.
PS: oha das wurde ein echter Roman…hoffe, ihr lest es trotzdem^^
Am 5. Februar 2010 um 13:01 Uhr
Ich würd mich sehr gern mal zu den Beiträgen bezüglich der finanziellen Situation der Studenten äußern.
Ich find es ziemlich fragwürdig, die als Kriterium für eine Studienzulassung für medizinische Studiengänge einzuführen!!! Was soll denn die Konsequenz sein??? Finanzielle Elite bleibt unter finanzieller Elite??? Das kann ja nun wirklich nicht die Alternative sein.
Ich komme selber aus einer sogenannten “Ärztefamile” und halte es für viel fragwürdiger, warum die mittel für Mediziner-Bibliotheken etc. nicht aufgestockt werden. Denn der größte finanzielle Aufwand hängt bei diesem Studium nunmal an den Lehrmitteln.
Zu der Ausgangsfrage, wie man nun die Eignung bewerten soll, ist ja nun schon sehr lange der Fall, dass es extrem problematisch ist, dies zu filtern. Das Hauptproblem bei den meisten Medizinstudenten ist, dass sie direkt nach dem Abitur mit dem Studium beginnen und ganz plötzlich aus ihrer 1,0 Abizeit in die kalten Wasser des Studiums geworfen werden. Ich will das gar nicht verallgemeinern, aber die massiv stressigen Prüfungssituationen sind für viele einfach noch nicht tolerierbar. Das heißt im Endeffekt, dass es für viele ein “Studium der Angst” nach sich zieht. Eins der wichtigsten Kriterien, neben einer schulischen Grundausbildung (allg. Hochschulreife), sollte vorrangig das Maß der psychischen Belastbarkeit sein, ebenso eine ausreichende präuniversitäre Auseinandersetzungsphase, was es denn eigtl. bedeutet Arzt werden zu wollen, und v.a. dann auch Arzt sein “zu müssen”.
Ich denke, dass einfach mehr Geld in die persönliche Beurteilung der Bewerber investiert werden sollte. Man muss einfach individueller filtern, um am Ende auch die am besten geeignetsten Studenten zuzulassen. Und leider Gottes lässt das Abitur allein einfach keinen Rückschluss auf die Eignung zu!!!
Also muss die ZVS aus dem Bewerbungssystem weitgehend ausgeschlossen werden und die Universitäten müssen mehr Zeit und Geld für das Auswahlverfahren der Universitäten aufbringen.
Weiterhin lässt sich auch darüber Streiten, ob das Studium in Deutschland insgesamt mit seinen antiquierten Methoden nicht überholungsbedürftig wäre. Man eignet sich in der Vorklinik flächendeckend Fachwissen an, dass man dann in einem Zug wiedergeben muss, um dann in kürzester Zeit das hart Erarbeitete wieder zu vergessen. Dann hat man die Vorklinik überwunden, um dann in der Klinik auf Professoren zu treffen, die alle um die “Gunst der Studenten ringen”. Damit meine ich, dass man alle Fachdisziplinen durchläuft, jeder der Dozenten der Meinung ist, dass sein Fach das bedeutendste von allen sei und man am Ende wieder mit Wissen überhäuft wird. Das Ende des Studiums liegt dann im Hammerexamen. Danach kommt die (absolut unterbezahlte) Assistenzarzt-Zeit, in der viele viele feststellen…”in vielen Bereichen fange ich gerade bei so gut wie null an!!!”
An dieser Stelle sei die Frage erlaubt: Wäre es nicht deutlich sinnvoller eine frühere Spezialisierung zu ermöglichen mit früherem teilklinisch Abschnitt??? Es ist nicht länger sinnvoll den Allgemeinmediziner von 1900 auszubilden. Die Fachdisziplinen werden immer spezifischer und bedürfen einer früher Manifestation der Kenntnisse, als erst nach 6 Jahren.
Ich hoffe, dass sich an dem Studiensystem in der deutschen Medizin baldmöglichst etwas ändert, um den nachfolgenden Jahrgängen ein optimiertes Studium zu ermöglichen.
Denn am Ende ist es eine der größten Sachen, den menschlichen Körper zu verstehen und anschließend therapieren zu können.
In sofern wünsch ich alle noch ein schönes Wochenende!!!