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Von nervigen Fragen und fehlenden Antworten (Gastbeitrag)

Neulich beschwerte sich eine Freundin, dass sie bei ihrem Bachelor-Studiengang immer gefragt wird: “Und was willst du später mal damit machen?” Sie meinte, das wäre etwas, das mir mit meinem Medizinstudium nie passieren würde. Womit sie allerdings nicht recht hat. Auch ich werde mit einer Frage konfrontiert, die ich inzwischen nicht mehr hören kann.

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Was ich werden möchte? Keine Ahnung! (Archivbild - PhotoDisc)

Die Frage

Seien wir ehrlich, welcher Medizinstudent kennt das nicht: Man studiert seit zwei Wochen, hat sich gerade den Prometheus und die Bücher für Bio, Physik und Chemie gekauft, da soll man schon wissen, welchen Facharzt man mal machen will. Verwandte und Freunde, flüchtige Bekannte und irgendwelche Gäste auf irgendeiner Party hören, dass man jetzt Medizin studiert und haben nichts Eiligeres zu tun als zu fragen: “Und was für eine Fachrichtung willst du mal machen?”

Nachdenken über die Frage

Als ich zum ersten Mal mit dieser Frage konfrontiert wurde, habe ich noch freundlich geantwortet, ich würde ja erst zwei Wochen studieren, da könne man das noch nicht so genau sagen. Der Frager ließ nicht locker - ebensowenig wie seine Kollegen im Geiste, die glauben, nur weil ich Medizin studiere, hätte ich schon jetzt einen Optionsschein auf die künftige Fachrichtung. Nach meiner offen zur Schau gestellten Ahnungslosigkeit wurden mir sofort Fachbereiche um die Ohren geworfen:

• Chirurg wär doch echt cool - so den ganzen Tag im OP und Leben retten!
• Oder Kinderärztin!

Ich möchte an dieser Stelle klarstellen, dass das beides schöne Fachrichtungen sind und ich trotzdem keine davon einschlagen möchte. Unter anderem, weil ein ganzer Tag im OP nicht zu meinen Wunschträumen gehört, was mein späteres Leben angeht und ich nicht sicher bin, ob ich es aushalte, alternativ eingestellten Müttern zu erklären, dass eine Masernimpfung wirklich eine nützliche Sache ist.

Antwortmöglichkeiten

In den letzten zweieinhalb Jahren habe ich mir ein paar mehr oder weniger passende Antworten zurechtgelegt.

• Im ersten Jahr habe ich noch gesagt, dass ich mich auf Histologie spezialisieren werde.
• Im dritten Semester war Biochemie mein Favorit.
• Gegen Ende des vierten Semesters habe ich nur pampig geanwortet, dass ich mich aufs Kreuzen spezialisiere und Physikum mache, bevor ich über irgendwelche Fachrichtungen nachdenke.

Ich habe also alle auf die Klinik vertröstet und gesagt: “Lasst mich doch erst mal klinische Fächer kennenlernen.” Das hatte zur Folge, dass ich seit Oktober schon wieder mit dieser Frage gequält werde. Inzwischen habe ich eine gute Anwort gefunden:

• Keine Ahnung, ich lege eine Liste der Fachrichtungen an, die mich nicht interessieren und schaue, was übrig bleibt.

Hier ist diese Liste nach momentanem Stand:

» alles, in dem das Wort “Chirurgie” drin vorkommt
» Neurologie
» Psychiatrie
» Gynäkologie und alle anderen Fachgebiete unter der Gürtellinie
» Gastroenterologie
» HNO
» Allgemeinmedizin
» jede Sorte von niedergelassenem Arzt
Ich werde Krankenhausärztin!

Meist wird dann gesagt, dass ja da schon bald nichts mehr übrig bliebe. Das Problem habe ich inzwischen auch erkannt!

Was übrig bleibt

Seien wir ehrlich, warum fragen uns sämtliche Verwandten und Freunde überhaupt nach Fachrichtungen? Sie kennen doch nur die Fachärzte, die sie selbst aufsuchen müssen oder die in TV- Serien wie “Dr. House” oder “Greys’ Anatomy” vorkommen. Bisher hat noch keiner gewusst, was ein Hämatologe macht oder ein Labormediziner.
Transfusionsmedizin ist den meisten vielleicht noch vom Blutspenden ein Begriff, aber von Fachrichtungen wie Strahlentherapie brauche ich meist gar nicht erst anzufangen.

Das Ganze toppe ich manchmal noch mit der Überlegung, dass ich vielleicht gar keine Ärztin werde. Da kriege ich sie dann doch: die Frage, was ich denn später mal mit meinem Studium machen will.

Bitte und Fazit

Also, an alle nicht-Mediziner und Mediziner (die haben die Frage ja durchaus auch drauf), an alle Verwandten und Freunde und sonstige Neugierige: Ich habe noch keine Ahnung, was ich mal werde. Ich studiere im 5. Semester, habe noch mehr als drei Monate Famulaturen und mehr als drei Jahre Studium vor mir. Ich muss noch nicht wissen, was ich mal mache! Im Moment ist doch die Frage nach der Doktorarbeit viel interessanter… aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.

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(Anna, Via medici online-Lokalredakteurin für Lübeck)

5 Reaktionen zu “Von nervigen Fragen und fehlenden Antworten (Gastbeitrag)”

  1. Assistenzarzt

    Das kenn ich nur zu gut. Das hört auch nicht auf. Jetzt fragen sie immer, welche Spezialilsierung es denn werden soll und ob ich denn mal ne Praxis aufmache, die Hausärzte wären doch so knapp und auf dem Land bräuchte man dringend Ärzte…

    Früher hat man uns sogar in irgendwelchen Seminaren diese Frage gestellt, z.B. in Psychosomatik. Da habe ich dann auch geantwortet, wie es wirklich war: “Ich habe eine Liste, wo alle Fachrichtungen draufstehen und nach und nach streiche ich weg, welche mir nicht gefallen. Drei sind übrig, aber das Studium dauert auch noch 2 Jahre.” Der Kursleiter fand meine Antwort überzeugend ehrlich.

  2. Lando

    Und ich dachte schon, ich wär bekloppt, weil im 6.Semester eine Liste mit allen anerkannten Fachärzten über meinem Schreibtisch hängte, die sich peut à peut mit grünen Häkchen und roten Kreuzen (VIELEN roten Kreuzen) gefüllt hat.

    Inzwischen kenne ich “meine” Fachrichtung bzw. weiß zumindest klar, in welche Richtung es geht. Jetzt heißt es immer “Willst du nicht lieber…?” oder “Mach doch …, das ist entspannter / verdienst du mehr / o.Ä.” - ich fürchte, sowas hört wirklich nie auf.

  3. Babs

    Also bei mir war das mit der Fragerei zum Glück nicht so schlimm, da war es eher so, dass alle vor Ehrfurcht erstarrt sind, wenn ich gesagt habe, was ich studiere. Das war mindestens genauso unangenehm, sodass ich immer hoffte (z.B. bei Mitfahrgelegenheiten mit witzigen schrägen Berliner Typen), nicht nach danach gefragt zu werden, was ich mache.
    Eine Liste mit Facharztrichtungen zum Durchstreichen hätte ich mir aber auch anlegen sollen, das finde ich eine großartige Idee. Ich habe immer gedacht, ich müsse Innere machen - DIE Königsdisziplin, wie uns die Internisten nicht müde wurden einzubläuen - darüber habe ich die anderen Fächer im Studium zu wenig beachtet. Und so meinen Werdegang zu wenig geplant. Heute bin ich nicht mehr als Ärztin tätig aus verschiedenen Gründen und kann nur raten: Macht es anders - überlegt genau, was ihr machen wollt bzw. NICHT machen wollt. Das ist das beste, was man tun kann.

  4. Gabi

    Mir gefällt am besten wenn sie mich fragen.” Du studierst jetzt also Medizin und das dauert 6 Jahre -und was bist du dann?”
    “Dr.med.”
    so komme ich drum rum, auf die Frage nach der Fachrichtung meinen Wunsch nach Bauchchirugie oder Pathologie zu rechtfertigen..

  5. ur

    meine lieblingsantwort ist: sicher nicht chirurg (alle leute wollen auf das gleiche hinaus)… dann ist meistens schluss

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