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Übersicht
| Nomen est omen? |
Sie heißen wahlweise Power Balance-Performance Technology, Zentrom – Quantum Technology oder Equilibrium-Energy Power und versprechen eine Verbesserung des Gleichgewichts und der Leistungsfähigkeit beim Sport. Und im täglichen Leben natürlich auch.
| Funktionsprinzip von Plastik |
Auf welche Weise? Natürlich nicht durch die tollen Namen allein. Das Hologramm soll mit dem natürlichen Energiefeld des Körpers in Resonanz treten und dieses harmonisieren. Laut Hersteller Zentrom besitzt der menschliche Körper nämlich ein elektrisches Feld mit eigener Frequenz, welches allerdings durch Umwelteinflüsse der modernen Welt – Elektrogeräte, Handys etc. – aus dem Gleichgewicht gerät. Das Armband stellt nun auf wundersame Weise das Gleichgewicht wieder her.

Surfer mit Hologramm Armband – perfektes Gleichgewicht dank Placebo-Wirkung?
Power Balance führt an, dass es in fernöstlichen Kulturen eine Jahrtausende alte Erkenntnis sei, dass das Wohlbefinden vom natürlichen Energiefluss abhinge und Störungen des Energiefeldes durch das speziell programmierte Hologramm (7,83 Hz!) bereinigt werden.
| Profisport inspiriert den Breitensport zum Nachahmen |
Klingt doch gut, oder? Praktischerweise brauchen wir alle beim Sport auf dem Surfbrett, Skateboard oder Fußballplatz und natürlich im Alltag nicht nur ein körperliches, sondern auch ein seelisches Gleichgewicht; wenn das nicht ein doppeltes Kaufargument für die Armbänder ist.
Und wenn Leistungssportler wie Snowboarder und Fußballer, Golfer, Triathleten, Surfer und Leichtathleten von der Wirkung begeistert sind und in ihrem Namen dafür werben lassen – dann muss es gut sein! Wenn im Profisport ganz legal, ohne Doping, die eigene Leistung verbessert wird – ein geniales Wunderprodukt!Schließlich haben Sportler Vorbildfunktion. Mittlerweile hat der Trend daher auf den Breitensport übergegriffen, und mehr als 2,5 Millionen Menschen tragen ein solches Armband.
| Optischer Weltraummüll versus très chic |
Die Schönheit der Plastikringe kann den Verkaufsboom sicherlich nicht begründen, bezeichnet doch die Süddeutsche Zeitung das Trend-Utensil als ein „hässliches Plastikarmband, das an eine Mädchenuhr für Astronauten“ erinnert – das allerdings in der SZ-Serie „Medizin und Wahnsinn“. Der US-Fernsehsender CNBC hingegen kürte die Bändchen zum „Sportprodukt des Jahres 2010“.

Das Armband, hier Zentrom: Hässlich – und unwirksam?
| Bringt’s was? |
Erfunden wurde Power Balance im Jahr 2007 in einer Küche im kalifornischen New-Age Städtchen Orange County von den Gebrüdern Rodarmel. Und die haben sich mittlerweile sicher eine neue Kücheneinrichtung leisten können. Denn immerhin werden die Bänder, die in der Herstellung geschätzt weniger als einen Euro kosten, im Fachhandel für 39,90 Euro angeboten. Zwar gibt es auf einem TV-Shopping Sender auch Angebote für 9,95 Euro, doch Power Balance warnt auf seiner Homepage vor „unwirksamen Billig-Plagiaten“.
Wie aber steht es überhaupt um die Wirksamkeit der Armbänder? Ist auf die Aussagen der Profisportler Verlass? Schließlich haben Sportler bekanntermaßen einen Hang zum Aberglauben und betreten den Tennisplatz stets mit dem rechten Fuß zuerst oder tragen immer die gleichen „Gewinnersocken“… Und hatte Felix Neureuther das Armband etwa nicht angelegt, als er beim WM- Heimslalom das Gleichgewicht verlor und ausschied?
Die Vertreter der Armbänder bieten als Überzeugungsarbeit einen einfachen Test an. Dazu stellt sich der Proband zunächst ohne Armband auf ein Bein und streckt beide Arme aus bzw. hält sie neben dem Körper. Ein Partner drückt jeweils gegen den gegenseitigen Arm und übt Kraft bodenwärts aus. Bei Zentrom soll dieser Test anschließend mit dem Armband ausgeführt werden, wobei erstaunlicherweise das Gleichgewicht länger gehalten werden kann. Ungläubige und begeisterte Reaktionen der potentiellen Kunden sind die Folge.| Wissenschaft widerlegt Wirkung |
Doch die US-Medizinerin Harriet Hall schreibt den Erfolg des zweiten Versuches im Sceptical Inquirer einem simplen Trainingseffekt zu, und auf YouTube entlarvt der australische Skeptiker Richard Saunders (Australian Sceptics society) eine weitere Auflösung des Phänomens: Beim ersten Versuch drücken die Anbieter der Armbänder den ausgestreckten Arm senkrecht nach unten, beim zweiten hingegen diagonal Richtung Körper, was wesentlich stabiler sei.
Skeptiker Richard Saunders zur Wirksamkeit der Bänder
John Porcari, Sportwissenschaftler von der University of Wisconsin-La Crosse zeigte ebenfalls in einem Test, dass die Versuchspersonen beim zweiten Mal immer länger stehen blieben, egal ob mit Original-Band oder Band ohne Hologramm. Also ein reiner Trainings- und Gewöhnungseffekt. Er sprach bei den Versprechungen der Armband Vertreiber gegenüber der Agentur AAP sogar von „Betrug“.
Eine randomisierte Doppelblindstudie der RMIT Universität im Journal of Bodywork and Movement Therapies testete die Power Balance Bänder auf die versprochene Verbesserung des Gleichgewichts hin – und fand keinen Effekt auf Gleichgewicht und Stabilität. Der Studienleiter, Dr. Simon Brice, bestätigte, dass es keinen Unterschied zwischen Probanden mit Hologramm-Armband, Placebo-Armband oder keinem Armband gegeben habe. Auch einen Effekt auf Kraft, Flexibilität und Ausdauer zweifelt der Wissenschaftler stark an, auch wenn der Focus der Studie sich auf diese Faktoren nicht konzentriert habe.
Unterschiede seien nur subjektiv in dem Glauben der Probanden an eine bessere Leistung entstanden. „Sie glauben an eine Wirkung, daher fühlen sie eine Wirkung“, sagte der Co-Autor der Studie, Dr. Brett Jarosz, in einem Zeitungsinterview.Verschiedene Wissenschaftler strengen nun zum Teil Gerichtsverfahren gegen die Hologramm-Armband-Vertreiberfirmen an, weshalb diese nun durchaus zurückrudern. Nicht nur in Australien und Amerika weht den Bänder-Vertreibern aufgrund der nebulösen Wirkungsbehauptungen Gegenwind entgegen.
| Nebulös, nebulös… |
Power Balance bietet nun ein 30-Tage-Rückgaberecht bei Nicht-Wirkung an und schreibt in seinen deutschen Produktinformationen, es werde von zahlreichen positiven Reaktionen beim Tragen von Power Balance berichtet, doch eine Wirkungs- Garantie gäbe es nicht. Ausprobieren müsse es jeder selbst.
Equilibrium schreibt auf seiner Homepage neuerdings gar nichts mehr, die ist nämlich nicht mehr erreichbar.| Also alles Psycho, Placebo und Einbildung? |
Eine Psychologin der Universität Köln, Lysann Damisch, zeigte in einer in „Psychological Science“ veröffentlichten Studie, dass die Aktivierung eines Aberglaubens die Leistung eines Menschen steigern könne.
Damisch gab Probanden einen Golfball, mit welchem diese putten sollten. Pries sie den Ball mit den Worten an, andere Teilnehmer hätten mit genau diesem Ball besonders gute Ergebnisse erzielt, schnitten auch die Probanden besser ab als diejenigen, die einen Golfball ohne Anpreisung erhalten hatten. Diese Studie veranlasste das Wall Street Journal zu seinem Artikel „The Power of Lucky Charms“ und verwies auf die 35% verbesserte Trefferquote mit dem Glücksball.
Also, liebe Mediziner-Kollegen: Wenn ihr reich und berühmt werden wollt, statt nach einem 14-Stunden-OP-Tag erschöpft ins Bett zu fallen, dann verkauft doch einfach vor der nächsten IMPP-Prüfung Glücksbleistifte mit angehängter Hasenpfote…
| Nachtrag: Originelle Bewertungen der Armbänder bei Amazon |
Die Autorin entdeckte nachträglich eine Reihe unterhaltsamer Bewertungen des Produkts bei Amazon. Lesen und genießen Sie!
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