Medizinstudium
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Arzt im Beruf
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| Alles Arzt-Söhnchen |
Der typische Medizinstudent ist natürlich Sohn oder Tochter von Ärzten. Die Korrelation von Beruf der Eltern und Studienfach scheint bei Medizinstudenten überdurchschnittlich hoch. Polohemd, Porsche und Prada-Tasche? Papa zahlt ja. Demnach ist es kein Wunder, dass der typische Medizinstudent mit einem großen Ego gesegnet ist.
Doch stimmt das Klischee? Gerade im Sommersemester gibt es unter den Erstsemestern viele Quereinsteiger. Viele machen aufgrund des strengen Numerus Clausus vor dem Studium eine medizinische Berufsausbildung wie Rettungsassistent oder Krankenpfleger.
Interesse ist in der Regel die Antwort auf die Frage, warum sie das Fach gewählt haben. Viele profitieren von den Erfahrungen während der Zivildienstzeit, dem Freiwilligen Sozialen Jahr oder der Berufsausbildung. Das Klischee des überheblichen Medizinstudenten, der das Fach studiert, "weil Papi es will", scheint überholt.
| Nachgefragt: Wie sind wir denn? |
Eine gewisse Abneigung der Naturwissenschaftler uns Medizinstudenten gegenüber ist naturgegeben. Schließlich können wir alles nur halb so gut und wirklich verstehen, wollen wir die Naturwissenschaften ja auch nicht.
Diesem Vorurteil wollte ich auf den Grund gehen, und so war meine erste Anlaufstelle die Physik. Philipp ist Physikstudent im dritten Semester und hat ein klares Bild von den Medizinern. "Der überwiegende Anteil ist weiblich. Die meisten sind eingebildet. Viele sind engagiert, manchmal idealistisch und natürlich sehr strebsam", sagt er wie aus der Pistole geschossen. Von einem Naturwissenschaftler habe ich schlimmeres erwartet.
Bei den Geisteswissenschaftlern, fällt die Meinung noch weit weniger positiv aus: "Neben dem vielen Lernen vergessen sie das Denken", so Geschichtsstudentin Anna. Eine Bemerkung über unsere Ankreuz-Klausuren kann sie sich auch nicht verkneifen, und ich frage mich, ob sie denn Recht hat mit unserer "Verdummung".
Dazu fällt mir ein bekannter Witz ein: Gib einem Jura- und einem Medizinstudenten ein Telefonbuch und sage ihm, er solle es auswendig lernen. Der Jurastudent fragt: "Warum?". Der Medizinstudent: "Bis wann?"
Ich versuche mir einzubilden, dass ich den Prometheus nicht nur stupide auswendig gelernt habe, sondern meinen Grips anschalten musste, um die Funktion des Nervus trigeminus oder die Zugänge zur Bursa omentalis zu verstehen.
Eine Stuttgarter Vierer-WG, alle männlich und Studierende der Luft- und Raumfahrttechnik, ist sich ebenfalls einig: "Medizinstudenten sind überheblich und eingebildet. Die lernen so viel, dass sie schon wandelnde Lexika sind."
| Lernen, Lernen, Lernen |
Lerneifer ist durchaus eine nicht abstreitbare Eigenschaft des "typischen Medizinstudenten". Ohne Lerneifer und Selbstdisziplin könnten wir uns wahrscheinlich noch nicht mal durch die Vorklinik schlagen.
Ebenso ist allseits bekannt, dass Medizinstudenten Opfer bringen müssen. Die eine oder andere Beziehung, der Schlaf in der Nacht oder der Waschbrettbauch - wahrscheinlich hat jeder Einzelne seine eigene Geschichte zu erzählen, was er im Kampf mit Physikum und Hammerexamen verloren hat.
| Ein kleines eigenes Völkchen |
Gerade weil das Medizinstudium so viel von seinen Studierenden abverlangt, ist es für Außenstehende schwierig den Medizinstudenten in seinem Tun und Handeln zu verstehen.
Im Laufe einer langen Lernphase entwickelt ein Medizinstudent oft den Hang zum extremen Verhalten: wenig Schlaf und viel schlechtes Essen, ausufernde Partys nach Klausuren und Testaten. In der Zeit vor Prüfungen neigt der Medizinstudent dazu, Fachbegriffe vor sich her zu murmeln. Beim Essen in der Mensa redet er von Leichen und Krankheiten. Er entwickelt einen eigenen Humor, den sonst keiner versteht. Und dann fragt er sich, warum andere Studierende ihn perplex anschauen.
Medizinstudenten sind ein ganz eigenes Völkchen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sie untereinander zueinander finden. Eine Beziehung mit einem Nicht-Mediziner? Wie bitteschön sollte das denn gehen?!
| Und wie ist das in Köln? |
Natürlich gibt es den "klassischen" Medizinstudenten in jeder Studienstadt. Klischees entstehen nicht von alleine. Doch Köln scheint vom "typischen Medizinstudenten" überwiegend verschont geblieben zu sein.
Eine lockere Atmosphäre, Gemeinschaftssinn und Humor, sowohl bei Dozenten als auch Studierenden, ist das Erfolgsrezept des Medizinstudiums in Köln. Hier besteht das Leben nicht nur aus "Ansatz, Ursprung, Innervation und Funktion" oder "Symptome, Diagnose und Therapie", sondern ist eine kunterbunte Mischung aus all dem, was jeder Einzelne zu bieten hat.
Unglaublich, aber wahr: Bei uns wird Freizeit noch groß geschrieben. Und es wird gemunkelt, dass einige Medizinstudenten sogar Fernbeziehungen mit Nicht-Medizinern wagen.
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