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Zuletzt geändert am 08. 12. 2008

Auslandstudium in Frankreich

4 und 5 klinisches Semester (2000/2001)

Luise Vöter

Übersicht


1. Vorbereitungen zu HauseNach oben hoch

notwendige Unterlagen:

  • gültiger Personalausweis oder Reisepass

  • Akzeptanzschreiben der Lyoner Uni (wird vom Berliner Erasmusbüro zugeschickt)
  • deutsche Visa- oder EC-Karte, um Geld abzuheben

  • Krankenschein E 128 (wird von der Krankenkasse kostenlos zugeschickt)

  • internationale Geburtsurkunde (wird vom Standesamt gegen DM 12,- zugeschickt)

  • mehrere Passbilder

  • Bescheinigung über Versicherung über die Uni Berlin (ausgestellt von der Feuersozietät Berlin Brandenburg, Am Karlsbad 4-5, 10785 Bln. Tel. 030 / 26330)


  • Anreise:

  • per Auto ca 400,- (Benzin+Kosten für Autobahn)

  • Flugzeug (Berlin-Lyon und zurück ca 450,-)

  • Bahn ca 400,- (mindestens 1 mal umsteigen)

  • Bus ca 280,- (dauert mindestens 24h)


  • Übernachtungsadressen:

    Das Beste ist natürlich immer, jemanden privat zu kennen. (Ich kann Euch Adressen von Freunden für die ersten Nächte geben.) Ansonsten gibt es eine schöne Jugendherberge in der Altstadt (Adresse im Internet).

    Literatur:

  • „Le francais medical“ von Thieme, eine erste Anleitung für Anamesegespräche und ein kleines Wörterbuch

  • ein großes Sprachwörterbuch

  • den Pschyrembel

  • ein medizinisches Sprachwörterbuch ist sehr teuer, aber auch nicht unbedingt notwendig, da medizinische Termini, die darin nicht findet, sehr oft im Pschyrembel stehen



  • 2. AnkunftNach oben hoch

    Das erste ist die Einschreibung im bureau des relations internationales in der Domaine Rockefeller (8, Avenue Rockefeller – 69373 Lyon Cedex 08, metro Grange Blanche) bei Madame Laurencin (Tel. 04 78 77 71 39). Mitzubringen ist das Akzeptanzschreiben der Lyoner Uni. Hier erhaltet Ihr den Termin für den Tag der Begrüßung aller Erasmusstudenten (wichtig für Beantragung der CAF und carte de sejour, siehe folgende Punkte), und eine Mappe mit einigen nützlichen Informationen zur Stadt Lyon.
    Anschließend müsst Ihr Euch noch an Eurer Fakultät einschreiben. Davon gibt es vier in Lyon (Grange Blanche und Lyon Nord imselben Gebäude, Laennec eine Métrostation entfernt und Lyon Sud etwas außerhalb gelegen, aber mit dem Bus gut erreichbar). Dort erhaltet Ihr Euren Studentenausweis und müsst Euch auch für Eurer ersten Praktikum (französisch: stage) eischreiben. Die Kurswahl ist völlig unabhängig von dem, was Ihr in Deutschland gewählt habt (siehe Punkt 4).

    Zur Wohnungssuche zwei wichtige Adressen:

  • CRIJ (Jugendzentrum mit Zimmer- und Wohnungsangeboten) quai Tilsit an der Saone

  • CROUS (Studentenzentrum) 59 rue de Madelaine, 69007 Lyon


  • Dort hängen Wohnungsangebote von möblierten/unmöblierten Wohnungen/Studios. WG’s sind in Frankreich leider sehr unüblich, ich empfehle, eine solche zu gründen. Wohnheimwohnen ist verhältnismäßig günstig (ca 800F für ein 12m2 Zimmer), bedeutet aber, einen eher internationalen als französischen Freundes- und Bekanntenkreis zu haben. Erasmusjahr bedeutet natürlich auch Internationalität, für mich persönlich war es aber Ziel, das französische Leben kennenzulernen. Jeder in Frankreich immatrikulierte Student hat das Recht auf eine Miethilfe, die CAF (Caisse d’Allocation familiales de Lyon, 67 Boulevard Vivier Merle, Tel. 04 72 68 70 45), die zwischen 900 FF (bei eigener Wohnung) und 300 FF (Studentenwohnheim) beträgt.

    Früher für die Beantragung der CAF, heute im Prinzip gar nicht mehr nötig ist eine Art französischer Ausweis, die „carte de séjour“. Sowohl CAF als auch carte de séjour beantragt Ihr am besten am Tag der Begrüßung aller Erasmusstudenten (siehe Punkt Einschreibung). Ansonsten müsst Ihr direkt zu den Ämtern, was sehr viel zeitaufwendiger ist.

    Die Kontoeröffung ist unkompliziert, Ihr benötigt lediglich Euern Personalausweis und eine feste Anschrift. Direktüberweisungen aus Deutschland sind sehr teuer. Am billigsten ist es daher, mit Eurer deutschen EC- oder Visakarte den Maximalbetrag (2000FF) an irgendeinem Geldautomat abzuheben und bar auf Euer Konto einzuzahlen. In Frankreich wird sehr viel mit Schecks bezahlt, die Ihr kostenlos ausgestellt bekommt. Ich habe mich bei mehreren Banken informiert, wurde überall freundlich empfangen und konnte keine großen Unterschiede feststellen. Ich war bei der Credit Lyonais und sehr zufrieden.

    Die Métromonatskarte kostet 200 FF und ist an allen größeren Metrostationen bei Vorlage von Studentenausweis und Passbild erhältlich. Meiner Meinung nach lohnt sie sich nicht, da in Lyon bei zentraler Wohnlage alles gut per Fahrrad oder zu Fuß erreichbar ist.


    3. Sprache Nach oben hoch

    Das wichtigste ist, den Kontakt zu Franzosen zu suchen. Es ist zwar gut, mit Ausländern Französisch zu sprechen, verbessert aber Euer Sprachniveau nicht sehr. Natürlich sozialisiert man sich schnell mit den anderen Erasmusstudenten, so dass es einiger Selbstdisziplin bedarf, um sich aus diesem Kreis zu lösen. Ich hatte schon ein solch internationales Jahr als Au-pair in England hinter mir, so dass ich am eigenen Leib erfahren habe, dass es traurig ist, nach einem Jahr abzureisen, ohne Freundschaften zu Landsleuten aufgebaut zu haben. Um dies zu erreichen, wäre es natürlich ideal, mit Franzosen zu wohnen, weil sich so unendlich viele kleine Gespräche ergeben. Andere Möglichkeiten, diese näher kennenzulernen, sind außeruniversitäre Kurse wie Sport, Chor oder Orchester (siehe Punkt 5).

    Für die Grammatik, aber auch Schreibfertigkeit, ist es trotzdem empfehlenswert, einen Sprachkurs zu besuchen. Die drei größten Sprachschulen in Lyon sind:

  • Alliance francaise

  • Universite Lumiere Lyon 2 (16 quai Claude Bernard, Tel. 04 78 69 71 35)

  • Universite Catholique


  • Alle drei sind sehr zentral gelegen und bieten Intensivkurse (drei, zwei, einen Monat), aber auch Kurse über ein oder zwei Semester an. Außer den Preisen (Alliance am günstigsten, Catholique am teuersten) habe ich keine großen Unterschiede feststellen können. Ich habe einen vierwöchigen Kurs an der Universite Lumiere hinter mir, der 2100 FF kostete. Für den Anfang war es ein guter Einstieg, auch um erste Kontakte zu knüpfen. Die wesentlichen Fortschritte habe ich aber auf der Straße im Gespräch mit Freunden gemacht. Die Uni bietet zwei Wochen vor Semesteranfang auch einen Sprachkurs an, der allerdings nur eine Woche dauert und 500 FF kostet. Laut allgemeiner Meinung diente dieser aber mehr dem Leute- als Französisch kennenlernen.

    Kostengünstiger als ein Sprachkurs ist ein „Tandempartner“ (Kontakt Goetheinstitut). Dies ist ein Franzose, der von Euch deutsch lernen möchte und im Gegenzug Französischunterricht gibt. Die Gestaltung ist sehr vielfältig – ich habe mit meiner Tandempartnerin viel Grammatik besprochen, da einfach reden und die Fehler verbessern eher dem täglichen Umgang gleichkommt und somit der Unterricht nichts besonderes wäre.

    Wichtig ist es, nicht zu verzweifeln und gerade am Anfang viel Geduld mit sich zu haben. Französisch ist sehr viel schwieriger als Englisch und bedarf einfach Zeit. Von den meisten Menschen, insbesondere den Ärzten in der Klinik, wird sehr viel Geduld entgegengebracht. Finallement, vous allez y arriver!


    4. StudiumNach oben hoch

    Der große Vorteil des Studiensystems in Frankreich ist der Praxisbezug. Ihr arbeitet täglich von 9-12.30 Uhr auf der Station und nachmittags gibt es die Vorlesungen. Je nach Fakultät wird die Station alle vier (Lyon Sud), sechs (Grange blanche und Lyon Nord) oder acht (Laennec) Wochen gewechselt (die Franzosen alle drei Monate). Da ich in Laennec eingeschrieben war (wird zugeteilt, keine Einflussmöglichkeit) dauerten meine Praktika zwei Monate. Ich hatte also die Möglichkeit, sechs verschiedene „stages“ (Praktika) zu machen. Bei der „stage“ wahl empfehle ich, alle „großen“ Fächer der Medizin einmal zu durchlaufen, um später als Fach“idiot“ sagen zu können, in jedem wichtigen Gebiet der Medizin einmal gearbeitet zu haben. Das ist die große Chance von Frankreich, denn in Deutschland habt Ihr nicht die Zeit, sechs verschiedene Famulaturen zu absolvieren. Aufgrund der anfänglichen Sprachproblemen hat es sich als sinnvoll erwiesen, als erstes Praktikum ein operatives Fach zu wählen, in dem es weniger auf ein ausführliches Anamnesegespräch, sondern mehr auf das Erlernen von manuellen Tätigkeiten ankommt. Nachfolgend meine persönliche Kurswahl in der Fakultät Laennec mit Kommentar:

    - Anesthésie-réanimation (Prof. Artru, Hôpital Neurologique) Auf der Reanimationsstation ist nicht sehr viel los, die Patienten können meist nicht sprechen, müssen oder können nicht untersucht werden. Auf meinen Wunsch bin ich im zweiten Monat in den „bloc operatiore“ gewechselt. Dort lernt Ihr Intubieren und Flexülen (Braunülen) legen, allgemein den Patienten auf die Operation vorbereiten und schaut bei Operationen zu. Bewertung: Réanimation: Nicht empfehlenswert, Anesthésie: sehr empfehlenswert

    - Endocrinologie (Prof. Thivolet, Hôpital E. Harriot) Dieses Teilgebiet der Inneren Medizin (die in Frankreich aufgegliedert ist) habe ich wegen der großen Häufigkeit von Diabetes mellitus ausgewählt. Die ersten vier Wochen auf der Station habe ich ein Gefühl für die typische Klinik und Probleme der Insulineinstellung bzw. anderer Therapiemöglichkeiten des Diabetes mellitus bekommen, aber auch andere endokrinologische Krankheitsbilder wie Hyperthyreose oder Akromegalie gesehen. Der zweite Monat im „hôpital de jour“ (Tagesklinik) war durch ein sehr intensives Arzt – Studenten – Verhältnis bestimmt, da die Patienten von Euch aufgenommen und direkt danach dem Arzt vorgestellt wurden, der korrigierte und die Therapie ansetzte. Bewertung: Empfehlenswert

    Pédiatrie (Prof. David, Hôpital E. Harriot) Ich war auf der „mittleren“ Station - die Kinder waren von einigen Monaten bis zu fünf Jahren alt. Kein Medizinstudent sollte sich ein Pädiatriepraktikum entgehen lassen, um zu spüren, was für eine Fröhlichkeit Kinder trotz Krankheit ausstrahlen. Der Empfang war angenehm, man muss aber den Mund auftun und fragen, wenn man etwas wissen möchte. Sehr engagiert ist der Assistent, der täglich einen einstündigen Kurs für uns gehalten hat. Interessant ist die Mitarbeit bei den „gardes“, den Diensten von 12 – Mitternacht, wo Ihr die Möglichkeit habt, die Kinder als erste vor den Ärzten zu untersuchen und diese ihnen hinterher vorzustellen. Bewertung: Empfehlenswert

    - Gynécologie obstétrique (Prof. Raudrant, Hôpital Hôtel Dieu) Es war anfangs etwas schwer, sich in dem großen Krankenhaus zurechtzufinden (immer wieder Kommilitonen fragen), aber schließlich erhaltet Ihr einen sehr guten Einblick in die Frauenheilkunde. Ihr assistiert bei Sprechstunden der Gynäkologie und Geburtshilfe, arbeitet auf der Wöchnerinnenstation, assistiert im OP, seht Geburten und mit etwas Glück assistiert Ihr auch dort. Bewertung: Sehr empfehlenswert

    - Neurologie (Prof. Maugiere, Hôpital Neurologique) Obwohl 30% Epilepsiepatienten sind, seht Ihr diverse neurologische Krankheitsbilder wie MS, Myasthenie oder Schlaganfälle. Die Atmosphäre und Betreuung war sehr angenehm, auch wenn sehr viel Eigenarbeit notwendig ist, um all das Gesehene zu verstehen. Bewertung: Sehr empfehlenswert

    - Dermatologie (Prof. Claudy, Hôpital E. Harriot) Dieses Praktikum habe ich freiwillig als Famulatur gemacht. Mir wurde empfohlen, nicht auf der Station zu arbeiten, sondern nur „consultations“ (Sprechstunden) beizuwohnen. Das war ein sehr guter Hinweis, denn auf diese Weise habe ich jeden Vormittag etliche Krankheitsbilder gesehen, was wiederum eine große Motivation zum Nachlesen war. Bewertung: Sehr empfehlenswert

    Fast ausnahmslos auch als sehr gut bewertet wurden die „Gardes“. Das sind 24h Notdienste, in denen Ihr als Student eine große Verantwortung habt, weil Ihr die Patienten als Erstes seht, befragt und untersucht und hinterher dem Arzt vorstellt. Ihr habt sogar das Recht, erste paraklinische Untersuchungen wie Blutbild oder Röntgen anzuordnen. Eine direkte Äquivalenz gibt es in Deutschland nicht. Allgemein gilt bei jedem stage wie bei jedem Praktikum überall auf der Welt, dass sehr viel von Eurem Auftreten und Engagement abhängt. Dieses Jahr bietet Euch die Chance, Euch in einem freundlichen, zurückhaltenden, aber auch zuvorkommenden und hilfsbereiten Auftreten zu trainieren, eine Fähigkeit, die später mehr als irgendeine Examensnote zählen wird.

    Nach den „stages“ könnt Ihr entweder in der Krankenhauskantine (reichhaltiges, sehr gutes Essen) oder auf dem Campus ein Sandwich essen. Die meisten Studenten fahren zu ihrem Campus, um am Nachmittag die Vorlesungen zu besuchen. Diese stehen und fallen wie in Deutschland mit dem Vortragenden und werden zu Ende des Semesters immer spärlicher besucht. Auffallend ist auch hier der Praxisbezug, es werden zu Anfang jeder Vorlesung klinische Fälle bearbeitet. Effektiver als der Vorlesungsbesuch ist oft das Lesen der „roneo“, der Mitschriften der Studenten, die rotationsmäßig jedes Wort des Professors mitschreiben, zu Hause auf dem Computer abtippen und für die Kommilitonen kopieren. Zur Vorbereitung der Prüfungen (die auch überwiegend aus klinischen Fällen bestehen) sind diese Mitschriften unabkömmlich, da sie auch Altklausuren enthalten. Trotzdem empfehle ich, sich noch ein Buch aus der Bibliothek zu holen. Diese sind leider sehr viel schlechter ausgestattet als in Deutschland, die Bücher sind oft sehr alt und es dürfen nur maximal vier Bücher zwei Wochen lang ausgeliehen werden. Deshalb und auch zum Grundverständnis zögert nicht, auch mal ein deutsches Lehrbuch mit schönen großen Farbfotos und bunter Schrift zur Hand zu nehmen.

    Am Anfang meines Aufenthaltes fand ich das System der vormittäglichen Praktika und der nachmittäglichen Theorie ideal. Nach wie vor halte ich die Idee der gleichmäßigen Praxis-Theorieverteilung für eine perfekte Lernmethode. Ich habe allerdings im Verlaufe meines Aufenthaltes auch die Schwachstellen der Realisierung dieses Gedankens kennengelernt. Erstens müssten „stages“ und Vorlesung besser aufeinander abgestimmt sein. Die Dauer der „stages“ müsste variabler sein. Die Franzosen müssen in jedem Fach drei Monate Praktikum absolvieren, obwohl ein großes Fach wie Neurologie ungleich komplizierter und wichtiger als beispielsweise Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde ist. Die Kurse für die Studenten auf der Station, die also direkt mit dem Stationsalltag zu tun haben, sollten ausgebaut werden. Vier Tage pro Woche „stage“ gäben mehr Möglichkeit zum theoretischen Nacharbeiten zu Hause.

    Ideal ist es also nirgends. Euer Vorteil in einem ein- oder auch zweijährigen Aufenthalt ist der, dass Ihr Euch die Rosinen rauspicken könnt. Konzentriert Euch auf Eure „stages“, wählt die großen, wichtigen Fächer, die Euch interessieren und plagt Euch nicht mit Vorlesungen, die Ihr genausogut oder schlecht in Deutschland hören könnt.


    5. Leben neben der UniNach oben hoch

    Ihr habt Zeit – soviel Zeit, wie Ihr nie wieder in Eurem Leben haben werdet. Nutzt Sie! Als Erasmusstudent genießt Ihr eine bestimmte Narrenfreiheit – Ihr seid der ausländische Student, dem gern etwas doppelt erklärt wird, wo aber auch jeder Verständnis hat, wenn Ihr etwas noch nicht verstanden habt. Gestaltet Eure Freizeit also ohne schlechtes Gewissen so vielgestaltig wie möglich, genießt den schwachen universitären Druck, probiert, was Ihr schon immer einmal probieren wolltet! Möglichkeiten bieten sich viele:

    - Sport: Die Uni bietet kostenlos ein sehr breitgefächertes Programm von Gruppensportarten wie Fußball, Rugby oder Volleyball über Schwimmen, Tennis, Badminton...außerdem Skiausflüge (günstige Tages-oder Wochenendfahrten mit Skipass und Unterricht). Informationen gibt es am Tag der Begrüßung.

    - Musik: Die Uni unterhält zwei Sinfonieorchester, in das eine kann man ohne, in das andere mit Vorspiel eintreten. Ich habe in dem ohne Vorspiel Klarinette gespielt und so die Faszination der internationalen Sprache Musik genossen und ein weiteres Stück französisches Leben kennen gelernt. Außerdem gibt es einen Chor und verschiedene kleinere musikalische Gruppen. Informationen im Musikhaus, dem „batiment Astrée“, welches sich auf dem Campus der Doua (Hauptcampus von Lyon 1, nur die Mediziner sind über die Stadt verteilt) befindet.

    - Reisen: Kauft Euch gleich zu Beginn beim SNCF die französische Bahncard, die „carte de 12 a 25 “ für 270 FF. Damit bekommt Ihr ein Jahr lang 50% Ermäßigung für alle Züge (einschließlich TGV). Übernachten könnt Ihr günstig in Jugendherbergen oder auch Pensionen. Informationen gibt es in den in jeder kleinen Stadt vorhandenen Touristenbüro, dem „office de tourisme“.

    - Ausgehen: Auch hier ist es empfehlenswert, sich von Franzosen mitnehmen zu lassen. Es gibt zwar ein jährlich erscheinendes Büchlein „Le petit Paumé“, in dem sämtliche Adressen von Bars über Theater, Konzertsälen und Discotheken abgedruckt sind, doch es bleibt die Qual der Wahl. (Meine Lieblingskneipe war die Passagiere, ein Boot am Ufer der Rhône) Es ist etwas teurer als Berlin, aber immer noch die Hälfte von Paris.

    Ich wehre mich dagegen, eine Beschreibung eines typischen Franzosen abzugeben, weil es zu viele Klischees (nationalistisch, ausländertunfreundlich) gibt, die einfach nicht wahr sind. Sie sind vielleicht nicht besonders gut im Fremdsprachenlernen, sonst aber so wie alle Menschen: Wenn man höflich und freundlich auf sie zugeht, wird dies auch so zurückgegeben.



    6. Persönliches FazitNach oben hoch

    Überwältigend! Ich bin als sehr reicher Mensch zurückgekommen, innerlich glücklich, wissend, dass ich die wunderbaren Erfahrungen dieses Jahres mit nach Hause genommen habe. Prägend war beispielsweise die Erfahrung, eine Sprache in einem einzigen Jahr so gut zu lernen, dass eine Kommunikation ohne Probleme möglich ist, ich Prüfungen ablege und im Krankenhaus wie die französischen Kommilitonen arbeite. Landesgrenzen fließen durch eine solche Erfahrung dahin, ich fühle mich nach diesem Jahr offener und welterfahrender. Die Vorteile des Studiensystems liegen klar im Praxisbezug. Ich habe einen sicheren und selbstbewußten Umgang mit Patienten gelernt, eine Fähigkeit ebensowichtig wie Fachwissen. Aber auch meine Probleme haben mich wachsen lassen, meine sehr langwierige Wohnungssuche hat mich in Beharrlichkeit geübt und mir Durchhaltevermögen für andere Projekte und mein weiteres Leben gegeben.

    Das Wichtigste ist, Neues zu erfahren. Egal, ob es fasziniert oder nicht, ein Projekt gelingt oder nicht, es ist die Erfahrung, die zählt. Das Sammeln von Erfahrungen lehrt abwägen, kritisieren, urteilen, entscheiden – Eigenschaften, die im persönlichen wie beruflichen Leben unabdingbar sind.
    Ich wünsche Euch ein unvergeßliches Jahr!


    Kontaktmöglichkeit Nach oben hoch

    Luise Vöter
    Swinemünder Str. 55
    13355 Berlin
    Tel. 030 / 46 79 17 70

       E-Mail luise.voelter@charite.de

     
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