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| Bells Tower, Perth |
Übersicht
Um möglichst viele Eindrücke zu gewinnen, habe ich mich entschieden, den ersten Teil meiner zweimonatigen Reise, sprich meine Famulatur, in Western Australia zu verbringen, um nachher noch Urlaub im Norden und Osten machen zu können.
| The Time b4 – Die Vorbereitungen |
University of Western Australia (UWA)
Seit 2003 müssen alle Famulaturen in Western Australia über die UWA organisiert werden. Noeleen Stewart koordiniert dort alle nationalen und internationalen Elective Terms. Bedauerlicherweise zieht diese zentrale Verwaltung der Plätze nicht nur einen gehörigen Mehraufwand (z.B. in Form einer standardisierten schriftlichen Bewerbung), sondern auch Kosten nach sich (300 australische Dollar, das entspricht etwa 180 Euro).
An dieser Stelle möchte ich auf die Internetseite verweisen, auf der die wichigsten Informationen und auch Forumulare abgerufen werden können:
Visum
Um zu erfahren, welches Visum ich benötigte, habe ich bei der Australischen Botschaft in Berlin angerufen (Tel.: 030-8800880)
Nachdem ich etwa zehn Minuten in der Warteschleife mit „wichtigen“ Informationen attackiert wurde, bekam ich einen der freundlichen Mitarbeiter an die Leitung, der mir sagte, dass ich das Visum 456 [„business (Short Stay) visa (for a stay of up to 3 months)“] benötige, das ich mir im Internet herunterladen konnte unter:
Die Botschaft verlangt ferner ein Röntgenbild vom Thorax, das nur bei lizensierten panel doctors aufgenommen werden darf
Die Application Form habe ich zusammen mit meinem Reisepass, einem frankierten und an mich selbst adressierten Rückumschlag und dem Rö-Thorax-Befund zur Australischen Botschaft geschickt. Etwa sechs Wochen später bekam ich dann meinen Reisepass mit eingeklebtem Visum zurück. Kosten: € 40,-
Empfehlungsschreiben
gibt es beim Dekanat, bei uns in Würzburg als Vordruck.
Fly Away
Den Flug habe ich im Kombipack bei STA Travel gebucht, d.h. Hin- und Rückflug plus zwei Inlandsflüge, die ich nach meiner Famulatur gebraucht habe. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, bei der australischen Low-Cost-Airline virginblue im Internet zu buchen, am sinnvollsten ist sicher ein Preisvergleich vor Ort.
| The Time in Western Australia |
MRSA-Test bei Anreise
Bevor ich meinen Dienst im Krankenhaus aufnehmen durfte, musste vor Ort ein MRSA-Test durchgeführt werden. (Der ORSA-Test, den ich in unserem Mikrobiologieinstitut kostenlos bekommen konnte, wurde nicht anerkannt.) Aus diesem Grunde bin ich – wie gefordert – vier Werktage vor Beginn der Famulatur in Perth angekommen, um diesen Test im Royal Perth Hospital durchführen zu lassen.

Unterkunft
Leider konnte mir keiner der Australier, die ich im Vorfeld kontaktiert hatte, eine Wohnung vermitteln. Also habe ich zunächst das Angebot der UWA wahrgenommen und mich im Jewell House in Perth einquartiert, das für Studenten auf $ 20,-/Nacht ermäßigt ist (wenn man eine Woche im Voraus bucht).
Die Einzelzimmer waren sauber, das Personal freundlich und das Haus ruhig, wenn auch etwas merkwürdige Gestalten dort gewohnt haben…
Sobald ich dann aber in Fremantle war, habe ich mich dort informiert und ein Zimmer über ein Inserat im ‚Fremantle Herald’ gefunden. Es ist verhältnismäßig teuer, ein Einzelzimmer in einem Backpacker Hostel zu mieten, zu zweit sieht das allerdings wieder ganz anders aus. Am besten auch hier einfach vor Ort erkundigen.
Famulatur im Emergency Department
Emergency Medicine ist in Australien eine eigene Fachrichtung. Interessant finde ich daran, dass man Patienten aus allen Bereichen (Chirurgie, Innere, Pädiatrie, Gynäkologie, Ophtalmologie usw.) bekommt und untersucht. Zwar ist der Emergency Doctor kein Experte in jedem dieser Gebiete, aber er hat einen großen Überblick und kennt sich in allen Bereichen aus. Wenn der Fall komplizierter ist, werden die jeweiligen Fachärzte hinzugezogen. Für mich als Famulus war die Fülle der unterschiedlichen Patienten sehr lehrreich.

Ausgestattet mit meinem ‚security badge’ und Stethoskop stand ich also am Montag morgen in der Mitte der Notaufnahme am Info-Desk. Mein ‚supervisor’ war von diesem Tage an vier Wochen im Urlaub – so gut klappt das dann vielleicht auch nicht mit der zentralen Organisation ;-).
Einer der Consultants (Chefärzte) hat mir die Notaufnahme gezeigt. Sie besteht aus über 30 Kabinen, die um die zentral gelegenen PC- und Schreibplätze angeordnet sind. Die PCs beinhalten allerlei Programme, u.a. eins für die Patientenverwaltung. Auf einem Computer habe ich mir dann einen der Neuzugänge herausgesucht, der mir interessant erschien, und ihn entweder mit oder ohne den zuständigen Arzt befragt und untersucht. Die Australier haben nicht wie wir vorgedruckte Anamnesebögen, sondern einfach einen leeren Zettel, auf den man seine Befragungsergebnisse aufschreiben kann. Es ist sehr hilfreich, sich vorher über dieses System (PC, HPC, PMH, HXD …) kundig zu machen. Mir hat dabei das Buch „Medical English“ aus dem Thieme-Verlag weitergeholfen. Abweichungen gibt es natürlich immer, aber wesentliche Inhalte werden auf alle Fälle vermittelt.
Außer der Untersuchung durfte ich auch ein paar andere praktische Sachen machen (z.B. Blut abnehmen, nähen, reanimieren…). In der Notaufnahme gibt es vier Teams, die durch die verschiedenen Schichten rotieren, und leider hatte ich am Anfang das am wenigsten lehrwillige erwischt. Später war ich dann auch in einem besseren, in dem die Registrars (Oberärzte) sich viel Zeit für mich genommen und mit mir alle Fälle sehr ausführlich besprochen haben. Dann hat es richtig viel Spaß gemacht! (Einer der Registrars heißt Tor mit Vornamen, der hat 12 Jahre lang in Deutschland gearbeitet. Wenn ich wirklich mal nicht weiter gekommen bin, hab ich das mit ihm auf deutsch geklärt. Auch schön. :-)

In der Nachtschicht bin ich mit einem Resident (Assistenzarzt) als ‚Medical Cover’ über alle internistischen Stationen gelaufen. Das zählt natürlich nicht zur Notaufnahme, aber es hat mir trotzdem weitere Einblicke in den Stationsall“tag“ ermöglicht, die ich sonst nicht gehabt hätte, und reanimieren konnte ich da auch…
Im T-Block (die Notaufnahme liegt im B-Block) habe ich die Studenten getroffen, die am Fremantle Hospital ausgebildet werden (vorwiegend 4th year students). Das hat mir nicht nur ein paar lustige Abende sondern auch interessante tutorials (Seminare) eingebracht. Außerdem ist im T-Block auch der Computerraum, in dem man an sechs nagelneuen Rechnern ins Internet gehen kann. Ansprechpartnerin ist hier Pat Mumford, die wirklich sehr nett und hilfsbereit ist!
‚Freo’, Perth & Western Australia
Perth, der Hauptstadt Westaustraliens, eilt der Ruf voraus, die sonnigste Stadt in Oz zu sein, wovon ich mich ausgiebig überzeugen lassen konnte. Es war bereits Spätsommer, als ich Ende Februar dort ankam, und trotzdem schien die Sonne fast jeden Tag von dem strahlend blauen Himmel. In der Nacht kühlte es auf angenehme Temperaturen herab, so lässt es sich wirklich aushalten! Besonders in Fremantle, Perths Hafenstadt, sorgte der ‚Fremantle Doctor’, eine kühle Meeresbrise, für angenehme Verhältnisse.
Auch Westaustralien kann mit einigen Sehenswürdigkeiten aufwarten, wenn auch das touristische Zentrum ganz klar an der Ostküste liegt. Unvergessen bleiben für mich der Besuch des Kings Parks in Perth, Strandgänge zu den berühmten Stränden von Cottesloe und Scarborough, an dem die hohen Wellen des Indischen Ozeans zum Surfen einladen, die wunderschöne Insel Rottnest Island (‚when did you last swim in crystal clear water’ lautete die Radiowerbung) und die Fahrt in die Gegend um Margret River im äußersten Südwesten, wo ich bei einigen Weingutbesuchen vollends von der Qualität australischer Weine überzeugt wurde :-).

Das Klima erinnert sehr an den Mittelmeerraum, alles ist grün und die Luft riecht würzig. Und ich persönlich finde es auch angenehm, einmal ganz alleine an einem schier endlosen Strand zu liegen und dem Rauschen der Wellen zu lauschen…
Aber auch die Freunde voller Kneipen, die auch mal gerne das Tanzbein schwingen, kommen in Freo auf ihre Kosten, denn am Wochenende war in der kleinen Stadt die Hölle los!
| The Time after |
Nach meiner Famulatur bin ich natürlich noch durch Australien gereist. Zunächst bin ich von Perth aus nach Darwin geflogen, wo ich mich mit Freunden aus Deutschland getroffen habe, um die berühmten Kakadu- und Litchfield-Nationalparks zu sehen. Von dort aus sind wir zusammen nach Cairns geflogen, wo wir uns ein Auto gemietet haben, um von dort aus (über einen kurzen Abstecher nach Cape Tribulation im tropischen Norden) die Ostküste bis nach Sydney herunterzufahren (am Ende waren das insgesamt knapp 4000 km). Die Strecke mit dem Auto zurückzulegen hat Vor- und Nachteile, aber ich habe keine Sekunde dieser wunderschönen Reise bereut! Leider kamen wir nicht mehr nach Melbourne und Adelaide, aber alles kann man in knapp vier Wochen eben nicht machen. Die Ostküste ist auf jeden Fall einen Besuch wert!

| Last but not least |
möchte ich jeden, der sich jetzt noch fragt, ob er diese große Reise auf sich nehmen soll, explizit dazu auffordern, diesen Schritt zu tun! Die schier unglaubliche Freundlichkeit und Unkompliziertheit der Australier, das hautnahe Erleben der anderen Sprache und Kultur sowie das traumhafte Wetter haben die Zeit in Down Under für mich zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht!
Für weitere Fragen stehe ich Euch gerne per E-Mail zur Verfügung:
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