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| Bewerbung |
In Santiago gibt es sehr viele Unis, an denen ein Medizinstudium möglich ist. Die bekanntesten sind die private Universidad Catolica de Chile und die staatliche Universidad de Chile. Daneben gibt es viele andere gute und bekannte Universitäten, wie zum Beispiel die Universidad de Desarollo. Ich habe mich etwa sechs Monate im Voraus beworben und von beiden Unis eine Zusage bekommen. Auch kurzfristig sollte es kein Problem sein, einen PJ-Platz zu bekommen.
Die Adressen habe ich mir im Internet herausgesucht und einfach einige E-Mails geschickt.
Bewerbung an die Catolica:
Ansprechpartner Rosario Errazuriz
Kosten: 500 US$ pro Tertial
Interessenten sendet die Universität eine Liste mit den benötigten Bewerbungsunterlagen zu.
Bewerbung an die Universidad de Chile:
Ansprechpartnerin Elena Flores
Kosten etwa. 350 US$
Interessenten bekommen auch hier ein Bewerbungsformular zugesendet. Es muss ausgefüllt und von einigen Dozenten unterschrieben werden. Das war an meiner Uni in Deutschland sehr aufwändig.
An der Universidad de Desarollo habe ich mich nicht beworben. Ich habe aber in Chile viele Studenten kennengelernt, die dort studieren und sehr zufrieden sind.
| Formalitäten |
Ein Visum ist nicht notwendig. Bei der Einreise bekommt man ein Touristenvisum für 90 Tage. Es kann verlängert werden, indem man einmal aus- und wieder einreist,zum Beispiel nach Mendoza. Wer sich mit Visum sicherer fühlt, kann sich ein Studentenvisum besorgen. Das kostet etwa. 30 €. Die Uni hat von mir jedoch keines verlangt.
Jedoch sind Versicherungen wichtig. Die Uni wollte ein Zertifikat meiner Berufshaftpflicht- und Krankenversicherung haben. Beide habe ich bei der Deutschen Ärztefinanz abgeschlossen. Die Berufshaftpflicht kostet dort 11,90 € pro Jahr. Die Auslandskrankenversicherung kann man für etwa 35 € pro Tertial bekommen.
| Studiengebühren |
Ich habe für mein Tertial 500 US$ bezahlt und den Betrag direkt vor Ort bei einer Bank überwiesen.
| Anreise |
Die Flüge nach Chile sind ziemlich teuer. Früh buchen lohnt sich also. Ich habe etwa sechs Wochen vorher gebucht und 1300 € bezahlt. Wer Glück hat, findet etwas Günstigeres, ist dann jedoch meist über 30 Stunden unterwegs. Ich bin mit der Airline TAM über Brasilien geflogen, was relativ angenehm war. Mit zwei Gepäckstücken à 23 kg konnte ich genügend Freigebäck mitnehmen. Für den Transfer vom Flughafen gibt es das Transferunternehmen "transvip". Der Transfer kann online reserviert werden und kostet 6.500 Pesos.
| Größe und Abteilungen des Krankenhauses |
Die Universität Pontificia Católica de Chile hat mehrere Krankenhäuser. Im "Casa Central", dem Uni-Hauptgebäude, befindet sich der größte private Klinikteil des Universitätsklinikums. Es gibt dort eine Abteilung für allgemeine Gynäkologie, Geburtshilfe und die Wochenbettstation. Außerdem einen großen OP. Gegenüber befindet sich die Poliklinik, wo die ambulante Betreuung der Patienten stattfindet.
Ich bin durch all diese Abteilungen rotiert. In der allgemeinen Gynäkologie hatten wir am Tag etwa zehn Patienten auf Station, was jedoch sehr variiert. Täglich werden etwa vier OPs durchgeführt. Auf der Wochenbettstation waren es täglich etwa 20 bis 30 Patientinnen.
Zur Catolica gehört als Lehrkrankenhaus auch das öffentliche Hospital Sotero del Rio, wohl das größte öffentliche Krankenhaus Chiles. Hier gibt es eine geburtshilfliche Station mit 40 Betten und eine gynäkologische Station mit etwa 45 Betten, sowie die Wochenbettstation. Die gynäkologische Station unterteilt sich in drei Unterabteilungen, allgemein-gynäkologisch, onko-gynäkologisch und urologische Gynäkologie.
| Unterkunftsmöglichkeiten |
Das Krankenhaus bietet ausländischen Studenten keine Unterkunft an. Es gibt Studentenwohnheime, die jedoch schon von außen nicht besonders einladend aussehen. Ich habe mir zunächst eine Unterkunft über ContactChile besorgt. Das ist eine deutsch-chilenische Organisation, die Studenten vor Ort gegen eine Provision eine Unterkunft besorgt.
Das hat gut geklappt. Leider war meine Unterkunft dann nicht besonders toll. Die Wände waren verschimmelt und alles war alt und heruntergekommen. Nach sechs Wochen bin ich mit Freunden zusammengezogen, was sehr angenehm und lustig war.
Wichtig bei der Wohnungssuche: In Santiago wird es im Winter kalt, es kann auch mal schneien. Eine Heizung ist dann wirklich was tolles, sonst sitzt man den ganzen Tag mit Winterjacke in seiner Wohnung. Die Wohnung sollte außerdem nahe einer Metrostation liegen, da das Bussystem ziemlich undurchschaubar ist. Die Krankenhäuser haben alle eine Metrohaltestelle. Für Mädchen ist es empfehlenswert in einem besseren Viertel zu wohnen. Beispielsweise in Providencia, Las Condes, oder den Vierteln rund um Salvador und Manuel Montt. Die Stadt ist an sich nicht gefährlich, jedoch sollten ausländische Mädchen abends nicht alleine im Stadtzentrum herumlaufen.
Santiago ist ziemlich teuer, ich habe etwa 270 € für ein Zimmer in einer WG bezahlt. Soviel kostet es etwa auch in Providencia oder Las Condes.
Das Essen im Krankenhaus ist in Ordnung, es kostet 1.500 Pesos (etwa 2,20 €) pro Gericht. Die einheimischen Studenten bekommen Essensmärkchen.
In der Klinik tragen die Ärzte relativ schicke Kleidung. Männer haben oft Krawatte und Hemd an, was aber nicht unbedingt erforderlich ist. Blue Jeans und Turnschuhe sind jedoch nicht erlaubt. Frauen sind ebenfalls sehr elegant angezogen, meistens mit höheren Schuhen und Kleid oder Rock. Ich habe trotzdem flache Schuhe und dunkle Jeans getragen, was auch kein Problem war. Große Ausschnitte oder Minirock sind auch nicht erlaubt.. Die männlichen Studenten tragen Kittel, die Mädels haben kurze Kittel. OP-Kleidung gibt es im Krankenhaus. Ansonsten sollte man Stethoskop, Augenleuchte und Reflexhammer mitnehmen.
| Sprachkenntnisse |
Das chilenische Spanisch gilt als das schnellste und undeutlichste Spanisch der Welt. Es ist wirklich schwer zu verstehen. Spanisch Vorkenntnisse sind daher sehr nützlich.
| In der Klinik |
Der Start lief bei mir leider nicht besonders gut. Der erste Tag meines Praktikums fiel auf einen Feiertag und die für mich verantwortliche Person von der medizinischen Fakultät war den ganzen Monat im Urlaub. Der zuständige Arzt ist weder an sein Telefon gegangen, noch hat er auf meine E-Mails geantwortet. Am nächsten Tag bin ich einfach in die medizinische Fakultät gegangen, habe die Sicherheitsleute gefragt und bin so nach einigen Tagen weiteren Chaos und Unwissen doch noch zu meiner richtigen Station gekommen. Darum habe ich vier Tage zu spät mein PJ angefangen.
In der Klinik wurde ein Rotationsplan für mich erstellt, den ich aber nicht eingehalten habe. Erstens wollte ich mit meiner Studentengruppe weiterrotieren und zweitens gefiel es mir im öffentlichen Krankenhaus besser. Die Ärzte dort sind einfach sehr locker.
Der normale Arbeitstag beginnt um 7 Uhr mit der Sichtung der Patienten. Das bedeutet, die Patientinnen zu untersuchen und die Akte zu schreiben. Außerdem sind Anordnungen zu machen. Währenddessen trudeln die Assistenzärzte ein und schauen kurz drüber. Auch beantworten sie Fragen. Je nach Station und Klinik findet entweder erst die Visite mit den Fach- und Oberärzten, oder eine Frühbesprechungen statt. Teilweise gibt es gar keine Visite mehr. Bei der Visite stellen die Studenten ihre Patienten vor und besprechen gemeinsam mit den Ärzten die weitere Vorgehensweise. Dabei stellen die Ärzte den Studenten viele Fragen. Das kann pro Patient bis zu 20 Minuten dauern. So eine Lehrvisite braucht daher auch mal drei Stunden. Danach geht es entweder in den OP, meistens aber macht man die Stationsarbeit. Im öffentlichen Krankenhaus müssen die Studenten außerdem jeden Tag für alle Patienten Rezepte für die täglichen Medikamente schreiben. Zudem müssen Konsile, Röntgen-, CT- Anforderungen geschrieben und die neuen Patienten aufgenommen werden. Dann geht man Frühstücken und später Mittagessen.
Ab und zu begleitete ich die Patienten zu den Untersuchungen. Meistens durfte ich das aber nicht selbst machen, da die Assistenzärzte Vorrang haben.
Fast jeden Tag findet eine Präsentation oder ein Seminar statt. Mittags muss man wieder alle seine Patienten anschauen, kurz untersuchen und alles in die Akte schreiben. Anschließend gibt es noch eine Spätvisite mit den Assistenzärzten und die restliche Stationsarbeit wird abgearbeitet.
In der privaten Klinik, der "Casa Central" der Catolica, sind die Tage sehr lang. Teilweise waren wir 12 Stunden in der Klinik. Das liegt daran, dass morgens um 8:30 Uhr die Operationen beginnen und bis etwa 17 Uhr dauern. In dieser ganzen Zeit haben die Studenten nichts zu tun. Wir haben also viel Kaffee getrunken oder waren in der Bibliothek. Im Aufenthaltsraum konnten wir auch fernsehen. Die Studenten müssen warten bis die Assistenzärzte aus dem OP kommen, um die Spätvisite zu machen. Danach darf man nach Hause.
Im öffentlichen Krankenhaus ist das besser, dort kommen die Assistenzärzte zwischendurch auf Station und man geht zwischen 13 und 14:30 Uhr nach Hause.
Mindestens eine Woche rotierte ich in die Poliklinik.
Insgesamt hat es mir im öffentlichen Krankenhaus sehr viel besser gefallen. Ich durfte viel mehr machen. Zwar war es viel Arbeit, aber ich sah häufiger ausgeprägtere Krankheitsbilder als in der privaten Klinik. Die Tage waren so sehr viel kürzer für mich.
Die chilenischen Studenten müssen auch samstags zur Visite kommen. Alle sechs Tage übernehmen sie einen 36-Stunden-Dienst. Das können ausländische Studenten auch mal mitmachen. Ich fand es aber eigentlich nur total anstrengend, da ich immer mit einer Studentengruppe von etwa zehn Leuten zusammen war und wir die Station meist alleine organisierten. Wir mussten also eng miteinander zusammenarbeiten.
Die Assistenzärzte sind alle sehr nett, aber total überarbeitet und gestresst. Die Schwestern waren immer sehr freundlich.
| Adresse der Krankenhäuser |
Casa Central Catolica: Marcoleta 350, Metrostation Universidad Catolica (rote Metrolinie)
Sotero del Rio: Metrostation Hospital Sotero del Rio (blaue Metrolinie)
| Finanzierungsmöglichkeiten |
Einige deutsche Unis haben Kooperationen mit der Catolica. So entfallen die Studiengebühren.
| Internetadressen |
| Land, Kultur und Freizeit |
Santiago hat viel zu bieten. Man kann ausgehen, es gibt viele Konzerte und Veranstaltungen, leckeres Essen und vor allem viel vom berühmten Pisco. Das ist der Nationalschnaps, den man in allen möglichen Variationen zu sich nehmen kann. Die Chilenen sind nett, jedoch verkörpern sie nicht das typische Bild der Lateinamerikaner. Dafür sind sie viel zu organisiert. Offen und interessiert sind sie allemal, vor allem Deutschen gegenüber. Feiern können die Chilenen auch sehr gut. Ich lernte während meiner Zeit viel über das Land und die Kultur, denn die Chilenen lieben es, einem alles darüber zu erzählen und zu erklären. Das Land ist wunderschön, vor allem der Süden muss toll sein. Die Reise dorthin habe ich aber nicht geschafft. Es ist möglich mit dem Bus überall hinzufahren, wie etwa mal für einen Tag nach Valparaiso oder Vina del Mar. Argentinien, Peru und Bolivien lohnen sich auch.
Viele Chilenen haben Ferienhäuser im Land, entweder am Strand oder an einem See. Öfter wurde ich zu einem Besuch eingeladen.
| Beeindruckende Ereignisse und Gegebenheiten |
Ich war auf einer chilenischen Hochzeit. Das war eines der besten Erlebnisse meines Aufenthaltes. Wenn man die Möglichkeit hat einen solchen Anlass zu besuchen, sollte man es tun.
| Hinweise |
Die Chilenen machen einem ziemlich Angst, was die Sicherheit angeht. Meistens übertreiben sie aber. Nachts sollte man im Stadtzentrum nicht alleine rumlaufen oder mit dem Bus fahren. Alleine mit einem normalen Taxi zu fahren ist aber weder tagsüber, noch nachts problematisch.
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