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Artikel vom 24. 01. 2001

Famulatur im KAS Glostrup, Kopenhagen/Dänemark

Neele Gaartz

Im März 2000 habe ich vier Wochen im KAS (København Amts Sygehus) Glostrup in der orthopädischen Abteilung (orthopædkirurgisk afdeling) famuliert.

Übersicht

Das Krankenhaus ist ein in einem kleinen Vorort von Kopenhagen gelegenes Kreiskrankenhaus mit ca. 800 Betten, das zu den Lehrkrankenhäusern der Universität Kopenhagen gehört. Ich hatte mich für die Fachrichtung Orthopädie entschieden, da dies in Dänemark sowohl die Orthopädie als auch die Unfallchirurgie beinhaltet, so dass ich damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnte.


Bewerbung über dfaNach oben hoch

Beworben hatte ich mich um den Famulaturplatz beim dfa (deutscher Famulantenaustausch), allerdings ist es auch kein Problem, sich Famulaturplätze in Dänemark direkt zu besorgen, da die Dänen den Begriff des Medical Elective Student auch kennen und interessierten (ausländischen) Studenten gegenüber in der Regel sehr aufgeschlossen sind. In Dänemark ist es teilweise sogar üblich im vorklinischen Teil des Studiums schon einmal als Famulant Krankenhausluft zu schnuppern.


Gute Auswahlmöglichkeiten im KrankenhausNach oben hoch

Der Klinikalltag begann in Glostrup mit einer Morgenbesprechung um 8:00 Uhr, gefolgt von einer Röntgenvisite, bei der sowohl die Bilder der Operationen des Vortages als auch die Bilder der Ambulanz gezeigt wurden. Anschließend habe ich mich einem Arzt angeschlossen, den ich mir jeden Morgen selbst aussuchen konnte. Ich durfte dabei wählen, ob ich zur Visite, zu einer OP oder in die Notaufnahme gehen wollte. So hatte ich immer die Möglichkeit, mir die spannendsten OP´s rauszusuchen, oder die Patienten auf den jeweiligen Stationen zu verfolgen. In Bezug auf technische Ausstattung, medizinische Vorgehensweisen und Operationsmethoden sind sich Deutschland und Dänemark recht ähnlich. Die Einrichtung mancher Stationen im KAS Glostrup ist recht veraltet und die Patientenzimmer ziemlich groß (4- und 6-Bettzimmer), aber die Renovierungs- und Umbauarbeiten des gesamten Krankenhauses sollen noch in diesem Jahr beginnen.


SprachkenntnisseNach oben hoch

Ich hatte zwar vor meinem Dänemarkaufenthalt zwei Semester Dänisch an der Kieler Uni belegt, dennoch brauchte ich einige Zeit, um mich an das schnelle Alltagsdänisch in Kopenhagen zu gewöhnen. Nach ca. einer Woche reichte es aber um die Arzt-Patientengespräche während der Visiten oder in der Notaufnahme zumindest soweit zu verfolgen, dass ich einigermaßen wusste worum es ging. Allerdings war mein Wortschatz doch zu klein um selbständig Anamnesen zu erheben, so dass ich keine Patienten eigenständig aufgenommen habe. Aber die meisten dänischen Ärzte waren sehr geduldig mit mir und meinem Anfängerdänisch und haben mich in meinen Bemühungen meine Sprachkenntnisse zu verbessern immer sehr unterstützt. Die meisten medizinischen Sachverhalte haben sie mir jedoch auf Englisch erklärt. Deutsch sprachen die wenigsten Ärzte in Kopenhagen, Englisch hingegen beherrschten fast alle fließend, so daß es eigentlich nie ernsthafte Kommunikationsprobleme gab.

Trotzdem würde ich jedem, der eine Famulatur in Dänemark plant, empfehlen, vorher so gut wie möglich Dänisch zu lernen, weil sonst einfach der Kontakt mit den Patienten nicht zustande kommt, was ich auf Dauer recht frustrierend finde.


Häufig im OPNach oben hoch

Da mir die Visiten nach einiger Zeit doch zu langweilig wurden, ging ich häufig mit in den OP, wo ich meist als erster oder zweiter Assistent mit am Tisch stehen durfte. So habe ich viele Hüftgelenks- und Knieprothesenimplantationen, Arthoskopien, Osteosynthesen nach Frakturen, handchirurgische OPs etc. zu sehen bekommen.

In der Ambulanz hatte ich dann die Möglichkeit, mich im Gipsen zu üben, oder Schnitt- und Platzwunden zu nähen.


Die Ärzte haben mehr Zeit und weniger StressNach oben hoch

Die Ärzte haben mir immer bereitwillig alles Wichtige erklärt, was man ja aus Deutschland nicht unbedingt gewöhnt ist, und schienen wirklich daran interessiert zu sein, ihren Studenten so viel wie möglich beizubringen und zu zeigen. Von der hier so üblichen Hierarchie unter den Ärzten war dort kaum etwas zu spüren. Es ging alles sehr viel kollegialer und netter zu, als ich es aus Deutschland kenne. Dass die Ärzte in Dänemark so viel Zeit für ihre Studenten haben, mag aber wahrscheinlich auch daran liegen, dass es dort in den Krankenhäusern viel mehr Ärzte pro Patient gibt, so dass der Arztberuf in Dänemark insgesamt nicht so stressig zu sein scheint wie bei uns. So endet der Dienst der meisten Klinikärzte dort auch schon um ca. 15:00 Uhr.


Mit dänischen Studenten eingeteiltNach oben hoch

Außer mir waren zeitgleich noch drei dänische Studenten/innen in der orthopädischen Abteilung, die dort einen Teil ihrer chirurgischen Rotation verbrachten (die dänischen Studenten sind in ihren Kursen/Rotationen viel mehr in den Klinikalltag, also eher wie bei einer Famulatur, eingebunden als bei uns). Aber die Abteilung war groß genug, so daß eigentlich nie die Gefahr bestand, daß wir uns "auf den Füßen rumstehen". Andere ausländische Studenten waren zu meiner Zeit nicht da, weil sich, wie mir erklärt wurde, Besucher aufgrund des Wetters selten vor Mai nach Kopenhagen verirren. Im Sommer seien jedoch bis zu 30 ausländische Studenten aus allen möglichen Ländern auf die zahlreichen Krankenhäuser in Kopenhagen und Umgebung verteilt.


UnterkunftNach oben hoch

Ich habe während meines Aufenthaltes in Glostrup in einer Art Schwesternwohnheim auf dem Klinikgelände gewohnt. Das Zimmer war klein, aber gemütlich und sauber. Bettwäsche, Handtücher sowie Kittel und Arzthosen wurden vom Klinikum gestellt. Als dfa-Famulant hatte ich die Möglichkeit, kostenlos in den verschiedenen Kantinen auf dem Klinikgelände Frühstück und Mittag zu essen. Ansonsten konnte man aber auch eine der Küchen im Wohnheim zu nutzen (Geschirr vorhanden). Verschiedene Supermärkte und andere Geschäfte sowie ein Waschsalon waren leicht zu Fuß zu erreichen.


AnreiseNach oben hoch

Angereist bin ich mit dem Auto, da Kopenhagen seit dem Bau der Großen-Belt-Brücke (Überfahrt kostet ca. 200 DKr) relativ schnell und bequem zu erreichen ist. Aber auch mit dem Zug ist die Anreise unproblematisch und nicht sehr teuer. Fahrtkostenzuschüsse des dfa gibt es leider für europäische Länder nicht.


Die Stadt Kopenhagen und ihre UmgebungNach oben hoch

Das Stadtzentrum von Kopenhagen ist in ca. 15 Minuten mit der S-Bahn zu erreichen, die in ca. 10-minütigen Abständen verkehrt. Überhaupt ist das öffentliche Verkehrssystem auf Seeland bestens ausgebaut, so daß man auch problemlos mit dem Zug oder der S-Bahn in umliegende Städte gelangen kann, um sich die Sehenswürdigkeiten der Insel anzusehen. Auch Schweden kann man mit der Fähre, bzw. ab nächstem Jahr auch per Brücke relativ schnell erreichen.

Die Kopenhagener Jazzclubs sind einen Besuch wert!

Die Stadt Kopenhagen ist natürlich auf alle Fälle sehenswert. Obwohl im März noch viele der Sehenswürdigkeiten (leider auch das Tivoli) geschlossen waren, war das Angebot an Kultur und Attraktionen der Stadt in vier Wochen kaum zu bewältigen. Neben unzähligen Kinos (Filme meist in Originalfassung mit dänischen Untertiteln) und Kneipen sind natürlich auch die Kopenhagener Jazzclubs unbedingt einen Besuch wert. Insgesamt ist Kopenhagen seine sehr lebendige aber auch wahnsinnig schöne Stadt mit tollen alten Gebäuden und unzähligen kleinen Kanälen, die die Innenstadt durchziehen.


Während des Aufenthaltes bestens betreutNach oben hoch

Während meines Aufenthaltes in Glostrup wurde ich von Mitgliedern der dänischen dfa-Partnerorganisation IMCC bestens betreut. So wurde ich vor meiner Abfahrt schon mit Informationsmaterialien über Land und Leute, sowie Anreisemöglichkeiten etc. versorgt. Bei meiner Ankunft war dann mein Zimmerschlüssel und meine Essenskarte beim Pförtner des Krankenhauses hinterlegt. Telefonisch erfuhr ich dann von meinem Betreuer alles weitere und ich wurde auch sofort zu einem gemütlichen Abendessen mit den IMCC-Betreuern und anderen ausländischen Studenten, die zu der Zeit in Kopenhagen waren, eingeladen. Der Kontakt mit den IMCC-Leuten, aber auch mit anderen dänischen Studenten von meiner Station, bestand während meines gesamten Aufenthaltes, so daß ich jede Menge Möglichkeiten hatte, die dänische Lebensart und das Studentenleben in Kopenhagen näher kennenzulernen.


FazitNach oben hoch

Ich hatte auf jeden Fall eine tolle Zeit in Kopenhagen. Einerseits habe ich in medizinischer Hinsicht viel gelernt, andererseits war auch noch reichlich Zeit, um viel von Kopenhagen und dem Rest der Insel zu sehen. Ganz nebenbei hatte ich dann auch noch die Chance, mein Dänisch zu verbessern, und das auf die wohl logischste und einfachste Art und Weise: einfach eine Zeitlang unter Dänen zu leben.

Kontaktadresse:

    Ortopædkirurgisk afdeling A
    Overlæge (=Chefarzt) Leif Berner Hansen
    Københavns Amts Sygehus i Glostrup
    Ndr. Ringvej 29
    2600 Glostrup

 
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