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Neues Weiterbildungssystem in England
Keine Jobs mehr auf der Insel? (aus Via medici 5/06)
Ann-Katrin Fritz
Viele junge Mediziner aus Deutschland sind in den letzten Jahren nach Großbritannien abgewandert. Kein Wunder: Die Briten haben ein sehr gutes Ausbildungssystem, wenig Hierarchie und zahlen gut. Doch jetzt droht ein Umschwung. Ein neues Weiterbildungssystem dürfte es künftig schwerer machen, auf der Insel einen Job zu ergattern. Ann-Katrin Fritz, Senior House Officer im West Suffolk Hospital, einer Lehrklinik der Uni Cambridge, berichtet aus England.
Übersicht

| MMC: Eiskalte Schauer | hoch |
MMC – diese drei Buchstaben jagen derzeit englischen Jungärzten eiskalte Schauer über die Rücken. MMC steht für Modernizing Medical Careers. Diese Institution soll die Facharztausbildung neu strukturieren und optimieren. In einem ersten Schritt auf
diesem Weg hat das MMC letztes Jahr die Two Year Foundation Schools gegründet. Hier überprüft ein educational supervisor regelmäßig, ob ein Berufseinsteiger die vorgeschriebenen Ausbildungsziele erreicht. Außerdem rotiert der Jungmediziner ähnlich
wie im deutschen PJ durch mehrere Fachbereiche, damit er sich ein breites Wissen aneignen kann.
Imkommenden Jahr beenden die ersten Absolventen ihre zwei Foundation Years (FY). Mit ihnen rollt eine MMC-„Reformwelle“, die das Weiterbildungssystem im Königreich grundlegend umkrempeln wird. Bisher haben sich die Senior House Officers (SHOs)
auf eigene Faust um Sechsmonatsposten beworben. Nach zwei bis drei Jahren machten sie dann ihre Examina bei den Royal Colleges. Danach konnten sie sich eine Rotationsstelle als Specialist Registrar suchen*.
Ab 1. August 2007 wird es keine SHOs, keine Specialist Registrars und keine Rotationen mehr geben. Foundation-School-Absolventen werden in ein zentral gesteuertes „run-through Specialist Training“ eintreten, das sie in sieben Jahren zum Facharzt führt. Das MMC
erhofft sich davon nicht nur eine bessere Ausbildung. Der Staat kann mit diesem Systen auch dafür sorgen, dass immer genau so viele Fachärzte ihre Ausbildung abschließen, wie gebraucht werden.
Mitte nächsten Jahres müssen sich alle Ärzte, die sich jetzt im FY2 befinden oder SHOs sind, neu für eine Specialist-Training-Stelle (ST) bewerben. Jetzt greift Panik um sich – verständlich angesichts der Tatsache, dass letztes Jahr die Konkurrenz unter den SHOs so
groß war, dass ein Drittel keine Stelle bekommen hat und deswegen als Locum arbeiten musste.
| Bewerbung im Netz | hoch |
Die Vergabe der ST-Stellen wird zentral organisiert. Für eine Stelle ab August 2007
muss man sich zwischen 22. Januar und 4. Februar 2007 auf www.mtas.nhs.uk bewerben. Dabei muss man zwei Fächer und zwei Regionen (Deaneries) angeben – also zum Beispiel Chirurgie und Notfallmedizin in London und der Eastern Deanery. Da sich über 30.000 Ärzte auf etwa 23.000 Stellen bewerben werden
und die Webseite auf diese Belastung nicht getestet wurde, sollte man seine Bewerbung sicherheitshalber möglichst früh abschicken. Kann man sich eine ST-Stelle sichern, wird man per E-Mail benachrichtigt. Darauf sollte man schnell reagieren: Wenn man nicht
binnen 48 Stunden zusagt, ist der Platz nämlich weg!
Hat man kein Glück, kann man an einer zweiten Runde teilnehmen, bei der auch FTSTA-Stellen (fixed term specialist training appointments) vergeben werden. Diese FTSTAs bieten zwar die Ausbildungsinhalte der ersten beiden ST-Stufen des run-through trainings.
Allerdings ist nicht die gesamte Fortbildung garantiert.
Für Bewerber aus dem europäischen Ausland** ist die zentrale Vergabe der Weiterbildungsplätze ein Nadelöhr. Hauptproblem ist, dass die ohnehin knappen Plätze bevorzugt an Briten vergeben werden. Erst dann kommen andere Europäer. Zudem strömen in Großbritannien immer mehr junge Ärzte auf den Arbeitsmarkt – unter anderem, weil neue medizinische Fakultäten gegründet wurden. Offensichtlich haben die Briten ihren Medizinermangel also erfolgreich bekämpft. Das ist erfreulich für das englische Gesundheitssystem – und schade für auswanderungswillige
Mitteleuropäer.
| Die Änderungen in Kürze | hoch |
Schon letztes Jahr wurde der PRHO („Preregistration House Officer“ bzw. „Junior House Officer“) durch das FY1 („Foundation Year“) und das erste Jahr „Senior House Officer“ (SHO) durch das FY2 ersetzt. Jetzt wird auch die Facharztweiterbildung neu geregelt:
Ab kommendem Jahr fällt der SHO völlig weg, ebenso wie die anschließende Zeit als
„Specialist Registrar“. Möchte man künftig Facharzt werden, muss man sich nach dem FY2
auf sogenannte ST-Stellen („Specialist Training Posts“) bewerben. Eine solche „run-through“-Stelle garantiert eine siebenjährige Ausbildung (ST1– ST7), an deren Ende man Facharzt ist. Schafft man den Einstieg in das ST-Programm nicht, kann man sich ersatzweise für einen FTSTA-Jahresvertrag („Fixed Term Specialist Training Appointments“)
bewerben. Das FTSTA bietet zwar Ausbildung auf ST1- und ST2-Level, führt aber nicht unbedingt zum Facharzt und kann in eine Ausbildungssackgasse münden. Alle derzeitigen „Specialist Registrars“ werden je nach Erfahrung in ST 3–7 einsortiert.
| Bewerbungen – wo, wann, wie? | hoch |
Facharztweiterbildungsstellen („Specialist Training“)
werden künftig alle über www.mtas.nhs.uk vergeben. Wer im August 2007 eine Stelle antreten möchte, muss sich hier zwischen 22. Januar und 4. Februar 2007 bewerben. Wer nicht dauerhaft in England bleiben will, kann weiterhin versuchen sogenannte „non-training“-Stellen – zum Beispiel als „Clinical Fellow“ oder „Staff Grade“ zu finden. Aktuelle Stellen stehen derzeit jeden Donnerstag unter www.bmjcareers.com. Auch unter www.jobs.nhs.uk kann man Stellen finden. Alternativ kann man sich auch an „Locum“-Agenturen wenden (z. B. www.jcj.co.uk), die zeitlich begrenzte Jobs (Einzelschichten bis zu mehreren Wochen) vermitteln. Allerdings verlangen diese oft NHS-Erfahrung oder eine Facharztausbildung. Wertvolle Infos rund ums Arbeiten im NHS bietet www.nhscareers.nhs.uk. Infos zum Projekt „Modernizing Medical Careers“ (MMC) findet man unter www.mmc.nhs.uk Noch mehr Infos zum Thema Arbeiten in England finden Sie unter www.bma.org.uk.
| Podcast und Infopaket England bei Via online | hoch |
Zu Via medici Ausgabe 5/06
Hörbeitrag (Podcast)
Via medici-Autor Dr. med. Horst Gross befragt Dr. med. Oliver Koch im Podcast der Via medici 5/06 zur Befürchtung, dass der Arbeitsmarkt in England in den nächsten Jahren enger werden könnte. Koch ist Sprecher der Deutsch-Englischen Ärztevereinigung e.V. und arbeitet als Senior house officer am University College Hospital of London.
Infopaket England
In unserem Infopaket England finden Sie auf 37 Seiten topaktuelle Tipps und Informationen über das Leben und Arbeiten als Famulant, PJler oder Assistenzarzt in Großbritannien! Eine Übersicht über die Inhalte gibt es hier:
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