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Erasmusjahr in Rennes
Medizinstudium in Frankreich (2004)
Veronika Weigl
Spätestens seit dem Film „auberge espagnol“ bzw. „Ein Jahr Barcelona“ kennen es alle, das Leben eines Erasmusstudenten – oder vielleicht doch nicht?!? Es lohnt sich auf jeden Fall, dies selbst einmal auszuprobieren, um die verschiedenen Facetten des Auslandstudiums zu entdecken, viele neue Erfahrungen zu sammeln und nach einem Jahr auf das eigene filmreife Jahr zurückzublicken.
Übersicht
Nach den ersten Vorbereitungen in Deutschland kann man irgendwann auch auf das Informationsmaterial aus Rennes hoffen, auch wenn dies eher sehr spät eintraf. Es lohnt sich, vorher schon einmal selbst einen Blick auf die Homepage der Uni zu werfen.
Das Studienjahr fängt in Frankreich je nach Studiengang im September oder Oktober an. Als Mediziner muss man sich auf einen Semesterbeginn Anfang September einstellen! (erstes Semester Sept. – Ende Januar, zweites : Februar - Ende Juni )
Zu Anfang ist natürlich viel Papierkram zu bewältigen und dabei steht die französische Bürokratie der deutschen vielleicht doch nichts nach, aber die Franzosen sind alle sehr hilfsbereit und freundlich, wenn man anfangs noch etwas stotternd nach Worten sucht.
Das meiste lässt dich dann vor Ort bestens regeln! Wenn man allerdings ein Zimmer schon sicher haben will, sollte man sich vorher selbst darum kümmern. Vor allem wenn man nicht in eines der Zimmer in der cité universitaire möchte, die sehr klein aber dafür billig sind und die hauptsächlich von den „étrangers“ bewohnt werden. Ansonsten wird dies am ersten Tag bei der Einteilung aller Erasmusstudenten der Medizin geregelt. WGs sind leider nicht so sehr unter den französischen Studenten verbreitet, private dafür aber teurere Studentenwohnheime bieten eine sehr gute Alternative und ermöglichen eher den Kontakt zu anderen französischen Studenten anderer Studiengänge. Zu all den verschiedenen Wohnmöglichkeiten gibt es ein Informationsheft des CROUS.
Die Mieten sind im allgemeinen erheblich teurer als in Deutschland und oft ist die Elektrizität noch extra zu zahlen. Allerdings gibt es in Frankreich auch für ausländische Studenten vom Staat Wohngeld das nicht unerheblich ist und von der CAF (caisse allocations familiales) genehmigt wird. Der Antrag kann beim CROUS eingereicht werden - ein französisches Konto müsst ihr allerdings davor eröffnen. Die Banken verlangen zum Teil hohe Gebühren zur Schließung des Kontos am Ende des Jahres, deswegen ist es ratsam sich genau zu erkundigen. Ich hatte ein Konto bei der BNP, das im ersten Jahr kostenlos ist.
Die Einschreibung an der Uni erfolgt in der scolarité – dafür benötigt man den Auslandskrankenschein E111 oder E128, Fotokopie des Studentenausweises der Heimatuniversität, 3 Passbilder (von denen braucht man einige am Anfang....), ca. 8 Euro.
Soweit ich es in Erfahrung bringen konnte, ist man Im Gegensatz zu den französischen Studenten nicht am Krankenhaus direkt versichert. Somit sollte man lieber, da man täglich in der Klinik arbeitet, eine Versicherung abschließen, wie sie für Famulaturen oder PJ im Ausland angeboten wird.
Carte de séjour: in der préfecture zu beantragen (nicht eilig...). Ich wurde selber nie danach gefragt, sie ist aber auf jeden Fall erforderlich wenn man nebenher jobben möchte und ein Muss für jeden, der länger als 3 Monate in Frankreich lebt. Um stundenlanges Warten zu verhindern, kann man einen Termin im Internet festsetzen. Adresse s.u. – auf der Homepage findet man auch die Liste aller Dokumente, die man benötigt.
| Nun aber zu Interessanterem..... | hoch |
Die Einteilung in die verschiedenen „pôles“, erfolgt beim ersten Treffen mit M. Catheline.
In jedem Halbjahr kann ein „pôle“ ausgewählt werden. In den einzelnen Fächern dieser „pôles“ ist man dann vormittags als „externes“ im „stage“ auf Station und hat nachmittags Unterricht in Kleingruppen, wo Klinikfälle besprochen werden. Einmal wöchentlich gibt es dann noch ein ergänzende Vorlesung, so wie man es aus Deutschland kennt. Außerdem müssen die französischen Studenten in einigen Fachdisziplinen Nachtdienste machen, die bezahlt und verpflichtend sind. Ob bezahlt oder nicht – es lohnt sich immer, denn dabei lernt man am meisten und wird gut von einem Internen (Assistenzarzt) angeleitet. Und oft darf man die ersten kleinen Wunden nähen oder mal gipsen. Auch wenn die Notaufnahme am Anfang erschreckend voll und chaotisch ist, keine Sorge, alle sind sehr freundlich und verständnisvoll.
Folgende „pôles“ können im 5./6. Jahr gewählt werden:
| | - | Kardiologie, Pneumologie, Dermatologie, Endokrinologie |
| | - | Neurologie, Psychiatrie, HNO, Augenheilkunde, Orthopädie, Rheumatologie, Physiologie |
| | - | Hämatologie, Onkologie, Hepatologie, Gastro-Enterologie, Urologie, Nephrologie |
Andere Fächer die man nicht mit den „pôles“ belegt hat, kann man zusätzlich durch „consultations“ (Sprechstunde) am Nachmittag machen. Somit verliert man im allgemeinen kein Semester durch das Auslandsstudium und kann alle Scheine wie in Deutschland machen.
Für die „stages“ ist Mme Le Boulicaut zuständig und verwaltet alle Erasmusunterlagen.
Von der Uni Rennes 2 wird für Erasmusstudenten ein Sprachkurs angeboten, der allerdings für Studenten der Uni Rennes 1 ca. 230 Euro kostet. Es gibt einen 2-wöchigen Intensivkurs gleich Anfang September und dann jeweils in jedem Semester einen Kurs 2x pro Woche. Mit schon vorhandenen Sprachkenntnissen und einem Wörterbuch für die medizinische Fachsprache (Der „Unseld“ ist nicht zu empfehlen! Das, was man sucht, findet man nicht!) kann man aber den Sprung ins kalte Wasser wagen und gleich mit dem „stage“ anfangen – learning by doing – und nach einem Monat geht’s es schon viel besser....
Ich habe als ich nach den ersten 2 Monaten des Einlebens und Organisierens an einen Sprachkurs des „Institut Langue et Communication“ teilgenommen, den ich weiterempfehlen kann, da in sehr kleinen Gruppen sehr intensiv und effektiv Grammatik und Schriftsprache geübt werden.
Rennes und die Bretagne haben viel zu bieten. Das Meer und schöne Strände sind nicht weit entfernt und ob St. Malo, Dinard, Dinan oder Nantes, Fougère, Vitré... jede Stadt hat ihren eigenen Charme und ist einen Ausflug wert.
Auch kulturell lässt sich in Rennes für jeden Geschmack etwas finden: Festivals (les transmusicales im Herbst, fete de la musique,...), Pubs, nette Cafés, Restaurants aller Weltküchen, Kino, Theater,... Die Oper mit einem sehr guten Programm kann ich jedem Musikbegeisterten empfehlen (die „Happy hours“ als kleinen Musikhappen) ebenso wie das Orchestre de Bretagne (abonnement jeune).
Oder einfach nur im „Parc du Thabor“ mit einem guten Buch in der Sonne sitzen, die Blumenpracht bewundern, durch die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern bummeln,...
Ein absolutes Muss ist der marché am Samstag Vormittag am place des lices, dort die typischen „galette saucisse“ oder einen crêpes essen....
In Rennes geht ein Jahr viel zu schnell vorbei und es fällt schwer dieser liebenswerten kleinen Stadt nach einem Jahr den Rücken zuzukehren!
Ich wünsche allen, die die Möglichkeit haben, dort einen Teil ihres Studiums zu verbringen eine so wunderschöne Zeit, wie ich sie hier hatte!
Faculté de médecine
Avenue du Pr Léon Bernard
35043 RENNES CEDEX
Téléphone : (33) 02.23.23.44.20
Fax : (33) 02.23.23.49.75
M. Catheline (coordinateur Erasmus)
Téléphone : (33) 02.23.23.46.13
Fax : (33) 02.23.23.46.07
michel.catheline@univ-rennes1.fr
Mme Le Boulicaut (bureau des stages)
Téléphone : (33) 02.23.23.49.61
annick.le-boulicaut@univ-rennes1.fr
CROUS
http://www.crous-rennes.fr
Scolarité
Ouverture du lundi au vendredi 9h00 - 11h30 13h - 15h30
Préfecture d'Ille-et-vilaine
2, avenue de la Préfecture 35000 Rennes Tel : 33 - (0)2.99.02.82.22 (Bus n°16 - départ de République Arrêt : Beauregard)
http://www.bretagne.pref.gouv.fr/Accueil.htm
Sprachkurs am Institut Langue et Communication
http://www.fle.fr/lc
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