|
|
 |
Famulatur in Waterford/Irland
Sommer 2001
Heidi Panter
Gegen Ende meines Studiums wollte ich gerne noch eine Famulatur im englischsprachigen Ausland machen, ich habe mich schließlich für Irland entschieden, weil ich gelesen hatte, dass es dort ein ähnlich gutes "bedside teaching" gibt wie in Großbritannien, und dass das Land und die Leute auf jeden Fall eine Reise wert seien.
Übersicht
Anfang März habe ich mich bei 5 irischen Krankenhäusern im ganzen Land für eine Famulatur im August beworben. Das Bewerbungsschreiben mit Lebenslauf hatte ich allgemein an die Krankenhäuser gerichtet, um mir zwischen verschiedenen Fachgebieten noch Alternativen offen zu halten. Schon wenige Tage später bekam ich eine Zu- und eine Absage. Die Zusage war allerdings aus einem Krankenhaus in einem kleinen Ort im Nordwesten des Landes, wo ich nicht unbedingt hin wollte. Etwa einen Monat später bekam ich dann auch Post von einem Internisten des Waterford Regional Hospitals, der mir mitteilte, dass ich leider nicht bei ihm famulieren könne, da er im August im Urlaub sei, er meine Bewerbung aber an einen Kollegen weitergegeben habe, der sich bei mir melden werde. Nachdem ich nach einem weiteren Monat immer noch nichts weiteres gehört hatte, habe ich nochmals telefonisch nachgefragt. Am Telefon teilte mir dann eine Sekretärin mit, dass ich in der Inneren mit Schwerpunkt Kardiologie famulieren könne. Aber erst nach vielen weiteren Anfragen und viel Zeit bekam ich ca. 2 Wochen vor Abreise auch eine schriftliche Zusage. Die anderen Krankenhäuser haben mir überhaupt nicht geantwortet.
Vom Krankenhaus wurde mir auch auf mehrfache Nachfrage gesagt, dass sie mir keine Unterkunft vermitteln könnten und auch die ortsansässige Zimmervermittlung konnte mir nur ein Zimmer anbieten, das ca. 1250 DM für vier Wochen gekostet hätte. Durch Zufall habe ich dann per Internet ein privates Zimmer ganz in der Nähe des Krankenhauses für ca. 500 DM für den Monat gefunden. Als ich allerdings vor Ort war stellte sich heraus, dass es doch ein Haus des Krankenhauses gab, in dem dann auch eine andere deutsche Famulantin wohnen konnte, die ohne eine feste Unterkunft zu haben in Waterford angekommen war. Das Haus war zwar sehr vernachlässigt, aber es war nur fünf Gehminuten vom Krankenhaus entfernt, mit allem Nötigen ausgerüstet und für die Famulantin kostenlos.
| Das Krankenhaus | hoch |
Das Krankenhaus verfügt über 470 Betten und fast alle Fachabteilungen. Die Ärzte sind immer in Teams eingeteilt mit durchschnittlich vier bis fünf Ärzten, die je von einem Consultant geleitet werden. Die Teams sind meist sehr international zusammengestellt und bestehen zu bestimmt zwei Dritteln aus Ausländern.
| Der Klinikalltag | hoch |
Mein Arbeitstag begann morgens um neun Uhr mit der Visite des gesamten Teams auf der kardiologischen Intensivstation. Montags, Mittwochs und Freitags schloss sich daran eine große Visite bei allen unseren Patienten an, das waren meist zwischen 20 und 30. Die Patienten liegen auf vielen verschiedenen Stationen verteilt, so dass man durch das ganze Haus über mindestens sieben oder acht Stationen gehen muss. Die Patientenzimmer waren für mich auch sehr gewöhnungsbedürftig, weil es fast nur grosse Krankensäle mit sechs bis sieben Betten gab, wo Frauen und Männer alle zusammen lagen.. Die Visite dauerte meist den ganzen Vormittag. Während der Visite wurden alle Studenten oft dazu angehalten, bei Patienten selbst auch auf Herz und Lunge zu hören, wenn es sich um charakteristische Krankheitsbilder handelte. Dienstags ist Ambulanztag, da widmen sich die Ärzte nach nur kurzer Visite den ganzen Vormittag den Outpatients. Auch dort konnte ich immer mal wieder Patienten mituntersuchen. Donnerstags findet der Journal-Club statt, wobei immer zwei Ärzte neu veröffentlichte Artikel vorstellen müssen. Nachmittags werden dann die Stationsarbeiten durchgeführt. Dazu gehören nochmalige Untersuchungen, Belastungs-EKGs, Veranlassung weiterer Untersuchungen, Gespräche mit Patienten und Angehörigen, und vieles mehr.
| Die Betreuung der Studenten | hoch |
Außer mir als Famulantin waren meinem Team oft wochenweise noch amerikanische Medizinstudenten zugeteilt, die ein Jahr ihrer Ausbildung in Irland absolvieren. Diese hatten nachmittags teilweise Tutorien bei verschiedenen Ärzten, an denen ich dann auch teilnehmen konnte. Dabei wurden Krankheitsbilder und Untersuchungstechniken theoretisch oder manchmal auch direkt am Krankenbett durchgesprochen. Ansonsten war es mir meist selbst überlassen, was ich nach der Visite tat. Die Ärzte zeigten mir öfters Patienten mit interessanten Krankheitsbildern, bei denen ich dann nochmals selbst eine Anamnese und eine körperliche Untersuchung vornehmen konnte. Außerdem stand mir auch jederzeit die Bibliothek mit vielen Fachbüchern und Computern mit Internetzugang offen.
| Die Unterschiede zu deutschen Kliniken | hoch |
Insgesamt wird in Irland noch mehr Wert auf einfache Untersuchungstechniken wie Inspektion, Palpation und Auskultation gelegt und technische Methoden wie z.B. CT, MRT und Herzkatheter werden seltener als in Deutschland zur Diagnostik hinzugezogen. An praktischen oder produktiven Tätigkeiten konnte ich als Famulantin leider nicht viel machen, aber die Ärzte waren immer freundlich und meist bereit mir Fragen zu beantworten und vieles zu erklären. Die Ärzte sind im Krankenhaus immer sehr gut gekleidet. Keiner trägt weiße Klamotten mit Birkenstocks oder Jeans, wie es in Deutschland üblich ist, die Männer tragen alle Hemd mit Krawatte.
Um mich sprachlich auf die Famulatur vorzubereiten, hatte ich im Semester vor der Famulatur einen Englischkurs für Mediziner besucht, von dem ich auch profitieren konnte. Außerdem gibt es sehr gute Bücher mit speziellen Vokabeln und Krankengeschichten in englischer Sprache. Zwar habe ich bei Weitem nicht alles verstanden, aber meist genug, um zu begreifen, worum es ging und es nahm einem auch keiner übel, wenn man öfter mal nachfragen musste.
| Waterford und Umgebung | hoch |
Obwohl Waterford zu den größten Städten Irlands gehört, ist es mit seinen etwas mehr als 40 000 Einwohnern eher eine Kleinstadt. Die Stadt ist aber sehr schön, sie liegt direkt am Fluss Suir, hat eine kleine Fußgängerzone, viele schöne Pubs (die irischen Pubs sind wirklich klasse, vor allem wenn auch noch Livemusik gespielt wird) und bis zum Meer mit dem wunderschönen Fischerdorf Dunmore East sind es mit dem Bus auch nur ca. 20 Minuten zu fahren. Außerdem soll der Südosten angeblich eine der regenärmsten Regionen Irlands sein. Im Anschluss an meine Famulatur bin ich noch eine Woche an der Westküste entlang gefahren, wo die Landschaft einfach unglaublich schön und beeindruckend ist.
| Reisen mit dem Bus | hoch |
In Irland ist das Busnetz auch für Fernstrecken sehr gut ausgebaut, so dass man damit ganz gut durchs Land kommt. Für Studenten gibt es auch Vergünstigungen, wenn man einen internationalen Studentenausweis mit einer sogenannten Travelsave Stamp hat, diese kann man in Deutschland für 25 DM in usit-Reisbüros oder in Irland für 8 Pfund kaufen. Insgesamt ist Irland ein sehr teures Land, auch gerade was Lebensmittel betrifft.
| Ich bin sehr froh, dass ich in Irland war! | hoch |
Für mich war die Famulatur in Irland eine einzigartige Erfahrung. Auch wenn ich in einem deutschen Krankenhaus, vor allem vom Praktischen her, bei einer Famulatur wahrscheinlich mehr gelernt hätte, bin ich sehr froh, dass ich in Irland war, wo ich außerdem noch viele sehr nette Menschen und ein wunderschönes Land kennengelernt habe.
Internetadresse mit Adressen irischer Krankenhäuser:
http://www.imd.ie/hosindx.htm
http://www.irland-die-gruene-insel.de/Gesundheit/Krankenhaeuser.htm
Andere sinnvolle Internetadressen:
http://www.irland.de
http://www.irland-urlaub.de
http://www.ireland.com
Die irische Fremdenverkehrszentrale verschickt auch kostenlos viele gute Prospekte:
Untermainanlage 7 60329 Frankfurt/Main Tel.: 069/66800950
info@irishtouristboard.de
| |
| Neue Auslandsberichte |
Italien
Da es in Italien nur wenig Praxis gibt, helfen sich die Studenten selbst.
mehr >>
Famulatur
Sabreen Mkalaluh erzählt, was sie auf der Kardiologie in Bremen erlebt hat.
mehr >>
Ausland
Tillmann Gothner verbrachte seine Famulatur auf Barbados und ist begeistert.
mehr >>
PJ in Namibia
Vier Monate im Katutura State Hospital in Windhoek
mehr >>
|
|
|