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| Meine Eindrücke zur politischen Situation in Jerusalem |
Im Sommer 2000 habe ich eine vierwöchige Famulatur in Jerusalem gemacht.
Der Friedensprozess und die Vorbereitungen für einen palästinensischen Staat waren noch in vollem Gange. Unter den Studenten im Wohnheim wurde offen darüber gesprochen und hoffnungsvoll erwarteten die arabischen Studenten die Ausrufung ihres Staates.
Nach längeren Gesprächen enthüllte sich jedoch sowohl unter jüdischen als auch arabischen Studenten eine nur geringe Akzeptanz für den anderen. Dennoch war die Stimmung optimistisch und besonders arabische Studenten sehnten sich danach, dass das vernachlässigte und in der Geldverteilung benachteiligte arabische Ausbildungssystem verbessert würde.
An meinem letzten Tag im ER fielen die Schüsse am Tempelberg und der international lang vorbereitete Friedensprozess schmolz zunehmend dahin. Im Anschluss an die Famulatur verbrachte ich trotz Unruhen noch zwei Wochen Urlaub in Israel und hatte dadurch die Möglichkeit meine Kontakte aufrecht zu erhalten. Es war sehr ernüchternd zu hören und zu sehen, wie sich beide Seiten stur stellten und einen gewaltvollen Konflikt einer friedlichen Lösung vorzogen.
In vielen Medien bis zu Prostaktionen von einzelnen wurde versucht, den anderen zu beleidigen und zu provozieren.Ich hatte zeitweise das Gefühl, dass es wohl keinen anderen Staat gibt, indem eine Gruppe so gut weiß, wie sie eine andere verärgern kann.
Erstaunlich aber auch, wie nüchtern Araber und Juden die erneuten Auseinandersetzungen betrachteten, so waren sie es doch gewohnt wie zu Zeiten der Intifada zu leben und hatten wesentlich weniger Hoffnungen in einen Frieden gesteckt wie die westliche Welt. Diese wiederum, so schien es mir, schilderten die Unruhen weit dramatischer und ausgedehnter als ich sie vor Ort wahrnehmen konnte.
Durch Freundschaften zu beiden Seiten bin ich davon abgekommen, von einer einfachen und schnellen Lösung des Problems zu träumen. Vielmehr wurde mir bewusst, dass die Konflikte zwischen Juden und Arabern eher einem großen Mosaik, welches häufig im Land unter dem Sand zwischen uralten Mauerresten Stein für Stein freigelegt wird. Es ist schwer die Ausdehnung und Komplexität zu verstehen und nochmals schwieriger eine Lösung dafür zu finden.
| Famulaturbericht |
Die Bewerbung
Beworben habe ich mich über den DFA (Deutscher Famulanten Austausch) für zunächst acht Wochen, welche jedoch dann aufgrund der hohen Bewerberzahlen auf vier Wochen gekürzt wurden. Vor Ort habe ich von Kommilitonen mitbekommen, dass eine Bewerbung direkt bei dem Austauschbüro dort über einen einzigen Brief möglich ist und somit wesentlich weniger Aufwand bei ungefähr gleichen Kosten gegenüber einer Bewerbung über den DFA bietet.
Ich gebe daher gerne die Adresse des Ausstauschbüros bekannt:
Formalitäten
Das Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem ist ein Haus der Vollversorgung. Es ist ausführlich beschrieben im Web unter:
Aus der Vielzahl an Abteilungen suchte ich mir die Notaufnahmestation (ER) mit 30 Liegen aus. Für selbständige Tätigkeiten, wie Blut abnehmen, Labor anfordern oder Anamnese erheben ist der Nachweis einer Berufshaftplichtversicherung zwingend.
Für die Kleidung im Krankenhaus, wie auch für einen befristeten Studentenausweis, mit dem die Nutzung der Bibliothek und des Internets ermöglicht wurde, sorgte das Austauschbüro.
Unterkunft
Studiengebühren wurden keine erhoben und durch die Unterkunft im 300 Meter entfernten Studentenwohnheim konnte die Station gut zu Fuß erreicht werden. Da das Krankenhaus jedoch am Rande der Stadt neben dem Dörfchen Ein Kerem liegt, ist man auf das gut ausgebaute Busnetz angewiesen. Dieses ruht jedoch am Shabath also von Freitag 16:00 pm bis Samstag 19:00 pm, was bei der Wochenendplanung nicht vergessen werden sollte.
Verpflegung
Für die Verpflegung musste ich selber sorgen, was mit Pita und Humus aus dem Mini-Supermarkt des Wohnheims nach zwei Wochen sicher zu Gewichtsverlusst führt. In der Mensa/Kantine kostete das Essen zwischen 10 und 20 Mark!
Der Tagesablauf
Mein Tagesablauf begann um 8 Uhr morgens mit der Chefvisite und endete mit derselben um 4 Uhr nachmittags im ER. Leider wurde nicht englisch, sondern fast ausschließlich hebräisch oder russisch gesprochen. Erst nachdem ein Arzt amerikanischen Ursprungs aus dem Urlaub zurückkam, hatte ich die Möglichkeit auch Anamnesen und Untersuchungen durchführen zu dürfen. Bis dahin hielt ich mich an eine Krankenschwester, die sich die größte Mühe gab mit gebrochenem Englisch mir wenigstens das Notdürftigste zu erklären.
Obwohl ich einen dreimonatigen Hebräisch-Kurs an der Uni in Deutschland belegt habe, konnte ich damit nur wenig verstehen und rate daher davon ab, ohne gute Hebräisch- oder Russischkenntnisse eine Famulatur dort zu machen.
In den Genuss von guter Lehre am Patienten kam ich nur selten, wobei mir viel Freiheit in der Gestaltung meiner Zeit überlassen wurde. Dies nutzte ich, um auch über das ER hinaus mich an englischsprechenden und gut lehrenden Ärzten zu orientieren.
Generell gibt es jedoch einen bedeutenden Unterschied in der Organisation von Arbeitsabläufen. Was in Deutschland als Unordnung oder Chaos gilt, wäre dort noch die Ordnung pur. Zu Beginn dachte ich daher, wie soll das nur werden bei diesem Balagan(Chaos). Ich wurde jedoch überrascht, denn die Menschen dort haben eine Eigenschaft, die in Deutschland wenig zu finden ist, mit der sie das Chaos hervorragend bändigen: die Improvisation!
Freizeit
In meiner Freizeit ging ich gerne nach Jerusalem, an das tote Meer, Bethlehem oder querfeldein zwischen Dörfern wandern. Dies war besonders schön und vermittelte mir viele wertvolle Eindrücke über Land und Leute. Im anschließenden Urlaub habe ich durch verschiedene Wadi-Wanderungen, Wüstencamps, durch die Besichtigung abenteuerlich anmutender Ausgrabungsstätten, wie Massada die Vielfalt und Schönheit der Natur dort schätzen gelernt.
Fazit
Eine Famulatur in Israel würde ich sicherlich wieder machen, jedoch nicht ohne zuvor fließend hebräisch zu können.
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