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Artikel vom 20. 02. 2004

Famulaturbericht Catania, Sizilien

S. Luigi / Università di Catania, 1.8.-31.8.03 mit dem DFA

Magdalena Hagn, LMU München, 8. Semester

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Übersicht


MotivationNach oben hoch

Da ich bereits ein Jahr in Rom Medizin studiert hatte, wollte ich im Sommer des gleichen Jahres noch eine Famulatur anhängen, um meine erworbenen Kenntnisse im medizinischen und auch sprachlichen Bereich zu erweitern. Ich hatte mich für Sizilien entschieden, da ich nach Rom auch noch einen anderen Teil Italiens besser kennen lernen wollte und mich speziell für Catania beworben, da ich einige sizilianische Freunde habe, die mir dazu geraten haben.

Catania leert sich nicht so stark wie viele andere italienische Großstädte im August, da die Einheimischen der Hitze ans Meer entfliehen. Da Catania direkt am Meer liegt und jenes von der Stadt leicht und schnell und das sogar zu Fuß erreichbar ist (was in Palermo nicht so ist), bleiben viele Catanesen dort und es kommen sogar Touristen.

Ich hatte mir sehr viel erwartet von der Famulatur – wobei wohl mehr der Wunsch der Vater der Gedanken war, da mir durchaus klar war, dass in Italien im August nicht gearbeitet wird, überraschenderweise scheinen sogar die Kranken im Urlaub zu sein. In Italien wird man im August nicht krank oder lässt sich nur operieren, wenn es ein Notfall ist. Trotzdem war ich hochmotiviert und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt...


VorbereitungNach oben hoch

Da ich schon ein Jahr in Italien studiert hatte, war meine Vorbereitung nicht so speziell. Ich hatte mich mit der italienischen Kultur, Lebensweise, Politik und Sprache schon 10 Monate im Land selbst auseinandergesetzt und fühlte mich durchaus bereit, mich in den sizilianischen Sommer zu stürzen. Natürlich habe ich mir viele Gedanken gemacht und mich in langen Gesprächen mit meinen sizilianischen Freunden informiert. Da ich auch schon vor 4 Jahren mal Urlaub auf Sizilien gemacht hatte, war meiner Meinung nach keine weitere Vorbereitung notwendig.


Fachliche EindrückeNach oben hoch

Meine Enttäuschung war wohl aufgrund meiner (zu?) hohen Erwartungen ziemlich groß. Wir wurden erst nach ca. 1 Woche auf den Stationen eingeteilt, was den meisten der 40 anderen Studenten nichts ausgemacht hat. Denn draußen waren 40 Grad Hitze und alle wollten natürlich lieber ans Meer. Mein Bericht oder meine Sichtweise ist sicher nicht repräsentativ für die Gruppe, aber gerade das hat mich in den 4 Wochen einige Nerven und mindestens 3 Monate meines Lebens gekostet...

Doch zurück zum Krankenhaus: ich wollte gerne auf die Chirurgie, die aber leider nach 3 Tagen wegen Sommerpause geschlossen worden ist und ich somit eigentlich keine Aufgabe mehr hatte. Den meisten anderen ging es genauso, da aber kein Druck da war, ins Krankenhaus zu gehen, ist bis auf einige Ausnahmen auch keiner mehr gegangen. Da ich ja gut Italienisch spreche, habe ich per Zufall den Chefarzt der Kardiologie kennen gelernt, der mich dann auf seiner Station „aufgenommen“ hat. Leider war auch dort nicht viel zu tun, manchmal kam gar kein Patient und ich musste feststellen, dass besagter Chefarzt wohl auch andere Dinge mit mir im Kopf hatte, als mir nur die Kardiologie näher zu bringen.

Ich habe ein paar Anamnesen gemacht, EKGs und bei Herzechos zugesehen. Sonst haben wir Kaffee getrunken und geratscht. Die 3 Tage im OP habe ich zugesehen – eine Thyroidektomie und 2 Bauch-Ops. An Haken halten, nähen oder andere Sachen ist sowieso nicht zu denken. Die letzte Woche sollte ich wieder auf die Chirurgie gehen, aber als ich nach dem dritten Anlauf wieder mit den Worten „Schätzchen, leg´ Dich ans Meer“ weg geschickt worden bin, habe ich erstens die Lust verloren und zweitens einen Tobsuchtsanfall unterdrücken müssen, da ich KEINE UND ÜBERHAUPT KEINE Lust mehr hatte, mich ans Meer zu legen. So bin ich die letzten Tage wieder zurück in die Kardiologie mit gewohntem Standardprogramm.


SprachproblemeNach oben hoch

Hatte ich keine, da ich ja schon gut Italienisch gesprochen habe. Ich hatte sie eher mit der Gruppe – zu meiner großen Überraschung waren wir nur drei, die tatsächlich Italienisch konnten. Meine Verwirrung war sehr groß, da ich oft dolmetschen musste, auch im Krankenhaus, was meiner Meinung nach alles sehr kompliziert und verzögert hat. Meiner Meinung nach geht es ohne Italienisch in Italien nicht, da kein Italiener wirklich Englisch spricht, auch im Krankenhaus nicht.


Beziehung zu den Gastgebern/BevölkerungNach oben hoch

Grundsätzlich muss ich sagen, dass die Sizilianer an sich ein sehr gastfreundliches Volk sind, sich rührend um uns gekümmert haben und ich viele neue Freunde dort gefunden habe und immer noch habe. Allerdings war es von manchen Personen zu gut gemeint und das Motto „Entweder alle oder keiner“ kann einem bei 40 Leuten das Leben schwer machen. Es wurde gewartet, gewartet, diskutiert und gewartet...

Da ich schon einige sizilianische Freunde hatte und diese auch besuchen wollte, war einer der „Organisatoren“ auch beleidigt, da ich an den angebotenen Ausflügen nicht teilnehmen wollte - auch deswegen, weil ich Sizilien zum großen Teil schon gesehen hatte und mir mein knappes Budget nicht erlaubt hat, trotzdem mitzufahren.

Eines abends als ich müde war und vom „Abendprogramm“ eher nach Hause gehen wollte, wurde mir gesagt, dass wenn ich jetzt gehen würde, bräuchte ich nicht denken, dass ich noch mal wohin mit dürfte, da ich ja nie mitkommen würde. Diese Person war zwar mit ihrer Meinung relativ alleine und von den anderen Ausländern oder Italienern wäre ich natürlich wegen solcher Gründe nie „ausgeschlossen“ worden, aber dafür hatte ich es ein wenig schwerer in den darauffolgenden Wochen, da es halt für mich dann keine „Gefallen oder Extrawürschte“ mehr gab. Das alles hat bei mir einen schlechten Nachgeschmack hinterlassen. Auch mit der Gruppe bin ich schlecht klar gekommen, da wahnsinnig viel Alkohol getrunken wurde, schon nachmittags mit Wodka und anderen harten Sachen, mit Wein oder Bier wurde sich schon gar nicht mehr abgegeben.


Medizinische Ausbildung im LandNach oben hoch

Da ich ja ein Jahr an der Sapienza in Rom studiert hatte, habe ich die medizinische Ausbildung selbst miterlebt (miterleben müssen?). Gerade an der Sapienza, welche die drittgrößte Uni der Welt ist, herrscht Chaos pur und keiner kennt sich aus. Ich denke, dass das in anderen Städten an anderen Unis anders sein kann, aber das Studium ist überall gleich aufgebaut und wahnsinnig theoretisch. Zwar sind alle Prüfungen mündlich, was meiner Meinung nach sinnvoll ist, jedoch kann der Student so lange die Note verweigern und die Prüfung wiederholen, bis er die ihm gerecht erscheinende Punktzahl erhält. Ich habe fast niemanden kennen gelernt, der eine Note weniger als 28 (max. 30) akzeptiert hätte. Das verzögert das Studium und erschwert meiner Meinung nach hinterher die Auswahl, da ja alle im Prinzip gleich gut sind. Es wird wahnsinnig viel auswendig gelernt, die Lehre ist schlecht und der Student ist mehr oder weniger auf sich alleine gestellt und von Beziehungen, sog. „raccomandazioni“ abhängig. Wer die nicht hat, hat`s richtig schwer. So sehr ich Italien liebe, studieren möchte ich dort nicht mehr.


KulturNach oben hoch

Was die Kultur angeht – sie war es natürlich, die mich nach Italien hat kommen lassen. In Italien lebt es sich anders, das Essen ist wirklich besser, der Kaffee sowieso und das Wetter unschlagbar. Catania selbst hat leider kulturell wenig zu bieten, gerade im August, ein paar Konzerte und sonst nichts. Darüber war ich sehr enttäuscht und würde das nächste Mal trotz der Ratschläge meiner Freunde Palermo wählen.

Der italienische Mann ist eh´ schon so eine Sache, aber der Sizilianische übertrifft alles. Den leidenschaftlichen Liebhaber sollte man lieber gleich vergessen – auch Italiener sind nur Männer. Der Italiener redet gerne, der Sizilianer noch mehr. Haltet Euch an die Frauen, die sind zwar schwierig, aber wenn man sie mal überzeugt hat, dann können sie wirklich super Freundinnen sein.


UnterkunftNach oben hoch

Wir waren alle zusammen im ehemaligen „Hotel Costa“ untergebracht, das heute ein Studentenwohnheim ist. Meist in Doppelzimmern, mit wenigen Ausnahmen, die ein Einzelzimmer hatten. Es war sehr einfach, teilweise laut Aussage anderer sehr „runtergekommen“, aber mir persönlich hat es nicht besonders viel ausgemacht. Ein Leben lang möchte man dort nicht wohnen, aber ich fand es durchaus okay für den Monat. Außerdem lag es sehr zentral, in die Stadt konnte man in einer halben Stunde zu Fuß gehen, hatte die Metro vor der Tür und auch ca. 4 Busse, die einen überall hin gebracht haben. Zum Krankenhaus konnte ich jeden Tag zu Fuß gehen, da es in der Nähe war (S.Luigi).


KostenNach oben hoch

Die Unterkunft war frei, auch das Essen. Wir konnten von Montag bis Sonntag in der Mensa essen, jeweils mittags und abends. Um das Frühstück musste man sich selbst kümmern, dieses war allerdings in der Bar im Studentenheim sehr billig zu bekommen (Cappuccino und Hörnchen 1 Euro 20). Ansonsten sind die Lebenshaltungskosten auf Sizilien relativ gering, man kann mit sehr wenig auskommen. Die organisierten Ausflüge haben mal mehr mal weniger gekostet, je nachdem wohin, zwischen 5 und 40 Euro.


FazitNach oben hoch

Sizilien ist sehr schön und hat viel zu bieten, Einwohner wie Natur, aber ich würde das nächste Mal Palermo wählen. Wenn ich medizinisch etwas lernen wollte, dann gar nicht mehr (zumindest nicht im August) nach Italien gehen und schon erst recht nicht, wenn man nicht die Sprache spricht. Ich habe viel über mich gelernt: Mit meiner „Langeweile“ umzugehen, da Catania für meine Interessen kaum was zu bieten hat, denn ich liege nicht gerne am Strand. Und ich habe erfahren, wie es sein kann, wenn man wirklich nichts zu tun hat. Trotzdem bereue ich es nicht, denn irgendwie hat alles im Leben einen Sinn.


 
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