Aktuelles

Medizinstudium

Prüfung

Lernen

Bücher/Medien

Schüler

Arzt im Beruf

Bewerbung

Hippocampus

Mitmachen

Linkliste

Foren

Weblogs

Audio/Video

Newsletter

Kontakt

Shop: Prometheus Welt

Kooperationen



  Home
   

Famulatur in Messina, Sizilien

Nicola Mindermann

Übersicht


VorbereitungNach oben hoch

Motivation für die Famulatur in diesem Land: Ich wollte möglichst viele Famulaturen im Ausland gestalten. Mit dem Gedanken an eine Famulatur in Italien hatte ich schon länger gespielt, ihn jedoch aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse wieder verworfen. Italien interessierte mich nicht nur als Reiseland, sondern auch wegen der unterschiedlichen Arbeitsweise. Bei der Planung einer Famulatur in Malta erfuhr ich von der Möglichkeit, nach Italien mit Englischkenntnissen zu gehen und bewarb mich im März beim DFA für Perugia.

Ich beschloss einen Anfängerkurs in Italienisch an der Universität Freiburg zu besuchen. Außerdem las ich verschiedene Famulaturberichte über Italien und Sizilien. Bei einem einwöchigem Aufenthalt über Ostern in Taormina lernte ich Sizilien erstmals kennen: Beeindruckt von der Schönheit der Insel sagte ich zu, als ich einen Famulaturplatz in Messina angeboten bekam. Und das, obwohl ich gelesen hatte, dass Studentinnen in Palermo bei strengen Nonnen untergebracht waren und Messina die hässlichste Stadt Siziliens sein sollte. Von einer Kommilitonin erhielt ich den Hinweis, dass die Uniklinik von Messina in Italien einen guten Ruf hätte. Vor der Abreise besorgte ich mir noch einen Reiseführer über Sizilien, der sich bei diversen Ausflügen als recht nützlich erwies.


Sprachprobleme, fachliche Eindrücke, TätigkeitsbeschreibungNach oben hoch

Alle 49 ausländischen Studenten, unter denen ich die einzige Deutsche war, konnten sich ihren Fachbereich im Universitätskrankenhaus selbst aussuchen. Aufgrund mangelnder Italienischkenntnisse entschied ich mich für eine Famulatur in Chirurgie. Ich landete in der Allgemeinchirurgie, da es nur hier einen englischsprachigen Doktor gab. Außer mir waren aus demselben Grund noch 7 andere Famulantinnen auf der Station. Die Situation entspannte sich etwas, als wir herausfanden, dass auch die anderen Ärzte teilweise Englisch sprachen oder zumindest verstanden und sich nur ihrer schlechten Sprachkenntnisse schämten. Außerdem "poolten" wir unsere Italienischkenntnisse und konnten so nur italienischsprachige Ärzte auch begleiten. Die Patienten verstanden kein Englisch, sodass entweder die Ärzte übersetzten oder uns später etwas über die Patienten erzählten.

Alle Ärzte waren sehr freundlich und nahmen sich viel Zeit für uns. Dies lag sicherlich auch daran, dass aufgrund der einsetzenden Urlaubszeit ungefähr auf jeden Patienten ein Arzt kam. Außerdem hatten die Assistenzärzte nicht sehr viel zu tun, da sie bei Operationen höchstens Haken halten durften. Alle Operation wurden vom Chefarzt geleitet. Da es daher auch für uns kaum etwas zu tun gab, kamen wir morgens meist erst gegen 10.00 Uhr in die Klinik (nach einer 20minütigen Bustour) und verließen sie wieder gegen 12.00 Uhr nach der Chefvisite. Aus medizinischem Aspekt ist eine Famulatur in Sizilien sicherlich nicht allzu sehr zu empfehlen. Die medizinische Behandlung und die Krankenhaushygiene entspricht eher dem eines Dritte-Welt-Landes. Außerdem gab es viele Ärzte, die ihre Patienten nie angefasst haben. Der Respekt der Ärzte vor dem Patienten war gleich null. So bekam z.B. grundsätzlich keiner der Patienten seine Diagnose mitgeteilt! Man kann also eher lernen, wie man als Arzt nicht handeln sollte. Auch der OP-Saal war eine Attraktion für sich: Wir gingen dort in unserem weißen Kittel hinein, um bei Operationen zuzusehen. Lediglich eine Haube, einen Mundschutz und evtl. Überschuhe wurden uns gegeben. Der Mundschutz wurde jedoch aufgrund der Hitze im OP so schnell wie möglich beim Zunähen abgenommen. Einmal wurde uns die Ehre zuteil, Haken halten zu dürfen. Dafür wurde uns ein steriler Kittel über die normale Straßenkleidung angezogen. Allerdings erklärte der Chefarzt den Eingriff soweit es aufgrund der Sprachprobleme möglich war und auch Anfassen und Tasten war nicht verpönt.


Beziehungen und soziale KontakteNach oben hoch

Die italienische Fachschaft kümmerte sich sehr um uns: Daniela (die Repräsentantin der Fachschaft) holte z.B. jeden Famulanten einzeln vom Bahnhof ab. Sie organisierte mit viel Aufwand Wochenendausflüge in die nähere Umgebung und in eine Superdisco, sowie einige Strandparties. Einen Abend waren wir alle bei Daniela zu einem typisch sizilianischen Abend zu Hause eingeladen. Wir konnten unser schlechtes Gewissen erst dann etwas entlasten, als wir erfuhren, dass Daniela für ihre Bemühungen anscheinend bezahlt wird.

In Messina ist abends nicht viel los und so feierten wir oft unter uns. Da wir hauptsächlich weiblichen Geschlechts waren, viel es unseren Gastgeberinnen nicht schwer, einige männliche Begleiter bzw. Fahrer zu den Strandfeten zu finden. Nachdem Daniela für eine Famulatur ins Ausland abgeflogen war, unternahmen wir selber Ausflüge in Kleingruppen, z.B. übers Wochenende nach Palermo. Es war immer jemand da, an den wir uns bei Problemen wenden konnten.

Auch die Ärzte im Krankenhaus bemühten sich, uns ihre Insel zu zeigen. Die Sizilianer waren sehr freundlich und hilfsbereit, z.B. wenn wir nicht wussten, welchen Bus wir nehmen mussten. Ich hatte mich an eine Gruppe von Spanierinnen angeschlossen, und so wurde mir nicht nur die Herzlichkeit der Sizilianer sondern auch die der Spanier zuteil. Ich musste, um zum Flughafen zu kommen, mit dem Bus nach Catania (2Std.) fahren und wurde ganz selbstverständlich von Danielas Bruder mit zehn anderen Famulanten zum Bus gebracht und sogar noch von einer Spanierin nach Catania begleitet.


Gesundheitsversorgung und MedizinerausbildungNach oben hoch

Das italienische Krankenhaussystem basiert auf der Mitarbeit der Familie des Patienten. Nahezu rund um die Uhr und bei fast allen Untersuchungen ist ein Familienmitglied anwesend, das Auskünfte gibt, den Patienten wäscht, ihm das Bett macht, etc. Die Arbeit der Krankenschwestern ist vor allem die Verteilung von Medikamenten, die Blutentnahme und das Kümmern um die Vollständigkeit des Inhaltes der Stationsschränke.

Da auf meiner Station wahrscheinlich genauso viele Ärzte wie Patienten waren, blieb viel Zeit für ein Schwätzchen und die angenehmen Dinge, wie z.B. Kaffeetrinken. Die Ärzte waren viel mit organisatorischen Dingen beschäftigt und folgten alle der täglichen Chefarztvisite. Teilweise diskutierten sie mit mehreren über einen Patienten. Die tägliche Routine offenbarte sich uns jedoch nicht, wahrscheinlich weil wir einen zugeteilten Arzt hatten, der nur für uns zuständig war. Auffällig war, dass OPs nur an bestimmten Tagen stattfanden und alle vom Chefarzt persönlich durchgeführt worden. Für die Assistenzärzte bedeutet das, dass sie ihre Facharztausbildung hakenhaltend zubringen.


FazitNach oben hoch

Für alle, die diese Famulatur nur als Sommerurlaub verbringen wollten - und das waren die meisten- wurden sicherlich die Erwartungen mehr als erfüllt. Ich hatte mir vorher einige Famulaturberichte über Italien durchgelesen und hatte daher keine Illusionen über meine Aufgaben in der Klinik. Für mich war es ein nettes Sommercamp mit dem Vorteil, ein Land nicht nur als Tourist kennenzulernen, sondern auch von seiner alltäglichen medizinischen Seite. Der Kontakt zur Bevölkerung gestaltet sich so sehr viel intensiver. Die Gastfreundschaft der Sizilianer und das "internationale Flair" sind Erfahrungen, die ich nicht missen möchte und die mich sehr beeindruckt haben. Ich habe so nicht nur etwas über das italienische Gesundheitswesen, sondern auch etwas über die Medizin in einem anderen Ländern gelernt.

Das italienische Gesundheitssystem hat mich allerdings etwas schockiert. Das lag nicht so sehr an den fürchterlichen hygienischen Bedingungen, sondern daran, dass der Patient wie ein Mündel behandelt wird und jeglicher Respekt ihm gegenüber fehlt. So habe ich z.B. nachträglich erfahren, dass in der berühmten Mailänder Brustkrebs-Studie keine Patientin wusste, dass sie Brustkrebs hatte! Als Mediziner in Italien zu praktizieren wäre daher für mich undenkbar. Kontakte werden sicherlich weiterhin bestehen, nicht nur nach Italien, sondern über ganz Europa. Es war sehr eindrucksvoll so viele Studenten aus Europa und Brasilien zu treffen, die alle durch die Medizin verbunden waren. Hierdurch wurde mir die internationale Bedeutung unseres Berufes bewusst. Ich kann nur jedem empfehlen, die Erfahrungen eines Auslandaufenthaltes zu suchen. Unser Studium bietet einem die besten Gelegenheiten, so seinen Horizont zu erweitern. Oder wie ein amerikanischer Arzt es ausdrückte: "Die deutschen Medizinstudenten sind die freiesten der Welt!"


Kultur, Politik, WirtschaftNach oben hoch

Sicherlich kennt jeder die Vorurteile über mordende Mafia-Banden in Sizilien. Als Tourist oder Gast bekommt man davon jedoch nichts mit. Die Allgegenwart der Mafia wird höchstens präsent durch die Militärpolizei, die Gerichte und Polizeipräsidium bewacht. Gesprochen wird über die Mafia nie, es gehört sich einfach nicht als Tourist. Ansonsten vergeht sich an einem Touristen eher ein Dieb. Diebstahl wird jedoch auch durch die Mafia bekämpft, denn zuviel hält die Touristen fern, an denen sie sicherlich ordentlich mitverdient.

Für die Frauen sind da auch noch die feurigen sizilianischen Männer zu erwähnen, die einen auf Schritt und Blick mit ihren starren Blicken verfolgen. Guckt man zurück, wird einem zumindest ein "Ciao Bella" an den Kopf geworfen. Das schließt sämtliche Weiblichkeit (alt und hässlich) mit ein und wird selbst von Polizisten geäußert. Ganz daran gewöhnen konnte sich keine von uns, und so bleibt einem nur die Freude, beim Heimkommen wieder völlig ungeniert Männer ansehen zu können. Aber die sizilianische Gastfreundschaft entschädigt für vieles!

Sizilien ist eine wunderschöne Insel und gerade Kulturhungrige kommen hier sicherlich nicht zu kurz. Besonders Ausflüge nach Taormina und Palermo sind empfehlenswert. Die Lebensweise ist typisch italienisch und dazu gehört in Süditalien der völlig chaotische Verkehr und die nicht allzu sauberen Straßen. Die Menschen sind sehr offen gegenüber Ausländern und freuen sich, wenn sie mit ein paar Brocken auf italienisch angesprochen werden.


Praktische InfosNach oben hoch

Unterkunft (gratis!)

Casa della Studentessa (Studentinnenwohnheim) für alle (auch männlich!). Nur an Handtücher ist zu denken! Ansonsten ist es nicht sehr gepflegt und ziemlich dreckig.

Verpflegung (gratis!)

Frühstück in einer Bar (15 min Fußweg): Croissant und Cappuccino Mittag-/Abendessen im Self-Service-Restaurant (10 min Fußweg), Sonntags Pizzeria. Das Essen war ziemlich gut!

Verkehrsverbindungen in Messina

Restaurant und Bar sind gut zu Fuß zu erreichen, ebenso die Haupteinkaufsstraßen. Sonst fuhren wir mit dem Bus (Busticket wurde gestellt): Krankenhaus (20 min.), Strände (15-50 min.)

Verkehrsverbindungen in Sizilien

Für die meisten Ausflüge bevorzugten wir die blaue private Buslinie, die ungefähr genauso teuer wie die Bahn ist, aber pünktlicher und klimatisiert! Ab Messina gibt es gute Bus-/Bahnverbindungen innerhalb Siziliens und aufs Festland.

Adresse des Krankenhauses

    Policlinico Universitario of Messina
    Viale Gazzi
    98100 Messina
    Italien

Die Uni im Internet

   Externer Link http://www.unime.it

Die Adressen der medizinischen Abteilungen

   Externer Link http://www.unime.it/istituti/dipart.htm#MEDICINA


 
Land auswählen

Neue Auslandsberichte
 
Via Newsletter