Aktuelles

Medizinstudium

Prüfung

Lernen

Bücher/Medien

Schüler

Arzt im Beruf

Bewerbung

Hippocampus

Mitmachen

Linkliste

Foren

Weblogs

Audio/Video

Newsletter

Kontakt

Shop: Prometheus Welt

Kooperationen



  Home
   

Famulatur in Malaysia

Britischer Ausbildungsstandard! (Bericht von April 2004)

Andreas Fetzer (10. Semester, Göttingen)

"Immer nur schön links halten!" Noch oft wiederholen wir in Gedanken diesen Satz als wir uns auf klapprigen Leihrädern durch das dichte Verkehrsgewühl von Penang (Georgetown) zum ersten mal zum Lam Wah Ee Hospital durchkämpfen.

Übersicht


Die ersten EindrückeNach oben hoch

Zwanzig Minuten sind es von unserem einfachen, aber sauberen kleinen Hotel bis zum Krankenhaus. Zwanzig Minuten voller Lärm, Straßenstaub und Stress. Scheinbar chaotisch knattern um uns Horden lärmender Motorräder, werden wir im Zentimeterabstand von Autos, stinkenden Bussen und Lastwagen überholt. Die schwüle brütende Hitze Malaysias lässt den ständigen Feuchtigkeitsfilm auf der Haut über Bauch und Rücken zu kleinen Bächen zusammenfließen, ein Abgasgeschmack legt sich auf unsere Zungen und wir beginnen, das Blut in unseren Schläfen pochen zu spüren.
In den Gesichtern hinter den Motorradhelmen ist Interesse und Verwunderung über diese beiden schwitzenden Europäer zu lesen. Immer wieder kassieren wir freundlich aufmunternde, aber auch spöttische Bemerkungen.

Endlich leuchtet uns dann in einem merkwürdigen Kontrast das makellose Weiß des Krankenhauses hinter einem Vorplatz mit Löwenstatuen und gepflegtem englischen Rasen entgegen. Mit dem Prickeln freudig-erwartungsvoller Neugier auf der Haut und dem flauen Gefühl ängstlicher Unsicherheit im Bauch betreten wir die Eingangshalle.
Die klimatisierte Luft klatscht uns erst mal wie eine kalte Ohrfeige ins Gesicht. Schlagartig sind wir in eine völlig andere Welt eingetaucht: Wir blicken auf eine schicke Inneneinrichtung, die irgendwie amerikanisch anmutet. Hinter der "reception" sitzen freundlich lächelnde Damen. Auf den Gängen sehen wir geschäftig und bestimmt umhereilenden Schwestern mit Häubchen und beschürzten, saubergebügelten Trachten. Auf einmal wirkt die nur widerwillig in den Rucksack gepackte Krawatte nicht mehr deplaziert, und das dezente Kleid meiner Kommilitonin Feli erscheint völlig normal.


Aller Anfang ist schwer...Nach oben hoch

An der "reception" gilt es die erste Hürde zu nehmen. Unser Fax mit der Mitteilung, dass wir erst zwei Tage später als angekündigt erscheinen können, ist nicht angekommen. Niemand weiß so recht über uns Bescheid. Im Stillen bin ich für Felis fließendes Englisch dankbar, mit dem sie die Situation meistert. Nach ein paar "phone calls" ist die Sachlage geklärt. Eine Sekretärin in hübscher Uniform empfängt uns und beginnt ein nettes Plaudergespräch, in dem sich meine verknotete Zunge zaghaft zu lösen beginnt.


Das "teaching" wird großgeschriebenNach oben hoch

Nachdem uns die Sekretärin augenzwinkernd einen Sightseeing-Prospekt zugesteckt hat, werden wir unseren "consultants" vorgestellt. Außer den Wachposten am Eingang sind dies die ersten Männer, die ich erblicke. Feli verabschiedet sich zu den Pädiatern in die "outpatients clinic" (Polyklinik), während ich mich zu den Anästhesisten in das "operation theatre" begebe.

Eine indische Schwester drückt mir hier himmelblaue OP-Klamotten in die Hand. In der Umkleidekabine treffe ich auf einen gutmütig lächelnden Chinesen: Dr. Wong, "meinen consultant". Nach ein paar höflichen Nachfragen zu meiner Person beginnt Dr. Wong schon auf dem Weg in den OP mit dem, was er ausgezeichnet kann und liebt: das "teaching". In perfektem Englisch prasseln Begriffe auf mich herein, die ich in meinem Hirn mühevoll und Dr. Wongs Redefluss hinterherhinkend zu einem Sinnzusammenhang sortiere. Meine neugierigen Blicke fallen in einen für meine studentischen Augen sehr gut eingerichteten OP und auf eine scheinbar nicht enden wollende Flut lächelnder indischer, malaiischer und chinesischer Gesichter der mir unterwegs vorgestellten OP-Schwestern und Ärzte. Ob ich mir deren Namen wohl jemals würde merken können?

Mit der Zeit lernte ich nicht nur die Namen, ich lernte Intubieren und viele Feinheiten der Anästhesie. Ich lernte den chinesischen Akzent im Englisch lieben, der dieser Sprache etwas Weiches gibt und ich lernte andere Ärzte näher kennen, zu denen ich später problemlos wechseln konnte, um eine Woche Neurochirurgie bzw. Urologie zu machen.


Kultur und Religion prägen den KlinikalltagNach oben hoch

Das heutige Malaysia beheimatet drei verschiedene Volksstämme, die vier verschiedene Religionen ausüben. Neben den eigentlichen Malaien, die fast ausschließlich dem islamischen Glauben angehören, leben in diesem Land Chinesen und Inder, die zur britischen Kolonialzeit eingewandert und zum Großteil Buddhisten bzw. Hindus sind. Daneben gibt es einige christliche Gemeinden. Diese Vielfalt erlebt man im Krankenhaus schon bei ganz banalen Dingen. Im Krankenhausessen mischen sich malaiische, indische und chinesische Elemente. Sowohl vegetarische als auch schweinefleischfreie Kost gehört selbstverständlich zum Angebot. Neben dem Malaiisch, tamilischen Indisch und den verschiedenen chinesischen Dialekten, wird das Sprachengewirr durch das Indonesisch der Gastarbeiter komplettiert.

Während das Malaiisch der Bevölkerungsmehrheit offizielle Staatssprache ist, spricht das medizinische Personal untereinander ausschließlich Englisch. Auch Befunde und Akten werden auf Englisch geführt. In den staatlichen Krankenhäusern, welche 50% der Krankenversorgung decken, beginnt sich dies allerdings zu ändern und das Malaiisch wird forciert. Die Famulatur in einem der vielen Privatkrankenhäuser, deren technische und finanzielle Ausstattung meist auch besser ist, dürfte deshalb für ausländische Studenten vorzuziehen sein.


Hoher technischer StandardNach oben hoch

Dem Status eines jungen Industrielandes entsprechend ist der technische Standard im Gesundheitswesen in vielem dem unseren durchaus vergleichbar. Eine Kernspin-Untersuchung ist ebenso selbstverständlich wie die Laserbehandlung eines Diskusprolapses. Ich sah den internistischen consultant mit großem Vergnügen ein Echokardiographie-Gerät bedienen, auf das manche kardiologische Abteilung in Deutschland neidisch gewesen wäre.

Dennoch werden die Patienten noch weitaus kostenbewusster als bei uns behandelt. Einer Krankenversicherung gehört kaum einer der Patienten an. Da alles aus eigener Tasche bezahlt werden muss, wird das Für und Wider einer diagnostischen und therapeutischen Maßnahme gut abgewogen und unnötige Kosten möglichst vermieden. So werden z.B. die bei uns zum Einmalgebrauch bestimmten Larynx-Masken sterilisiert und wiederverwendet.


Alle Erwartungen erfülltNach oben hoch

Die medizinische Ausbildung orientiert sich eng am britischen System. Viele Ärzte absolvieren einen Teil ihrer Facharztausbildung in Großbritannien oder Australien. Für uns war dies insbesondere an der völligen Selbstverständlichkeit, mit der wir unterrichtet wurden, spürbar. Auch wenn wir nur in die Nähe eines Arztes kamen, fing dieser schon unaufgefordert zu erklären an.

Malaysia bietet die einmalige Chance, ohne größere Sprachbarriere einen hautnahen Einblick in ein Stück Südostasien zu bekommen. Die aufgeschlossene Art der Ärzte und ihre Bereitwilligkeit zu erklären macht eine Famulatur im Vergleich zu der meiner Meinung nach meist schlechten Betreuung in Deutschland wesentlich fruchtbarer. Die Arbeit im Krankenhaus bietet die Gelegenheit, über den Tellerrand des eigenen Systems hinauszuschauen und eine andere, in vielen Dingen pragmatischere Art medizinischen Handelns zu erleben und mit den Menschen auf eine viel unmittelbarere Art in Kontakt zu kommen. Sei es das Essen beim chinesischen Chefarzt oder das Wochenende in der Familie einer indischen Krankenschwester: Wir erhielten Einblicke in verschiedenste Lebensweisen, Schichten und Kulturen wie sie der Reisende so wohl nur selten bekommen dürfte.

Für mich war diese Famulatur ein Sprung in das kalte Wasser, in völliges Neuland. Sich in einem Land mit verschiedenen, in manchen Dingen so völlig anderen Lebensweisen, einem anderen Klima, einer anderen Sprache zurechtfinden zu müssen, war eine Herausforderung, an der ich gewachsen bin.


Mein Fazit: Gut für die Weiterentwicklung der englischen Sprachfertigkeit, förderlich für die medizinische Ausbildung und von unschätzbarem Wert für die eigene Persönlichkeitsbildung.


Praktische Informationen (Stand 2004):Nach oben hoch

Das Lam Wah Ee Hospital ist eines der vielen Privatkrankenhäuser in Penang, der zweitgrößten Stadt Malaysias (400 000 Einwohner).
Folgende Disziplinen sind vertreten:

  Innere Medizin (4 consultants)
  Kardiologie (1 consultant)
  Pädiatrie (2 consultants)
  Psychiatrie (1 consultant)
 Allgemeinchirurgie (3 consultants)
  Gynäkologie (3 consultants)
 Ophthalmologie (2 consultants)
  Orthopädie (2 consultants)
 HNO (1 consultant)
 Neurochirurgie (1 consultant)
  Urologie (1 consultant)
  Radiologie (3 consultants)
 Anästhesie (3 consultants)
  Pathologie (1 consultant)

Zwar ist eine Krankenschwesternschule an das Krankenhaus angeschlossen, eine Lehrberechtigung zur Ärzteausbildung besitzt es aber nicht (nur für das PJ von Bedeutung). Bewerbungen werden an den Medical Superintendent gerichtet:

    Dr. Tan Chong Siang (Anrede: Dr. Tan)
    Medical Superintendent
    Hospital Lam Wah Ee
    Jalan Tan Sri Teh Ewe Lim 141
    11600 Pulau Pinang
    Malaysia
    Tel: 0060-4-6571888
    Fax: 0060-4-6570940

Gute Erfahrung bestätigt - Nachtrag 2006Nach oben hoch

Inspieriert durch diesen Bericht bewarb ich mich ebenfalls um ein elective training und verbrachte im Januar 2006 einen fantastischen Monat am Lam Wah Ee Hospital. Ich kann Andreas Erfahrungen nur bestätigen. Das herzliche OPS-Team, das gute Teaching und die Ferienstimmung, die einen packt, sobald man aus der künstlichen Kälte des Operationssaals heraustritt, machen den Aufenthalt zu einem lohnenden Erlebnis.

Was sonst noch gut zu wissen ist:

Ich realisierte erst kurz vor der Abreise, dass ich noch keine Unterkunft organisiert hatte. Vom Krankenhaus erhielt ich die Adresse von Kheoh Hock Seng.

   E-Mail mewahcourtapartment@yahoo.com

Er vermietet ein Appartement mit drei Schlafzimmern (mit Klimaanlage), Wohnzimmer (mit Van und TV), Küche, WC und Balkon. Die Miete beträgt zwischen 35 und 45 RM pro Tag und Zimmer, bzw. etwa 8 bis 10 Euro. Ich war mit dieser Unterkunft sehr zufrieden. Das Appartement ist nur fünf Gehminuten vom Krankenhaus entfernt und ist umgeben von Essensständen, kleinen Shops und einer Bank. Das ist echt praktisch, denn das Lam Wah Ee Hospital liegt außerhalb Georgetown und Busse verkehren nur sehr unregelmäßig.

Schnappt euch eure Studienkollegen und nehmt sie mit nach Penang. Bei so vielen neuen Eindrücken wär ich oft froh gewesen, mehr Gesellschaft zu haben.

Zwischen Weihnachten und dem chinesischen Neujahr ist es um die elektiven chirurgischen Eintritte eher schlecht bestellt, da natürlich niemand Lust hat während der Familienfeierlichkeiten im Krankenhaus zu liegen. Diese Zeit ist sehr spannend um die chinesische Kultur zu erleben, doch wer im Ops viel erleben möchte, sollte sich vielleicht einen anderen Zeitpunkt suchen.


Noch ein Tipp: Passt immer auf euer Gepäck auf und denkt jeden Augenblick daran, dass es geklaut werden könnte!

Patricia Hafner

 
Land auswählen

Neue Auslandsberichte
 
Via Newsletter