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| Bewerbung |
Einen Ansprechpartner für Malta zu nennen, ist sehr schwierig, da hier ein sehr kompliziertes System herrscht, bei dem die Mitarbeiter jedes halbe Jahr umgesetzt werden. Ich hatte mich ein Jahr vorher beworben, und während diesen Jahres waren bereits drei andere Namen bei Anfragen oder Nachfragen aufgetreten. Mit meiner Bewerbung hatte ich mich direkt an das Krankenhaus gewandt. Daran angegliedert ist die Medizinische Fakultät, von der sich leider keine genaue Adresse im Internet findet.
Während meiner Bewerbung traf ich zunächst auf einen Electivekoordinator, der aber kein Angestellter des Krankenhauses war, was ich damals annahm, sondern ein Medizinstudent, der in jedem Term von der Studentenvereinigung Malta Medical Student Association (MMSA) neu gewählt wird. Das machte die Sache sehr undurchsichtig.
Wie viele ausländische Studenten, sollte ich damals sofort die Studiengebühr bezahlen, damit mir mein Platz gesichert wird. Obwohl ich wie 80 % der anderen deutschen Studenten so dumm war, im Voraus zu zahlen, bekam ich dennoch keine Zusage. Sehr viele ausländische Studenten haben so eine Menge Lehrgeld gezahlt, weil sich die MMSA über Appartementvermittlung etc. als studentische Organisation der Medical School aus Zahlungen ausländischer Studenten finanziert. Die ganze Organisation der Electives wird von den maltesischen Studenten neben ihrem Studium bewältigt. Die Studenten sind hier zwischen 17 und 21 Jahre alt, also bedeutend jünger als bei uns.
Ich war damals noch sehr blauäugig und dachte, das ein Herr Malcom West meine Bewerbung bearbeitet. Es handelte sich dabei aber nur um einen 19-jährigen Medizinstudenten, der zum Electivekoordinator gewählt worden war. Momentan hält Cynthia Zammit den Posten inne. Wenn man es trotzdem geschafft hat, das ganze Prozedere hinter sich zu bringen, trifft man vor Ort auf die sehr nette Frau Monica Sammunt. Sie hatte auch alle Bewerbungen ausländischer Medizinstudenten, trat aber nur vor Ort in Erscheinung und war für die PJ- Zeugnisse etc. zuständig. Vielleicht ist es das Beste, sich bei einer Bewerbung direkt an sie zu wenden.
Auf Malta waren viele PJ- Studenten aus Deutschland und viele hatten den "Fehler" begangen sich zuerst in der Bewerbung an die MMSA zu wenden. Um Rennereien und Kosten zu sparen, würde ich jedem raten, der sich entschlossen hat nach Malta zu gehen, vorsichtig zu sein, mit jeglichen Zahlungen im Voraus. Man braucht nur einen Teil der Rechnung, ca. 30% anzuzahlen. Den Rest bezahlt man vor Ort und zwar bei der Foundation for International Studies (FIS). Die FIS befindet sich in der St. Paul Street in Valletta im alten Universitätsgebäude. Mrs Alison Bone ist dort derzeit die Ansprechpartnerin und zuständig für die Gleichstellung ausländischer Studenten an der University of Malta, besonders aber für die Mediziner. Bei ihr bezahlt man die Studiengebühren (früher US $, jetzt vermutlich EUR). Von ihr bekommt man auch eine Identification Card für das Krankenhaus, Uni, etc.
| Die Arbeit im Krankenhaus |
Um nicht an der maltesischen "Ordnung" und dem ganzen Drumherum zu scheitern, bedarf es schon einer großen Portion Selbstbewusstsein. Was die Geräte betrifft, so sind zumindest die OP s zum Teil gar nicht so schlecht ausgestattet, aber alles andere ist doch sehr, sehr veraltet. Da in Kürze das neue Hospital eröffnet werden soll, könnte sich dies hoffentlich bald zum Positiven hin ändern. Die Ärzte sprechen zwar alle Englisch, die maltesische Sprache ist aber dennoch die beherrschende Sprache im Krankenhaus. Alles, von Anordnungen bis hin zum Entlassungsbrief ist handgeschrieben und schwer nachvollziehbar.
Die Krankenhausangestellten waren vom Prinzip her alle nett. Sicherlich hat man immer solche, aber auch weniger offene Leute, mit denen man zusammenarbeitet. Leider stellte ich aber doch fest, dass man als ausländischer Student auf Malta nicht so ernst genommen, sondern eher belächelt wird. Obwohl ein sehr durchmischtes Volk, sind sie nicht so gut auf Ausländer zu sprechen. Der Kontakt zum Patienten als PJ-ler ist sehr gering. Ich habe zwar viel gesehen, besonders auch an medizinischen Fällen in der Outpatient Clinic und im OP, dennoch konnte ich nicht so sehr davon profitieren, da mir eher Fragen gestellt wurden, als das ich welche stellen konnte.
Die in Deutschland üblichen PJ-Arbeiten wie Blutabnehmen, Verbände machen oder auch mal einen Entlassungsbrief schreiben, entfielen hier völlig. Als Elective-Student kommt man eben nur zum Studieren und Lernen kurz ins Krankenhaus. Sie wollen einen auch gar nicht den ganzen Tag dabeihaben. Ich habe auf eigenen Wunsch die Station nach 8 Wochen gewechselt . Nach dem Wechsel habe ich mit einem Consultant gearbeitet, der mich glücklicherweise kleine OPs relativ selbständig durchführen ließ und ich mir so wenigstens in praktischer Arbeit Routine aneignen konnte.
| Unterkunft |
Es ist viel preiswerter, selbst nach einer Unterkunft zu suchen, als sich auf die mediterran-südliche Mentalität der maltesischen Studenten vom MMSA einzulassen. Wir haben uns eine sehr große Ferienwohnung (über J & K Properties, für 165 MTL), für vier Personen genommen. Es gibt aber auch zahlreiche preiswertere Guesthouse und Aparthotels z.B. PEBBLES Apart Hotel), die sowohl längerfristig als auch kurzfristig je nach Jahreszeit (im Winter bedeutend preiswerter) Unterkünfte anbieten.
| PJ mit im Ausland mit eigenen Kindern |
Wir waren mit Hilfe der Deutschen Botschaft an mehrere Nursery Schools (Kindergarten) und Privatschulen geleitet worden. Wir waren auch im Universitätskindergarten, weil wir das von Kanada her so kannten, aber Achtung: in Malta beginnt die Schule mit Drei! Ja richtig gelesen, meine Kinder wurden nicht mit 4 und 6 Jahren für den Uni-Kindergarten akzeptiert, weil sie mit Abstand zu alt dafür waren. Die staatlichen Schulen unterrichten Maltesisch, also auch nichts für unsere Kinder. Dann gibt es noch eine Reihe kirchlicher Schulen, die zwar Englisch unterrichten sollen, diese Annahme ist aber veraltet, denn seit einigen Jahren unterrichten auch diese fast ausschließlich in Malti.
Privatschulen
Es gibt auf der Insel zwei sehr gute Privatschulen, die VERDALA-International School in Pembroke ( fanden wir zu teuer mit ca. 500 Euro pro Monat) und die CHISWICK HOUSE SCOOL in Kappara ( Stadtteil von San Gwann). Unsere Kinder gingen auf die Chiswick House School (Ein Schoolterm ist drei Monate und kostet ca. 200-250 MTL, also ca. 500 Euro), die nur Englisch unterrichtet und für die maltesischen Kinder etwa eine Stunde pro Tag Maltesisch. Diese Stunde durften unsere Kinder spielen. Wir waren von der Schule total begeistert und haben es durch viel Organisationstalent geschafft, dass unsere Kinder vom 1.Dezember bis zum Schuljahresende am 28.6. hier in Malta zur Schule gingen und sogar Abschlusszeugnisse erhielten.
Unterrichtszeiten
Die drei und vier Jahre alten Kinder gehen in die Schule, auch wenn sich ihr Level Kindergarten One und Kindergarten Two nennt, denn sie lernen das ABC lesen und schreiben, sie haben Mathematik und Geometrie. Unsere 6 jährige Tochter ging in Junior Two und hatte am Anfang mächtig zu kämpfen, denn in diesem Alter können hier alle schon fließend lesen und schreiben und haben in Mathematik alle vier Rechenarten. Beide Kinder hatten aber ausgesprochen tolle Lehrer, und haben es glanzvoll geschafft. Die Schule geht auch nicht so lange, vom 1.10. bis 31.5. von 8.30 bis 14.30 Uhr und im Juni von 8.15 bis 12.15 Uhr für die Grossen. Die Kleinen haben nur von 9.30 Uhr bis 12.30 bzw. 9.30 bis 12.15 Uhr im Juni. Vom 1.7. bis 30. 9. sind hier definitiv Ferien, es gibt aber Summer Schools, die auch in den Schulen angeboten werden, aber wo es wie eine Art Ferienspiele abläuft. Also sehr gut organisiert, denn auch wenn bei diesen Schulzeiten nicht vermutet, gehen fast alle Malteserinnen arbeiten, aber eben nur halbtags. Die Schulen habe beide Internet Homepages, die Universität auch.
| Fazit |
Auch wenn man sich ein PJ-Tertial in Malta vom medizinischen Aspekt her genau überlegen sollte, möchte ich es keinem ausreden. Es ist eben einfach eine ganz andere Erfahrung. Obwohl ich dachte, dass Malta nicht nur geografisch, sondern auch vom medizinische Standard zu Europa gehört, musste ich feststellen, dass dies eben leider nicht der Fall ist. Es war ein Erlebnis und hat mir sicherlich viel Lebenserfahrung eingebracht. Meine reichliche Freizeit, durch die doch sehr familienfreundlichen Arbeitszeiten von täglich ca. 4 bis 6 Stunden konnte ich dann glücklicherweise mit meinen Kindern verbringen, die das vorm AiP sicher noch einmal genossen haben. Ich möchte jeden aufmuntern ins Ausland zu gehen und hätte ich noch einmal die Chance mein PJ zu planen, dann würde ich alle drei Tertiale gerne im Ausland absolvieren, um einfach andere Arbeitsweisen und Gesundheitssysteme kennenzulernen und sich dann ein Stück weit auch auf Deutschland zu freuen und nicht wie viele, über das eigene System nur zu schimpfen.
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