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Artikel vom 23. 01. 2008

Anthroposophische Medizin in der Lukasklinik in Arlesheim

Eine Erfahrung, die man nicht vergisst (Januar 2008)

Saskia Fischer

Ich spürte mein Herz bis zum Hals klopfen und je näher die Straßenbahn dem kleinen Örtchen Arlesheim kam, desto schlimmer wurde es. Denn meine erste Famulatur stand mir bevor. Ausgerechnet in einer "Krebsklinik". Tausend Fragen gingen mir durch den Kopf: Wie würden die Patienten sein? Ängstlich, wütend, hoffnungslos? Wie würde ich mit der Belastung umgehen können? Was werden meinen Aufgaben sein?

Übersicht


Hohe ErwartungenNach oben hoch

Ich hatte mich über das Internet für einen Famulaturplatz in der Lukasklinik beworben, weil ich gerne in der Schweiz famulieren und die anthroposophische Medizin kennenlernen wollte. Außerdem erhoffte ich mir eine bessere Betreuung durch die Ärzte als in "normalen" Kliniken.


Erster Eindruck: Hell und freundlichNach oben hoch

Die Lukasklinik besteht seit 1963 und ist eine Spezialklinik mit 46 Betten zur Behandlung von Tumorerkrankungen. Dabei steht die anthroposophische Behandlung im Vordergrund, die aber als Erweiterung und Ergänzung der Schulmedizin gesehen wird. So werden beispielsweise auch Chemotherapien in der Klinik durchgeführt. Die Klinik liegt im idyllischen Arlesheim, einer Gemeinde südlich von Basel.

Bereits beim Betreten der Klinik bemerkt man, dass man eine besondere Welt betritt. Ein glitzerndes Mosaik direkt im Eingangsbereich lenkt die Blicke auf sich und die Gänge sind sonnig gelb gestrichen. Es riecht nach Duftölen anstatt nach Krankenhaus. Der Patient soll vergessen, dass er sich in einer Klinik befindet und sich einfach nur wohlfühlen. Auch meine Angst war schnell verflogen.


Der Stationsalltag: Ein langer Arbeitstag, aber wenig StressNach oben hoch

An meinem ersten Arbeitstag wurde mir ein Arzt zugeteilt, der über meine gesamte Famulaturzeit für mich zuständig war. Viele neue Erfahrungen warteten auf mich.

Der Morgen begann mit einer halbstündigen Lesung mit Texten von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, die von den Ärzten vorgetragen und diskutiert wurden.

Anschließend gab es eine kurze Morgenbesprechung. Um 8.00 Uhr begann die Stationsarbeit. Ich begleitete meinen Arzt auf die Station und war sehr überrascht, dass er nur etwa sieben Patienten zu betreuen hat. Denn jeder Arzt hat "seine eigenen Patienten", damit die Patienten eine auf sie persönlich abgestimmte Behandlung erhalten und Vertrauen zum Arzt gewinnen. Für die Morgenvisite waren zwei Stunden eingeplant, sodass wir genug Zeit hatten, mit den Patienten ausführliche Gespräche zu führen.

Anschließend folgte die Besprechung mit dem Pflegepersonal. Diese haben alle eine anthroposophische Ausbildung und waren auch sehr bemüht, mir alle Fragen zu beantworten.

Wenn ein neuer Patient angekommen war, war nach der Besprechung Zeit für die Aufnahme. Diese wurde gleich meine Aufgabe und dauerte oft zwei Stunden, da ein ausführlicher Anamnesebogen ausgefüllt werden musste.

Natürlich gab es auch einmal pro Woche eine Chefarztvisite.

Nach einer langen Mittagspause folgten am Nachmittag Sprechstunden für ambulante Patienten. Die Patienten nahmen teilweise sehr weite Wege in Kauf - sie kamen aus Deutschland, Frankreich, Italien oder Spanien - um von Ärzten der Lukasklinik behandelt zu werden.

Insgesamt war es also ein langer Arbeitstag, aber es gab viele Pausen und nur wenig Stress.


Die Behandlung in der LukasklinikNach oben hoch

Die Behandlung der Patienten erfolgt auf den Grundlagen der Schulmedizin, wird aber um anthroposophische Heilmethoden ergänzt. In der Lukasklinik liegt der Schwerpunkt auf der Misteltherapie, welche optimal auf den Patient abgestimmt wird. Diese soll die eigenen Abwehrkräfte des Körpers gegen die Krebszellen stärken. Dabei wird je nach Tumorart ein anderes Präparat verabreicht.

Zusätzlich werden, neben typischen schulmedizinischen Medikamenten, weitere anthroposophische Präparate verabreicht.

Da die Behandlung nach einer ganzheitlichen Betrachtung erfolgt, erfolgen zusätzlich Therapien, die den Patienten helfen sollen, sich mit seiner Krankheit auseinanderzusetzen. Hierzu zählt beispielsweise die Biographiearbeit. Aber auch die Körperwahrnehmung wird gestärkt, z.B. durch die Heileurythmie. Hierbei werden fließende Bewegungen durchgeführt, die ausgleichend wirken sollen.

Weitere Therapien sind die Mal-, Musik- und Sprachtherapie. Wenn die Patienten einverstanden waren, durfte ich sie zu den Therapien begleiten.

Aber auch die gesunde Lebensweise war ein Thema in der Lukasklinik. Es gab eine ausschließlich vegetarische Ernährung mit ökologischen Produkten. Die Mahlzeiten nahm ich zusammen mit den Patienten im Speisesaal ein. Anfangs war dies ein gewöhnungsbedürftiges Gefühl für mich, denn ich wusste nicht, worüber ich mit den Patienten reden sollte und hatte Angst, etwas Falsches zu sagen. Aber glücklicherweise war die Stimmung fast immer fröhlich. Es war für mich eine gute Erfahrung, die Patienten näher kennenzulernen.


Fazit: Ich habe viel gelerntNach oben hoch

Die Ärzte waren sehr nett zu mir und haben sich Zeit genommen, all meine Fragen zu beantworten. Ich habe viel über Anamnese und die körperliche Untersuchung gelernt. Natürlich konnte ich vor allem auf dem Gebiet der anthroposophischen Medizin viele Erfahrungen sammeln. Insbesondere aber habe ich gelernt, wie man respektvoll mit kranken Menschen umgeht.

Es gab schöne und traurige Erlebnisse. Eine Patientin, bei der vor 20 Jahren ein ulzerierendes Mamma-Ca diagnstiziert wurde und der niemand mehr als ein paar Monate zu leben gaben, war in der Sprechstunde - und ihr ging es gut. Andererseits erlebte ich aber auch den Tod einer jungen Patientin mit, mit der ich oft lange Gespräche geführt hatte. Eine Erfahrung, die ich mein ganzes Leben nicht vergessen werde.

 
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