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| Wann bewerben? |
Die Bewerbung erfolgte, wie sich in Studentenkreisen vermutlich schon herumgesprochen hat, unheimlich früh, genauer gesagt 2 Jahre im Voraus. Und selbst da haben wir von einigen Krankenhäusern bereits Absagen erhalten.
| Warum gerade Basel? |
Ein Freund und ich planten, nach unserem Studium, zumindest ein Tertial in der Schweiz - noch einmal zusammen Klinikluft schnuppern - und fanden uns bald auf dem Online-Klinikverzeichnis www.doktor.ch wieder. Hier bietet sich die Möglichkeit, nach Kanton und Fachrichtung zu suchen und sich die entsprechenden Kliniken anzeigen zu lassen. Voraussetzung für uns war ein Klinikum mit ausreichender Größe, wir wählten damals aus dem Gefühl heraus Krankenhäuser mit einer Bettenanzahl von mindestens 300 - 400. Ein vorgefertigtes Schreiben war in die Windows-Zwischenablage kopiert und wartete darauf, jeweils leicht modifiziert im Emailfenster an die entsprechenden Krankenhäuser geschickt zu werden. Und so begann unser Bewerbungsmarathon.
Bereits auf anderen Internetseiten war das Unispital Basel von PJlern lobend erwähnt worden, so dass wir uns über eine Emailzusage vom Kantonsspital Basel sehr freuten. Natürlich war nun noch das Nachsenden der schriftlichen Bewerbungsmappe per Post gefragt, aber einen Platz hatten wir - und glücklicherweise auch gleich einen im Wohnheim, das direkt neben dem Klinikum gelegen war.
| Organisation |
Der bürokratische Aufwand hielt sich glücklicherweise in Grenzen - nur ein paar Impfbestätigungen, ein Röntgenbild und ein Versicherungsnachweis waren notwendig. Und so begann unser Tertial Anfang Juni 2006 im Kantonsspital Basel.
Nach einer kurzen Einführung in die Klinik wurden wir mit Weißzeug und einem Spind ausgestattet, wobei man bei der Wäscheausgabe unbegrenzt Weißzeug nachfordern und somit jeden Tag neue Wäsche anziehen konnte. Abgerundet wurde das Bild des "Fast-Arzt-Seins" von einer elektronischen ID-Card, die samt Foto ("Bitte in de Gamera uffluege!") für das Bezahlen des nicht gerade günstigen Essens zuständig war.
Wir kamen auf Station und wurden als Unterassistent jeweils einem Assistenzarzt zugeteilt - und hier war gleich die erste angenehme Überraschung: für Blutabnahmen waren wir nicht zuständig, denn dieses wurde alles vom Pflegepersonal übernommen.
| Arbeit auf Station |
Leider kenne ich den Alltag eines PJ auf einer Inneren Station in Deutschland nicht, aber sehr viel anders kann er eigentlich nicht aussehen. UA's rotieren im 4-Wochen-Rhythmus über 6 Stationen, deren Schwerpunkte neben Kurzzeitklinik und Notaufnahme die Bereiche Kardiologie, Pulmonologie, Gastroenterologie und Onkologie abdecken. Die Krankheitsfälle sind hierbei jedoch nicht komplett getrennt, so dass beispielsweise auf der Kardio auch Lungenpatienten lagen. Die Aufgaben für uns waren auf den jeweiligen Stationen ähnlich, nur die Patientenschwerpunkte variierten.
Wir UA's waren für die Aufnahmen zuständig, die wir dann mehr oder weniger selbständig dem Oberarzt vorstellen konnten. Auch arterielle Blutgasanalysen waren unser Aufgabenbereich, der zumindest einiges Geschick gefördert hat und den Tag - der von 8 bis 18 Uhr ging - verkürzen konnte. Zwar habe ich bei einer Knochenmarkspunktion assistieren und auch einmal selbst stechen dürfen, aber das ist sicherlich auch in Deutschland vom Stationsarzt abhängig. Interventionelle Prozeduren konnten wir auf Station leider gar nicht sehen oder gar an ihnen teilnehmen, hierfür wurden die Patienten auf die jeweilige Fachabteilung transferiert. Routinemäßig sollen die Unterassistenten auch 4 Wochen auf die Kurzzeitklinik und auf die Notaufnahme - was ich aus organisatorischen Gründen jedoch nicht gemacht habe.
Sehr zu betonen sind die Unmengen an Fortbildungsveranstaltungen, die während der Woche auf einen einprasseln und zumindest den Assistenten zeitweise ein kontinuierliches Arbeiten erschweren. Neben zahlreichen Schwerpunktvisiten - in denen Spezialisten anderer Fachbereiche zu Besuch kommen und über von den Ärzten vorgestellte Fälle sprechen - gibt es eine wöchentliche Donnerstagskonferenz der gesamten Inneren Medizin. In dieser halten internationale Forscher Vorträge. Für uns Studis gab es zweimal pro Woche Fortbildungen bei Oberärzten (die noch etwas verbesserungswürdig sind) und außerdem Fallbesprechungen bei Prof. Schifferli (sehr zu empfehlen), die in lockerer Atmosphäre abgehalten wurden und einigen Stoff für das private PJ-Notizbuch bereitstellten.
| Bezahlung und Ferien |
Pro Monat musste jeder UA einen Wochenenddienst ableisten, die meist nur von 10 - 16 Uhr gingen und damit den Assistenten nur in der Stoßzeit die Arbeit abnahmen. Hierfür bekam man dann einen Tag frei - möglichst in der folgenden Woche. Auch 1,5 Ferientage pro Monat waren drin. Diese konnte man beliebig mit Kompensationstagen kombinieren. Die Bezahlung fiel mit 850,- SFr "normal" aus, wobei dieses Gehalt gerade einmal das sehr teure Wohnheim (monatlich 550,- SFr, mit Dusche und WC), die horrenden Internetkosten per Modem (ich habe von Studis mit 300,- SFr Telefonrechnung gehört) und anteilig die sehr teure (und sehr gute) Verpflegung im Spital deckten. Draufgezahlt hat vermutlich jedoch jeder, denn selbst ein einfaches Dönermenü mit Mini-Cola und Mini-Fritten kostet in Basel schlappe 13,50 SFr. Schlau ist, wer hier Fahrgemeinschaften bildet und zum Aldi nach Weil am Rhein oder rheinaufwärts in so ein anderes Grenzörtchen fährt, dessen Namen mir gerad partout nicht einfallen will. Eigentlich ist jedoch jeder deutsche Supermarkt günstiger als Einkaufsmöglichkeiten in der Schweiz. Und keine Angst: in die Sprache kommt man hinein, das geht ganz von selbst.
| Basel und Umgebung |
Basel an sich ist ein sehr niedlicher Ort, obwohl mir diese unbedachte Äußerung vernichtende Blicke eines Schweizer Kollegen gebracht hat: Basel gehört mit zu den größten Städten der Schweiz. Direkt am Rhein gelegen, laden warme Sommertage (und diese können wirklich warm werden) zum "Sichtreibenlassen" im Rhein ein. Hierfür werden direkt am Ufer, wo auch eine sehr hübsche Promenade zu finden ist, kleine wasserdichte Plastiksäcke verkauft. Mit denen läuft man hoch bis zum Staudamm, um dort die Sachen im Sack zu verstauen, sich diesen um den Körper zu binden und dann innerhalb von knapp 30 Minuten den Rhein wieder hinabzutreiben. Gewarnt sei der geneigte Leser an dieser Stelle vor dem testosteronmotivierten Überqueren des Rheines, dessen Breite sich meist erst in der Mitte offenbart und dann, womöglich gar in Kombination mit dem rheinischen Schiffsverkehr, zu unangenehmen Situationen führen kann.
Die Umgebung von Basel ist sehr hübsch Mit dem Zug ist man in kurzer Zeit direkt in den Bergen und kann dort Wanderungen unternehmen. Sehr zu empfehlen ist die Tour bei Interlaken von der Schynigen Platte über die Männdlenen-Hütte und das Fauhorn, wobei eine Übernachtung in der Hütte eine unheimlich schöne Erfahrung darstellt.
| Fazit |
Die Arbeit im Spital war so, wie ich sie mir auch in Deutschland vorgestellt habe - ein wenig mehr Interventionen und praktische Tätigkeiten hätte ich mir allerdings gewünscht. Die Erfahrungen einiger Kommilitonen, als Unterassistent bereits wie ein kleiner Professor herumzulaufen und selbständig Medikamente in der Gegend zu verteilen, habe ich (glücklicherweise) nicht gemacht: die Position als Student ist klar definiert und wird von allen so eingeschätzt - daran ändert auch kein schmucker Unterassistententitel und kein Gehaltsscheck etwas. Ich habe mich im Spital zu jeder Zeit sicher und beaufsichtigt gefühlt und konnte mir in diesem Rahmen sehr klar meiner Grenzen bewusst werden, wobei die Assistenz-, Ober- und Chefärzte jederzeit ein offenes Ohr für Fragen und Diskussionen hatten. Besonders Prof. Schifferli sei hier zu erwähnen, der sich sehr für die Belange von uns Studenten eingesetzt hat und über die Enttäuschung hinwegtröstet, dass ein Professor einer anderen Abteilung auf Nachfrage von unserer Seite nur gegen Extrabezahlung einen Studentenkurs abgehalten hätte.
Abschliessend lässt sich sagen, dass die Zeit im Kantonsspital sehr lehrreich gewesen ist und uns Studenten eine breite Basis medizinischen Wissens gegeben hat - angefangen bei Stationsmanagement bis hin zu Untersuchungsabläufen und Diagnosealgorithmen. Unsere Unterassistentenarbeit wird gebraucht und man fühlt sich nie fehl am Platze, man ist im Gegenteil integraler Bestandteil der Station, mit dem gerechnet wird. Allerdings sollte man sich immer wieder bewusst sein, dass man Student ist und dementsprechende Grenzen hat - dieses schlägt sich vor allem auch darin nieder, dass man in der Zeit als Unterassistent wenig invasive Prozeduren lernt oder an ihnen teilhaben kann. Wenn man keine Wunder, sondern eine solide und fundierte Basisausbildung erwartet, ist ein Tertial Innere am Kantonsspital Basel absolut empfehlenswert.
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